Dieser Erfahrungsbericht wurde von 54 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
[ STORY ]
Thailand: Rucksack-Tramper Richard (Leonardo DiCaprio) ist seit einiger Zeit unterwegs, wandelt ziellos über die Erde. Er schimpft Zeter und Mordio über das scheiß Touristenpack, das für ihn alle Missstände der Gesellschaft verkörpert. Erhaben wie ein Gott spricht er von sich selbst und seiner Einstellung.
In einem kleinen Hotel lernt Richard den verrückten Engländer Duffy (Robert Carlyle) kennen, der außer kiffen und rumgrölen kaum noch etwas bewerkstelligen kann. Doch dieser Engländer erzählt Richard von einem Strand. Einem Strand, der alles an Schönheit überragen soll, was Gott je auf dieser dreckigen Welt geschaffen hat. Richard glaubt dem Kerl nicht, doch das ändert sich schlagartig, als er am nächsten Morgen eine Karte an seiner Tür findet und Duffy tot in dessen Zimmer.
Richard überredet das französische Pärchen Francoise (Virginie Ledoyen) und Etienne (Guillaume Canet) dazu, ihm zu helfen, diese Insel zu finden. Gemeinsam machen sie sich auf, und schließlich erreichen sie das von Felsen umrundete Eiland in einem Naturschutzgebiet.
Doch als sie dort ankommen, staunen sie nicht schlecht: Auf der Insel hat sich außer bewaffneten Hanfbauern auch eine ganze Kommune unter der Leitung von Sal (Tilda Swinton) niedergelassen, die sich dort eine Existenz geschaffen hat. Richard, Francoise und Etienne finden sich schnell in die Kommune ein, kiffen, saufen und lachen. Es erscheint tatsächlich wie das Leben auf Erden.
Bald jedoch wird das Inselleben getrübt: Einige Touristen, denen Richard heimlich eine Kopie der Karte untergejubelt hat, sind im Begriff, ihren Frieden zu stören. Sal verbannt Richard aus der Kommune. Im Dschungel findet er eines Revier und in Duffy einen Gefährten.
[ OHNE SCHEISS ]
"The Beach" ist einer der wenigen Filme, den ich ohne zu zögern, als einen der besten bezeichnen würde. Vollkommen klar, dass manche das nicht nachvollziehen können, aber mich hat der Film schlichtweg umgehauen. Ich habe noch nicht das Buch gelesen, werde das aber nachholen.
[ STIL ]
Der Film beginnt mit Richards überheblicher Selbstdefinition. Seine Person empfindet er als das Ideal der Welt, der Rest ist Abschaum. Regisseur Danny Boyle ("Trainspotting") gestaltet dies so, dass man es Richard abkauft, dass man es sogar selbst glaubt. Damit stützt sich The Beach nicht auf den genialen Off-Kommentar des Protagonisten, sondern kann dies auch durch Erzählperspektive, Gestaltung und die Bildkompositionen verdeutlichen.
Was zu Beginn wie eine Collage aus Einzelimpressionen wirkt, verwandelt sich bald in den zentralen Erzählstrang: die Begegnung mit Duffy im Hotel. Obwohl Richard ihm eine lockere Schraube nachsagt, scheint ihn der Mann doch zu fanzinieren, weil man merkt, dass seine Geschichte von Herzen kommt. Was man noch nicht weiß: Duffy ist ein Flüchtling, der das Inselparadies bereits durchschaut hat.
Mit dem Beweis, dass es die Insel geben muss (Karte), zieht Richard los und nimmt Francoise und Etienne mit, von denen er glaubt, dass es Leute seines Schlags sind. Er hatte recht. Noch bevor sie aufbrechen, fertigt er eine Kopie für ein Kifferduo an, das er kennengelernt hat, von denen er glaubt, dass es Leute seines Schlags sind. Er hatte unrecht. Und das wird ihm einmal das Genick brechen.
Der Iraner Dariusz Khondji, mein erklärter Lieblings-Kameramann, der schon in den Filmen "Delicatessen", "Sieben" und "Panic Room" tolle Arbeit leistete, zauberte Bilder von geradezu geisterhafter Schönheit, die dem ein gleichermaßen bedrückendes wie faszinierendes visuelles Gesamtbild verleihen. Grandiose Landschaftsaufnahmen wechseln ab mit atmosphärisch irrsinnig dichten Bildern.
In den Szenen, in denen das Leben in der Kommune geschildert wird, wo man sich gegenseitig tätowiert, wo Kricket gespielt wird, wo Sprachübungen gemacht werden, wo man fischt, kifft, fickt und Lieder singt, da beweist sich Danny Boyle als großartiger Erzähler, der weiß, was er zeigen will und worauf er Wert legt, und DiCapripo, Swinton, Ledoyen und Canet erweisen sich als die Idealbesetzung, die nicht besser gewählt werden konnte, weil wie jugendlichen Eifer mit erwachsenen Problemen verknüpfen und dabei schauspielerisch so überzeugen, dass der groteske Verlauf der weiteren Geschichte fats plausibel erscheint, obwohl er symbolisch verstanden werden sollte.
Als nämlich das Inselparadies von gemeinem Touristenpack gefährdet wird, da verbannt Sal Richard aus der Kommune. Er muß auf einem Hügel an Meer verharren, bis die Touristen auftauchen. Um seine Einsamkeit zu bekämpfen, fängt er an, Faxen zu machen. Er treibt Schabernack mit den Hanfbauern, spielt Dutch Schaefer, den Dschungelkämpfer und steigert sich so sehr in seine Aufgabe, den Strand zu schützen, hinein, dass er darüberhinaus den Verstand verliert. Wenn er wie Supermario durch den Urwald hüpft, ist alles noch ein Spiel für ihn. Dann steht GAME OVER auf dem Bild und ab da an ist alles vorbei.
Richard baut böse Fallen in den Dschungel, sieht die Hanfbauern als seine Armee an, seine Leibwache und verschmilzt mit dem Dschungel, seinem Revier. Er verbringt Tage in Dunkelheit, um seine Sehfähigeit bei Nacht zu steigern. Schließlich bindet er sich ein Rambo-Stirnband um und spielt mit den Waffen der Hanfbauern herum, um sich selbst seine Macht zu demostrieren. In seinen Tagträumen erscheint ihm Duffy als Mitstreiter gegen das Touristenpack, Richard fängt an, einen Krieg zu führen. Dies sind die beeindruckendsten Szenen des Films und manche Leute fanden es lächerlich, als sich Richard als Rambo verkleidete. Aber steht die Figur Rambo nicht für einen physischen und auch psychologischen Krieg, den die Amerikaner auf der ganzen Linie verloren haben?
Diese Verwandlung, erst zum Rambo und später zum reinen Tier, zeigt Richards Versagen, seine ganze Desillusion, in der er erkennt, wie seine Freiheit selbst hier, im Paradies auf Erden, langsam langsam schwindet. Und zwar deshalb schwindet, weil er bereit ist, über Leichen zu gehen, um seine Freiheit zu bewahren. Und was soll das dann bitte noch für eine Freiheit sein? Und jeder von uns sollte sich fragen, was Freiheit denn nun wirklich bedeutet? Und vor allem: Was ist uns diese Freiheit wert?
Die Szene, die dies zur Moritat verkommen lässt, ist diejenige, in der die Kommune einen von einem Hai verletzten Schweden zum Sterben in den Wald legt, weil sie Angst haben, er könnte im Krankenhaus was von dem Strand ausplappern. An Eindringlichkeit ist dies kaum zu überbieten, weil es aus der Handlung so schnell verschwindet wie aus den Köpfen der Kommune. Und am Ende ist es eben der Rückbezug zu dieser Szene, der Richard vollkommene Enttäuschung verdeutlicht.
Danny Boyle lässt seinen Film in einen morbiden und erschütternden Schluss münden, der jeden auf die Probe stellen könnte. Böse wird gut, gut böse, und die Menschen, die frei zu sein glaubten, finden sich in ihrer Freiheit gefangen. Ein moralisch bitterböser Film, der unspektakulär, aber auf eine befremdliche Weise dämonisch wirkt und den jeder einmal gesehen haben sollte.
[ ANBEI ]
Weshalb viele den Film so schlecht bewertet haben, kann ich verstehen. Für die Herrichtung des Strands wurde ein Naturschutzgebiet verwüstet und nicht zu knapp. Anscheinend wurde ein Paradies unwiderbringlich zerstört. Das verdamme ich auf Äußerste und bin nicht einverstanden damit. Aber ich denke, ich schreibe hier einen Bericht über das, was ich auf der Leinwand zu sehen bekam und nicht über Flurbereinigungsmaßnahmen der Firma 20th Century Fox.
[ FAZIT ]
Ein großartiger, spannender und schauspielerisch mehr als überzeugender Film, der nicht dahindümpelt, sondern wie kaum ein anderer DiCaprio in die psychologische Tiefe geht. Durch die strike, eindringliche Herausarbeitung von Richards Charakter erlangt der Film Brisanz. Von Anfang bis zum Ende eine wunderschön erzählte Geschichte, die fasziniert wie abschreckt. Danny Boyle verzichtet in seinem Film weder auf nackte Haut noch auf Gewalt, zeigt alles von seiner schönsten und seiner hässlichsten Seite zugleich.
Einer der ganz wenigen Filme, die auf meiner 10er Skala alle 10 Punkte erhalten. Wirklich ganz großes Kino. Leider kann ich den Vergleich zum Buch nicht anstellen, weil ich es noch nicht gelesen habe, aber das wird noch kommen.
Super Einstellung die du da hast, die haben zwar die Natur unwiderbringlich zerstört, aber was solls, deswegen war der Film trotzdem geil, hauptsache mir hats gefallen. Oha, daran geht die Welt zugrunde! Ich fand den Film eigentlich auch nicht sonderlich prickelnd, wie einige ausser mir auch. deshalb spar ich mir eine Bewertung!
Also, ich muss sagen, mir hat der Film nicht so gefallen. Am Anfang fand ich ihn ja ganz schrecklich, aber er wird zum Schluss hin besser. Aber ein ünerzeugenderer Anfang wäre wünschenswert. Imation2
05.06.2004 02:14
Sehr interessanter Erfahrungsbericht der mir auch sehr gefallen hat G Michael
05.02.2003 12:31
Super Einstellung die du da hast, die haben zwar die Natur unwiderbringlich zerstört, aber was solls, deswegen war der Film trotzdem geil, hauptsache mir hats gefallen. Oha, daran geht die Welt zugrunde! Ich fand den Film eigentlich auch nicht sonderlich prickelnd, wie einige ausser mir auch. deshalb spar ich mir eine Bewertung!
15.01.2003 15:57
Also, ich muss sagen, mir hat der Film nicht so gefallen. Am Anfang fand ich ihn ja ganz schrecklich, aber er wird zum Schluss hin besser. Aber ein ünerzeugenderer Anfang wäre wünschenswert. Imation2