Bekannte & berühmte Persönlichkeiten

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Meeting Leif Garrett: I was looking for someone to love Zeitsprung: Heute vor etwas mehr als 25 Jahren. Damals war ich 15. In einer Ecke des Zimmers steht ein kleiner roter Plattenspieler, und der spielt den ganzen Tag immer nur dieselbe Musik: I was made for dancin’, Surfin' USA, The Wanderer... ... Bericht lesen





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Zusammentreffen mit meiner Teenagerliebe Leif Garrett
Erfahrungsbericht von Elkisch über Bekannte & berühmte Persönlichkeiten
30.01.2010


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Überwältigend
Kontra: Überwältigend

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Meeting Leif Garrett: I was looking for someone to love

Zeitsprung: Heute vor etwas mehr als 25 Jahren. Damals war ich 15. In einer Ecke des Zimmers steht ein kleiner roter Plattenspieler, und der spielt den ganzen Tag immer nur dieselbe Musik: I was made for dancin’, Surfin' USA, The Wanderer... Dass der Plattenspieler mittlerweile leiert, stört mich wenig. Die Wände sind tapeziert mit Postern meines blonden Idols, und ein paar dieser Bilder kann ich nicht anschauen, ohne wehmütig zu werden. Leif Garrett ist meine große Liebe.

Emsig schreibend sitze ich an meinem Schreibtisch, und in den Geschichten, die ich schreibe, geht es nur um das Eine: Mein Treffen mit Leif Garrett. In allen Farben male ich mir aus, wie die erste Begegnung mit dem amerikanischen Sänger ablaufen wird. Wir begegnen uns zufällig auf der Straße, in der Schule oder auch ganz klassisch auf einem seiner Konzerte. Aber eines ist immer gleich: Ich bin fasziniert von seiner Ausstrahlung, und ich verfalle ihm augenblicklich. Und natürlich erwidert er meine Liebe.

Aber die Realität sieht Ende der 70er Jahre anders aus: Leif Garrett lebt weit weg in den USA, kommt nur selten nach Deutschland, und wenn er dann da ist, tritt er meist in weit entfernten Städten auf, so weit weg, dass meine Eltern es mir nicht erlauben, dorthin zu fahren. Und so bleiben nur die Träume. Die Träume, die mich durch einen großen Teil meiner Jugend begleiten.

Ein paar Jahre später dann habe ich Leif Garrett vergessen. Er ist aus den Medien verschwunden, an seine Musik erinnert sich niemand mehr. Aber ohne dass ich es selbst gemerkt habe, hat er mein Leben verändert: Um die Texte seiner Songs zu verstehen, habe ich Englisch gelernt, bin mehrfach in die USA gereist, habe sogar ein Jahr dort gelebt. Sprachen und Reisen sind zu meiner Leidenschaft geworden. Eine Leidenschaft, die ich letztendlich sogar zu meinem Beruf gemacht habe.

Zurück in die Gegenwart: Ende 2006 erinnere ich mich mit über 40 wieder an meinen Jugendschwarm, und im Zeitalter des Internets ist es auch ganz einfach, ihn zu finden. Leif Garrett macht wieder Musik, zwar etwas rockiger als zuvor, aber seine Stimme ist unverkennbar. Und die geht mir weiterhin durch und durch, berührt meine Seele.

Mit den alten Songs, die ich auf meinem neu erworbenen Schallplattenspieler abspiele, kommen unendlich viele Erinnerungen zurück. Erinnerungen an all die Gefühle, die ich damals hatte. Letztendlich war er meine erste große, längste Liebe. Es ist ein wunderbar warmes Gefühl tief in meinem Herzen. Es ist die einzige Liebe, die mich nie enttäuscht hat. Die einzige Liebe, die sich nie in der Realität bewähren musste. Leif Garrett hat immer noch einen Platz in meinem Herzen, und ich werde wehmütig, wenn ich daran zurückdenke. Eine warme kleine Teenagerliebe, wie ein kuscheliger Teddybär, an den ich mich auch heute noch in meinen Träumen schmiegen kann, um mich geborgen zu fühlen.

Aber mit den alten Erinnerungen kommt auch der Wunsch herauszufinden, was aus Leif Garrett geworden ist. Die Enttäuschung ist groß: Aus dem schlanken blonden Wuschelkopf ist ein massiger, nahezu kahlköpfiger, verlebter Mann geworden. Er ist böse gealtert, sein albernes Kopftuch kann den zurückgehenden Haaransatz nicht verbergen, und auch der 10-Tage-Bart kaschiert nur halbherzig das hässliche Doppelkinn. Leif Garrett ist kein Mann mehr, in den ich mich verlieben könnte. Und den Berichten im Internet zufolge hat sein Aussehen auch seinen Grund: Er ist mehrfach wegen Drogenbesitz aufgefallen, musste Anfang 2006 sogar deshalb vor Gericht.

Aber so schnell lasse ich mich nicht abschrecken. Egal wie er aussieht, egal was er hinter sich hat: Er ist weiterhin „mein" Leif Garrett, meine Teenagerliebe, und ich werde ihm alles verzeihen.

Und dann entdecke ich Mitte 2007 im Internet, dass Leif Garrett aktuell mit den „Original Idols" durch Amerika tourt. Gemeinsam mit den Bay City Rollers und ein paar anderen alten Stars aus den 70er Jahren tritt er in kleinen Hallen mit alten Songs auf. Ich wäre kein echter Leif Garrett-Fan, wenn ich nicht erwägen würde, zu einem dieser Konzerte in die USA zu fahren. Damals, 1980, wäre das nicht möglich gewesen. Meine Eltern hätten einer solch teuren Reise in ein so weit entferntes Land nie zugestimmt. Aber die Welt ist kleiner geworden in den letzten 25 Jahren, ich bin erwachsen, und ein Kurztrip in die USA ist für mich durchaus machbar. Also buche ich eine Reise und kaufe ein Ticket für die Show am 13.10.2007 im Crown Theater in Charlotte, North Carolina.

Mein Herz streitet sich mit meinem Verstand. Natürlich weiß ich als Mittvierzigerin, dass „mein" Leif Garrett von damals vor allem ein Produkt der Medien war. Dass ich in ihn mir meinen Fantasien selbst erfunden habe und dass der tatsächliche Leif wahrscheinlich wenig mit dem Leif meiner Träume zu tun hat. Trotzdem aber hoffe ich, dass er mein Herz berührt.

Da nach der Show eine Autogrammstunde vorgesehen ist, kann ich darauf hoffen, am Konzertabend ein paar Worte mit Leif Garrett wechseln zu dürfen. Meine Fantasie macht Ausflüge in längst vergessene Regionen. Vielleicht wird – mit 25 Jahren Verspätung – der Traum doch wahr? Mein Verstand schlägt meinem Herzen auf die Finger. Was für ein Blödsinn.

Und dann, der Konzertabend. Perfekt gestylt und erwartungsvoll nehme ich in der ersten Reihe des Crown Theaters Platz. Geduldig lass ich die Auftritte der mir unbekannten amerikanischen Stars wie Cowsills oder Bo Donaldson über mich ergehen. Und dann, endlich, nach einer halben Stunde, kommt mein Leif Garrett auf die Bühne. Genau, wie es mein Verstand prophezeit hat, enttäuscht mich sein Auftritt: Er trägt Jeans und ein weißes Hemd, das seinen Bauchansatz nur allzu gut zur Geltung bringt. Die lächerliche Kopfbedeckung hat er dieses Mal zuhause gelassen, aber der zurückgehende Haaransatz wirkt wenig schmeichelhaft. Er begrüßt das Publikum mit einem albernen „Hello, my name is Shaun Cassidy" und beginnt die Show mit „The Wanderer". Ich hatte es schon geahnt: Live klingt er abscheulich. Er bewegt sich ein wenig tuntig, grölt und bestätigt damit das große Vorurteil: Er war immer nur ein Pinupboy, wirklich singen konnte er nie, und ohne sein gutes Aussehen ist seine Bühnenpräsenz alles andere als bemerkenswert. Trotzdem tobt das nahezu vollständig weibliche Publikum. Bei „Put your head on my shoulder“ seufzt meine Sitznachbarin „He’s still hot!“, und bei "I was made for dancin'" lasse ich mich mitreißen und tanze und singe mit all den anderen Mittvierzigerinnen direkt vor der Bühne.

Der Rest der Show ist nicht besser: Leif singt seine alten Songs eher schlecht als recht, tobt auf der Bühne herum und lässt es sich nicht nehmen, auch einen seiner eigenen, neueren Songs „Symptoms" zu bringen: Noch mehr Herumgehampel und Herumgegröle. Richtig gut wird's erst wieder, als Leif durch die Bay City Rollers abgelöst wird – in neuer Besetzung, aber mit der alten Energie.

Nach der Show sitzen die Altstars in Hufeisenform an wackeligen Schultischen, links werden Fotos und T-Shirts mit Bildern der „Original Idols“ zu ihren Glanzzeiten zum Verkauf angeboten. Ich bin enttäuscht: Ich hatte gehofft, Leifs neues Album oder ein neueres Foto zu finden, das Leif für mich hätte signieren können. Stattdessen kaufe ich ein paar T-Shirts mit einem Aufdruck von Leif im zarten Alter von 16 Jahren und stelle mich brav in der Schlange an.

Der T-Shirt-Verkäufer macht mir ein wunderbares Kompliment, als ich vor Barry Williams vom „Brady Bunch" stehe: „Look Barry, this is the most beautiful girl here tonight". Barry malt glatt ein Herz auf mein T-Shirt und strahlt mich mit großen, warmherzigen Augen an. Kyle Vincent von den Bay City Rollers erkennt mich von meiner MySpace-Seite und macht mir Komplimente zu meinen lustigen Fotos, und Ian Mitchell unterschreibt im Autogramm-Wahn mein T-Shirt gleich 2 Mal. Alle sprechen und flirten mit mir, und auch wenn es Altstars sind, so tut es doch gut, von ihnen bemerkt zu werden.

Und dann stehe ich vor Leif Garrett. Der Moment, den ich mir Millionen Male in meiner Fantasie ausgemalt hat. Natürlich hört er direkt an meinem Akzent, dass ich aus Deutschland komme. Und schon holt er aus zum Monolog über seine Liebe zu Deutschland. Er sei früher oft dort gewesen, zu Fernsehshows, und er fände München und vor allem die Alpen wunderbar. Seine Schwester sei gerade mit ihrem Mann nach München gezogen und fände das Leben dort klasse…

Da stehe ich nun vor ihm, eigentlich sollte mir schwindelig werden vor Liebe, eigentlich sollte er mir jetzt verfallen, aber stattdessen redet der Unbekannte vor mir von seiner uninteressanten Schwester. Ich schaue auf seine Hände und bemerke ungepflegte Fingernägel. Ich schaue in sein Gesicht und sehe schlecht überschminkte Pickel und einen fast zerflossenen Kajalstrich in wässrig blauen Augen. Und dann greift von hinten eine unscheinbare, grimmig dreinschauende Frau ein – seine Pressesprecherin und wahrscheinlich auch Freundin – und flüstert Leif etwas ins Ohr. Er schaut entschuldigend zu mir auf. Er müsse weitermachen, entschuldigt er sich, da würden noch so viele andere Fans warten.

Die kurze Begegnung ist nahezu vorbei, aber ich möchte ihn noch nicht wieder loslassen. Ich warte noch auf das Gefühl der Liebe, das sich in mir ausbreiten soll. Aber da ist nichts in seinen Augen. Er sieht mich an und spricht mit mir, aber da ist keine Verbindung zu ihm, er achtet auf alles gleichzeitig. Dieses heiße Prickeln, das zwischen mir und ihm entstehen muss, hat keine Chance. Hinter ihm hat Ian Mitchell die Autogrammstunde kurz unterbrochen und umarmt seine Frau, und Leif ulkt „No kissing in public“. Es ist an den Haaren herbeigezogen, aber es muss sein, es ist meine Chance: „But you can kiss me?!“, flüstere ich. Leif, der Profi, spurt sofort. „Oh yes, I can do that“, grinst er, steht auf, umarmt mich über den Tisch hinweg und drückt mir einen trockenen Kuss auf die Wange. Der 10-Tage-Bart kratzt. Leif setzt sich wieder und ich entferne mich rückwärts vom Tisch.

Das soll’s gewesen sein? Das soll meine Begegnung mit meinem Leif gewesen sein? So kühl? So unspektakulär? So wenig mitreißend? Wo ist die große Liebe, die sich doch zumindest auf meiner Seite hätte äußern müssen?

Kurz darauf kommt Leif hinter seinem Tisch hervor und lässt sich mit Fans fotografieren. Da ich meiner alten Liebe wegen auch diese Chance nicht verstreichen lassen will, lasse ich ein Foto von mir und Leif machen. Wie schon zuvor ist Leif auch hier ganz der Profi. Er hängt sich schwer über meine Schultern, so dass ich ihn mit meinem ganzen Körper spüre, lächelt in die Kamera, wartet auf das Klicken, dreht sich zu mir um, nuschelt „Thank you“ und streift mit seinen Lippen kurz meinen Mund. Dreht sich um und verschwindet wieder hinter dem Schultisch zur Fortsetzung der Autogrammstunde.

Nichts passiert. Kein Blitz, kein Donner. Ich liebe ihn nicht, und er liebt mich auch nicht. Ganz langsam bewege ich mich rückwärts weg von ihm. Es passiert nichts. Die Verbindung, die gar nicht erst da war, kann auch nicht reißen. Und dennoch will ich ihn nicht einfach so verlassen. Und so bleibe ich stehen und beobachte, wie Leif immer wieder aufspringt, Kommentare zu dem abgibt, was um ihn herum passiert. Wie mein Leif Garrett sich als lauter, alberner, unsympathischer Besserwisser entpuppt. In mir breitet sich Kälte aus.

Gerade als ich gehen will, spricht mich der T-Shirt-Verkäufer an. Auch er hat natürlich gemerkt, dass ich keine Amerikanerin bin, und begeistert lässt er sich meine Geschichte erzählen. Sein Name sei Anthony, so sagt er, und er sei der Produzent der Show. Ob ich nicht noch mit ins Hotel feiern kommen will, so seine Frage.

Einen Moment lang bin ich vor Schreck atemlos. Das ist das Angebot, von dem ich immer geträumt habe. Eine Party im Hotel mit allen „Original Idols“? Mit dem witzigen Ian, dem absolut sexy aussehenden Kyle und der verrückten Wendy? Mit Leif Garrett und seiner griesgrämigen Pressetussi? Besserwisserischer Leif Garrett hin oder her – diese Chance muss ich nutzen. Ich stimme zu.

Aber der Versuch, mit Anthony Small Talk zu machen, scheitert. Stattdessen wird mir angekündigt, dass schön viel getrunken werden wird, und was „We will smoke some“ heißt, brauch ich mir nicht groß auszumalen: bei Leif’s Drogenkarriere macht mir das ein wenig Angst. Nach und nach stellt sich heraus, dass die Party im 70 Meilen entfernten Raleigh stattfinden soll, und nach und nach entscheide ich für mich, dass ich hier fehl am Platze bin. Leif ist mir nicht sympathisch, die anderen kenne ich nicht und ich werde sie höchstwahrscheinlich auch nie wieder treffen. Anthony bietet mir an, mich nach der Party wieder nach Hause zu fahren, aber ich lehne ab. Ich schüttele den Kopf, verabschiede mich mit einem aufgesetzten Lächeln und verlasse die Konzerthalle.

Und ganz langsam, fast im Gänsemarsch, gehe ich zurück ins Hotel. In meinem Kopf tobt es. War das die große Chance meines Lebens? Hätte ich Leif Garrett endlich privat erleben können? Hätte sich vielleicht doch die große Liebe entwickelt, von der ich immer geträumt habe? Oder wäre alles einfach nur ernüchternd gewesen? Immer wieder entscheide ich mich dafür umzukehren, und immer wieder entscheide ich mich auch dagegen. Es ist ein schwerer Weg. Aber als ich dann im Hotel ankomme und die Tür hinter mir zuziehe weiß ich, dass ich richtig gehandelt habe.

Meinen Leif Garrett gibt es nicht. Oder nicht mehr. Es ist besser, die schlechte Erfahrung nicht noch zu vertiefen. Es ist besser, meinen eigenen Leif Garrett im Herzen zu bewahren, von ihm zu träumen, ihn zu lieben, statt durch eine private Begegnung all meine Träume zunichte zu machen.

Und genau so ist es gut. Mein Leif Garrett, meine Liebe, ist nicht im fernen Amerika, sondern einfach in mir selbst.
   
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