Infos und Tips zur Bauherrenversicherung

5  02.07.2004

Pro:
für Bauherren unverzichtbar

Kontra:
noch ein Detail, um das man sich kümmern muß .  .  .

Empfehlenswert: Ja 

806rider

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Für alle Bauherren und solche, die es noch werden wollen, gibt es tausende Fragen und - dummerweise - meistens noch viel mehr Antworten. Neben den schier unerschöpflichen Fragen der individuellen Finanzierungsmöglichkeiten, den staatlichen oder privaten Fördermöglichkeiten, der Risikoabsicherung im Falle Invalidität, Krankheit oder gar Tod und der Kalkulation möglicher Eigenleistungen am Bau ist auch die Gefahrenabsicherung ein wichtiges Element in der Vorbereitung und Durchführung der kostspieligsten Anschaffung des Lebens.

An dieser Stelle kurz ein paar Angaben zu meiner Person und meiner Erfahrungsgrundlage: ich habe vor ca. 1,5Jahren ein altes Bauernhaus erstanden und dieses vollständig modernisiert (Dachausbau folgt in diesem Sommer). Ich habe keinen Architekten, Bauträger oder sonstige "Generalunternehmer" beauftragt, sondern die komplette Planung, Durchführung und Finanzierung (letztere gemeinsam mit meiner Hausbank als durchführendes Organ) in Eigenregie angeeignet und umgesetzt. Ich habe beruflich überhaupt nichts mit der Materie zu tun, bin also "Laiendarsteller" gestartet. Vielleicht habe ich ein paar Details falsch verstanden/interpretiert/wiedergegeben, es sind wie gesagt die Worte eines Nichtfachmanns (wie so viele), aber ich habe mich sehr ernsthaft und intensiv damit auseinandergesetzt. Rege Rückmeldung gerne willkommen...

In dieser Rubrik möchte ich auf die Bauherrenversicherung hinweisen und ein paar Tips und Tricks zum Besten geben, mögen sie dem ein oder anderen hilfreich sein:

1) Wer braucht so was?
2) Was ist eine Bauherrenversicherung?
3) Wer bietet so was an?
4) Was kostet das?
5) Fazit

Und los geht's:
1) Wer braucht so was?
Kurz: grundsätzlich jeder, der einen Haus- oder Wohnungsbau organisiert oder in Auftrag gibt, also auch derjenige, der wartet, bis er "schlüsselfertig" einziehen kann, denn der Auftraggeber (also der Bauherr) ist durch eine Vergabe der Arbeiten an Dritte nicht von der Aufsichtspflicht entbunden und damit haftbar. Das spürt man spätestens dann schmerzhaft, wenn der sogenannte "Experte" geschlampt hat oder pleite geht.
Mein Tip: vor Vergabe an Dritte ein paar Erkundigungen über die Seriosität des Bauträgers/Architekts/Handwerkers einholen (hat er in der Nähe noch eine andere Baustelle? Wie lange gibt es das Unternehmen schon? Wieviel Zeit nimmt er sich vor dem Zuschlag? Ist der Bau-, Baufortschritts- und Zahlungsplan realistisch? Sind Puffer für Verzögerungen wie Schlechwetterperioden eingeplant? usw.) Eine gründliche Vorbereitung und das berühmte "gute Gefühl" schon im Vorfeld erspart einem vielleicht Ärger.

2) Was ist eine Bauherrenversicherung?
Eine Bauherrenversicherung (oder auch Bauleistungsversicherung) ist eine spezielle Versicherung gegen unvorhersehbare Schadenereignisse am Bau. Die könnten sein: Erdbeben, Hochwasser, Diebstahl, Einbruch, Beschädigungen usw, also auch höhere Gewalt und bei unbekanntem Verursacher. Dies gilt bei Schäden gegen den Bauherren, aber auch bei Schäden gegen Dritte, insbesondere wenn dessen eigene Versicherung nicht ausreicht oder gar insolvent wird.
Tip: es gibt ein sehr gutes Faltblatt kostenlos z.B. bei der WGV-Versicherung, online unter www.wgv-online.de bestellbar. Es gibt auch einige unterschiedliche, aber wichtige Ausnahmen (wie z.B. Brand oder Blitzschlag). Das ist aber immer das Problem bei Versicherungen: die Bedingungen variieren zwischen den einzelnen Anbietern sehr stark, daher sind pauschale Angaben in solchen Sachen sehr mit Vorsicht zu genießen bzw. nicht seriös. Auch die Höchstgrenzen sind unterschiedlich (meinst aber 5Mio€ bei Personen- oder Sachschäden, 100.000€ bei Vermögensschäden).

Übrigens ist die Bauleistungsversicherung nicht mit der Bauherren-Hafrpflichtversicherung zu verwechseln. Diese Versicherung haftet bei Schäden gegen unbeteiligte Personen, die durch die Baumaßnahmen geschädigt werden. Beispiel: ein Passant verletzt sich nachts an einem ungenügend beleuchteten oder abgesicherten Gerüst. Sie als Bauherr sind auch für so etwas gegenüber dem Bauträger/Handwerker überwachungspflichtig, müssen also für dessen Schlamperei gerade stehen! Dabei muß aber Planung und Ausführung komplett an Dritte vergeben worden sein, für Selbstausbauer also irrelevant. Dafür sind hier auch Gefahren vom Grundstück mitversichert, bei der Bauleistungsversicherung nur die eigentliche Bauleistung.
Die Versicherung versichert auch nicht Eigenleistungen durch einen selbst oder durch die sog. "Nachbarschaftshilfe". Dritte Helfer, die ohne Entgelt ab und zu zur Hand gehen (und damit sind jetzt keine Schwarzarbeiter gemeint...), kann man bei den Bau- und Berufsgenossenschaften versichern (ca. 1€/Arbeitsstunde, wird gem. zu führendem Bautagebuch fückwirkend abgerechnet). Dabei werden Schäden, die durch diese verursacht werden, aber auch Schäden gegen diese selbst, finanziell abgesichert werden. Absolut empfehlenswert!!!

3) Wer bietet so was an?
Fast alle gängigen Versichungsunternehmen bieten eine Bauleistungsversicherung an, allerdings findet man deren Angebote nicht immer auf Anhieb bzw. es gibt wie für viele andere Versicherungsarten keine Online-Kalkulator. Man muß sich also ans Telefon schwingen und ein paar gängige Versichungen abklappern.
Tip: vielleicht kennt der Bauträger/Architekt/Hausbank/Handwerker eine seriöse Versicherung, denn es muß auch in dessen Interesese sein, daß Sie ausreichend versichert sind. Im Gegenteil, eigentlich müßte er von sich aus darauf aufmerksam machen.

4) Was kostet das?
Die Versicherungssumme hängt von der Bausumme ab. Diese wird mit einem versicherungsspezifischen Faktor multipliziert (z.B. 0,15%), und fertig. Abgezogen werden können noch geldwerte Eingenleistungen, aber (Tip): da wäre ich eher zurückhaltend. Grund: die Eigenleistung ist i.d.R. ohnehin sehr gering, und da spart man an der falschen Stelle. Preisbeispiel: Bausumme 200.000€ (der Grundstückswert wird natürlich nicht mit eingerechnet!) x 0,15% = 232€.
Der Versicherungsbeitrag wird einmalig bezahlt. Die Versicherungsdauer beträgt einmalig meistens für zwei Jahre.
Tip: bei Mehrfachabschluß (z.B. gemeinsam mit Hausrat/Wohngebäude/Haftpflichtvers.) ist bestimmt noch ein ordentlicher Nachlaß drin.

5) Fazit und Tip
Die Bauleistungs- oder Bauherrenversicherung ist für alle Bauherren unverzichtbar, weil am Bau immer mal Unvorsichtigkeiten (ich will jetzt nicht von Pfusch oder Nachlässigkeit sprechen) vorkommen, für die sich der Bauherr auch bei Beauftragung eines Dritten immer verantworten muß. Auch Wetterkapriolen und deren Auswirkungen, Diebstahl oder Beschädigungn sind zwar nicht an der Tagesordnung, aber doch vorstellbar und möglich. Der Beitrag ist insbesondere im Vergleich zu den sonstigen Baukosten sicherlich vertretbar, zumal kaum ein Bauherr ständig vor Ort sein kann oder Abends immer "nach dem rechten" sieht.

Wie immer bei Versicherungsleistungen sollte man sich verschiedene unverbindliche Angebote einholen und den Beitrag mit den Leistungen vergleichen. Insbesondere wenn mehrere Versicherungen zur Neuvergabe anstehen, läßt sich ein auch für die Versicherungen interessantes Gesamtpaket knüpfen, das in Summe wesentlich preiswerter kommen sollte als die Summer der Einzelpolicen.

Die Bauherrenversicherung deckt zwar auch das Grundstück und Schäden gegen unbeteiligte Dritte ab, gilt aber nur bei einer Komplettvergabe an Bauträger oder Architekten.


Ich hoffe, etwas geholfen zu haben und wünsche allen Bauherren und solche, die es noch werden wollen (schnell noch Eigenheimzulage beantragen!!!) viel Glück.

Für Rückmeldungen bin ich dankbar.

Gruß

806rider
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
didiba

didiba

18.07.2004 01:56

Sehr interessanter Bericht. LG Dieter

Dr.Claudia

Dr.Claudia

03.07.2004 12:19

Ein sehr informativer Bericht! LG Claudia

snoopy1985

snoopy1985

03.07.2004 03:26

in letzter zeit hört oder sieht man innachrichten oder reportagen ja immer verstärkt von solchen pfuschereien von daher finde ich deinen bericht gut und sehr hilfreich

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