Baumauswahl - Tipps und Tricks

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Hauptsache grün... oder was ??? (Teil 2)

5  05.11.2002 (29.11.2002)

Pro:
Man gewinnt mehr Bezug zur Natur

Kontra:
Beschaffung oft mit viel Herumfahren verbunden

Empfehlenswert: Ja 

Pater_Brown

Über sich: Sooo schlecht finde ich die "Pflichtkommis" hier gar nicht - am Text sieht man gleich, wer...

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Der heutige Teil soll sich mit sogenannten "kleinen" Bäumen befassen, die in schmalen Vorgarten-Streifen oder allgemein in kleinen Gärten (bis etwa 600 qm) eingesetzt werden können. Die ausgewählten Gewächse sind in der Regel ohne größere Suche in guten Gartencentern oder Baumschulen aufzutreiben und gedeihen allgemein in ganz Deutschland ohne größere Probleme, sofern man ihren Ansprüchen an Boden und Standort Rechnung trägt.

Koniferen

Es ist nicht ganz einfach, wirklich "kleinbleibende" Koniferen zu empfehlen. Natürlich gibt es beispielsweise in der Gattung Juniperus (Wacholder) allerlei Arten und Zuchtformen, die nicht wesentlich größer als etwa zwei Meter werden. Bedenken sollte man dabei aber, dass etwa der Säulenwacholder (J. communis) zum einen nicht besonders attraktiv ist; zum anderen im Alter zum "Auseinanderfallen" der dünnen Außentriebe neigt und daher keine besonders glückliche Lösung darstellt. Zudem tragen Wacholder oft als Zwischenwirte die Pilze von Rostkrankheiten, die dann auf zahlreiche Laubgehölze überwandern können. Auch muss man bedenken, dass Wacholder im Inneren häufig massenweise braune Nadeln entwickeln und so recht unansehnlich wirken.
Eine Vielzahl kleinbleibender, teils auch sehr stark in der Nadelfärbung variierender Sortenzüchtungen gibt es von der Eibe (Taxus baccata). Die oft sehr niedrig, aber extrem breitwachsenden "Tafeleiben" seien hier genannt, die im Farbspiel bis zum auffallenden Gelb reichen; auch gibt es beispielsweise kanadische Straucheiben, die sich über den Winter kupferig bis bronzegetönt verfärben. Leider muss man für diese langsam wachsenden und schnittverträglichen, auch vom Bodenanspruch her bescheidenen Bäume oder Sträucher oft sehr viel Geld investieren.

Laubbäume

Hier ist eine deutlich größere Vielfalt zu verzeichnen. Blühend oder nicht blühend; sommer- oder immergrün; teils bizarre Wuchsformen entwickelnd. Eine kleine Auswahl wie folgend, aufbauend auf den Zuchterfahrungen von © Pater_Brown im rauhen oberfränkischen Mittelgebirgsklima:

Zierobst

Auch in zahlreichen Baumärkten finden sich immer wieder die Japanischen Säulenkirschen, mannigfache Varianten der Zieräpfel, sogenannte "Blutpflaumen" und hin und wieder auch Zierpfirsiche. Diese Züchtungen haben sich inzwischen explosionsartig zu einem derart unüberschaubaren Sammelsurium erweitert, dass es kaum generelle Hinweise geben kann. In der Regel bilden die Säulen-Zierkirschen keine Früchte, blühen aber an geeigneten (bevorzugt etwas geschützten) Standorten meist regelmäßig und reichlich. Bei Zieräpfeln sollte man bedenken, dass die entwickelten kleinen Früchte (3-4 cm in diversen Farben) oft sehr lange hängen bleiben, dann verschrumpeln und verschimmeln und den Zierwert der Pflanze ins Gegenteil verkehren. Bei Vögeln sind Zieräpfel oft nur mäßig beliebt und werden eher verschmäht. Die attraktiv rotlaubigen "Blutpflaumen" entwickeln nach den rosafarbenen Blüten nur bei anhaltend günstigen Wetterbedingungen dunkelrote bis purpurne Früchte, die auch essbar sind. Da es sich bei diesen Pflanzen meist um "Pfropfbastarde" handelt, muss man regelmäßig an der Basis entstehende Wildtriebe entfernen. Zierpfirsiche fallen leider in hartem Klima sehr leicht vollständig der Monilia (Spitezndürre) zum Opfer.

Ahorne

Die Gattung Acer ist besonders in Japan Gegenstand für experimentierfreudige Baumliebhaber geworden, die beispielsweise auch zahlreiche bonsai-fähige Sorten gezüchtet haben. Für den Garten wird besonders häufig Acer palmatum - meist in der purpurroten Form "Atropurpurea" angeboten, der etwa 5 m hoch werden kann, aber extrem langsam wächst. Im Gegensatz zu den einheimischen, reisig werdenden und sehr anspruchslosen Ahornbäumen stellt dieser "kleine" Vertreter einige Ansprüche an den Standort: mit Rhododendronerde "angesäuerter", nicht zu trockener Boden und eine teilweise beschattete Lage wirken sich positiv aus. Besonders augenfällig sind die weitergezüchteten "Dissectum"-Sorten (vielfältig tief geschlitztes Laub), für die man nicht selten aber mehr als 100 € investieren muss. Ebenso wie die bekannten "Kugelahorne" kann man die kleinbleibenden Arten strauchig, aber auch als Hochstämmchen ziehen; allerdings darf man sich hier keiner Illussion hingeben: dies erfordert konsequente Pflege und Beschnittmaßnahmen und macht daher sehr viel Arbeit.

Amberbaum

Dieser aus Nordamerika stammende kleine Baum (botanisch Liquidambar styraciflua), der eine kugelige und sehr ausladende Krone entwickeln kann, wird wegen seiner phantastisch variablen Herbstfärbung angepflanzt; er entwickelt Farbspiele von Gelb über Hell- und Dunkelrot bis Purpur und Violett (wobei überraschende Temperaturstürze allerdings das Laub überstürzt vertrocknen lassen können, ohne dass sich dieser schöne Effekt einstellt). Bemerkenswert auch die kuriose, zernarbt wirkende Borke, die dem Baum in den USA den Beinamen "Alligator Tree" eingetragen hat. Am Standort soll dieser Baum einen leicht sauren, dauerfeuchten Boden vorfinden. Sein Harz findet übrigens sowohl in der Kaugummi (!)- als auch in der Kosmetikindustrie Verwendung.

Aralien

Der sogenannte "Teufelsspazierstock" (Aralia spinosa) mag vor allem Liebhabern des Bizarren gefallen: dicke, starr bestachelte Stämme entwickeln fiederlaubiges, ebenfalls heftig bestacheltes Laub an wenigen, bestachelten Zweigen. Aralien sind spektakuläre Sommerblüher und kommen mit sehr schlechten. steinigen Böden aus. Achtung: A. japonica entwickelt unkontrolliert Ausläufer !

Birken

Die Birke (Betulus) gibt es zwischenzeitlich auch in zahlreichen kleinbleibenden Gartenvarianten und ist vom Boden her absolut anspruchslos; in zu nährstoffreichen Böden kann sie sogar völlig versagen, da sie ursprünglich als "Pioniergehölz" auf die Besiedlung von Brachen mit minderer Bodenqualität spezialisiert ist. Leider sind echte Zwergvarianten meist kaum in Gartencentern zu finden.

Buchen

Auch die Rotbuche ist in einer ca. 5 m hoch werden Zwergversion zu bekommen, wenn man lange genug suchen mag. Man sollte bedenken, dass die Buche von einer lästigen, weißen, wolligen Mini-Fliege befallen werden kann, die in Schwärmen auftritt und den Baum zu einem klebrig überzogenen Ärgernis werden lässt.

Erbsenbaum

Dieser (Caragana arborescens) in der Blüte etwas an den Goldregen erinnernde Großstrauch oder kleine Baum ist zwar prinzipiell anspruchslos, kann aber leider wahre Blattlausplagen im Garten entfachen.

Hainbuche

Leider meist als Hecke "vergewaltigt", kann sich dieser anspruchslose und langsam wachsende Baum (Carpinus betulus) mit seinem extrem harten und schweren Holz durchaus als "Hausbaum" kleiner Gärten bewähren. Die Endgröße beträgt etwa 10 bis 12 m. Übrigens gehören Hainbuchen botanisch zu den Birkengewächsen.

Kastanie

Wenig bekannt: neben der riesigen Rosskastanie gibt es auch kleinbleibende Arten wie Aesculus pavia oder Aesculus parviflora, wobei letztere sich eher strauchig entwickelt und dabei leider chaotisch und unkontrolliert in die Breite gehen kann... A. pavia blüht attraktiv purpurrot, kann in der Größe allerdings von einem bis etwa neun Meter sehr stark variieren.

Robinien

Auch als "Falsche Akazien" bezeichnet, zeichnen sich Robinien durch absolute Anspruchslosigkeit gegenüber dem Boden aus. Allerdings findet man meist nur die borstenbestandene R. hispida, die selten über Strauchgröße hinauskommt. Die verbreitete R. pseudacacia wird für Kleingärten auf Dauer zu groß.

Stechpalmen

Unter diesem Namen sind die Ilex-Arten bekannt, die aber in den angebotenen Arten teils nicht ausreichend winterhart sind; zu warnen ist hier vor allem vor buntlaubigen Varietäten. Die Mehrzahl der im Handel angebotenen Ilex ist immergrün und erfordert daher einen vor allzu scharfer Ostluft (im Winter) geschützten Standort und sollte zudem im Frühling angepflanzt werden, damit reichlich Zeit zum Anwurzeln und Eingewöhnen bleibt. Sehr hart ist die Amerikanische Stechpalme (I. opaca), die in den USA sogar als Straßenbaum zu finden ist und etwa zehn Meter Höhe erreichen kann. In der Regel gut gedeiht hierzulande auch die gewöhnliche I. aquifolium (teils angeboten in der härteren Varietät "Alaska"), die immerhin sieben bis acht Meter bei pyramidalem Wuchs (ohne Beschnitt) schafft und mit ihrem roten Beerenbehang (vorsicht: leicht giftig) schafft.

Weide

Buntlaubige japanische Weiden oder die bekannten Hängeweiden bieten sich als prinzipiell robuste Zierpflanzen in nicht zu trockenen Böden an.

Weiß- und Rotdorn

Vor der Pflanzung solcher Gewächse sollte man bedenken, dass der Beschnitt in eine verletzungsintensive Tortur ausarten kann *g*, da die ausgiebig bedornten Zweige wahre "Verhaue" bilden können. Auch sind die Crataegus-Arten leider für mancherlei bakteriellen und Pilzkrankheiten empfänglich (Feuerbrand, Rost). Allerdings entschädigen sie mit massenweise duftenden Blüten und reichlich Fruchtbehang; lästig wird mit der Zeit aber die Selbstaussaat, die eifriger Jät-Aktivitäten bedarf, solange die Sämlinge klein sind. Angeflogene Weißdorne lassen sich schon nach vier bis fünf Jahren Standzeit wegen ihrer tiefgehenden Wurzeln nur noch mit großer Kraftanstrengung entfernen.

Der Buchsbaum

...absichtlich an den Schluss gestellt wurde der "Friedhofsbaum" *g*, der als immergrünes Gehölz zwar im Winter für etwas Grün sorgt, aber als alleiniger Solitär ohne blühende Umgebung naturgemäß sehr steril wirkt. Zudem sorgen verzärtelte Exemplare aus schlechten Zuchten häufig durch ständigen "Blattgilb" für Enttäuschung. Buchsbäume in der reinen Art (Buxus sempervirens) können sich über die Jahre hinweg zu obstbaumgroßen Exemplaren auswachsen und - das ist ihre Besonderheit - in jede beliebige Form geschnitten werden, was gartenkünstlerischer Betätigung freien Lauf lässt... ;-)

Fazit

Die lange Liste zeigt, dass nicht umsonst eine Vielzahl von Fachbüchern den Bäumen gewidmet ist... bei einer Neubepflanzung ist es eben leider NICHT immer ausreichend, eine Pflanze nach dem niedrigsten Discount-Preis oder nach dem Gesichtspunkt des "spontanen Verliebens" ins äußere Erscheinungsbild zu kaufen. Ein Blick auf die Himmelsrichtung, eine mindestens doppelt spatentiefe Erkundung des Bodens zur Erkundung von dessen Beschaffenheit, Vertrautheit mit dem Klimaverlauf und intensive Beschäftigung mit den Ansprüchen der ausgewählten Pflanze müssen zusammenspielen, um die richtige Auswahl zu treffen... ebenso wie die Bereitschaft, sich nach dem Anpflanzen dem neuen Zögling ausgiebig zu widmen und sein plangemäßes Gedeihen zu überprüfen, ihm beim Eingewöhnen zu helfen und gegebenenfalls durch Schnitt und Pflege die individuelle "Trimmung" zu geben...

Ausführlichere Auskünfte zu einzelnen Pflanzen aus der obigen Liste können natürlich beim Autor angefordert werden...

© Pater_Brown für ciao


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Eckido66

Eckido66

02.10.2014 22:01

sh

Eckido66

Eckido66

02.10.2014 22:00

Hier kann man ja einiges lernen... ;-)

v_to_the_a

v_to_the_a

22.12.2012 17:26

UND WIEDER WAS GELERNT!

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