Batman Quietschbunt - und peinlich
23.11.2008
Pro:
George Clooney überzeugt
Kontra:
zu grell, überdreht - talentlose Schauspieler
Empfehlenswert:
Nein
 Feldhamster1984
Über sich:
Mitglied seit:06.03.2005
Erfahrungsberichte:142
Vertrauende:5
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 38 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Allgemeines: Der von Bob Kane erdachte Batman ist seit nunmehr fast 70 Jahren neben Superman der Superheld des DC-Universums, auch wenn er kein Superheld im eigentlichen Sinne ist. Batman verlässt sich einerseits auf seine Kampfkunst, andererseits auf die für ihn und teilweise von ihm entwickelten Gadgets wie Bat-erang, Batmobil, Bat-coper usw. usf. Vergleiche mit James Bond und Q sind nicht von der Hand zu weisen. Wenn man es weniger heroisch sieht, dann ist Batman letzendlich ein mehr oder weniger schizophrener (durch die beiden Identitäten ausgedrückt, auch wenn eine von der anderen weiß) rachebesessener Selbstjustiz ausübender Mann. Dass er in einer Stadt voller Kriminellen wohnt ist keine Entschuldigung dafür, dass sich hier als prügelnder und Invalide en masse zurücklassender Söldner in eigener Mission aufführt. Letztendlich hätten ein paar Stunden beim Therapeuten wohl mehr geholfen ;) da es ja letztendlich um die Tatsache geht, dass er in der Kindheit ein schreckliches Ereignis (Ermorderung der Eltern) miterlebte. Klassisch wird dieser "Mythos" des heroischen Vigilanten in dem Comic "Sergio Aragones destroys DC" demontiert, in dem Batman als trotteliger, gewalttätiger und eindeutig psychopathischer Flatterman durch die Gegend fliegt und Leute terrorisiert.
Allgemeines zum Film: Nach dem erfolgreichen ersten Batman Film von Tim Burton (Edward mit den Scherenhänden, Beetlejuice, Corpse Bride), dem der ebenfalls von Burton produzierte "Batman Returns" folgte, übernahm mit "Batman Forever" Joel Schumacher das Ruder. Nach dem düsteren, den Comics entlehnten, Filmen Burtons krempelte Schumacher (Flatliners, Falling Down) die Machart des Filmes um und ließ aus Batman (samt der Bat-Familie wie Robin, Batgirl und Alfred) einen pseudo-coolen Macho mit weichem Herz und flapsigen Sprüchen werden, die Kulissen wurden quietschbunt, die Schurken schräg und schräger (und zuweilen peinlicher). Darsteller: Arnold Schwarzenegger ... Mr. Freeze / Dr. Victor Fries George Clooney ... Batman / Bruce Wayne Chris O'Donnell ... Robin / Dick Grayson Uma Thurman ... Poison Ivy / Dr. Pamela Isley Alicia Silverstone ... Batgirl / Barbara Wilson Michael Gough ... Alfred Pennyworth Pat Hingle ... Commissioner James Gordon John Glover ... Dr. Jason Woodrue Elle Macpherson ... Julie Madison Vivica A. Fox ... Ms. B. Haven Vendela Kirsebom Thomessen ... Nora Fries (as Vendela K. Thommessen) Elizabeth Sanders ... Gossip Gerty Jeep Swenson ... Bane
Sprachen: Englisch, Deutsch, Spanisch Untertitel: Englisch, Deutsch, Spanisch, Holländisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Finnisch, Portugiesisch, Hebräisch, Französisch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte Inhaltsangabe: Während Gotham City unter einem neuen Superschurken namens Mr. Freeze leidet, taucht gleichzeitig eine neue Bedrohung auf. Pamela Isley, besessen von der Idee, dass Pflanzen sich ebenso wehren sollen wie Tiere, wurde von ihrem Kollegen, Dr. Woodrue, in dessen zerstörtem Labor zurückgelassen. Pamela hatte entdeckt, dass Woodrue ihre Forschung dazu genutzt hatte um einen Supersoldaten namens "Bane" zu züchten. Fasziniert von dem eiskalten Mr. Freeze bildet sie mit ihm eine Art Schurkenkoalition um Gotham zu zerstören, wobei Mr. Freeze ganz eigene Gründe für seine Taten hat. Er will seine geliebte Frau, die an einer seltenen Krankheit litt(Mc-Gregor Syndrom), retten. Freeze, ein begnadeter Wissenschaftler, wurde einem misslungenen Rettungsversuch in sein Alter Ego, den Schurken, verwandelt. Nun benötigt er eine Spezialrüstung, die mit Diamanten betrieben wird, um zu überleben. Er will Gotham nicht komplett zerstören, er will lediglich Milliarden erpressen um seine Forschung zu vervollständigen.
Nicht so Poison Ivy, das Alter Ego von Pamela Isley. Die "Ökoterroristin" will einfach nur, dass die Pflanzen an die Macht kommen. Sie, deren Küsse tödlich sind, die Pheromone ausschwitzt, schafft es auch, dass Batman und Robin der faszinierenden rothaarigen Schurkin verfallen. Ein Glück, dass zur gleichen Zeit Barbara, Alfreds Nichte, auftaucht. Die clevere und mutige junge Frau betört nicht nur Robin, sie ist es auch, die letztendlich den Kampf gegen Poison Ivy aufnimmt. Von "Frau zu Frau" quasi. Und zur gleichen Zeit erkrankt Alfred am Mc-Gregor-Syndrom. Natürlich siegen Batman, Robin und Batgirl am Schluss, doch bis dahin muss noch manch plumper Spruch gewechselt werden. Und Freeze muss erkennen, dass Ivy keine Nebenbuhlerin neben sich duldet.
Kritik: Seit "Batman begins" sind für mich die älteren Batmanfilme noch entnervender. In "Batman begins" wurde das Düstere und auch Batman so gut dargestellt, dass selbst Burtons finstere Endzeitvisionen in "Batman" und "Batman Returns" in ihrer Schrägheit mich eher kaltlassen. "Batman Forever" und "Batman & Robin" sah ich von Anfang an schon als stressig an. Was im Comic funktioniert: Absurd gekleidete Schurken mit ihren eigenen Macken und Sprüchen, schräge Effekte... das wirkt im Film überladen und durch das Quietschbunte nur lächerlich. Uma Thurman, eigentlich eine sehr gute Schauspielerin, ist in ihrer Rolle als Femme Fatale völlig unterfordert. Poison Ivy, in den Comics eine sehr komplexe, verführerische Frau, wird im Film zur hüftwackelnden phrasendreschenden Peinlichkeit. Die aufgeklebten grünen Augenbrauen allein reichen aus um sie lächerlich erscheinen zu lassen. Die Comic-Poison Ivy lebt durch ihre Präsenz, sie muss nicht durch eine Art Faschingskostüm (die Haare als Micky Maus Ohren Version, die Augenbrauen) dargestellt werden.
Gleichermaßen lächerlich wirkt Mr. Freeze, eine tragische Figur im Comic, die hier durch Arnold Schwarzenegger völlig fehlbesetzt ist, ist doch Freeze eigentlich eher schmächtig. Der kräftige muskelbepackte Schwarzenegger, grau geschminkt und mit absurden Sprüchen ausgestattet, ist für Comicfans eine völlige Enttäuschung. Eine der wenigen Szenen, in denen seine Tragik wirklich einmal eingefangen wird, ist die Szene, in der Freeze im Gefängnis eine Minispieluhr mit der Figur seiner Exfrau bastelt. Noch schlimmer ist die Figur des "Bane". Der Comic-Bane ist ebenso tragisch wie Mr. Freeze, ist jedoch hochintelligent und ein gefährlicher Taktiker. Hier im Film wird er zum dümmlich vor sich hin grunzenden auf Knopfdruck um sich schlagenden Monströsität, nicht einmal als "Supersoldat" wirklich überzeugend.
Chris O´Donell und Alicia Silverstone überzeugen als Batgirl und Robin, die zeitgleich ihrer Ersatzfamilie zeigen müssen, was Vertrauen und Zusammenhalt bedeutet, nicht. (Kein Wunder, dass Silverstone für ihre Nebenrolle die "Goldene Himbeere" erhielt) Das Hightlight des Filmes ist George Clooney, der es schafft, Bruce Wayne/Batman mit all seiner Zerissenheit zu zeigen. So muss er sich nicht nur mit dem neuen Familienzuwachs Barbara anfreunden, er muss auch lernen, Robin Vertrauen zu schenken - und mit seiner Dauerverlobten Julie Maddison ist zudem auch noch eine Dame auf eine Heirat aus. Dazu noch Alfred Krankheit... keine einfache Zeit für Batman, der sich zu sehr auf seine Einsamkeit gestürzt hat und nur sich selbst vertraut.
Von all den Filmen war dieser am erfolglosesten. Und wurde für 11 Goldene Himbeeren vorgeschlagen (die Anti-Preise für "schlechteste Hauptrolle", "schlechtester Film" usw.) Zu Recht. Für einen kurzweiligen Abend mit Chips und Bier/Cola/Wein reicht er allerdings, nur sollte man kein Comicfreund sein, sonst ärgert man sich zu sehr über eine verpatzte Umsetzung einer guten Vorlage.
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24.11.2008 08:29
Passiert selten, dass gegen die Mittelserfahrung in den Kategorien so fundiert Gegenposition bezogen wird. Schöner Bericht!
24.11.2008 01:35
Purer Trash. Als Kind mochte ich den Film noch, mittlerweile kann ich ihn nicht mehr ansehen.
23.11.2008 21:50
"Flatliners" und "Falling Down" mag ich sehr. Doch ich fürchte, der künstliche Farbstoffkaugummibatman wäre nichts für mich, obwohl ich nie auf 1:1-Umsetzungen beharren würde. Aber verwässern funktioniert selten, und der ursprünglichen Darstellung zuwiderlaufen sollte zumindest aus der inneren Logik eines Scripts begründbar sein. Da bleibe ich dann lieber bei den Versionen von Burton oder Nolan. Gerade die Burtons würden mich interessieren, weil es sehr lange her ist, dass ich sie sah (und den ersten auch nicht vollständig). Aber ich danke für den Tipp "Sergio Aragones destroys DC", nach dem werde ich die Augen offen halten.