In eternal memory
01.01.2006
Pro:
eine wunderschöne Filmidee
Kontra:
ein melancholisches Ende - aber that´s Life
Empfehlenswert:
Ja
 Katia23
Über sich:
Ich versuche Filmrezensionen zu schreiben. Alte Filme, neue Filme, lustige und traurige, schlechte u...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 73 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Es gibt selten Momente in denen ich meine Zigaretten vermisse, doch wenn man nachts am Rechner sitzt, ein Glas Rotwein neben sich - alles schläft - dann schon. Irgendwie war heute ein melancholischer Abend. Meine Lieblingsfernsehzeitung prophezeite mir einen weiteren Abend schlechter Unterhaltung als GEZ-Kunde oder die bessere Alternative - DVD. Der Weg zur Videothek war mal wieder zu weit, also mussten die eigenen käuflich erworbenen Silberlinge daran glauben. Irgendwann war mal bei Amazon ein Sonderangebot beider DVD´s ausgeschrieben. Und ich musste sie haben. Doch diesmal zur 1.
Story: Jesse (Ethan Hawke) fährt per Interrail durch Europa, im Zug nach Wien zu seinem Flieger heim in die Staaten trifft er die Französin Céline (Julie Delpy). Sie reden kurz und Jesse überredet Céline mit ihm in Wien auszusteigen und dort die Stunden bis sein Flieger geht mit ihm zu verbringen. Gemeinsam verbringen sie eine Nacht im Juni in Wien. Sie erzählen von Wünschen, Träumen und der Vergangenheit.
Fakten: Jesse - Ethan Hawke (Training day, Gattaca, Reality bites) Céline - Julie Delphy (Drei Farben-weiß, Broken flowers, Killing zoe)
Regie. Richard Linklater (School of rock, The newton boys) FSK ab 6 Jahren, Spieldauer ca. 97 Minuten. Kritik:
Hallo? Wir waren doch alle mal 23 Jahre alt, oder? Und viele von uns sind per Interrail durch Europa gefahren? Oder wie in meinem Fall durch Europa getrampt. Vielleicht war es nicht bei jedem von uns Wien, aber irgendwie haben alle Menschen, die ich gefragt habe eine romantische Begegnung mit einem Seelenverwandten gehabt, den sie bestimmt nicht in der Uni oder in der Straßenbahn nach Neustadt kennengelernt haben. Meine Romanze fand in Prag statt, ich war 19, er knapp 20 und natürlich hieß er Jan. (Heißen nicht alle Tschechen Jan?) der letzte Abend in wilder Party mit Freunden aus den Staaten, aus Polen, aus London und auch aus Deutschland. Er brachte mich am nächsten Tag zum Zug. Schluss und vorbei? Nee, nee. Doch das ist ne andere Geschichte und tut nix zur Sache. ;-)
Aber darum geht's nicht im Film. Es geht um die Romanze, um den Tag in Wien. Um Lyrik, um Gedanken und die Erkenntnis - einen wunderbaren Menschen getroffen zu haben, den man gleich wieder verliert. Bahnhöfe sind toll, das Geräusch des ankommenden Zuges, das Klappern der Waggons und das am Fenster stehen und Hinaussehen, den anderen im Klang der Schienen aus den Augen zu verlieren. Es ist anders als auf dem Flughafen, dort ist die Atmosphäre viel kühler und man wartet im Warteraum bevor das Flugzeug startet. Ein Bahnhof ist realistischer, wahrer.
Wunderbar gespielt von Ethan Hawke (einem Schauspieler, der sich auch gern als Sänger und Schriftsteller versucht - sein 1. Buch ist gar nicht mal schlecht) und Julie Delpy (neben Juliette Binoche meine Lieblingsfranzösin und auch sie kann singen - aber auch das erst im 2. Teil) und in Szene gesetzt von Regisseur Richard Linklater. Es ist ja nicht so das ich mit einem Dauerlächeln vorm Fernseher saß, doch ab und an erwischte ich mich dabei und bei einem kleinen Seufzer. Noch einmal 23 sein. Ohne nachzudenken aus dem Zug aussteigen, keine Verpflichtungen und einfach eine Nacht mit einem fremden Mann zu verbringen. Gemeinsamkeiten entdecken, Geschichten erzählen und natürlich der erste scheue Kuss (man kennt sich ja noch nicht) nur um festzustellen, dass man doch mehr will. *seufz* Blicke in der Plattenkabine, sieht sie ihn an, schaut er weg und umgedreht. Ein Sonnenuntergang mit Prater, eine Kneipe mit traurigem Grunge und das Cembalo zum Morgen. Es ist so, als blickte ich zurück, wenn ich den Film sehe. Und gleichzeitig traurig und doch schon etwas abgeklärt, höre ich den Gesprächen über Liebe, Familie und dem Glück zu. Vielleicht ist es doch schön, schon etwas älter zu sein. :-) Nicht mehr diese Unruhe zu haben, nicht zu wissen, was man erleben wird, wie man sich ändern wird. Man blickt zurück und kennt es bereits. Aber es ist sooooo schön...
Jetzt aber mal Schluss mit dieser blödsinnigen Romantik - Richard Linklater lässt seine Protagonisten in einem sehr kurzen Zeitraum agieren, um so schöner ist es deshalb das der Film so realistisch ist. Irgendwie ist nicht so richtig klar, ob die Gespräche über Liebe und die anderen Dinge des Lebens aus einem Drehbuch stammen oder ob sich Julie Delphy und Ethan Hawke einfach nur unterhalten. (Im 2. Teil "Before sunset" wird das noch deutlicher). Es ist definitiv nicht kitschig (jedenfalls nicht sehr) - es ist die Kurzlebigkeit die den Figuren Jesse und Céline einander Sachen anvertrauen lässt, die man sonst so schnell niemanden erzählt und das Wissen, dass man sich am nächsten Morgen trennen wird, und dabei haben sie das Verliebtsein gerade erst entdeckt. Wunderbare Dialoge und ein Blick auf Wien, nicht nur die bekannten Ecken der Donausstadt, sondern auch die kleinen Gassen und schönen Parks. (ist die Mehrzahl von Park tatsächlich Parks? Brrr....) und am Ende es Films bleibt die Hoffnung auf ein erneutes Treffen im Dezember. Ob und wie das zustande kam gibt's aber erst in "Before Sunset". Okay zum Punkt. Wer Action in einem Film mag, sollte die Finger von "Before Sunrise" lassen. Wer keine tiefschürfenden Beziehungsgespräche mag, sollte sich diese DVD nicht ansehen. Aber diejenigen unter uns, die so etwas mögen, wie "Reality Bites" oder "Singles" oder "Chasing Amy"die werden wie ich vorm Fernseher sitzen und ihrer Jugendliebe in London, Paris, Warschau oder Prag gedenken.
Es ist kitschig, es ist super gefühlvoll und vor allem absolut indiskutabel für Jungs! Ein Film für Mädels eben. Nicht nur wegen Ethan Hawke, sondern wegen Gesprächen über die Liebe. Man fühlt sich wieder wie Zwanzig, sitzt auf der Karlsbrücke und schaut dem Sonnenuntergang auf dem Hradschin zu.... In diesem Sinne. Ich plädiere für mehr Zeit für die Liebe im neuen Jahr! Katia
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Ethan Hawke, Julie Delpy - Before Sunrise (Warner Home Video - Dvd) ...
Release: 10.12.2004, Format: DVD-Video Album, Neuware, Inhalt: 0 Discs, Label/ ...
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02.02.2008 19:48
gehört auch zu meinen Lieblingsfilmen
25.11.2007 21:29
Hm, ich denke schon, dass auch Jungs den Film gerne sehen. ;-) Ich mag ihn, er ist sehr schön. lg. Fabian
14.06.2006 12:43
Sehr schöner Bericht.. Ich hab die 23 zwar noch vor mir,aber ich schmiede jetzt immer schon heimlich meine Roadtrip-Pläne :-) Und wenn ich da auch meinem Jesse begegnen würde...*schmacht*.. ich bin auf dem Film durch eine Zeitschrift vor ca. 2 Jahren aufmerksam geworden,da er in einem Atemzug mit seinem Bruder "Before Sunset" genannt wurde.. Kurz darauf beauftragte ich meine Eltern mir doch möglichst beide aus der Videothek mitzubringen.. Ich hab sie mir dann eines Abends hintereinander angeschaut und bin aus dem Träumen fast nicht mehr rausgekommen..Die Filme sind einerseits so "einfach" gemacht,ohne unnötigen Schnickschnack, und doch so tief und berührend.. Liebe Grüße,Veronika