Bauchtanz

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Tanz für Körper und Geist

5  25.01.2007

Pro:
der Spaß, das Körpergefühl, gutes Muskeltraining

Kontra:
Für Europäer ist die Musik nicht jedermanns Geschmack

Empfehlenswert: Ja 

PersianDream

Über sich: Hallo! Ich bin ein 21jähriges Mädel, die aus Persien (Iran) stammt, in Hamburg aufgewachsen ist und ...

Mitglied seit:25.03.2006

Erfahrungsberichte:21

Vertrauende:2

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 58 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hallo meine Lieben,

ich stamme ja bekanntermaßen aus einem Land des Orients, und so bin ich praktisch mit dem Bauchtanz, wie es hierzulande oft genannt wird, aufgewachsen.

Gut, dann schaffe ich erstmal ein hartnäckiges Gerücht aus der Welt: Der "Bauchtanz" heißt auf arabisch "Raks Sharki" und bedeutet übersetzt soviel wie Tanz des Orients, also orientalischer Tanz.

Der Tanz hat auch weniger mit dem Bauch zu tun als vielmehr mit dem gesamten Körper. Dieser Tanz hat eine sehr lange Geschichte, vielleicht ist es der älteste Tanz der Welt, und die Nacht-Club-Version wie sie hier verbreitet ist hat nichts mit dem original orientalischem Tanz zu tun, wie ich ihn aus meiner Heimat zb. kenne.

Am Besten beginne ich zunächst mit der Geschichte:


===> GESCHICHTE DES ORIENTALISCHEN TANZES

Der orientalische Tanz ist einer der ältesten Tänze der Erde - und er ist nicht einfach nur orientalisch - es gibts ihn auf sogut wie jedem Kontinent dieser Welt in verschiedenen Erscheinungsformen.

In der Geschichte der Menschen nahm Religion und Glaube schon immer eine große Rolle ein, und bevor die "großen" Weltreligionen wie Christentum, Judentum und Islam auftauchten, war der Glaube an eine Reihe verschiedener Göttinen weit verbreitet. Die bekannteste dieser Göttinnen war wohl "Ma", von der auch das Wort "Mama" abgeleitet ist. Die Fruchtbarkeit war neben den Existenzbedürfnissen ein lebenswichtiger Faktor, um die Gesellschaft aufrecht zu erhalten. So wurde die Fruchtbarkeitsgöttin "Ma" verehrt - man wusste ja damals noch nichts von der Existenz der Samen des Mannes, auch konnten die Menschen damals noch keine Verbindung zwischen Geschlechtsverkehr und Schwangerschaft herstellen. Die Menschen glaubten also, allein die Frau sei für den Fortbestand der Menschheit zuständig und somit der wichtigste Teil dieser.

Zu den Fruchtbarkeitsritualen gehörte auch ein Tanz, der aus Hüftbewegungen und Beckenrotationen bestand. Dies war die ursprüngliche Form des heutigen Bauchtanzes. Der Tanz wurde ausschließlich von Frauen getanzt, um die Fruchtbarkeitsgöttinnen anzupreisen.

Erst nachdem man die Rolle des Mannes bei der Zeugung neuen Lebens erkannte, änderten sich Rituale und Glaube. Die Fruchtbarkeitsgöttin hatte nun keinen Stellenwert mehr und wurde durch neue Religionen verdrängt, einige alte Bräuche wurden auch aus für das Christentum übernommen - so wurde aus der Göttin Ma die Mutter Gottes Maria.

Der Fruchtbarkeitstanz verlor seine Bedeutung und erhielt stattdessen einen schamlosen, unanständigen Charakter, da er an den Geschlechtsakt erinnert und an die weibliche Kraft. Erst viel später wurde er von den Europäern wieder entdeckt (im 20. Jahrhundert) und als Show-Tanz etabliert.

In vielen Teilen der Erde ist der Tanz jedoch erhalten geblieben, wie z.B. in Ägypten als "Hagalla" oder auf Hawaii als "Hula". Auch der afrikanische "Afro" erinnert deutlich an den Bauchtanz. Im gesamten Orient gibt es verschiedenste Formen dieses Tanzes.


===> FORMEN DES ORIENTALISCHEN TANZES

Diese Tanzform ist keine Form, denn sie tritt in allen möglichen Variationen auf. Wie schon beschrieben, ist diese Art des weiblichen Tanzes auf der gesamten Welt in mehr oder weniger ähnlicher Form wiederzufinden.

Ob als Hula auf Hawaii, als Afro Dance in Schwarzafrika, klassischer Raks Sharki in Ägypten, Beduinentänze in Nordafrika, spanischer Flamenco, indische Volkstänze, libanesischer Dabke oder persische Tanz: sie alle stammen vom Fruchtbarkeitstänzen der frühen menschlichen Geschichte ab.

Betrachtet man allein den klassischen Raks Sharki aus Ägypten, Bauchtanz wie wir ihn in Deutschland kennen, so gibt es selbst diesen in unzähligen Formen. Mit Schleiern, mit Zimbeln (Messingzimbeln sind kleine runde Schellen, die man mittels eines Gummibandes an Daumen und Mittelfinger befestigt und durch aneinanderschlagen die Musik unterstreichen kann), mit einem Stock (auch hier gibt es zwei verschiedene Variationen), mit dem Säbel oder gar mit einem Kerzenleuchter auf dem Kopf. Man sieht - der Tanz ist vielseitiger als jeder andere Tanz dieser Welt.

Neuerdings gibt es sogar eine neue Variante aus den USA - der Tribal Dance. Dies ist eine Mischung aus klassischem Bauchtanz mit indischen, persischen und afghanischen Volkstänzen. Zudem hat sich aus dieser Form noch der Tribal Fusion abgesplittert - ein Tanz der nur noch ansatzweise an den Bauchtanz erinnert - er hat sehr viel mit Körperbeherrschung und Yoga zu tun.

Wer neugierig ist und sich nun gar nichts unter meinen Ausführungen vorstellen kann, dem habe ich einige Bilder Hochgeladen.


===> DIE MUSIK

Die Musik ist für Europäer sicherlich gewöhnungsbedürftig - allerdings kann man auch dies nicht über einen Kamm scheren, denn man kann zu allen möglichen verschiedenen Musikrichtungen eine Form des orientalischen Tanzes finden, sei es arabisch-spanisch (Alabina zb.), Türkischer Pop Musik (zb. Tarkan), westlicher Pop Musik (zb. Shakira) oder auch klassischer arabischer Tanzmusik. Es gibt auch Elektromusik, die für Tribal Fusion geeignet ist, oder Raii Musik aus Nordafrika (zb. Cheb Khaled). Auch die allseits beliebte Bollywood-Musik eignet sich zum tanzen. Sicherlich findet sich da für jedermann etwas.


===> MEINE ERFAHRUNGEN

Ich selbst habe schon als kleines Kind zuhause zu orientalischer Musik getanzt - immer und so oft es ging, ich war praktisch "Tanzsüchtig". Nachdem ich mein Talent mit etwa 13 Jahren erkannt habe, habe ich mich auch bei einer sehr guten Tänzerin in Hamburg angemeldet und mir einige Feinheiten und Techniken des orientalischen Tanzes beibringen lassen. Mit 19 Jahren verließ ich die Stadt und den Kurs, sehr zu meinem Leid, denn hier wo ich jetzt wohne gibt es keine vergleichbaren Kurse.

Über die Jahre lernte ich den Tanz und seine Seele immer besser kennen - denn von zuhause kannte ich weder die "Fachbegriffe", noch die Geschichte geschweige denn verschiedene Techniken.

Ich lernte zwischen guten und schlechteren Tänzerinnen zu unterscheiden, lernte auch, dass der Tanz keineswegs unanständig ist und auch nicht ins Nachtleben gehört. Man muss auch kein Bauchfreies nichts tragen, um zu tanzen. Diese Glitzerklamotten sind sowieso nichts für mich, ich denke, sie verunglimpfen den Tanz nur noch mehr.

Was mich wirklich positiv beeindruckt hat ist das Körpergefühl, welches man durch das Tanzen erhält: man lernt sich und seinen Körper viel besser kennen - auf einmal kennt man Muskeln, wo man nie dachte, dass dort welche wären. Man lernt sich elegant und aufrecht zu bewegen, trotzdem ist man immer tief mit dem Boden verwurzelt, man lernt einzelne Körperteile zu isolieren und immer zurück zu seiner Mitte zu finden.

Auch sehr positiv ist, dass der Tanz für jedermann geeignet ist - egal ob man noch ein kleines Kind ist oder bereits im fortgeschrittenen Alter. Hier ist es nicht wie im Ballett, wo man möglichst früh anfangen sollte, damit was gescheites aus einem wird. Der Tanz befreit, lenkt ab, macht unheimlich spaß und verbrennt überflüssiges Fett. Die Muskeln bauen sich auf, man bekommt einen durchtrainierten Bauch.

Auch beleibtere Frauen können problemlos tanzen - bei diesen sieht es sogar noch weiblicher und ästetischer aus. Die Kondition verbessert sich mit jeder Trainingseinheit, man fühlt sich einfach besser.

Also, worauf wartet ihr noch? Ab ins nächste Tanzstudio! Falls ihr Fragen zum orientalischen Tanz oder zu Adressen in eurer Nähe habt, dann könnt ihr euch ruhig bei mir melden, ich helfe gerne weiter.

Liebe Grüße,
PersianDream
Bilder von Bauchtanz
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Ich in einem Kostüm für einen Orient-Pop Auftritt
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Makropode

Makropode

07.07.2007 23:40

interessanter Einblick, habe mich bisher noch nie mit Bauchtanz befasst! Gruß Martin!

HipHop4Life123

HipHop4Life123

22.05.2007 18:18

Super ausführlicher, schön geschriebener und informativer Bericht! BH!! MfG HipHop4Life123

deel

deel

26.04.2007 22:57

Ich habe Einiges erfahren, was ich noch nicht wußte. Ich finde die Bilder sehr schön. Ich finde den Bericht gut geschrieben. Ich habe jetzt auch mal ein paar Kommentare gelesen und finde es interessant wie sich einige hier äußern..... LG Elfi

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