Barmer Ersatzkasse

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... Sparsam wie ich bin, gehe ich vorher zu meiner Krankenkasse, der Barmer Ersatzkasse - in der bin ich übrigens seit 1976 und bis jetzt ohne jede Reklamation - und frage nach einer möglichen Übernahme der Fahrtkosten. Das Büro - ich vermeide den Ausdruck ,service- oder information-center' ganz ... Bericht lesen





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1-6 von 95 Erfahrungsberichten    
> Alle 95 Barmer Ersatzkasse Erfahrungsberichte anzeigen
Über die Willkür der Pseudo-Ämter
Erfahrungsbericht von cunda über Barmer Ersatzkasse
25.12.2006


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Eigentlich eine recht kulante Kasse
Kontra: Uneigentlich wissen die nicht, wo sie wieviel Geld ausgeben

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Kann ich mich furchtbar drüber aufregen!!
Wenn Mitarbeiter irgendwelcher halb-offiziöser Stellen ihre Arbeit nicht tun und mir unklare Auskünfte geben, die mich und andere Geld kosten.
Und dann auch noch die Frechheit besitzen, sich auf Vorschriften zu berufen.
Um es klar und deutlich zu sagen:
Es geht nicht um 45,20 Euro, mit denen ich in Vorlage gegangen bin.
Es geht vielmehr um diese Unverschämtheiten, die sich Mitarbeiter leisten und Hinweise wider besseres Wissen verschweigen.
Es geht um diese ungeheure Geldverschwendung, die unter dem Deckmäntelchen ,Am Sparen muss sich jeder beteiligen' läuft.

Aber der Reihe nach.
Wie einige schon wissen, wurde ich vom angestammten Kardiologen in das Herzzentrum nach Bad Oeynhausen überwiesen.
Sparsam wie ich bin, gehe ich vorher zu meiner Krankenkasse, der Barmer Ersatzkasse - in der bin ich übrigens seit 1976 und bis jetzt ohne jede Reklamation - und frage nach einer möglichen Übernahme der Fahrtkosten. Das Büro - ich vermeide den Ausdruck ,service- oder information-center' ganz bewusst - ist ein Großraumbüro mit 7 Schreibtischen, in dem jeder für jeden zuständig ist. Also kein persönlicher Ansprechpartner mehr.

Ein junger Mann erklärt mir "Ja, das ist unter bestimmten Voraussetzungen möglich!" Meine Frage "Wie sind diese Voraussetzungen?" wird mit dem Hinweis auf ein bestimmtes Antragsformular beantwortet.
Meine Bitte, mir ein solches Formular auszuhändigen, wird mit "Der zuständige Arzt in Bad Oeynhausen hat so was!" beschieden. Also auf ins Zentrum.
So weit alles schön und gut. Auf meine Bitte hin händigt mir der zuständige Arzt sogar einen vorgedruckten Zettel aus, den er ausfüllt mit dem wann, warum, wer und wieso überhaupt. Allerdings erwähnt er, dass noch eine andere Untersuchung stattzufinden hat, die in der nächsten Woche durchgeführt wird.
Zwei Tage später bin ich in der Gegend des BEK-Büros und gerate an eine andere Mitarbeiterin, die hellauf lacht als sie den Zettel sieht.
"Also so nicht!! Da brauchen Sie schon einen unserer Vordrucke! Und woher wissen Sie überhaupt, dass Fahrtkosten unter bestimmten Umständen erstattet werden können?"
Hier also schon eine andere Lesart.
Beim ersten Mitarbeiter heißt es "Ja, das ist möglich.", nun heißt es ,kann'.
Meine Aussagen "Irgendwann in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts habe ich lesen gelernt!" und "Das hat mir ihr Kollege erzählt." wird im einem todbringenden Blick in Richtung Kollege quittiert und mir die Auskunft gegeben:
"Da muss ich meinen Vorgesetzten fragen."
Mit den Worten "Ihr Vorgesetzter ist Herr M. am Neumarkt? Wenn Sie schon alleine nicht entscheiden können, mir einen Vordruck auszuhändigen, frag ich den doch direkt! Was soll ich mit Hänschen reden, wenn Hans entscheidet?" verlasse ich die Stätte und begebe mich zum Neumarkt.
Herr M., der ein Schachpartner des Gatterichs ist, empfängt mich schon grinsend an der Tür. "Du bist angekündigt worden. Was kann ich tun?" Ohne weiteres Hin oder Her bekomme ich den ach so wertvollen Vordruck.

Der Arzt in Bad Oeynhausen füllt den Vordruck brav aus und jetzt ist mein sportlicher Ehrgeiz geweckt.
Am nächsten Morgen stehe ich im Großraumbüro, gerate an die dritte Mitarbeiterin, gebe stolz den ausgefüllten Vordruck und die Fahrscheine ab und ernte ein müdes Lächeln:"Da brauchen Sie noch eine Bescheinigung des behandelnden Arztes, dass diese Untersuchung nötig war und nicht hier in der Stadt durchgeführt werden konnte."

Zur Erinnerung: Bis jetzt sind an dem Vorgang auf Seiten der BEK 4 (vier) Mitarbeiter beteiligt.
Ich halte es für völlig legitim, wenn die BEK das Geld verteidigt; das mache ich auch, allerdings mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass ich mein Geld verteidige.

Mein Hinweis "Der Kardiologe hat doch nach Bad Oeynhausen überwiesen. Der wird doch wissen, warum da und nicht wo anders." wird gekontert mit der klassischen deutschen Bemerkung: "Das ist nun mal so!"
Jetzt kommt ein Lebensprinzip des Zausels zum Tragen: ,Alles, was von der sogenannten Obrigkeit kommt, wird erst mal und grundsätzlich angezweifelt.'
Die Dame gibt mir einen weiteren Vordruck, der Arzt praktiziert um die Ecke und in 20 Minuten bin ich mit dem ausgefüllten Schrieb zurück.
Der Arzt ist die Nummer fünf der Beteiligten, mich zähle ich nicht.
Aus Schaden klug geworden, lasse ich mich nicht auf den vierten Mitarbeiter im Großraumbüro - ich bin sicher, der hätte noch einen Schrieb verlangt - ein, sondern beharre auf meiner letzten ,Auskunftgeberin', die mir eröffnet, dass sie gnädigerweise die - wie sie es formuliert - Anträge entgegennimmt und als letzte Hürde "Das muss natürlich alles noch von einem Gutachter des medizinischen Dienstes der Krankenkassen überprüft und genehmigt werden" aufbaut.
Den gebrechlichen Älteren unter uns sind diese Menschen als ,Vertrauensärzte' bekannt. Das sind die Ärzte, denen die Kassen vertrauen und die nicht fähig waren, eine eigene Praxis aufzubauen, also im eigentlich im freien Berufsleben gescheitert sind.

Noch mal zur Erinnerung: Der zu erstattende Betrag ist 45,20 Euro und bis jetzt sind auf Seiten der BEK damit 5 (fünf) hochwertige Spezialisten beschäftigt.

Nach zwei Wochen keinerlei Reaktion der BEK.
Ich marschiere wieder hin. Gemeinerweise warte ich auch noch bis die Mitarbeiterin Nummer 3 frei ist.
"Ja, die Kollegin - das ist die Nummer 6 - in der Hauptstelle hat die Sache ganz oben in ihrem Fach liegen, hätte Ihnen heute geschrieben, dass der Gutachter die Kostenübernahme der Fahrscheine abgelehnt hat."
"Verstehe ich das richtig: Ein Gutachter, der mich noch nie gesehen, geschweige denn untersucht hat, erdreistet sich, einen Kollegen - den behandelnden Kardiologen - zu konterkarieren und ein Urteil über einen Sachverhalt abzugeben, von dem er absolut keine Ahnung hat?"
"Wenn unser Gutachter das ablehnt, können wir auch nichts machen."
"Wie heißt dieser Gutachter? Und wie sieht das Gutachten aus?"
"Das ist unser Gutachten. Das rücken wir nicht raus und es gibt schließlich so was wie Datenschutz.!"
"Ich bin doch ,Gegenstand' dieses Gutachten! Seit wann werde ich vor den eigenen Daten geschützt?"
Jetzt kommt wieder die ultimative Rettung des Befehlsempfängers, der weiß, dass er verloren hat:
"Das ist Vorschrift!"
"Wenn das eine Vorschrift ist, die Sie hier so locker zitieren, können Sie mir die in Ihrem ,Vorschriftenverzeichnis' sicher zeigen."
Weiterer Rettungsversuch einer Subalternen:
"Da muss ich meinen Vorgesetzten fragen."
"Das mit dem Vorgesetzten ist für Ihre Kollegin schon mal schief gegangen, aber rufen Sie Herrn M. an."
Sie telefoniert, gerät an ihren ,Teamleiter' - die Nummer 7 - , bekommt von mir den Hörer abgenommen.
"Lieber Herr Teamleiter, mit Ihnen spreche ich nicht, verbinden Sie mich Herrn M., Ihrem Vorgesetzten"
Das Zauberwort mit den zwei ,T' füge ich an, in diesem Fall jedoch nicht ,bitte', sondern 'aber flott'
Immer wieder sehr überraschend, dass erhöhte Lautstärke die Verständigungsbereitschaft erhöht.
Innerhalb von zwei Minuten ist das Gutachten per Fax übermittelt.

Der Gutachter schreibt, dass eine ,ähnliche' medizinische Untersuchung hier in der Stadt möglich gewesen wäre.
Nun kommt eine meiner hervorragenden, jedoch gefürchteten Haltungen zum Tragen: Ich bin ein Haarespalter und habe die Angewohnheit, mich äußerst präzise auszudrücken. Das liegt an meinem Beruf als Mathematiker. Jede aufkommende Aufgabe wird erst mal in die Einzelteile zerlegt, damit in kleinen Schritten vorgegangen werden kann.

"Es tut mir leid, Frau..., da interpretiert Ihre Kollegin etwas falsch. Hier steht: eine ,ähnliche' Untersuchung, nicht die vom Kardiologen geforderte." und knalle ihr das Gutachten aus Bad Oeynhausen auf den Tisch.
"Wenn Sie dagegen Einspruch einlegen wollen, müssen Sie das schriftlich machen."
"Nur damit wir uns richtig verstehen: ich muss gar nichts. Ich gebe das jetzt hier zu Protokoll und Sie schreiben."
Blankes Entsetzen in ihren Augen, als ich fortfahre "Ich bin jedoch sehr gerne bereit, noch mal mit Herrn M. zu sprechen." und der Widerspruch ist in fünf Minuten formuliert und niedergeschrieben.
Nun warten wir auf Reaktionen. Heute kam ein Schreiben, dass der Gutachter noch mal mit dem Vorgang befasst sei und wir möchten uns bitte in Geduld üben.
Meine Rente hab' ich noch nicht durch, also hab' ich Zeit. Warten wir mal ab.

Dies ist ein klassisches und krasses Beispiel für die Willkür der Ämter, für Schikane und Dummheit, Geldverschwendung und Inkompetenz. (Der Ausdruck ,Inkontinenz' verbietet sich aus strafrechtlichen Erwägungen.)

Ein vorläufiges Fazit:

7 Mitarbeiter der Barmer haben sich mit einer Erstattung von 45,20 Euro jetzt über 3 Wochen beschäftigt.
Der Zausel hat mal als Mathematiker ganz sparsam gerechnet:
Alle Beteiligten haben ein Durchschnittsgehalt von 3.000 Euro im Monat, einschließlich Filialleiter, Gutachter und Teamleiter.
Dazu kommen 42 % Arbeitgeberanteile, so dass jeder die Barmer 4.260 Euro im Monat kostet. Bei einer monatlichen Arbeitszeit von 150 Stunden ergibt das einen Minutenlohn von 47 Cent.
Angenommen, jeder hat sich nur 20 Minuten mit meiner Forderung beschäftigt, so sind bis jetzt an Bearbeitungskosten 65,80 Euro angefallen.
Die Barmer hat uns bis heute in dieser Angelegenheit 3 Briefe geschrieben. Das Schreiben eines Briefes in der Größe DIN A4, egal wie viel draufsteht, kostete zu Ende des vergangenen Jahrtausend - als ich in unserem Betrieb u.a. für Kostenkontrolle zuständig war - ca. 60 DM, die Einrichtung des jeweiligen Arbeitsplatzes berücksichtigt. Mögen es heute 40 Euro sein.
Alles in allem hat also die Krankenkasse bist jetzt 186, 80 Euro dafür ausgegeben.
Noch mal zur Erinnerung: Um eine Forderung von 45,20 Euro abzulehnen.

Und ihr wundert euch, dass die Beiträge und die Mitglieder hochgehen??

cunda wundert sich über gar nichts mehr, bedankt sich fürs Lesen und Bewerten und freut sich auf viele Kommentare.

Fortsetzung folgt, wenn es denn jemanden da draußen interessiert.


   

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