Das Kraut für Bärenkräfte
04.04.2004 (24.03.2007)
Pro:
lecker und gesund
Kontra:
die Verwechselungsgefahr mit giftigen Pflanzen
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Pflegeaufwand:
Schnellwüchsigkeit:
mehr
 melody
Über sich:
Mitglied seit:17.01.2000
Erfahrungsberichte:104
Vertrauende:58
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 240 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Mal müssen die Röcke kurz und die Hosenbeine eng sein. Dann werden die Röcke wieder länger, die Hosenbeine vielleicht wieder weiter. Die Mode ist einem ständigen Wechsel unterworfen, und wer "in" sein will, muss sich immer neu informieren. Diese Entwicklung macht nicht mal bei den Kräutern halt. Bärlauch ist zur Zeit das angesagte Modekraut! Die Menschen pflücken es sogar bei ihren Waldspaziergängen. Leider verwechseln sie es oft mit wilden Maiglöckchen oder Herbstzeitlosen und würzen ihre Speisen damit. Allerdings nur einmal, nach dem Genuss sind sie nämlich tot!
Vor einigen Jahren dachten die meisten meiner Bekannten noch, die Kräuterhexe melody würde ihnen einen Bären aufbinden, wenn sie von Bärlauch sprach. Dabei wurde dieses Kraut schon in der Antike benutzt, um Liebestränke damit zu brauen. Es ist ein Energiespender und die alten Germanen glaubten sogar, dass es Bärenkräfte verleiht. Mode hin oder her, Kraft ist immer nützlich, deshalb gehört Bärlauch schon seit Jahren zu meinem Kräutersortiment im Garten. Wenn die Bären im Frühjahr nach ihrem Winterschlaf erwachen, gönnen sie sich zuerst eine Portion Allium ursinum, um ihre Kraft und wilde Energie zu aktivieren. So kam die Pflanze zu ihrem Namen. Ob das stimmt, weiß ich nicht, denn ich habe leider noch nie einen Bären getroffen, der mir diesen alten Volksglauben bestätigen konnte.
Die Pflanze heißt offiziell "Allium ursinum" und gehört zur Familie der Lauchgewächse. Das Kraut wird auch Waldknoblauch genannt, man findet es in den Wäldern Europas und Nordasiens. Die Pflanze bekommt 10 bis 50 cm hohe Stängel, auf denen sich sternförmige, weiße Blüten entwickeln. Ich sammle Bärlauch nicht in der freien Natur, sondern habe ein schattiges Plätzchen im Garten gefunden. In dem Beet an der Garagenwand gedeiht fast nichts, weil die Sonnenstrahlen Probleme haben, bis hierhin durchzudringen. Dazu ein leicht kalkhaltiger Lehmboden, das sind die idealen Bedingung für den Anbau der Hexenzwiebel. So wird Bärlauch auch genannt, und diese Bezeichnung gefällt mir sehr! Im Frühjahr achte ich darauf, dass das Beet schön feucht ist. Mehr Aufwand ist nicht nötig.
Der Handel bietet Bärlauchzwiebeln an, die man ein bis zwei cm tief in den frostfreien Boden pflanzt. Wenn die im Frühjahr gekauften Zwiebeln schon Blätter haben, die dann nach dem Einpflanzen traurig herunterhängen, muss kräftig gegossen werden. Sie erholen sich zügig und lassen sich schon nach circa einer Woche ernten. Sollten im folgenden Jahr keine Zwiebeln mehr vorhanden sein, waren die Wühlmäuse hungrig. In meinem Garten haben sie sich gerade an den Tulpenzwiebeln satt gegessen, aber Bärlauch finden sie auch sehr lecker. Natürlich kann man Bärlauch auch säen. Der Samen braucht allerdings winterlichen Frost zum Keimen, er gehört zu den Frostkeimern. Ich bevorzuge die Pflanzmethode und kennzeichne den Bereich mit kleinen Hinweisschildern, denn mein Mann rupft alle Keimlinge, die sich gerade durch den Boden kämpfen, gerne wieder aus. Für ihn ist alles Unkraut...... .Bärlauchpflanzen vermehren sich von alleine. Aus den Blüten, die sich nach der Ernte entwickeln, bildet sich Samen, der sich selbst aussät. Außerdem hat die Pflanze einen Vertrag mit den Ameisen, die tragen die Samenkörner fleißig durch die Gegend. Wenn man keinen rupfenden Mann hat, muss man nach einiger Zeit die Ausbreitung sogar stoppen, indem man die Blütenbälle entfernt, bevor die Samen reif werden.
Bärlauch hat einen aromatischen, knoblauchartigen Geschmack und eignet sich zum Würzen von Suppen und Soßen, für Mayonnaisen und Salate. Das Kraut schmeckt köstlich im Quark oder in einer Käsecreme. Wer Bärlauch mitkocht, wird das würzige Aroma allerdings nur in der Küche oder sogar in der ganzen Wohnung riechen, aber leider nicht schmecken. Es muss roh unter die heißen Speisen gemischt werden, dann hat auch der Gaumen Freude! Es fördert nicht die Einsamkeit, denn anschließend kann man sich völlig unbefangen mit allen Mitmenschen unterhalten. Im Gegensatz zum Knoblauch entsteht nach dem Genuss kein Mund- oder Körpergeruch. Ab Ende März bis in den Juni ernte ich die zarten jungen Blätter. Danach ist die Vegetationsperiode schon vorbei. Bärlauch muss frisch sein, so würzt es nicht nur die Speisen besonders gut, sondern entfaltet auch Heilkräfte, sagen Experten. Für den Rest des Jahres bieten Apotheken Bärlauch-Frischblatt-Granulate oder Kapseln an. Ich versuche trotzdem, mir einen kleinen Vorrat aus meinem eigenen Anbau für die schlechten Zeiten anzulegen.
Tiefgefrorene ganze Blätter werden ziemlich labberig, aber man kann damit hervorragend kleine Fleisch- oder Fischstücke umwickeln und dadurch einen sehr pikanten Geschmack erzielen. Einige Blätter schneide ich ganz klein, presse sie fest in ein geeignetes Gefäß und friere sie ein. Zum Würzen schabe ich einfach die benötigte Menge heraus. Kleingehackter Bärlauch kann auch mit Butter vermischt als Würfel portioniert eingefroren werden. Mein Favorit ist eine Paste, die aus geschnittenen Bärlauchblättern, Salz und Olivenöl besteht. Wichtig ist, dass die Masse immer mit dem Olivenöl bedeckt sein muss. Diese Würze ist im Kühlschrank circa acht Monate haltbar. Die weißen Flocken, die sich bilden können, sind nicht ekelig und nicht gefährlich. Bei Zimmertemperatur lösen sie sich wieder auf. Für einen Tee sind auch getrocknete Blätter geeignet. Das Kraut wird sehr früh im Jahr geerntet, darum eignet es sich gut für einen Frühjahrsputz des Körpers. Es wirkt verdauungsfördernd, entgiftet und desinfiziert den Darm. Das kann ja nach den "Sünden", die wir im Winters vielleicht begangen haben, nicht verkehrt sein. Die Schwefelverbindungen des Krautes werden sogar in Kliniken, die Entgiftungskuren bei Schäden durch Umweltgifte, wie z.B. Holzschutzmittel, Kleber oder andere Pestizide, durchführen, eingesetzt.
Hautausschläge und Pickel können durch Bärlauch verschwinden, und das Wachstum von Haaren und Nägeln wird gefördert. Ich habe sogar mal irgendwann irgendwo gelesen, dass durch das Kraut bei hormonell bedingtem Haarausfall die für immer verloren geglaubten Haare wieder sprießen. Ob die Wirkung wirklich so weit reicht, weiß ich nicht. Damit habe ich keine eigenen Erfahrungen. Studien haben bewiesen, dass Bärlauch die Blutzirkulation steigert und die Fließeigenschaften des Blutes verbessert. Das reduziert Schwindelanfälle und die furchtbaren Ohrgeräuschen, die Tinnitus genannt werden. Es sind auch vorbeugende, sowie therapeutische Bedeutungen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachgewiesen worden.
Nun mag man ja nicht jeden Tag das Essen mit Bärlauch würzen. Aber wenn es doch so gesund ist? Mir sind zwei Möglichkeiten bekannt, die Wirkung des Krautes trotzdem auszunutzen.. Man kann gewaschene Bärlauchblätter in warme Milch einlegen. Der nach drei Stunden durch ein Sieb gefilterte Drink ist sehr magenverträglich - und ich finde ihn bähhhh (ist aber Geschmacksache...) Die zerkleinerten Blätter in Alkohol einlegen und 14 Tage warm und sonnig stellen.... ja, das gefällt mir schon besser! Nach dieser Zeit filtere ich die Blätter heraus und schütte die Suppe in eine dunkle Flasche, die ich luftdicht verschlossen aufbewahre. Von dieser Tinktur kann man sich unbedenklich täglich circa 10 Tropfen (mit Wasser verdünnt) gönnen.
Leider eignet sich Bärlauch nicht als Kübelbepflanzung auf dem Balkon. Darum bitte ich alle Menschen, die keinen Garten besitzen und Bärlauch im Wald suchen, sehr vorsichtig zu sein. Die Blätter müssen nach Knoblauch riechen, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt, nur dann ist es wirklich Bärlauch!!!!! Mich persönlich hat besonders der positive Einfluss auf die Hirnleistung beeindruckt. Der kann ja nie schaden, schon gar nicht, wenn man gerade einen Bericht für Ciao schreiben möchte.
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14.05.2007 21:57
Wow ein wirklich guter Bericht. Macht Spaß sowas zu lesen. LG Cookie
27.04.2007 02:08
Nun muss ich doch mal meinen Bruder fragen, der Apotheker ist, ob Dein Bericht wirklich so besonders hilfreich ist :-)
21.04.2007 19:17
Ich habe mal Bärelauchpesto geschenkt bekommen, daß hat ganz fürchterlich gestunken. Aber ich hole mir häufig so einen fertigen Bärlauchdip, aber könnte man z.Z. auch selbst machen. L.G. Angelika