Frau Heidenreichs Empfehlung
05.05.2004
Pro:
amüsant
Kontra:
flach
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 klabowa
Über sich:
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Als Elke Heidenreich sich neulich im Kritikergespräch im Deutschlandfunk anlässlich eines Verrisses von Martin Suter's Lila Lila äußerte, Suter beschreibe den Literaturbetrieb, wie ihn sich Klein Fritzchen vorstellt, gab sie auch gleich die Empfehlung Simmons hätte doch mit Belles Lettres darüber ein so gutes Buch geschrieben. Da ich schon immer mal erfahren wollte, wie es im Literaturbetrieb wirklich zugeht, hab ich daraufhin dieses Buch gelesen. Simmons beschreibt in Belles Lettres in der Tat über den Literaturbetrieb. Es geht, nach einer unsäglich langweiligen Abhandlung, die als komprimierte Fassung einer Seminararbeit einleiten soll, um kleine Anekdoten innerhalb einer renommierten Literaturzeitschrift. So wird im Verlauf des Buches z.B. der aus Spaß geäußerte Vorschlag mit einer Liste der 25 besten amerikanischen Autoren Aufsehen zu erregen, vom Verleger mit der Verdoppelung des Gehaltes belohnt. Der Chefredakteur verführt seine Sekretärin, die im Gegenzug aufbegehrt und selbst Buchkritiken schreiben möchte. Der Bürobote beeinflusst mit Geldschiebereien Bestsellerlisten, schließlich versucht ein neuer Chefredakteur die Redaktion zu halbieren. Wohl der Höhepunkt der Satire soll die Entdeckung bislang unbekannter Shakespeare-Sonette, mit denen der Beleg erbracht werden soll, dass Shakespeare in Wirklichkeit homosexuell war, sein.Leicht und locker ist der Stil von Simmons. Zu leicht, als Satire nicht bissig genug, als Hintergrundinformation enttäuschend. Dabei sollte Simmons wissen, was er schreibt: er verbrachte Jahrzehnte als Redakteur bei der New York Times Book Review. Kann sein, dass es sich für die Insider der New Yorker Literaturszene, um einen Schlüsselroman handelt, wir, als Normalsterbliche bleiben jedoch leider davon ausgeschlossen. So liegt es wahrscheinlich gerade am beschriebenen amerikanischen Literaturbetrieb, dass ich, wenn der Ich-Erzähler gebeten wird, mit seinem Clipboard durch die Redaktionsräume zu laufen, mir vorkam, wie in einem seichten Doris Day Film, obwohl der Roman wohl in den 80er Jahren angesiedelt ist. Lustig fand ich vor allem die nicht übersetzten Namen der handelnden Person: Mr. Page (Herr Seite), Mr. Margin (Herr Rand), Mr. Deckles (Herr Büttenrand) usw. Alles in allem liest sich das Buch locker durch, hat auch ein paar witzige Stellen, hält aber bestimmt nicht, was Frau Heidenreich versprochen hat, nach den 183 Seiten stelle ich mir den Literaturbetrieb nicht anders als vorher vor. __________________ Charles Simmons, geboren 1924, war mehrere Jahrzehnte als Redakteur bei der New York Times Book Review tätig. Für seinen ersten Roman Powdered Eggs ("Eipulver") erhielt er 1964 den Faulkner Award. Er lebt und arbeitet in New York und auf Long Island. Nach dem großen Erfolg von Salzwasser (C.H. Beck 1999) erschien 2001 im selben Verlag auch sein früherer Roman Lebensfalten auf deutsch sowie 2002 sein jüngster Roman Das Venus-Spiel.
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