Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Kreativität * Gerechtigkeitssinn * Vielseitigkeit u . v . m . |
| Kontra: |
. . . Zeitraffer * Konzentrationsstörung * Unerkanntsein u . v . m . |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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«I felt a Cleaving in my Mind - as if my Brian had split»
(Ich spürte ein Sich-Spalten in meinem Inneren - als wäre mein Gehirn entzweigegangen)
Emily Dickinson (1864)
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Da ich auch eine ADDlerin (Hunter) bin und die alltäglichen Schwierigkeiten kenne, liegt es mir besonders am Herzen Aufklärungsarbeit zu leisten, mein Wissen und gesammelte Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen, um anderen Betroffenen (mit oder ohne ADD/ADHD) zu ermutigen.
Ich arbeite als freiberufliche Grafikerin und Autorin, bin 44 Jahre und ständig auf der Suche nach Lösungen, welche mir mein Leben (mit ADD) etwas erleichtern. Deshalb habe ich auch das Buch >Mein Leben mit ADD< (Band 1) geschrieben. Ich möchte allgemeine Aufklärungsarbeit leisten, da ADD/ADHD/ADS noch recht unbekannt ist und die meisten Betroffenen von dieser (ihrer) Störung nicht einmal wissen und oft (wenn sie sich dann "um Hilfe bittend" an einen Arzt wenden) falsch behandelt werden. Leider ist das Wissen über ADD/ADHD auch unter Ärzte, Therapeuten und Pädagogen noch nicht sehr verbreitet.
Um nicht alles wiederholt zu Papier (in Foren) zu bringen, benutze ich "mein Geschriebenes" aus meinen "eigenen" Webseiten *** www.addchaotic.de ***
Ich bin mir sicher - und das zeigt meine Leserschaft vom Jahr 2000 an, daß auch Ihr im folgenden Text viel von Euch selbst oder den Euch bekannten Betroffenen wiederfinden werdet.
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ADD (ich benutze hier immer die Kurzform - die richtige internationale Bezeichnung lautet ADHD) ist keine Krankheit, sondern eine Störung, welche jedoch nicht nur negative Seiten zeigt - und die positiven, kreativen oft genialen Eigenschaften dieser Menschen hervorgehoben werden sollten.
Meine Sprache des Ausdrucks ist leicht verständlich, plastisch und manchmal vielleicht auch theatralisch, um ein Verstehen jedermann zugänglich zu machen.
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Der Versuch
Dies ist mitunter ein Beginn meiner Neuorientierung
Ich habe mich entschlossen, den Versuch zu starten, dieses Buch zu schreiben, um mir und allen anderen ADDlern jenen Blick zu verschaffen, der es uns möglich(er) macht, mit ADD zu leben. Ich kann ab heute nur hoffen, daß dieses Projekt nicht - wie zig andere meiner Projekte - im Ansatz steckenbleibt und die Überschrift dieses Kapitels >Der Versuch<, nicht nur ein Versuch bleibt, sondern eine Vollendung.
Meine Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung (ADD, von englisch attention deficit disorder) stellt mich hiermit auf eine harte Probe erzwungender Disziplin und Konzentration, wie hoher Anforderung, mich um mein Vorhaben zu bemühen und dem mir unerträglichen Druck standzuhalten.
weiter ..........
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Dieses Buch ist nicht nur für ADDler, sondern auch für Menschen, die einen ADDler in ihrer Familie oder in ihrem Bekanntenkreis haben. Ich hoffe sehr, daß ich mit meinem Buch dazu beitragen kann >ein allgemeines Verständnis aufbauen zu können<, damit wir ADDler endlich besser verstanden werden, akzeptiert und als Ganzes in unserer Gesellschaft integriert. Wir Betroffene wünschen uns das sehr, denn wir sind es leid ausgegrenzt zu werden, sich unverstanden zu fühlen und nicht selten sogar als Versager, dumm oder Träumer gesehen zu werden.
Ein genaues Wissen um die Krankheit ADD >Attention Deficit Disorder< bzw. ADS >Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom< trägt dazu bei, einander besser zu verstehen und Mißverständnisse aus dem Weg räumen zu können, welche einen starken negativen Einfluß auf ADD haben, wodurch ADD nur verschlimmert wird und daraus resultiert, daß wir ADDler, und Menschen ohne ADD die mit uns leben und arbeiten, >im ewigen Konflikt miteinander stehen<. Durch Aufklärung und Verständnis wird es uns vielleicht bald ermöglicht - selbst mit gewissen Defiziten - ein normales Leben führen zu können.
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Was ist ADD? (Kurzbeschreibung)
ADD (Attention Deficit Disorder), oder ADHD (Attention Deficit Hyperactivity Disorder), oder ADS (Aufmerksamkeits Defizit Syndrom) mit und ohne Hyperaktivität und Sozialstörung, ist eine Aufmerksamkeitsstörung, ein ererbtes neurologisches Syndrom, charakterisiert durch leichte Ablenkbarkeit, einer kurzen - aber auch einer außerordentlich intensiven Aufmerksamkeitsspanne, verkürzter Ausdauer und Konzentration, übersteigerter Impulsivität, verzerrtem Zeitgefühl, aggressiven Verhaltensweisen, Hyperaktivität oder Hypoaktivität, Depression, vermehrte Reizbarkeit, Frustrationsintoleranz, einer niedrigen Toleranz für Langeweile, einer überdurchschnittlichen Neigung, zu sagen oder zu tun, was einem gerade einfällt und hoher Kreativität. Nicht selten wird ADD auch von einer Leistungs- oder Teilleistungsschwäche begleitet.
ADD ist nicht einheitlich und einzelne Symptome variieren individuell, wodurch ein Festlegen des Krankheitsbildes nicht möglich ist. ADD-Symptome findet man in jedem Menschen, und nur die >Dauer< und >Heftigkeit< der Symptome kennzeichnen das Krankheitsbild. Nicht alle genannten Symptome (und es wurden nur die auffälligsten Symptome aufgezählt) müssen nebeneinander bestehen und ebensowenig müssen nicht alle Symptome gleich stark ausgeprägt sein.
Um ADD einem gesunden Menschen verständlich zu machen und um es zu erkennen, bedarf es der Aufzählung von Fallbeispielen, da ADD zu komplex und widersprüchlich ist. >Auffällig ist, was anders ist<, und ADDler sind eine ganz andersartige Persönlichkeit. Wir sind die Jäger (Hunter) in einer Gesellschaft von Farmern (wie es Thom Hartmann in seinem Buch "Eine andere Art die Welt zu sehen") so schön beschreibt.
Ein wesentliches Symptom des ADD ist die Störung der Aufmerksamkeit, die sich auf unterschiedliche Weise bemerkbar macht. ADDler können nicht lange bei einer Sache bleiben, obwohl eine grundlegende Fähigkeit an Konzentration durchaus möglich ist, sie sich aber nicht auf alle Bereiche übertragen läßt und von verschiedenen Faktoren abhängt. Die meisten ADDler können manchmal sogar hyperfokussieren. Da ADDler immer alle Antennen auf Empfang haben, bekommen sie alle Umgebungsreize gleichstark mit und können irrelevante Faktoren nicht ausblenden. Man nennt dies auch >Reizfilterschwäche<.
ADDler werden oft als Träumer und Versager hingestellt, als Menschen, die nicht zuhören können, andauernd abschweifen, schnell Wutausbrüche ohne ersichtlichen Grund bekommen, sich scheinbar nicht genug bemühen, sich eben in vielen Lebenssituationen unpassend benehmen. Sie sind nicht sehr entschlußfreudig, immer auf dem Sprung, haben mehrere Projekte gleichzeitig laufen, bringen selten eine Sache zu Ende, sind ständigen Stimmungsschwankungen unterworfen, reagieren meist gereizt oder gar wütend, haben ein lückenhaftes Gedächtnis, und sie können von einer Euphorie - innerhalb von Sekunden - in eine tiefe Depression fallen.
Obwohl ein ADDler mit seinen Problemen in dieser Gesellschaft täglich Kämpfe austragen muß, bringt ADD auch einige Vorteile, welche nicht ungenannt bleiben sollten. Energieüberfluß, Intuition, Kreativität und Begeisterungsfähigkeit machen einen ADDler außergewöhnlich und zu einer besonderen Persönlichkeit.
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Vorwort an unüblicher Stelle
Manchmal glaubt man, daß der Schatten nie vorüberzieht und sieht verzweifelt nach oben, wo graue Wolken sich nicht aufzureißen scheinen. In der Ferne der blaue Himmel und die gelbe warme Sonne, darunter das bunte Kleid des Lebens und die Schönheit der Stadt in der wir leben. Müde und traurig der Schritt, Gedanken flatterhaft und einfach nicht zu greifen; im Innern der Schmerz der Fülle, der uns zeigt, daß es da drinnen soviel gibt zu geben - aber wie. Und dann noch die unzähligen Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Willst/wollen DU/SIE Antworten finden?, so hilft dieses Buch vielleicht.
Ich war über 20 Jahre auf der Suche was ich nicht finden konnte, weil ich nicht wußte wo ich suchen sollte - um zu finden. Eine Pyramide der Wut manifestierte sich und ein steiniger Weg brachte mich oft zu Fall. Aber ich stand immer wieder auf, und was viel wichtiger war, ich blieb in mir.
Jetzt habe ich viele Antworten für mich, für Dich, für Sie - und die graue Wolkendecke reißt sich auch für mich hin und wieder auf, nicht immer, aber vielleicht immer und immer öfter.
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Kurze Erklärung - für die immer wieder auftauchenden verschiedenen Abkürzungen und deren Bedeutungen
>ADS< (Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom) ist eine von mehreren Bezeichnungen, die von den Fachautoren für die gleiche Problemgruppe verwendet wird.
In Deutschland hat sich vor allem der Name >HKS< (Hyperkinetisches Syndrom) eingebürgert, der jedoch recht irreführend die motorische Unruhe in den Mittelpunkt des Krankheitsbildes stellt.
Folgende weitere Begriffe werden in der internationalen Fachliteratur ebenfalls verwendet:
ADD: Attention Deficit Disorder
MCD: Minimale cerebrale Dysfunktion
MBD: Minimal Brain Dysfunction / Damage
POS: Psycho-organisches Syndrom (Schweiz)
ADHD: Attention Deficit Hyperactivity Disorder mit und ohne Hyperaktivität und Sozialstörung gilt in den USA und international als korrekte Bezeichnung.
Alle Namen umfassen allerdings nur Teilaspekte der Störung und sind daher nicht identisch, aber sie überschneiden sich in großen Bereichen.
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Bericht von Dr. Droll (Berliner Psychiater und mein Arzt):
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung
Das Störungsbild
Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung wird im internationalen Schrifttum als Attention Deficit Hyperactivity Disorder (ADHD) bezeichnet. Teilweise wird auch die kürzere Bezeichnung Attention Deficit Disorder (ADD) verwendet, die aber den gleichen Störungskomplex meint. Man versteht hierunter wesentliche Funktionsbeeinträchtigungen in drei Bereichen:
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Epidemiologie
Eine Reihe von Untersuchungen hat die Unabhängigkeit des Auftretens dieser Störung von kulturellen Bedingungen belegt. Die Häufigkeit liegt im Mittel aller Studien bei ca. 5% im Kindes- und Jugendalter, wobei unter Betonung des Hyperaktivitätskriteriums deutlich mehr Jungen als Mädchen betroffen erscheinen. Man kann davon ausgehen, daß mindestens ein Drittel der betroffenen Kinder auch im Erwachsenenalter noch wesentliche Beeinträchtigungen durch ihr Störungsbild hat.
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Die ADS ist eine komplizierte Störung, die nicht einfach in die üblichen diagnostischen Schubladen paßt. Wir bekommen ein einseitiges und überaus vereinfachtes Bild von Problemen, die Leute mit ADS haben, wenn wir die ADS mit den drei üblichen klassischen Symptomen, nämlich Hyperaktivität, Impulsivität und Aufmerksamkeit beschreiben. Viel zuviel von der vorhandenen Literatur stammt aus der Feder von ADS-Experten, die diese Störung von außen beobachten. Eine solche Sichtweise erfaßt nur einen Teil der Geschichte. Die ADS ist nämlich ein ganz subtiles Handicap, dessen Auswirkungen wir gerade erst zu verstehen beginnen.
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Die ADS sieht sogar bei ein und derselben Person zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich aus.
Die Auswirkung der ADS auf das Leben der Betroffenen
Desorganisation
starke emotionale Reaktionen
Leistung unter seinem Potential
ein geringes Selbstwertgefühl
Beeinträchtigung von Beziehungen
Depressionen
Leute mit ADS haben beim Herausfiltern nicht benötigter Informationen Schwierigkeiten. Nicht Betroffene blenden ganz automatisch, mühelos und ohne Denkanstrengung nicht relevante interne und externe Störquellen aus. Personen mit ADS handeln bei >weit geöffneten Toren<. Da sie Störendes nicht ausfiltern können, fühlen sie sich leicht überflutet, bombardiert, angegriffen und überrumpelt.
Daher ist es durchaus verständlich, daß solche Leute emotional sehr heftig reagieren können. Man kann auch leicht nachvollziehen, daß die ständig auf wechselnde Ziele gerichtete Aufmerksamkeit zu ernsthafter Desorganisation führen kann.
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Wiederkehr
Seit Tagen bin ich wieder der Unfähigkeit verfallen und leide. Mein Leid >Nichts< auf Papier bringen zu können, keinen Schritt vor den anderen zu setzen, um auch nur den Anfang zu finden, mich an den Computer zu setzen um zu schreiben. Jeder Gedanke gehört diesem Buch und anderen neuen Projekten, ob unter der Dusche, beim Lesen, in einer Unterhaltung etc. Es tut weh und die Schmerzen der Unfähigkeit sind unbeschreiblich. Ich schreibe in meinem Hirn und finde den Ausdruck, welchen ich nicht vermag wenigstens auf mein Diktiergerät zu sprechen. Mit allerletzter Kraft und dem Wissen, daß sich meine Gedanken in Luft auflösen werden, wenn ich sie nicht sofort schriftlich festhalte, starte ich den Versuch, wenigstens einen Teil davon in groben Stichpunkten auf einen Fetzen Papier zu kritzeln. In meiner Hand der Stift und vor mir liegend das leere Blatt - nicht selten weiß und kühl bleibend.
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Die letzten Tage waren mal wieder die Hölle und ich wollte, wie so oft, alles hinschmeißen. Jetzt saß ich Stunden vor dem Computer (weil ich mir vorgenommen hatte zu arbeiten), doch alles was ich tat war: mich ablenken lassen und von einem Programm zum andereren wandern. Ein ständiger Druck im Nacken, meine innere Stimme, die mir sagte: >Nun fang endlich an<!, aber es passierte nichts. Dieser Zustand ist unerträglich und läßt mein Selbstwertgefühl, welches eh kaum noch vorhanden, auf den Nullpunkt sinken.
Ich verschiebe, wo es nur zu verschieben geht, bis aufs Äußerste. >Manche Dinge bleiben unbearbeitet liegen, bis sie sich von selbst erledigen.< Mit jeder Verzögerung baut sich ein Feld von Zweifeln und Panikattacken auf. Panik vor der Zukunft, weil ohne Einsatz und Organisation keine Existenzgrundlage geschaffen werden kann bzw. erhalten bleibt. Wie kann ich leben, ohne auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, welche mich in Selbstzweifel und ohne Selbstwertgefühl wiegt, womit ich wieder und wieder zum Resultat des Versagers gelange, obwohl ich kein Versager bin.
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Die Wut
Die Wut, welche immer präsent scheint und explosionsartig ohne definierbaren Grund ausbrechen kann, ist eine meiner schlimmsten Feinde. Sie beeinträchtigt mein Leben, und ich komme mir vor auf einer Vulkan-Insel zu leben. Niemand weiß, wann der Vulkan ausbricht und welche Folgen er hat. Diese unkontrollierbare Wut kommt sozusagen aus dem Nichts und beherrscht die momentane Situation so stark, daß es keine Möglichkeit gibt, ihr aus eigener Kraft zu entrinnen. Vielmehr bin / wäre ich dann einem verständnisvollen Menschen ausgesetzt, welcher wiederum die Kraft besitzen muß, diese Ausbrüche der Wut nicht auf sich zu beziehen und sanft gegenzuwirken. Nur der aufgeklärte Mensch über ADD ist in der Lage, eine Folge der Wut von unnötigen und sinnlosen Auseinandersetzungen umzuwandeln. Deshalb liegt es mir besonders am Herzen, für mich und andere Betroffene, dieses Buch zu schreiben und somit Aufklärungsarbeit zu leisten.
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Die Depression
Die Depression ist ein weiterer schlimmer Feind. Sie tritt genauso unvorhersehbar ein und leistet den größten Beitrag, mein Leben nicht organisieren zu können. Sie kommt und geht in kurzen Abständen, und kann aber auch sehr anhaltend sein und zur völligen Unfähigkeit führen. Obwohl sich meine Depression ankündigt, ich ihr durch diese Ankündigung entgegenwirken könnte, kann ich es nicht. Es ist, als würde ich am Strand sitzen und aufs Meer blicken. Ich sehe einen Menschen ertrinken (mich) und schaffe es nicht, ins Wasser zu springen, um diesen Ertrinkenden zu retten. Ich sehe zu, bin wie gelähmt, erkenne die Not und lasse es dennoch zu. Danach Stille. Der Leichnam schwimmt auf der Oberfläche, das Wasser glitzert im Sonnenlicht, und ein Gemisch von Frieden und Grausamkeit erbricht sich.
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Der Anker im Boot
Ich schwimme von einem Projekt zum anderem und werfe keine Anker, um zu bleiben. Ich kann diese Anker nicht werfen, weil nichts so hundertprozentig ist, daß es sich lohnt, bleiben zu wollen. Lieber schwimme ich weiter, in der Hoffnung, einen besseren Ankerplatz zu finden. Und so sitze ich in meinem Boot, treibe immer weiter hinaus und erkenne keine Ufer mehr.
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Briefe an meinen Arzt
» (bevor ich von ADD wußte) «
(23.08.96)
Sehr geehrter Herr Dr. Droll,
... Heute drehten sich all meine Gedanken darum, mein Leben beenden zu wollen. Ich kann diesen Schmerz nicht ertragen, fühle mich wie eine Seifenblase, in die sich ein Strohhalm bohrt. Meine innere Leere, die doch bedeutet: Platz für >Neues< zu haben, ängstigt mich. Dennoch fühle ich auch eine Veränderung, die Leben bedeutet.
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Ein Gefühl von Leere breitet sich in mir aus. Nichts zu spüren ist wie ein Stillstand des Herzens. Kein Blut wird mehr durch meine blaßblauen Adern gepumpt, meine Atmung setzt aus. Ich bin wie ein Roboter und setze einen Fuß vor den anderen, wie ferngesteuert.
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Ich hasse Oberflächlichkeit - und gerade diese umgibt mich unaufhörlich. Ich liebe die Tiefe und Kreativität. Leben soll Bewegung sein, Stille die Möglichkeit aller Dinge. Anatomie des Widerspruchs ist >Die Pyramide der Wut< in mir. Weshalb darf ich nicht glücklich sein? Hindert mein Denken mich daran? Ich bin vor einer Stunde aufgewacht, zwischenzeitlich klingelte das Telefon und ich reagierte nur aggressiv. Ich möchte ja freundlich sein, aber es will mir nicht gelingen. Meine Art mit Menschen umzugehen ist manchmal erschreckend. Sie sind hilflos mir gegenüber und verstehen nicht, worum es geht. Wie sollten sie auch. Ihre Bemühungen sind ehrlich, aber meine allgemeine Wut übertrage ich sofort und bin verletzend.
Ich bin ein Steppenwolf (oder gar der Steppenwolf von Hesse). Die meisten mögen mich als feinen, klugen und eigenartigen Menschen, und sind dann entsetzt und enttäuscht, wenn sie plötzlich den Wolf in mir entdecken.
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Der Anfang und das Ende aller Philosophie ist Freiheit. Nicht zu wissen, wie man handeln soll, oder nicht handeln können, das reißt einem die Eingeweide heraus. Ich möchte nicht blockiert werden von meinen psychosomatischen Störungen. Ich weiß, daß meinem Leben etwas fehlt, was ich nicht finden kann - und nicht weiß, was ich suche - und wo ich suchen könnte. Ich möchte Freiheit, weil Freiheit etwas Unendliches und Grenzenloses hat. Ich möchte die Freiheit und den Widerspruch, die Gegensätze, die einander befruchten und nicht zunichte machen. Ich möchte kein Strom ohne Ufer sein, und unkontrollierte Wassermassen in alle Richtungen über mich ergießen lassen. Ich stehe neben mir und sehe zu, wie mein Leben an mir vorübergleitet.
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(25.08.96)
Sehr geehrter Herr Dr. Droll,
ich erliege wieder einer völligen psychophysischen Erschöpfung. Es beunruhigt mich nicht sonderlich, da ich diesen Zustand schon seit frühester Kindheit kenne - und unbewußt einzuordnen weiß. Es macht mich dennoch fertig, weil ich nicht aktiv sein kann. Mein Verstand arbeitet isoliert vom Körper. Ohne Vorboten tritt diese Erschöpfung ein, läßt mich schwitzen, bringt mir Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Leistungs- und Konzentrationsschwäche, Müdigkeit, bis hin zur Bewegungslosigkeit. Alles spielt sich lautlos und scheinbar undramatisch ab. Ich leide sehr darunter. Schon als Kind habe ich mich in solchen Situationen in Schweigen gehüllt, mich in meinem Zimmer verkrochen und (wenn es der Zustand zuließ) viel gelesen. Beim Lesen, oder besser, wenn meine Augen nur noch auf die Schrift starrten, begann ich mit den Autoren zu reden, oder blieb träumerisch versunken in der Geschichte selbst.
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Ich weiß, daß meine grüblerische und schweigsame Seite mich nach außen kontaktschwach macht, bzw. die meisten damit nicht umgehen können und mich auch teilweise meiden. Meine sonderlingshaften Züge bringen mir wenig Verständnis von anderen. Aber ich kann - und will mich auch nicht anpassen, nur weil man mich anders haben möchte und es meinem Ich nicht entspricht. Ich bewahre mir meine Sensibilität, die der Welt verlorenging, da es ein Gut ist, welches ich leben lassen möchte - und nicht töten.
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Weiterhin fühle ich mich körperlich gepeinigt durch äußere Reize wie: Klingeln des Telefons und sonstige laute Geräusche jeder Art, oder gar nur durch Luftzug, weil meine Haut ebenso sensibel ist. Ich bin in kürzester Zeit, ja in Sekunden, dermaßen gereizt, daß ich diesen Zustand unerträglich finde und anfange aggressiv zu werden, zu brüllen und schwer zu beruhigen bin. Es kostet mich - und andere - sehr viel Kraft, mich wieder in einem relativ normalen Zustand zu bekommen. Unwiderruflich bleiben Narben im sozialem Gefüge zurück, welche in mir nicht nur Schuldgefühle für ein ganzes Leben hinterlassen können. Die besten Erklärungen helfen da auch nichts mehr, denn man kann ein Geschehen nicht ungeschehen machen.
>Mit den Augen im ewigen Frieden, mit dem Ohr im ewigen Krieg.
Schoppenhauer
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... Es kommt meist eine etwas dekadent wirkende Müdigkeit zustande, die sich auch mimisch ausprägt und auf den Betrachter oft, und zwar letztendlich und fälschlich den Eindruck des etwas Arroganten, Überheblichen vermittelt. Ich bin jedoch weder arrogant, noch überheblich, noch launisch. Mein Schweigen trägt oft die Färbung des Freudlosen, aber ich schweige nicht, weil ich keine Freude oder Anteilnahme empfinde, sondern, weil es mir wirklich oft schwerfällt zu reden.
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Was wäre ich ohne mein Leid? Oft bin ich sogar dankbar, daß ich dadurch schöpferisch sein kann. Nur aus dem Leid heraus wachsen mir Flügel, mit Schwingen, so weit, daß sie Schatten auf die Erde werfen und das Grün gedeiht anstatt verbrennt.
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Zitat von Arno Gruen:
Während jene als >verrückt< gelten, die den Verlust der menschlichen Werte in der realen Welt nicht mehr ertragen, wird denen >Normalität< bescheinigt, die sich von ihren menschlichen Wurzeln getrennt haben. Und diese sind es, denen wir die Macht anvertrauen und die wir über unser Leben und unsere Zukunft entscheiden lassen. Die erste Art des Wahnsinns gilt in unserer Zivilisation als >Realismus< und nur die zweite als >Krankheit<.
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Ich weiß, weshalb ich immer wieder schreibe, weil ich mit meiner Art des Ausdrucks gegen den Betrug der herrschenden Meinung ankämpfen will. Ich vertraue meiner eigenen Wahrnehmung und lasse mich nicht blenden und einschüchtern, bloß weil die heutige Realität mich verletzbar macht. Ich bin voller Widersprüche und fühle mich daher weit entfernt vom Selbstbewußtsein. Dennoch bin ich mir sicher, daß meine inneren Widersprüche eine eigene Dynamik entwickeln - und dies läßt mich die sein, die ich auch sein möchte, selbst wenn ich mich immer wieder gegen den Rest der Welt stelle. Daran habe ich auch erkannt, daß ich trotz meiner vielen Schwächen, die mir mein Leben oft unmöglich machen, trotzdem stark bin, denn ich lasse mich nicht unterkriegen und folge meiner inneren Stimme.
Ich habe mich immer dagegen gewehrt, >so zu sein wie man mich haben will<, um dafür geliebt zu werden.
Auf all diese Aktionen folgen natürlich auch Reaktionen, die nicht selten mit unerträglichen Schmerzen einhergehen. Ich habe gelernt, mit diesen Schmerzen zu leben, ohne daß sie mich taub machten, sondern einfach nur unendlich traurig und verzweifelt, und leider noch immer nicht verstehend, weshalb die meisten Menschen so sind. Aus diesem Nichtverstehen wurde anfangs ein Haßgefühl in mir erzeugt, mit Wunsch auf Rache. Später fing ich an zu vergeben, da mir immer mehr bewußt wurde, daß ich nicht leiden sollte darunter, sondern daß die anderen es nicht besser wissen und die eigentlichen Leidtragenden sind. Doch obwohl sie die Leidtragenden sind, sind sie dennoch nicht mit Schmerz erfüllt, da sie eben auch die Unwissenden sind.
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Brief an meinen Arzt
» (als mir ADD bescheinigt wurde) «
Sehr geehrter Herr Dr. Droll,
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Ich bin ein Hunter (Zum Thema: Menschen mit ADD als Außenseiter in unserer Gesellschaft)
Jetzt ist es also raus, ich habe ADD - und muß es wohl Zeit meines Lebens ertragen, wie sich meine Gedanken zu tausenden von Zahnrädern formatieren und ineinandergreifen bis sie quietschen oder knarren. Dieser Zahnradhochtourenapparat kommt erst -etwas- zur Ruhe, wenn ich mich bewußt ablenke, indem ich mich einer neuen mir interessanten Aufgabe widme. Es erfordert ein hohes Maß an Energie, Kraft und Überwindung, zumal ich (im Bewußtseinzustand dessen) mich, während einer schon vorhandenen körperlichen Erschöpfungsphase, in eine noch mehr kraftkostende Phase begebe, die meinen Körper bis zum Äußersten beutelt und angreift. Obwohl ich meist schon vor Erschöpfung schiele und mir die Stimme versagt (ich mache zwischendurch Sprachtests), mein Körper zittert und von Angstzuständen besessen, komme ich dennoch kaum zur Vernunft aufzuhören. Nicht selten ist das letzte Signal ein ernstzunehmender Zusammenbruch, daß ich es nicht einmal mehr schaffe mich zu entkleiden. Ich bete nur noch, das bitte nichts Schlimmes passiert, und verspreche, in Zukunft nicht mehr so zu übertreiben. Unzählige Versprechungen habe ich mir selbst und dem, was auf mich aufpaßt, gegeben.
Man kann, so glaube ich, nicht wirklich sagen, daß ADDler alles um sich vergessen, wenn sie bestimmten Sachen hinterherjagen. Irgendwo bleiben die anderen (vernünftigen) Gedanken - eine lange Zeit neben der neuen Aktion, um einen selbst zu warnen bzw. zu mahnen. Doch später übernimmt der innere Jäger die Oberhand und die letzten warnenden, mahnenden Gedanken sind ausgelöscht. Manchmal jedoch nicht für immer ..., sie kehren zeitweise zurück und werden mal blasser, oder sogar deutlicher. Es kommt auf die Wichtigkeit der Aktion und Situation an.
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Heute bin ich sehr früh aufgestanden. Mich plagten fürchterliche Träume und das Wissen, daß mein Hund bald sterben wird. Mich plagt die neue Erkenntnis. Ich bin also zu früher morgendlicher Stunde aufgestanden, ungeduscht in meine Sachen geschlüpft, den Hund an meiner Seite und raus in den Herbst. So spazierten wir beide durch die Stille - und ich sammelte Laub und Eicheln. Der Morgen war so bunt und warm, daß es wieder einmal schmerzte und dennoch der eigentliche Schmerz zu heilen begann. Ich fühlte regelrecht in Bildern, wie Wunden zusammenschmolzen und das Rot sich verwandelte. Meine Wunde nahm die Farbe eines besonders schönen Blattes in meiner Hand an, und ich fühlte Liebe zum Leben - zum neuen Leben. Daraus ergaben sich neue Ziele und eine noch nicht geborene Kraft, die aber alsbald geboren werden möchte. Jetzt liegt es wieder erneut an mir - und erneut tritt dann die mir bekannte Angst in Kraft, daß ich wieder versagen könnte.
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Wut über die Vergangenheit
Ich bin wütend über die Vergangenheit, weil ich so viele Dinge versäumt habe, oder besser, ich unfähig war mein Potential umzusetzen. Im Rückblick meiner nun 36 Jahre habe ich zwar einiges im Leben erreicht, aber was hätte ich nicht alles erreichen können, wenn es da nicht dieses ADD geben würde. Immer wieder die gleichen Fragen, vor allem die eine Frage: >Was wäre gewesen, wenn meine ADD schon als Kind erkannt worden wäre, meine Eltern nur etwas mehr Aufmerksamkeit dem geschenkt hätten, was meine frühen Depressionen, Zurückgezogenheit, Übermut, Stimmungsschwankungen, Schulprobleme, soziale Probleme, Bockigkeit, Aufsässigkeit und vor allem der Selbstmordgedanken, welche ich schrieb und aussprach etc. anging? Aber wie von den meisten Eltern, wurden diese Verhaltensweisen und Defizite als ganz normales Erscheinungsbild eines Kindes oder Jugendlichen gesehen. Jedes Kind hat eben seine Eigenarten und Unartigkeiten, wie Probleme in der Schule oder Umfeld.
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Zeitgeizheit
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Mir erscheint die Zeit wie Wildwasser. Ich sitze im Kanu und kämpfe mich durch die tobenden Wassermassen und kippe, bevor ich das Ziel erreiche, kraftlos aus dem schwankenden Boot. Manchmal erreiche ich aber das Ziel, bin erschöpft und fühle mich wunderbar frei und groß. Ich fühle, wie ich das reißende Wasser bekämpft habe, richte mich auf und bin voller Zuversicht.
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Mißverständnisse
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Eine, nach ADDler eigene Reizfilterschwäche macht dies ganz sicherlich nicht einfach. Resultate der Vergangenheit zeigen, daß mangels Filter und Konzentration, hoher Ablenkbarkeit und übersteuerten Emotionen, ganz normale Aussagen anderer zum Verhängnis werden können bzw. wurden. Die Aufnahme erfolgt in einem eher verschleierten Zusammenhang, so daß man nicht immer in der Lage ist, richtig zu empfangen. Dadurch entstehen Mißverständnisse und leider wird man nach geraumer Zeit dementsprechend eingeordnet, was zum allgemeinen Schubladendenken führt und unwiderruflich scheint. Dem vorzubeugen bedarf es an Aufklärungsarbeit, damit sich zwei Gesprächspartner nicht in die Höhle des Löwen begeben. Weiß der Gesunde von den Defiziten des ADDlers, so ist es möglich, noch einmal, bei Beobachtung eines Mißverständnisses, nachzufragen. Daraufhin ist es dem ADDler wiederum möglich, sich zu besinnen, neu zu überdenken und dementsprechend darauf zu reagieren. Bei Wiederholungen von ähnlichen Situationen tritt der Effekt ein, daß eine Art Lernprozeß an Konzentration beginnt, wobei die Wiederholungen immer längere Abstände bekommen. In anderer Form nennt man das auch Coaching.
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Der Schulweg
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Allgemein: Ich reagiere höchst sensibel auf Lautstärke und plötzlichen Änderungen. Mit Änderungen meine ich, daß ein schneller Wechsel von Situationen mich völlig aus der Bahn werfen kann, so daß ich mich voller Schmerz fühle und kein klarer Gedanke greifbar scheint. Dieser Umstand kann mehrere Stunden anhalten und kostet sehr viel Kraft, so daß ich völlig erschöpft einschlafe oder stundenlang apathisch auf einen Punkt starre. In dieser für mich sogenannten Apathie bin ich wie im Trancezustand, welcher ganz nach Grad der Schwere (nach dem scheinbaren Erwachen), zwischen wahrnehmbaren Traum und nebliger Leere einhergeht.
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Arbeitsleben
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Aber ich habe nicht nur Arbeitsplätze wegen meiner Robin Hood-Tätigkeit verloren, sondern auch, weil ich oft nicht in der Lage war, zur Arbeit zu gehen, oder Anweisungen zu befolgen, wie den richtigen Ton Vorgesetzten gegenüber zu finden.
Ich bin ein Nachtmensch und komme schlecht aus dem Bett, wenn ich aus dem Bett bin, brauche ich Ewigkeiten, um aus dem Haus zu kommen. Bin ich hinzu noch depressiv, so geht rein gar nichts mehr. Aber wer versteht das schon und wie regelt man das allgemein? Einem Vorgesetzten zu wiedersprechen, oder das zu sagen, was man gerade denkt, ist wohl nicht so vorteilhaft. Manchmal wollte ich ja meine Klappe halten, weil es sich nicht lohnte, etwas zu sagen, aber bevor der Gedanke zuende gedacht, platzte es schon aus mir heraus und dem Vorgesetzten platzte der Kragen.
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Konzentration
Meine Konzentration muß ich mir wahrhaftig erarbeiten, erzwingen oder auch mit Gewalt abbrechen. Letzteres ist ebenso gefährlich wie sich nicht konzentrieren können. Ich kann mich nicht einfach so hinsetzen und arbeiten oder eine Sache beenden um Etwas anzugehen was dringlicher und wichtiger ist. Diese Beschreibung über Konzentration ist schwierig. Was ich auch angehe, ich gehe es wirklich gern an - aber: ich kann weder einen Anfang finden - noch ein Ende. Kompliziert was?
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Die Sonnenseiten
Die Sonnenseiten meines ADD sind, daß mein Mangel an Filter - alles intensiviert. Durch diese Intensivität, wird jeder Reiz so stark und groß wie ein Fels, daß ich zwar erdrückt werde und Schmerzen ertragen muß, aber wiederum auch das Licht und die Schattenspiele mit meinen Augen, Ohren, Mund und Herzen filtere. Für mich bedeutet es, daß ich mehr Möglichkeiten in Betracht ziehen kann, welche vom gesunden Menschen erst gar nicht wahrgenommen werden. Weder wahrgenommen, noch überhaupt sichtbar. Ich war mir schon als Kind bewußt, daß ich alles aus einem anderen Blickwinkel sehe als andere. Meine Betrachtungsweise und Wahrnehmung war intensiver, phantastischer, kreativer, spannender und farbiger. Traurig war ich nur, weil ich mich mit niemanden austauschen konnte und allein im sonnendurchflutetem Mohnblumenfeld stand. Betäubt die Sinne und doch so wach, daß es sehr weh tat, alle Reize und alle Ereignisse in mir nicht ausdrücken zu können - können zwar schon, aber ohne wirkliche Zuhörer, und vorallem Sehende. Ich war allein und einsam; ich bin allein und einsam. Dennoch möchte ich nicht nur darüber traurig sein, sondern erfreue mich wahrhaftig an das was in mir steckt. Ich erfreue mich aber nicht im Sinne von Glücklichsein, nein, an der Art und Weise, wie ich das Leben sehe. Das was ich sehe, so glaube ich, ist das wirkliche Leben. Weit weg von der Schattenseite der Hektik und dem Streß der modernen und meist oberflächlichen Welt. Ich ordne Farben Temperaturen zu, Temperaturen den Farben, kann bestimmte Erinnerungen durch Gerüche in Bilder verwandeln und leben lassen, ich höre in Bildern Musik und mache Musik zu Bilder, ganze Symphonien erklingen durch Betrachtung, ich werde traurig und schmerzerfüllt durch Schönheit. --- Die Sonnenseite der Schmerzen, welche ich diesbezüglich gern ertrage.
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Interessiert es jemanden?
Seit ich weiß ADD zu haben, bin ich in erster Linie versucht - meine Familie, Freunde und Bekannte darüber aufzuklären. Ich hatte nicht gedacht wie schwierig das ist.
Es ist mir vor der Kenntnisnahme ADD schon aufgefallen, daß es scheinbar unmöglich ist, einen Menschen von einem bestimmten Bild >Mensch< abzubringen, welches dieser sich von jemandem gemacht hat. Im Leben verändert man sich, ob durch verschiedene Lebenssituationen, Zeit der Reife, Ausbildung und Beruf, gesammelten Erfahrungen etc.
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Wenn ich mir ein Bild von jemanden mache und Defizite erkenne, selbst gegen meine Vorstellung gerichtete negative Verhaltensweisen, so habe ich die Möglichkeit den anderen zu befragen, oder ein Muß an Geduld, bis der andere sich eventuell erklärt. Mir steht es nicht zu zu urteilen, ohne vorher wenigstens den Versuch zu starten nach Grund und Ursache zu forschen, damit Mißverständnisse nicht als Fels bestehen bleiben.
Meiner Meinung nach (nach der ich lebe) kann ich jemanden nicht mögen, aber es steht mir dennoch keine Verurteilung, Klatsch und Tratsch sowie Verachtung zu. Jemanden nicht zu mögen beinhaltet - mir die Möglichkeit, mich mit diesen Menschen nicht zu umgeben.
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Psychogene Erkrankungen
Als ich Anfang Zwanzig war, begann eine schlimme Zeit für mich, weil mir in dieser Zeit zig psychogene Erkrankungen das Leben zur Hölle machten. Ich hatte in kurzen Abständen, mehrmals täglich, verschiedene Anzeichen und Anfälle. Ich litt unter Todesängsten, Atemnot, Schluckbeschwerden, Sprachstörungen, Zungentaubheit, Sehstörungen, Augenschmerzen, geschwollenen Lymphknoten, Taubheit in den Gliedern, Herzrasen, Schweißausbrüchen und dauerhaften Genickschmerzen. Außer Zungentaubheit und Sprachstörungen treten alle Symptome weiterhin auf, doch die Zeitabstände sind erheblich größer geworden. Eigenartig war, daß ich immer erst ab nachmittags diese Symptome bekam. Sicherlich, so nehme ich an, konnte ich zu späterer Stunde die Reize und Ereignisse des Tages nicht mehr bewältigen, zumal ich nie mein Denken abschalten kann, und ich somit körperlich fast immer erschöpft war und bin.
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Freundschaften
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Kein einfacher Mensch zu sein bedeutet nicht, Freunde nur auf kurze Zeit zu haben, oder Feinde auf lange Sicht. Ich bin für manch einen ein Exot, was auch Vorteile hat und mich Menschen näher bringt, die selbst etwas außergewöhnlich sind. Im übrigen fühle ich mich von außergewöhnlichen und aus der Norm an sich herausragenden Menschen sehr angezogen, weil sie mich zum Denken anregen, faszinieren, begeistern, fördern, inspirieren und mich oft auf bestimmte Art verstehen oder zumindest akzeptieren. Diese Menschengruppe bringt Bewegung ins Leben und schafft andere Lebensformen, welche ich notwendig finde, um alte verstaubte Instinkte wieder in unsere Zeit zu integrieren. Alte, nützliche, längst vergessene Werkzeuge der Sinne werden umgeformt und modernisiert, oder so zweckentfremdet, daß diese neue Zwecke erfüllen.
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1 Prozent macht 100
Aufgrund der Tatsache, daß ich mangels meiner Konzentration, Impulsivität, Ablenkbarkeit und alles oben beschriebene unter Kapitel >Was ist ADD (Kurzbeschreibung)<, meine Projekte nur teilweise zu Ende bringen kann und mein wahres Potential nicht immer umsetzen kann, bin ich dennoch froh, daß ich einen Teil meiner Begabungen zu Nutze mache. 1 Prozent macht eben 100, da ich mich 10x drehen muß für Gleiches, wo andere sich höchsten 2x drehen. 1 Prozent macht 100 eben auch, weil es uns ADDlern möglich ist, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Diese Sichtweise ist eine Art Überlebensform, welche aus dem Ursprung herrührt und wieder an Wichtigkeit gewinnt. Kein ADDler sollte sich fürchten, das zu sagen, was gesehen und empfunden wird. Wir sind ein Teil der Wiedergutmachung.
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Pyramide der Wut
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In mir ist noch immer und wahrscheinlich für immer die Pyramide der Wut, mein geliebtes nervendes Chaos, meine daraus vorhandene Kreativität und Salz auf der Zunge.
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Die kleinen Zettel mit guten Vorsätzen an Papa
Aus meinem schlechten Gewissen heraus hatte ich einige Jahre, an jedem Heiligen Abend (oder gar zum Geburtstag meines Vaters) kleine handgeschriebene Zettel, mit neuen, aber doch immer wiederkehrenden alten Vorsätzen, meinem Vater zum Geschenk gemacht. Diese Zettel enthielten Versprechungen wie: ich werde ordentlicher, räume mein Zimmer und meine Schränke auf, werde den Hundenapf nicht mehr vergessen zu säubern, nicht vergessen den Müll raus zu bringen etc. Ich wollte meinem Vater zeigen, daß ich mich bemühen werde, durch weniger Vergeßlichkeit Ärger zu vermeiden. Ich hatte fest daran geglaubt, meinen Vorsätzen und Versprechungen gerecht zu werden, doch es gelang mir nur für sehr kurze Zeit und unter permanenter Angst und Anstrengungen. Bezüglich meines Versagens, mich an meine Versprechungen zu halten, sank mein Selbstvertrauen, und die Peinlichkeit dem Vater gegenüber stieg unermeßlich an. Immer wieder gab es ellenlange Aussprachen und Ärger, weil ich so schlampig in meinem Zimmer war, nicht lang und oft genug mit dem Hund draußen, vergaß den Müll
| weitere Erfahrungsberichte |
ADHS Kinder Medikamentös behandeln
Bewertung für Behandlung von ADS mit Hyperaktivität von
ZickeEnya
Pro: sehr gute Aussichten für die Zukunft
Kontra: Abhängigkeit / Nebenwirkungen
Hallo,
Ich habe noch einige wichtige Dinge hinzugefügt. Denn ich glaube, jeder kennt den Begriff ADHS und einige Verhaltensweisen von den Kindern.
Jetzt habe ich Euch noch unter *Modekrankheit ADHS* geschrieben, was diese Krankheit für Ursachen hat. ...
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sehr hilfreich
18.10.2007
(09.11.2007)
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ADS + Hyperaktivität + Tourette Syndrom, was nun?
Bewertung für Behandlung von ADS mit Hyperaktivität von
lash1978
Pro: Nicht bei jedem Betroffenen aber häufig: Durchtrainierter Körper, ohne dass man etwas dafür tut!
Kontra: Unkonzentriertheit, zwanghafter meist unkontrollierter Bewegungsdrang. z.T. auch Körperkrämpfe --> Schmerzen!!!
VORWORT:
„Ich kann nicht mehr, alles tut weh und wenn ich still sitzen soll, habe ich nach einigen Sekunden das Gefühl als müsste ich explodieren!“
...So ungefähr dürfte mein eigenes Zitat heute in einem medizinischen Lehrbuch zu lesen sein, an dem ...
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sehr hilfreich
14.04.2004
(15.04.2004)
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Löscht die Vorurteile aus den Köpfen Unwissender!
Bewertung für Behandlung von ADS mit Hyperaktivität von
WeserhexesDarling
Pro: Pro? Naja man kann seinen Horizont ja mal für solche Probleme erweitern durch LESEN
Kontra: Zu viele Vorurteile gibt es noch zum Thema
Liebe Leserschaft!
ADS mit Hyperaktivität – ein Begriff, der immer häufiger zu hören und lesen ist. Einige hier werden wissen, was es bedeutet, andere wiederum werden die Stirn runzeln, und sich fragen "Was ist das denn?". Um diejenigen, die interess ...
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sehr hilfreich
15.12.2003
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Mein (bisheriges) Leben mit einem ADHS-Kind
Bewertung für Behandlung von ADS mit Hyperaktivität von
LoraineAlisha
Pro: oftmals sehr intelligent, sehr liebevoll, kreativ
Kontra: unruhig, schnell auf 180, übermäßig ungeduldig
Liebe Leser,
da ich schon einige Erfahrungsberichte über ADS/ADHS gelesen habe, möchte ich jetzt auch meinen eigenen Bericht schreiben.
Ich glaube ADS brauche ich an dieser Stelle nicht groß erklären, dass habe andere Eltern schon hervorragend getan ...
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sehr hilfreich
06.02.2006
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SIE KÖNNEN NICHTS DAFÜR!!!!!
Bewertung für Behandlung von ADS mit Hyperaktivität von
verover
Pro: Niemals aufgeben.....
Kontra: keine
Sehr viele Familien haben ADS/ADHS Kinder und haben es nicht erkannt und wundern sich über das Verhalten ihrer Kinder.
Ich habe ein ADS Kind und es erst festgestellt, als er 10 Jahre alt war. Diese Kinder können für ihr Verhalten nichts. Sie müssen ler ...
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sehr hilfreich
28.12.2007
(19.01.2008)
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