Barquero (DVD)

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Ein erschossener Fluss: ein Fährmann als Spamfilter

4  22.10.2009

Pro:
spannend, zunächst und final actionreich, sinnlich, humorvoll, gutes Bonusmaterial, guter Sound, s

Kontra:
ziemlich langsamer Mittelteil

Empfehlenswert: Ja 

mima17

Über sich: Mein jüngster Bericht: "Die Jägerinnen von Connacht" (Buch). +++ Bitte keine Leserunden-An...

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Vertrauende:325

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 93 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Die unbarmherzige Bande des brutalen Gangsters Jack Remy (Warren Oates) hat eine Bank überfallen und ist nun auf der Flucht. Auf ihrem Weg zur mexikanischen Grenze hinterlassen sie eine blutige Spur des Todes. Das Einzige, was sich ihnen in den Weg stellt, sind ein ungezähmter Fluss und Travis (Lee Van Cleef), der die einzige Fähre über den Fluss besitzt. Dieser lehnt es entschieden ab, den Banditen zur Flucht zu verhelfen. Doch als Remy und seine Männer einen Bewohner des Dorfes in ihre Gewalt bringen, muss Travis kämpfen. Mann gegen Mann.

Es handelt sich um eine ungeschnittene DVD-Erstveröffentlichung in digital restaurierter Fassung. Die restaurierten Szenen sind mit Untertiteln unterlegt.

Filminfos
°°°°°°°°°°°°°°

O-Titel: Barquero (USA 1970)
Dt. Vertrieb: Koch Media
EAN-Code: 4020628968748
Erscheinungsdatum: 21.08.2009
FSK: ab 16
Länge: ca. 100 Min. (bei Leonard Maltin 115 min!)
Regisseur: Gordon Douglas
Drehbuch: George Schenk und William Marks
Musik: Dominic Frontiere
Darsteller: Lee Van Cleef ("Für ein paar Dollar mehr"), Warren Oates ("The Wild Bunch", „Der weite Ritt“), Forrest Tucker, Mariette Hartley (Mrs. Hall), Kerwin Matthews (Marquette) u.a.

Handlung
°°°°°°°°°°°°°°

Jack Remy hat den mexikanischen Bandenchef Don Ramos erschossen und das Kommando über dessen Banditen übernommen. (Das wird später in einer Rückblende gezeigt.) Auf zu neuen Untaten! Als Undercover-Vorhut schleicht er sich in das Städtchen Buckskin und vergnügt sich mit einer Nutte. Sie wundert sich über den schönen schwarzen Hut mit der kronenartigen Goldverzierung, den er ständig bei sich hat. Es ist seine Trophäe, die er Don Ramos abgenommen hat. Nun will er König seines eigenen Imperiums sein. Den Anfang macht Buckskin.

Sein engster Partner ist Marquette (Kerwin Matthews), der 1870 aus dem mexikanischen Bürgerkrieg um Kaiser Maximilian geflohen ist und nun selbst ein Auskommen sucht. Wo Jack Remy rohe Energie mitbringt, steuert Marquette Intelligenz und Bildung bei. Er tüftelt erstaunliche Pläne aus – so wie jetzt in Buckskin. Kaltblütig reitet er voraus, um den Sheriff abzuknallen, dann folgt der Rest der Bande, die aus etwa 20 bis 30 Ganoven besteht. Sie radieren jeden Widerstand aus. Allerdings stoßen sie auf Ex-Soldaten, die ihnen in der Scheune des Mietsstalls erbitterten Wiederstand leisten. Jack Remy wittert fette Beute. Nachdem alle Soldaten tot sind, zeigt sich der Grund ihres Widerstands: über 300 nagelneue und hypermoderne Repetiergewehre! Damit kann Remy endlich sein Imperium erobern, natürlich in Mexiko.

Der nächste Weg dorthin führt über den Paria-Fluss, wo das kleine Städtchen Lonely Dell entstanden ist, weil es dort die einzige Fähre gibt, die auf hundert Meilen über den Fluss führt, der ziemlich tief ist. Um diese strategisch wichtige Fähre vorab zu sichern, hat Marquette, der Schlaufuchs, einen Stoßtrupp losgeschickt. Doch dessen Anführer Fair (= blond) stößt auf einen
Bilder von Barquero (DVD)
  • Barquero (DVD) Lee Van Cleef als Barquero
  • Barquero (DVD) Warren Oates als Jack Remy
  • Barquero (DVD) Forrest Tucker als Trapper Phil
  • Barquero (DVD) Mariette Hartley als Mrs. Hall
Barquero (DVD) Lee Van Cleef als Barquero
Barquero (DVD)
unerwartet entschlossenen Gegner. Travis, der Fährmann (Van Cleef) lässt sich zwar noch gefangennehmen, doch er hat einen Freund namens Phil (Tucker), der sich als gnadenloser, wenn auch recht humorvoller Trapper entpuppt.


Phil tötet die zwei Kollegen Fair und behält diesen als Geisel. Mit einer ganz besonders fiesen Foltermethode entlockt er Fair das Geheimnis seiner Anwesenheit: Remy will die Fähre kapern und danach verbrennen. Nun, Travis hat etwas dagegen, sein einziges Arbeitsgerät und die Grundlage seines Lebensunterhalts zu verlieren. Das muss auch Remys Bande bald feststellen.

Mein Eindruck
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Der an Italo-Western erinnernde Streifen wurde von Genrespezialist Gordon Douglas ("Rio Conchos", "Stagecoach") inszeniert, und das merkt man an einigen geübten Einstellungen. Er hebt hervor, worauf es in einer Szene ankommt, so etwa den finalen Angriff auf die Fähre. Er scheut aber auch nicht vor harten Szenen zurück, wie etwa jener, in der sich Mrs. Hall (Mariette Hartley) Travis hingibt, in der Hoffnung, dadurch das Leben ihres Mannes freizukaufen, der von Remys Banditen als Geisel genommen wurde. Aber Douglas lässt nicht zu, dass die massakrierten Soldaten in Buckskin gezeigt werden: Das tröpfelnde Blut muss als Andeutung reichen.

Die Handlung entwickelt in der ersten halben Stunde ein sehr oredentliches Tempo, das von jeder Menge Action gekennzeichnet ist. Dann kommt sie am Fluss zu einem abrupten Halt und verzweigt sich in der Interaktion zwischen den Banditen, den in Sicherheit gebrachten Siedlern und den beiden Hauptfiguren Travis und Trapper Phil. Wie sich zeigt, ist dieses mittlere Drittel des Films alles andere als spannungslos, denn Travis wird von den alles andere als loyalen Siedlern mehrfach angegriffen.

Der sogenannte „Reverend“ steckt sogar seine Fähre in Brand und würde sie am liebsten dem Feind übergeben. Auch Mrs. Hall versucht einen hübschen Trick: Sie bietet sich Travis selbst als Bezahlung für das Leben ihres gefangenen Mannes an, den zu befreien Travis sich zunächst weigert. Travis’ Lebensgefährtin, ein zigarrenrauchendes Flintenweib mit üppiger Oberweite, beäugt diese Versuche mit kritischen Blicken. Aber ihr Fährmann bleibt ihr treu, selbst nachdem er Mr. Hall befreit hat.

Auch auf Remys Seite des Flusses ist es alles andere als ruhig. Obwohl Remy seinem Feind blutige Vernichtung gedroht hat, trifft er nämlich keine Anstalten, das Fährtau zu kappen – das wäre ja kontraproduktiv – oder an einem anderen Ort den Fluss zu überqueren. Schon bald wollen sich der eine oder andere Bandido mit Remys Beute aus dem Staub machen, was dem jeweiligen Kumpel allerdings schlecht bekommt. In einer Phase des drôle de guerre, der gegenseitigen Belauerung, greift Remy sogar zu einem ziemlichen starken Kraut, das entweder Marihuana oder sogar Opium ist. In völlig bekifftem Zustand erschießt er dann den vermaledeiten Fluss, der ihn ander Eroberung seines Königreichs hindert.

Das letzte Drittel des Films nimmt dann wieder Tempo auf. Da der Chef außer Gefecht ist, plant sein Partner Marquette die Überquerung des Flusses mit Flößen. Da hätte man ja gleich draufkommen können! In einer finalen Attacke greifen die Flöße die Fähre an. Doch Travis hat inzwischen alle Siedler wieder hinter sich geschart und hält eine feine Überraschung bereit, die hier nicht verraten werden darf.

Ganz nebenbei erzählt der Frontier-Western von der Phase des Übergangs in der Bevölkerung des Westens um 1870. Nach den Trappern und Pionieren kamen die Soldaten, dann erst die Siedler. Travis und Phil sind noch das Urgestein, doch wie Mrs. Hall überdeutlich und verachtungsvoll sagt, sind sie mittlerweile so überflüssig wie ein Fossil. Travis beweist ihr mit Taten statt Worten, dass er keineswegs zum alten Eisen gehört. Ganz zum Schluss haben nämlich die langen Flinten von Travis und Remy das letzte Wort. Letzten Endes entscheidet also nicht der Pflug das Schicksal, sondern die Waffe eines Amerikaners. Das scheint bis heute so geblieben zu sein. Aber die Angst vor Verrätern im eigenen Lager bleibt ebenso bis heute.


Die DVD
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Technische Infos

Bildformate: 1,85:1 (anamorph)
Tonformate: D in DD 2.0, Englisch in DD 2.0
Sprachen: D, Englisch
Untertitel: keine

Extras:

Originaltrailer
Bildergalerie mit seltenem Werbematerial
Booklet mit Essay

Mein Eindruck: die DVD
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Die digital bearbeitete und restaurierte, ungeschnittene Fassung dieses Neo-Westerns bietet eine sehr sauberes Bild, das jedoch eine Merkwürdigkeit aufweist. Diese ist nur im Prolog zu entdecken. Über das Bild ist eine Gewebestruktur gelegt worden, sicherlich mit Absicht. Diese Leinwandstruktur lässt das Geschehen mit den Reitern erstens als Inszenierung erscheinen, zweitens als Story aus alter Zeit, drittens als eine Vorführung in einem billigen Dorfkino, wo man keine richtige moderne Leinwand zur Verfügung hat. Auf diese Weise historisiert und ironisiert der Film seine Geschichte. Das ist typisch Neu-Hollywood. Seltsam, dass der Autor des Filmessays keine Silbe darüber verliert. Am Schluss bedanken sich die Macher des Films bei Bundesstaat Colorado für die Unterstützung. Auch das ist eine Verfremdung, aber eine, die in sämtlichen klassischen Western üblich war.

Der Ton liegt im Standard Dolby Digital 2.0 vor und entspricht dem eines guten Fernsehers. Wer seine Heimkinoanlage hochfährt, wird mit etlichen Nebengeräuschen aus dem Hintergrund des Geschehens belohnt. Sie lassen das Geschehen realistischer erscheinen.

1) Originaltrailer

Der zweieinhalb Minuten lange Trailer kommt ohne Kommentare, großmäulige Banner und dergleichen aus, sondern wirbt lediglich mit netter Musik, dynamischen Bildern und den Namen der Hauptdarsteller.

2) Bildergalerie mit seltenem Werbematerial

Die Bildergalerie umfasst eine Reihe Poster aus USA, China und Italien, etwas Artwork, ein Heft der „Illustrierten Filmbühne“ und jede Menge Aushangfotos. Es müssen rund zwei Dutzend sein. Hinzukommen noch eine Reihe sehr schöner Porträtfotos in Schwarzweiß und Farbe. Sie zeigen Van Cleef, Oates, Tucker und Mariette Hartley, die die Mrs. Hall spielt. Dröges Werbematerial – aus dem Presseheft des Verleihs! – in Schwarzweiß beschließt die ziemlich umfangreiche Bilderschau.

3) Booklet mit Essay

Hank Schraudolph berichtet in seinem kenntnisreichen Essay von einem erschossenen Fluss, einem kiffenden Schurken und einem bockigen Barquero. Die Fluss-Western blicken auf eine recihe Tradition zurück. Dazu gehören Rio Bravo, Rio Grande sowieso (bis heute der klassische Grenzfluss), „Red River“ und viele mehr. Witzig finde ich den Vergleich des Barquero als Kleinunternehmer mit einem Spamfilter gegen den Abschaum, der an der Grenze zu Mexiko zu finden ist.

Dass der Tranportunternehmer Remys Unternehmen „Eroberung des Königreichs“ stoppt, hat schon etwas Witziges, erinnerte mich aber auch an das Standardmotiv aus David Gemmells Fantasy-Heldenepen um Druss die Legende: Wenige aufrechte Männer (und ab und zu auch Frauen) behaupten sich gegen die Übermacht der Bösewicht, und selbst wenn es sich dabei um eine feindliche Armee handeln sollte. Man denke an die Spartaner um Leonidas, die an den Thermopylen das Perserheer aufhielten. Travis, mit dem zerknitterten gesicht von Lee Van Cleef, hat schon ziemlich viel von einem solchen Spartiaten an sich.

Danach ordnet der Autor den Film in die zeitgenössische Filmproduktion ein und lässt die Mitwirkenden Revue passieren, natürlich die Hauptfiguren und den Regisseur, aber auch Nebenfiguren wie Mariette Hartley, die Mrs. Hall, und John Davis Chandler, den Mr. Fair. Der Regisseur Gordon Douglas hat ein mindestens ebenso umfangreiches Oeuvre vorzuweisen wie seine Hauptdarsteller Warren Oates und Lee Van Cleef.

Clint Eastwood griff sechs Jahre später das Fährenmotiv wieder auf, nämlich in „The Outlaw Josey Wales“ (wo auch Chandler wieder mitspielte). Er kappt allerdings höchstpersönlich das Tau der Fähre und beendet deren Auftritt effektvoll. Wer in „Barquero“ gleiches tut, der muss allerdings mit der Höchststrafe rechnen. Dieser Akt des Verrats führt denn auch zum abrupten Ende der Partnerschaft zwischen Marquette und Remy. Schraudolph behauptet, dass im Film keiner auf die Idee des Taukappens käme, das stimmt aber nicht.

Unterm Strich
°°°°°°°°°°°°°°

„Barquero“ ist in der Handlung ziemlich ungewöhnlich, weil es einen abrupten Stopp des Fortgangs der dynamischen Einleitung gibt. Dass auch eine solche scheinbare Friedensphase ziemlich spannend und sogar sinnlich, wenn nicht sogar komisch sein kann, ist die besondere Leistung der Dramaturgie. Dass der Showdown zu einer endgültigen Entscheidung der Lage führen muss, ist eh von vornherein klar. Der Zuschauer darf sich also schon in der Mitte des Films auf das Finale freuen, dass endlich die Spannung des retardierten Fortgangs auflöst und daher umso willkommener und actionreicher wirkt. Der geduldige Zuschauer wird mit einer hübschen Überraschung seitens Travis belohnt.

Die DVD

Die Silberscheibe richtet sich wie stets in Koch Medias Westernreihe an den Sammler einschlägiger Produktionen. Mit einem Essay im Booklet, einer umfangeichen Bildergalerie und dem Trailer muss sich der Sammler begnügen, denn anders als in der Italo-Western-Reihe wurden hierfür keine Featurettes produziert. Dafür ist aber der Preis umso erschwinglicher. Bild- und Tonqualität sind mehr als überzeugend, so dass dem Genuss des digital bearbeiteten und ergänzten Films nichts im Wege steht.

Fazit: Dass der Filmkritiker Leonard Maltin diesem Neo-Western solider Machart nur 1,5 von 4 Sternen in seinem DVD-Katalog gönnt, finde ich höchst ungerecht. Ich vergebe vier von fünf Sternen, denn ich habe mich wegen der vielen ungewöhnlichen Elemente gut unterhalten gefühlt. Wo sonst findet man mal einen Fluss, der erschossen wird? (Das erinnert mich an eine Legende: Es gab mal einen antiken König, der das Meer geißeln ließ.)

Michael Matzer (c) 2009ff



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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
drewniok-pb

drewniok-pb

31.10.2009 23:40

Schon der Titel dieses Berichtes hätte ein "bh" verdient ... VG; Michael

jansdarling2002

jansdarling2002

30.10.2009 04:27

Das gibt ein WildlederDessous!!! LG Chrissy

Finetta12

Finetta12

28.10.2009 20:53

für diesen informativen bericht ein bh- western können mich nicht mehr begeistern

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