Windige Baufinanzierungen durch Sparkassen

3  26.01.2001

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tbvle

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In meinem Beruf habe ich auch öfters mit Anfragen zur Baufinanzierung aus Privathaushalten zu tun. In vielen Menschen steckt eben der Wunsch nach den eigenen 4 Wänden.

Begünstigt wird dieses Verlangen auch durch die vielversprechenden Werbemaßnahmen von Banken und Bausparkassen. Im besonderen möchte ich hier die Sparkassen und die LBS nennen, die sehr aktiv in diesem Werbesektor sind.

Die verschiedenen Formen der Baufinanzierung, ob nun als Endfälligkeitsdarlehen, als Annuitätendarlehen, Finanzierung über separate Tilgungskonten (LV oder Fonds), oder Bausparkassenfinanzierung sollen nicht Bestandteil dieses Beitrages sein. Die Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle würden ganze Seiten füllen und müssen eh für jedes Vorhaben individuell beurteilt werden. In erster Linie geht es mir hier um die Machenschaften der Finanzierer, die so manchem fröhlichen Häuselbauer nach einiger Zeit das kalte Grausen auf die Stirn treiben.

Bevor ich auf die Einzelheiten eingehe möchte ich deutlich darauf hinweisen, daß es sich hier nicht um einen pauschalen Rundumschlag handelt, sondern ich lediglich auf Fälle aus der Praxis verweise. Darauf, daß sich hier die Sparkassen bei mir einen besonderen Ruf erworben haben, komme ich später zurück.

Leider ist nicht jeder potentielle Bauherr auch in der Lage, sein finanzielles Risiko nüchtern und objektiv zu betrachten. Oft wird der persönliche Betrag für den Lebensunterhalt zu niedrig angesetzt, oder es werden Kosten einfach vergessen, oder unterschätzt (z. B.: Auto, neue Waschmaschine und anderes). Dazu kommt, daß eine Kostenbetrachtung für mehrere Jahre sinnvoll ist. Die Aussicht auf das mögliche Eigenheim macht viele einfach blind.

Die meisten Banken, Versicherer und Bausparkassen schieben dieser „Blindheit“ einen Riegel vor, in dem diese nach einem Punkteraster versuchen, die Bonität des Kunden zu prüfen. Viele „Träumer“ werden dadurch schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und müssen ihren Bauwunsch noch einige Zeit verschieben. So müssen auch wir als Makler regelmäßig Anfragen ablehnen, da sich aus der Sichtung und Prüfung der Unterlagen einfach keine sinnvolle Finanzierung darstellen läßt. Dabei ist es unerheblich, wer als Finanzierer auftritt. Das der ein oder andere Kunde dann gefrustet unser Büro verläßt ist verständlich, wobei ich davon überzeugt bin, daß wir mit der Ablehnung vielen den Sinn für die Realität zurück gegeben haben.

Einige Zeit später stellen wir dann bei den abgelehnten Anfragen fest, daß diese Mandanten doch eine Finanzierungsmöglichkeit gefunden haben. Zum größten Teil wird uns dann stolz der Name „Sparkasse“ präsentiert. Gut, wir hätten die Finanzierung für unseren Mandanten auch über die Sparkasse machen können und hätten sicherlich auch gutes Geld daran verdient. Verantworten hätten wir es allerdings nicht können.

Nun zu den Sparkassen. Als öffentlich-rechtliches Kreditinstitut dürfen Sparkassen keine Gewinne erwirtschaften, bzw. müssen ihren Jahresüberschuß an die zuständige Gemeinde oder Stadt abführen. Unter diesem Gesichtspunkt scheint es verständlich, daß die Sparkassen in Verbindung mit der LBS-Bausparkasse auch Finanzierungsvorhaben genehmigen, die auf sehr wackeligen Füßen stehen. Sofern einige dieser Finanzierungen später den Bach runter gehen – was solls – verringert sich halt das Jahresergebnis. Und man hat ja immer noch das Objekt, was auch prima versteigert oder verkauft werden kann. Das Risiko für die Sparkasse ist somit relativ gering. Schaut mal in die Bauaushänge bei Euren Sparkassenfililalen. Immer wieder werdet Ihr auf solche Zwangsversteigerungen stoßen. Nicht umsonst haben die Sparkassen meisten riesige Immobilienabteilungen. Daß sich dahinter oft ein finanzieller Ruin eines Menschen verbirgt, wird allerdings nicht erwähnt.

So gering das Risiko für die Sparkassen ist, so hoch ist es bei den „ans Limit“ gehenden Finanzierungen für den Bauherrn. Nur kleinste Veränderungen in den Lebensumständen bringen die Finanzierung zum kippen. Aus die Maus. Home, sweet home, ade.

Erwähnen möchte ich auch, daß auch andere Kreditinstitute „windige Finanzierungen“ vornehmen, allerdings nicht so häufig wie meine Erfahrungen mit der Sparkasse zeigen.

Mein Fazit für angehende Bauherren:
Um auf der sicheren und ruhigeren Seite zu sein, sollte Ihr eine Baufinanzierungsanfrage zeitgleich an verschiedene Seiten richten. Laßt die Banken, Bausparkassen oder Versicherer Euer Vorhaben prüfen. Sofern mehr als 50 % der Anfragen abgelehnt werden meine ich, daß der Zeitpunkt für den Beginn einer Finanzierung falsch gewählt ist. Das Risiko, daß sich Euer „Traumhaus“ später in Luft auflöst, ist nach meiner Einschätzung dann zu groß.

Zum Schluß noch einmal etwas zum Augen öffnen. Eine nackte Baufinanzierung über einen Betrag von DM 300.000,-- kostet Euch mit Tilgung und Zinsen rund DM 720.000,-- an Rückzahlung (Annuitätendarlehen 7% Zins, 1% Tilgung, ca. 30 Jahre Laufzeit).

Es sei auch noch gesagt, daß auch bei scheinbar sicheren Baufinanzierung ein Restrisiko beim Bauherren bleibt. Krankheit, Tod, Berufsunfähigkeit, Arbeitslosigkeit. Das sind nur einige Unwägbarkeiten, die zwar auch abgesichert werden können, dann aber den finanziellen Rahmen des Bauherrn sprengen

Damit möchte ich Euch überhaupt nicht von Euren eigenen 4 Wänden abbringen. Ihr solltet Euch nur über die finanzielle Verpflichtung im klaren sein.

Viele Grüße
Euer tbvle


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SoCute

SoCute

17.03.2004 19:03

M.E. weniger hilfreich, ad nicht erläutert wird, dass Sparkassen zwar gemeinsam Werbung machen unter einem Dach, aber jede Sparkasse für sich eine Bank ist, somit getrennt bilanziert und somit auch unterschiedliche geschäftspolitische Schwerpunkte setzt. Auch ist die Aussage, dass es nicht Ziel einer Sparkasse ist Ertrag zu erwirtschaften verkehrt. Sie hat dieses Ziel ebenso, wie andere Banken. Nur wird der Ertrag ( zu einem sehr geringen Teil an den öffentlichen Gewährträger), wieder reinvestiert in lokale Kulturföderung, Stiftungen, Start-Up-Unternehmen ( siehe start-up-Wetbewerb), Bildung etc. Dazu sind sie nämlich laut ihren Statuten verpflichtet, im Gegensat zu anderen Banken. Es stimmt völlig, dass manche Sparkassen so gehandelt haben, die waren dann aber auch in der Presse, da sie irgendwan von anderen Sparkassen finanziell untzerstützt werden mußten. Daher hätte ich mir eine Liste der Sparkassen gewünscht, die die persönliche Erfahrung getragen haben. Denn, die Sparkassen unterliegen ebenso wie die anderen Finanzdienstleister dem Bundesaufsichtsamt für Kreditwesen und werden auf solche unseriösen Geschäftspraktiken jährlich geprüft. Nicht nur das, der Sparkassenverband ( Zusammenschluß einer Prüfungseinheit aller Sparkassen, die dafür sorgen sol, dass so ein Stützungsfall nicht eintreten sol) prüft auch noch in regelmässigen Abständen. Da der Bericht alt ist gehe ich nicht auf die aktuelle Situation ein und berücksichtige sie auch nicht in meiner Bewertung, da inzwischen noch viel schärfere Richtlinien gelten und m.E. der Mittelstand froh sein kann überhaupt noch einen Kredit zu bekommen. Vielleicht ein Anreiz, den Bericht zu aktualisieren?! LG Katrin

zertifikate

zertifikate

16.02.2001 00:49

Ein super Beitrag. Leider ist alles Geschäft. Was der seriöse Berater ablehnt macht eben ein anderer. Moral und Verantwortung meist Fehlanzeige. MFG

Timeless

Timeless

29.01.2001 15:26

Ich glaube, über dieses Thema könnte man Bücher füllen. In unserem Bekanntenkreis gibt einige Leute, die sich mit der Finanzierung total übernommen haben und ihr eigenes Heim wieder verkaufen mußten. Es sollte sich jeder überlegen, ob seine finanziellen Mittel für den Bau eines eigenen Hauses reichen. Gruß von Timeless.

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