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"Batman, der dunkle Ritter kehrt zurück" aka "Batman - Die Rückkehr des dunklen Ritters" "Batman: The Dark Knight Returns" Graphic Novel, USA 1985 Frank Miller
- Einleitendes - Zum Zwecke der Authentizität sollte "Batman: The Dark Knight Returns" in der Originalfassung gelesen werden. Wer des Englischen aber überhaupt nicht mächtig ist, greife natürlich besser auf die deutsche Version, "Batman, der dunkle Ritter kehrt zurück" auch bekannt unter "Batman - Die Rückkehr des dunklen Ritters" zurück, denn die Graphic Novel ist nicht einfach so ein Comic, sondern eine komplexe, politische Geschichte.
- Inhalt - Die größte Wirkung entfaltet "Batman, der dunkle Ritter kehrt zurück", wenn der Leser möglichst wenig über den Comic weiß. Am Status Quo im Bat-Verse wird fleißig gerüttelt und vieles ist nach "Batman, der dunkle Ritter kehrt zurück" nicht mehr so, wie es einmal war… Batman alias Bruce Wayne ist gealtert und mit ihm seine Gegenspieler und langjährigen Begleiter. Einen Robin gibt es schon lange nicht mehr; der neue, der sich quasi selbst in diese Rolle inthronisiert, ist eine Sie. Der Kalte Krieg schlägt sich auf die Stimmung in Gotham City nieder. Eine brutale Jugendbande provoziert den Ausnahmezustand, Batman wird vom Volk verwünscht, der Joker zum Opfer stilisiert und Superman mischt sich ein. Es kommt zum Duell der DC-Giganten. Batmans Methoden werden immer drastischer, seine Beliebtheit sinkt und sinkt…
- Meinung - Frank Miller ist nicht unumstritten. Den storytechnisch dünnen und zeichnerisch minimalistischen "Sin City"-Geschichten kann aufgrund platter Machoattitüden nicht jeder etwas abgewinnen. Grundsätzlich ist sein kantiger Zeichenstil, welcher sich realistischen Proportionierungen verweigert, gewöhnungsbedürftig. Nichtsdestotrotz darf er ein Meister seines Fachs genannt werden … und "Batman, der dunkle Ritter kehr zurück" ist sein Opus Magnum. Das Werk, welches ihn berühmt machte und in Fachkreisen zur Referenz wurde.
"Batman, Der dunkle Ritter kehrt zurück" ist keine einfache Geschichte und kein einfacher Comic. Der Leser muss sich schon auf den eigenwilligen Zeichen- und Erzählstil einlassen, um die umfangreiche "Bildergeschichte" vollends genießen zu können. Tut der Interessierte dies aber, wird er in ein äußerst lebendiges Universum hineingezogen und kommt in den Genuss eines wahren Comic-Meisterwerks. Jener dicke Band verdient denn auch die schönfärberische Bezeichnung "Graphic Novel". Das hierzulande unter Bücherwürmer leider etwas anrüchige Wörtchen "Comic" tut der Erzählung tatsächlich unrecht.
Wie kaum ein anderer versteht es Frank Miller, Bilder- in Bildergeschichten zu erzählen und fließende Übergänge zwischen verschiedene Zeitebenen, Geschehnisse oder Orte zu schaffen. Zeichnerisch und erzählerisch wirkt "Batman, Der dunkle Ritter kehrt zurück" wie aus einem Guss. Die Story hält sich bewusst over the Top und beeindruckt so mittels einer bombastisch-düsteren Atmosphäre und viel Pathos. An lebendiger Action kommt die Graphic Novel nicht zu kurz, bietet aber auch etwas anderes: Tiefgang.
Entstanden 1985, gibt sich "Batman, Der dunkle Ritter kehrt zurück" als deutlicher Kommentar zum Kalten Krieg und zur damals aktuellen Befindlichkeit in den USA. Darüber hinaus übt die Geschichte harsche, aber angebrachte Medienkritik und zeigt, wie fehl am Platz, bzw. wie missverstanden ein Held wie Batman wohl tatsächlich in unserer modernen Welt wäre. "Batman, Der dunkle Ritter kehrt zurück" könnte vorgeworfen werden, er sei reaktionär. Dieser Vorwurf ist aber nicht berechtigt. Ein Sehnen nach alten Werten ergeht keineswegs zu Unrecht und die Sozialkritik in "Batman, Der dunkle Ritter kehrt zurück" erscheint stets passend und verhältnismäßig. Da sich die Ereignisse und die Geschichte konsequent zuspitzen, hinterlässt der "Comic" am Ende einen durchaus nachdenklichen Leser. Das Gelesene muss erst einmal verarbeitet werden. Darüber hinaus gibt es auch die Möglichkeit emotional berührt zu werden. Starke Charakterisierungen sorgen für eine Menge Identifikationspotenzial, sodass die tragische Geschichte eben auch Emotionen im Leser wecken kann.
Sicherlich bleibt Millers Neu-Definierung und -Interpretation Geschmackssache. Nicht jeder wird etwas damit anfangen können und gerade Comic-Neueinsteiger sollen vielleicht nicht unbedingt gleich mit dem schwersten Stoff anfangen. Andererseits, "Batman, Der dunkle Ritter kehrt zurück" ist so komplex und umfangreich, dass der Leser ungewöhnlich lange Zeit braucht, was einige eingefleischte Bücherwürmer überzeugen mag. Leichte Lektüre ist "Batman, Der dunkle Ritter kehrt zurück" jedenfalls nicht.
- Fazit - Für Batmanfans steht die Qualität dieser Erzählung ohnehin außer Frage. "Batman, Der dunkle Ritter kehrt zurück" ist ein Meisterwerk, das kein Freund anspruchsvoller Graphic Novels sich entgehen lassen sollte.
Dieser kenntnisreiche und liebevolle Bericht war überfällig. Ich bin mit Superman- und Batman-Geschichten aufgewachsen (das waren die Hefter der 60er Jahre). Es ist erstaunlich, daß es damals kein Pendant zu Carl Barks gegeben hat, dessen intuitive (und mühsam erwarbeitete) Tiefe bis heute, was Donald Duck anbelangt, keinen Nachfolger gefunden hat. Bei Batman scheint es sich genau umgekehrt zu verhalten. Da haben sich die Einflüsse der Fimtechnik (Schnitte, Blickwinkel, Verzerrungen, Entwicklungen wie auf einem storyboard usw.) segensreich auf die Aussagekraft und die Komplexität des Comics ausgewirkt und einer Figur neues Leben eingehaucht, die allerdings durch die Bezüge zur spätviktorianischen Romantik bis zurück zur Frankensteinatmosphäre des aufgehenden wissenschafltichen Zeitalters nicht weniger lebensfähig ist als Superman mit seiner Verhaftetheit im Amerika der 50er und 60er Jahre, in dem auch Donald Duck für immer gefangen ist. Ach, ich gerate ins Schwafeln. Eins noch: Versuche es mal mit den frühen Romanen von Tim Powers. "Die Tore zu Anubis Reich", "Die steinerne Braut", "An fremderen Gezeiten" - Sie heißen alle anders, ich habe aus dem Kopf zitiert, und sind vermutlich vergriffen: aber sie könnten Dir gefallen aus dem gleichen Grunde, aus dem Dir dieser Somic gefällt.
tschZehn Jahre ist es her, dass man Batman zum letzten Mal in der Öffentlichkeit sah. Manche halten ihn für tot, andere sagen, er hat sich zurückgezogen. Die ganze Wahrheit kennt...
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24.09.2006 06:55
Nein, ich kenne diesen Comic nicht. Der Bericht allerdings macht Appetit. Und er ist richtig gut geschrieben.
20.09.2006 11:13
Dieser kenntnisreiche und liebevolle Bericht war überfällig. Ich bin mit Superman- und Batman-Geschichten aufgewachsen (das waren die Hefter der 60er Jahre). Es ist erstaunlich, daß es damals kein Pendant zu Carl Barks gegeben hat, dessen intuitive (und mühsam erwarbeitete) Tiefe bis heute, was Donald Duck anbelangt, keinen Nachfolger gefunden hat. Bei Batman scheint es sich genau umgekehrt zu verhalten. Da haben sich die Einflüsse der Fimtechnik (Schnitte, Blickwinkel, Verzerrungen, Entwicklungen wie auf einem storyboard usw.) segensreich auf die Aussagekraft und die Komplexität des Comics ausgewirkt und einer Figur neues Leben eingehaucht, die allerdings durch die Bezüge zur spätviktorianischen Romantik bis zurück zur Frankensteinatmosphäre des aufgehenden wissenschafltichen Zeitalters nicht weniger lebensfähig ist als Superman mit seiner Verhaftetheit im Amerika der 50er und 60er Jahre, in dem auch Donald Duck für immer gefangen ist. Ach, ich gerate ins Schwafeln. Eins noch: Versuche es mal mit den frühen Romanen von Tim Powers. "Die Tore zu Anubis Reich", "Die steinerne Braut", "An fremderen Gezeiten" - Sie heißen alle anders, ich habe aus dem Kopf zitiert, und sind vermutlich vergriffen: aber sie könnten Dir gefallen aus dem gleichen Grunde, aus dem Dir dieser Somic gefällt.
16.01.2006 19:07
Ein schöner Erstbericht. Willkommen bei Ciao :-) LG, Arti