Erfahrungsbericht über

Basil - Der große Mäusedetektiv (DVD)

Gesamtbewertung (4): Gesamtbewertung Basil - Der große Mäusedetektiv (DVD)

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Feivel meets Sherlock

4  07.01.2010

Pro:
eine flott erzählte Geschichte, gut ausgewählte Sprecher im englischsprachigen Original

Kontra:
etwas lieblos gestaltete Hintergründe im Film, störende Artefakte im Bild der DVD

Empfehlenswert: Ja 

Spassprediger

Über sich: “We're all mad here. I'm mad. You're mad.” “How do you know I'm mad?” said Alice. “You must be,” sai...

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Im Original heißt der große Mäusedetektiv schlicht “Basil of Baker Street”. Ersonnen hat ihn eine Dame namens Eve Titus, und auf ihrer gleichnamigen Buchreihe basiert auch der Zeichentrickfilm aus dem Jahre 1986.


Wer „Baker Street“ hört, denkt natürlich schnell an den wohl berühmtesten Detektiv der Literaturgeschichte, der unter der Hausnummer 221 B zu finden ist. Wer Sherlock Holmes-Fan ist, der ahnt natürlich auch, dass der literarische Mäusedetektiv seinen Vornamen demjenigen unter den vielen Schauspielern verdankt, dessen Darstellung man am ehesten mit der Leinwandfigur des Meisterermittlers verbindet: Basil Rathbone ist für den Sherlock Holmes-Film so etwas wie Sean Connery für den James Bond-Film. Mit anderen Worten: “Basil Rathbone is Sherlock Holmes“.

Ein Jahr bevor Disneys Mäuserich Basil sich auf die Fährte seines schurkischen Gegners Professor Rattenzahn (im Original heißt er, sehr viel feinsinniger, schlicht „Ratigan“) setzte, hatte Barry Levinson („Rain Man“, „Wag the Dog“) schon seinen „Young Sherlock Holmes“ auf der Leinwand ermitteln lassen: War „Basil“ eine Art Zeichentrick-Nachklapp zu Levinsons nach Art der Indiana Jones-Filme inszeniertem Jungenabenteuer – oder war die Zeit einfach mal wieder reif für ein kleines Holmes-Film-Revival?

Wie dem auch immer sein möge – es gibt durchaus Parallelen zwischen beiden Filmen. Beide sind streckenweise etwas gruselig, und beide erzählen sie unter anderem, wie sich Holmes und sein treuer Adlatus Dr. Watson (der hier freilich Wasdenn bzw. Dawson heißt) überhaupt kennen gelernt haben.

In „Basil, der große Mäusedetektiv“ verdanken der Meister und sein Gehilfe ihre Bekanntschaft der kleinen Olivia. Deren Vater, der Spielzeugbauer Mister Flaversham (wie sein Töchterlein im Original mit charmantem schottischen Zungenschlag), ist von finsteren Mächten gekidnappt und an einen unbekannten Ort verschleppt worden. Nun ist das pfiffige Mäusemädchen auf der Suche nach der Baker Street, in der bekanntlich der berühmte Detektiv Basil sein Domizil hat, und trifft unterwegs auf Doktor Wasdenn.

Als der gutmütige Doktor und Olivia am Ziel eintreffen, gibt sich die berühmte Spürnase zunächst reichlich spröde. Hellhörig wird Basil erst bei Olivias Personenbeschreibung des Mausnappers: eine Fledermaus mit Holzbein? Das kann eigentlich nur der Handlanger des gemeinen Professor Ratigan sein, der dem Basil das ist, was dem Holmes sein Moriarty ist: der erklärte Erzfeind – die Nemesis – der Widersacher Numero Eins!

Basil fühlt sich bei der detektivischen Berufsehre gepackt und setzt sich zusammen mit Wasdenn, Olivia und dem Bassett Toby daran, Ratigan das Handwerk zu legen.

Filmkritik

Streckenweise hat mich hat „Basil, der große Mäusedetektiv“ an „Feivel, der Mauswanderer“ erinnert. Das liegt wohl zum einen daran, dass beide Filme im gleichen Jahr im Kino liefen, und zum anderen daran, dass in beiden Filmen Mäuse die Hauptfiguren waren. Im Vergleich mit Don Bluths „Feivel“ lässt es „Basil“ allerdings für meinen Geschmack an zeichnerischer Raffinesse fehlen. Die Helden von „Basil“ sind zwar Disney-typisch knuffig und sympathisch geraten, und Bösewicht Ratigan ist ein schillernder Charakter ganz im Geiste des neurotischen Prinzen John aus Disneys 1973er „Robin Hood“ (der verkorkste Ratigan leidet sehr darunter, dass er keine Maus, sondern eine Kanalratte ist). Die Hintergründe aber sind, im Gegensatz zu den verschwenderisch farbigen Aquarellen in „Feivel“, vergleichsweise blass und eindimensional.

Das Vergnügen, das „Basil, der Mäusedetektiv“ bereitet, liegt denn auch eher in der tempo- wie anspielungsreichen Geschichte als in ausgefeilten Bildern und Tricksequenzen. Das große Finale im Uhrwerk des Glockenturmes der Houses of Parliament ist zwar durchaus sehenswert, aber dass es sich dabei wirklich - wie im "Making of" stolz behauptet wird - um die erste unter Zuhilfenahme des Computers erzeugte Mischung aus traditionellem Zeichentrick und für damalige Verhältnisse neuartiger PC-Animation handelt, bezweifle ich ein bisschen. Ich vermute eher, den ersten Platz muss „Basil“ sich mit dem Flug um den Kopf der Freiheitsstatue teilen, der in den letzten Minuten von „Feivel“ zu sehen ist.

Trotzdem: „Basil“ ist sehenswert. An der Geschichte um einen genialen Tüftler, der von einem Superschurken dazu gezwungen wird, seine Fähigkeiten in die Dienste eines schurkischen Umsturzplanes zu stellen (Ratigan zwingt Flavisham zum Bau eines Automaten, der äußerlich der Mäusekönigin Victoria täuschend ähnlich sieht: die Mischung aus Roboter und Bauchrednerpuppe soll erst die Queen ersetzen und dann, im Rahmen einer Thronjubiläums-Rede, Ratigan zum ersten Berater der Königin ausrufen), müssten auch Erwachsene ihren Spaß haben, zumal hier augenzwinkernd so manches „Cliffhanger“-Klischee durch den Kakao gezogen wird. Da gibt es zum Beispiel eine herrliche Szene, in der Doktor Wasdenn und Meisterdetektiv Basil an eine „better mousetrap“ gefesselt ihres Endes harren (das natürlich, dank genialischen Rettungseinfalls in letzter Sekunde, nicht kommt), während ein hämisch grinsender Professor Ratigan im Luftschiff entschwebt.

Kinder werden das sicherlich als eine der spannendsten Szenen des Films empfinden, Erwachsene dürfen über die musikalische Begleitung schmunzeln: Vincent Price singt Henry Mancini – das hat die Welt noch nicht gehört, und man bekommt es auch nur in „Basil, der große Mäusedetektiv“ zu hören, denn kein Geringerer als das Hammer-Schauerfilm-Urgestein Vincent Price leiht dem schurkischen Ratigan im Original seine Stimme.

Der DVD-Transfer

Die DVD bietet englischen Originalton und deutsche Synchronversion im Format Dolby 5.1; das Bild ist anständig, wenngleich auch keineswegs frei von Artefakten, die gerade aufgrund der wenig plastisch wirkenden Zeichnungen umso störender ins Auge fallen (wenngleich nicht so störend wie es z.B. in „Dschungelbuch“ der Fall ist) – hier war ich einmal mehr von einer DVD aus dem Hause Disney enttäuscht.

Als Dreingaben gibt’s ein circa siebenminütiges „Making of“, das leider nicht viel mehr als das übliche Werbegeklingel ist, eines der typischen „Sing mit uns“-Karaoke-Spielchen für Kinder, eine Sammlung von Standbildern sowie zwei Disney-Kurzfilme von anno dunnemals, nämlich die „Clock Cleaners“ (ein Klassiker, in dem Micky Maus, Donald Duck und Goofy sich als Putzkolonne im Uhrenturm betätigen) sowie „Donald’s Crime“, eine für Disney-Verhältnisse erstaunlich düstere Moralgeschichte, in der Donald Duck das Sparschwein seiner drei Neffen plündert.

R e s ü m e e

Unterm Strich lautet mein Urteil: „Basil, der große Mäusedetektiv“ ist m. E. ein Disneyfilm, der mehr Bekanntheit verdient hätte. Der Film bietet, in bester Manier des Hauses, unterhaltsames Trickfilmkino für die ganze Familie. Highlights, die „Basil“ in meinen Augen besonders auszeichnen, sind die Synchronisation des Bösewichts Ratigan durch Vincent Price und die Musik von Henry Mancini; um die knapp zehn Euro, die ich für die DVD bezahlt habe, tut es mir nicht leid (zumal ich den darauf enthaltenen Kurzfilm "Donald's Crime" seit langem einmal wiedersehen wollte). Für die Bildqualität, die hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist, gibt’s von mir allerdings einen Stern Abzug in der Gesamtnote.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
marie26

marie26

11.06.2010 13:40

Als Kind habe ich das gerne angeschaut, heute allerdings liegt mein Geschmack ein wenig wo anders :)

MissVega

MissVega

27.01.2010 21:04

Der hat mich nie gereizt. Ich hab grade Coraline gesehen (wollte ich eigentlich erst gar nicht) und muss sagen, der Film setzt optisch und was die Kreativität angeht wirklich neue Maßstäbe. Ich war total beeindruckt.

andreasloy

andreasloy

09.01.2010 11:23

Würde ich auch gerne mal wieder sehen

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