Der Weg des Schwertes
07.02.2002
Pro:
orignalgetreue Verfilmung eines Mangas, packend und mit Suchtfaktor
Kontra:
schlechte Untertitel, seltsame Soundqualität, wichtige Szenen aus dem Manga fehlen im Film
Empfehlenswert:
Ja
 Hiimori
Über sich:
Wer sich für Videospiele, Anime, Linux oder andere Abstrusitäten interessiert, ist bei mir genau ric...
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Die Lebensgeschichte des einäugigen, einarmigen Söldners Gatsu, die gezeichnet ist von Gewalt, Krieg und Intrigen, aber auch von Freundschaft und dem Kampf gegen überirdische Mächte, gehört zu meinen absoluten Lieblingsmangas. Umso erfreulicher ist es für mich, daß die Comicserie von Kentaro Miura mittlerweile auch verfilmt wurde und in Form einer 25-teiligen Anime-Serie vorliegt - das sind 10,5 Stunden Berserk mehr für einen Berserk-Süchtigen wie mich, und das ist eine ganze Menge! **** Worum geht's? ***** ------------------------ Bei "Berserk" handelt es sich ursprünglich um eine japanische Comicserie (Manga) von Kentaro Miura, die in einem fiktiven europäischen Mittelalter angesiedelt ist und vom Leben eines Schwertkämpfers namens Gatsu berichtet. Um mich an dieser Stelle nicht unnötigerweise zu wiederholen, empfehle ich Berserk-interessierten meinen ciao-Artikel "Blutrausch, Krieg und Intrige im Mittelalter", der sich sehr ausführlich mit meinem Lieblingsmanga beschäftigt.
Beim Berserk-Anime handelt es sich um eine (sehr an die Vorlage angelehnte) Zeichentrickverfilmung dieser Comicserie. Sie umfaßt 25 Episoden und bietet damit eine Netto-Spielzeit von 10,5 Stunden. Da diese Serie ebenfalls von Kentaro Miura erschaffen wurde, gibt es - außer im Umfang - fast keine Unterschiede in der Geschichte. Allerdings fehlt im Anime ca. ein Drittel der Handlung, insbesondere, was die Hintergrund- und Randgeschichten angeht, so daß sich der Film ausschließlich auf den Hauptfaden der Geschichte beschränkt. Die Berserk-Reihe ist auf DVD erschienen, bislang allerdings leider nur in Asien. Es gibt eine Version aus Hongkong, die zumindest neben dem japanischen Originalton und chinesischen Untertiteln auch englische Untertitel anbietet und die aus drei DVDs besteht. Zu bekommen ist diese Kollektion relativ problemlos in einem gut sortierten Comic-Laden mit Anime-Abteilung oder auch bei ebay.de, jedoch ist der Preis mit ca. 60 Euro aufwärts nicht gerade günstig. Das kann einen wahren Berserk-Fan wie mich allerdings nicht abschrecken und ich bereue die Investition nicht. Neben den Folgen findet sich auf DVD 3 als letzter Track eine etwas trashige, aber amüsante Zusammenstellung von Musikvideos der am Soundtrack beteiligten japanischen Independent-Bands.
**** Handlung ***** --------------------- Eines sage ich gleich vorweg: Wenn man die Comics nicht kennt, sind einige Szenen des Animes, insbesondere die erste Folge, verwirrend und teilweise unverständlich. Ich habe dieses bei meiner Freundin festgestellt, der ich diese Serie zeigte und die nie zuvor einen Berserk-Band gelesen hatte. Da der Film aber - wie auch die Serie - in Form von Rückblenden erzählt wird, bestehen spätestens ab der 2. Folge keine Probleme mehr, denn ab dort wird die Lebensgeschichte Gatsus seit seiner Kindheit erzählt und zieht auch völlig Berserk-unerfahrene Zuschauer relativ schnell in den Bann. Die erste Folge ist tatsächlich etwas seltsam, was daran liegt, daß in ihr ca. 3 Bände des Comics, also fast 500 Seiten, in 20 Minuten zusammengefaßt werden und die Hintergründe der Geschichte und der große Showdown mit den dämonischen Wesen im multidimensionalen Raum, die einen wesentlichen Teil der Vorgeschichte und Ausgangspunkt der Rückblenden darstellen, weggelassen wurden. Möglicherweise geht man davon aus, daß den Zuschauern die Comics und die Vorgeschichte bekannt ist. Es ist sicher nicht einsteigerfreundlich, aber ich kann nur betonen: Auch wenn die erste Folge seltsam erscheinen mag, sollte man sie anschauen, oder, wie meine Freundin sagte "einfach so zur Kenntnis nehmen"; spätestens ab Folge 2 wird die Geschichte für jeden verständlich! Die erste Folge beginnt unvermittelt: Mehrere ekelhafte, lüsterne und bösartige Kerle belästigen in einer Dorfschenke ein kleines, ca. 10 Jahre altes Mädchen. Die Anwesenden in der Kneipe schauen betreten beiseite, da die Männer gefürchtet sind und sich niemand mit ihnen anlegen möchte. Nur der Großvater des Mädchens eilt ihm zur Hilfe, der alte Mann wird jedoch zu Boden geschlagen und verspottet. In diesem Moment betritt ein in einen Umhang und eine Rüstung gehüllter Mann die Kneipe und innerhalb weniger Sekunden hat er alle Angreifer bis auf einen getötet. Dem letzten Mann schießt er den Pfeil einer Armbrust in die Schulter und schickt ihn mit einer Botschaft fort: Er soll seinem Herren berichten, daß "der schwarze Ritter" zurück sei. Am Hof des Herrschers wird diese Botschaft mit Überraschung aufgenommen und es entbrannt - kurz gesagt - ein sehr bizarrer Kampf zwischen dem Krieger und einem nicht-menschlichen Wesen. Nach dem Ende der Schlacht zieht sich der Kämpfer - Gatsu - in den Wald zurück, wo er von düsteren Visionen gepeinigt wird: Im Stroboskop-Licht sind die Gesichter der Fünf Dämonen von Gottes Hand zu erkenne, die von Kentaro Miura gewollt an die Cenobiten aus den "Hellraiser"-Filmen angelehnt wurden. Stimmen sagen Gatsu, daß sein Körper, sein Fleisch und sein Blut für immer ihnen gehören. Blitzartig flammt eine Erinnerung in Gatsu auf: wie er als fünfzehnjähriger im Krieg gegen einen übermächtigen Ritter antrat. Mit dieser Erinnerung endet die erste Folge.
Ab der zweiten Folge ist der einäugige, einarmige und geschändete Gatsu der Gegenwart nicht mehr zu sehen. Stattdessen wird von dort an ausschließlich die Vergangenheit des Mannes erzählt, teilweise sogar als "Erinnerung in der Erinnerung", indem der junge Gatsu sich im Halbstarken-Alter an seine Kindheit erinnert. Im Alter von fünfzehn Jahren ist Gatsu Teil einer Söldnertruppe. Bei dem Angriff auf eine feindliche Burg macht er durch seinen Sieg über einen übermächtigen Ritter, gegen den zuvor niemand angekommen ist, auf sich aufmerksam. Auch wundert man sich über das viel zu große Schwert des Jungen, das seit seiner Kindheit sein Markenzeichen ist. Nachdem Gatsu sein Geld erhalten hat, verläßt er den Schauplatz und wird auf einem einsamen Feld von einigen Männern überfallen. Gatsu schafft es, drei Männer abzuwehren, jedoch unterliegt er dem Anführer der Gruppe, einem jungen weißhaarigen Mann namens Griffith. In einem Duell zwischen Gatsu und Griffith wird die Zukunft Gatsus entschieden: Wenn er unterliegt, wird er ab sofort "Eigentum" von Griffith, gewinnt er, kann er gehen. Gatsu unterliegt und wird daraufhin von Griffith in dessen Bande aufgenommen, die sich "Die Falken" nennt. Obwohl die Falken ein Söldertrupp sind, unterscheidet er sich deutlich von anderen Söldnertrupps: Viele der Kämpfer sind noch sehr jung, einige sogar Kinder, und neben dem ätherischen, androgynen Griffith ist Caska, eine junge Frau, die zweitstärkste Kämpferin. Caska macht ihre Abneigung gegenüber Griffith von der ersten Sekunde an deutlich; sie sieht in ihm einen Konkurrenten, da Griffith dem Neuen offensichtlich sehr zugetan ist. Da Gatsu sich im Kampf bewährt, wird er bald neben Caska zum zweiten Stoßtruppführer der Falken ernannt und kämpft mit diesen in vielen Feldzügen. Im Land herrscht seit einhundert Jahren Krieg; die Falken kämpfen erfolgreich auf Seiten des Königreichs Midland und langsam scheint sich das Blatt zugunsten Midlands zu wenden. Griffith, der von allen verehrte Anführer der Falken, wird aufgrund seiner militärischen Erfolge erst zum Ritter geschlagen und später geadelt, was am Königshof Neid hervorruft und ihm Feinde verschafft. Als nach einem großen Sieg die Falken auch noch zur Einheit "Weißer Phönix" erhoben werden und gleichwertig neben den adligen Elite-Rittereinheiten in der Gunst des Königs stehen, schmiedet man am Königshof einen finsteren Komplett, um Griffith umzubringen. Dieses soll auf der königlichen Herbstjagd geschehen, da dort ein "verirrter Pfeil" kaum für Überraschung sorgen dürfte. Der Anschlag schlägt fehl und Griffith, der ahnt, wer seine Feinde sind, nimmt mit Hilfe von Gatsu Rache, die man ihm nicht nachweisen kann. Jedoch ruhen seine Gegner nicht...
Neben aller Hofintrige nähert der Krieg sich seinem Ende und in der Entscheidungsschlacht ereignen sich zahlreiche Dinge, die sowohl Gatsus Ruf als auch sein gespanntes Verhältnis zu Caska eine völlig neue Wendung geben werden. Gatsu, der - wie man ebenfalls in Rückblenden erfährt - eine grausame Kindheit hatte und als Neugeborener auf einem Hinrichtungshügel unter dem Leib seiner am Galgen hängenden toten Mutter gefunden wurde, wurde von einem Söldner namens Gambino gegen dessen Willen aufgenommen. Gambino war von Anfang an überzeugt, daß Gatsu ein Kind des Teufels sei und nur Unglück bringe. Als Sis, Gambinos Frau, an den Folgen einer Krankheit stirbt und Gambino zudem in einem Kampf sein Bein verliert, versucht er, das Kind zu töten, da er meint, daß es schon vor Jahren hätte sterben sollen. In Notwehr ersticht der Junge seinen "Ziehvater" und kann schwer verletzt entkommen, während er vom Söldnertrupp gejagt und noch weiter verwundet wird. Schon in dieser Zeit hatte Gatsu stehts versucht, Gambinos Anerkennung zu finden, indem er schon als kleines Kind mit dem Schwert kämpfen lernte (schon damals nahm er ein Schwert, das viel zu groß für ihn war, und dieses blieb bis heute sein Markenzeichen) und stets versuchte, den Anführer stolz zu machen, auch, indem er das Geld, das er in den Schlachten bekam, treu ablieferte. Jedoch wurde er von Gambino stets nur mißhandelt und mit Verachtung gestraft, so daß Gatsu bei den Falken zum ersten Mal in seinem Leben soetwas wie Freundschaft und Anerkennung fand.
Jedoch stellt er eines Tages fest, daß es ihm nicht weiter möglich ist, für Griffith zu kämpfen, da er erkennt, daß der Anführer des Trupps von so hohen Ambitionen angetrieben ist, daß er alle seine vermeintlichen Freunde nur ausnutzt und sie bloßes Werkzeug für ihn und seine Pläne sind. Gatsu ist tief erschüttert, als er mitanhören muß, daß Griffith ihn nicht wirklich als Freund akzeptieren kann und beide nicht auf dem selben Level stehen. Er beschließt, die Falken zu verlassen und verbringt nach einem Abschlußduell mit Griffith ein Jahr in den Bergen bei einem alten Schmied und seiner Enkelin, wo er seine Schwertkunst vervollkommnet. Eines Tages hört er, daß Griffith vor einem Jahr gefangengenommen wurde und die Falken vom Rang der königlichen Leibgarde mittlerweile zu gejagten Außenseitern degradiert wurden. Er kehrt zurück zu den Falken und beschließt, Griffith zu befreien, der im tiefsten Verlies der Burg gefangengehalten wird, wo er seit einem Jahr schwer gefoltert und zugrundegerichtet wurde.
Was weiter geschieht, werde ich an dieser Stelle nicht verraten, auch, da die Comicserie in Deutschland erst an dieser Stelle angekommen ist und ich nicht vorwegnehmen möchte, was in den monatlich erscheinenden Bänden weiterhin geschieht. Nur eines: Das Ende ist absolut apokalyptisch, surreal und hat mich selbst sehr überrascht und - das muß ich zugeben - nachhaltig verstört.
**** Der Zeichner und Schaffer von Berserk ***** ------------------------------------------------ Wer diesen Abschnitt schon in meinem Bericht über den Comic gelesen hat, darf ihn gerne überspringen ;-) Kentaro Miura wurde am 11.7.1966 in Japan geboren und studierte Kunst an der Nihon-Daigaku-Universität, wo er im Jahr 1989 seinen Doktor machte. "Berserk" ist Teil seines Lebenswerks und er zeichnet diese Serie bis heute fast ohne Unterbrechung. Er gehört der Hokuto-no-Ken-Schule an, bei der besonderer Wert auf die Idee gelegt wird. Sein Markenzeichen, das auch in Berserk vielfach Verwendung findet, ist das Hokuto-shinken, d.h. mit dem Schwert getroffene Personen zerplatzen zu lassen.
Seine Geschichte ist im europäischen Mittelalter angesiedelt, jedoch in keiner besonderen Epoche, stattdessen bedient er sich einer Vielzahl von Ideen aus ganz unterschiedlichen Zeiträumen, einerseits dem klassischen "finsteren" Mittelalter, dazu findet man jedoch auch den Hoftanz von Versailles, Hexenverfolgung, oder den Feudalismus. In einem Interview sagte Miura, daß er als Fantasy- und Horrorfan das europäische Mittelalter so gestaltete, wie es ein Japaner gerne sieht, auch wenn dieses für einen Europäer seltsam wirken mag. Er verglich das Ganze mit europäischen Filmen über die Samuraizeit, die für Japaner sehr lustig sind, wenn z.B. der Held soetwas sagt wie "Wow, ein Ninja!". Miura recherchierte vor Arbeitsbeginn gründlich, auch im Fantasy- und Horrorgenre, da er der Meinung war, daß eine pure Nacherzählung der "realen" geschichtlichen Umstände seine Vorstellungskraft einschränken würde. Als Inspirationen dienten ihm unter anderem die "Hellraiser"-Filme und der Film "Der Name der Rose", sowie die Zeichnungen von Escher, aber auch Grimm'sche Märchen. Besonderen Wert legte Miura auf Kampfszenen, die einen großen Teil der Serie ausmachen. Obwohl das gigantische, völlig überdimensionierte Schwert von Guts in der Praxis absolut untauglich wäre, ist es gerade diese absurde Waffe, die den Feinden stets auffällt und sie zu Spott veranlaßt...nicht besonders lange, allerdings :-) Dennoch versuchte Miura, in den Kampfszenen Harmonie zwischen Realität und Fiktion zu erreichen und so finden sich diverse Kampfarten und -stile in seinem Manga - und damit auch im Anime - wieder.
*** Handwerk **** ------------------- Daß die Filme aus der gleichen Feder wie der Comic stammen, ist unverkennbar. Miura verfilmte die Reihe relativ originalgetreu, d.h. neben den authentischen Dialogen aus dem Manga gibt es teilweise die identischen Bilder und Szenen, nur, daß sie im Film animiert sind. Die Comics zeichnen sich durch einen extremen Detailreichtum und sorgfältige Zeichnungen aus; daß in einer Anime-Serie Abstriche gemacht werden, ist normal. Dennoch ist auch die Film-Serie einwandfrei und ordentlich, wenn auch nicht überdurchschnittlich und herausragend, gezeichnet. Was mir persönlich gut gefallen hat, ist, wie man in "Berserk" die Anime-typischen Standbilder behandelt: Animes wird gerade die Verwendung von "Standbildern", d.h. eingefrorenen Bewegungen vor bewegten Hintergründen vorgeworfen, dieses in der Regel von Leuten, die nicht wissen, daß dieses ein absichtliches Stilmittel und gewollt ist und somit ein Erkennungszeichen für japanischen Zeichentrickstil. (written by Hiimori@ciao) Während z.B. in "Record of Lodoss War" die Verwendung von sehr einfachen Standbildern teilweise jedoch übertrieben wurde, so daß sich die Idee des Geldsparens und des Zeitdrucks aufdrängt, ist man in "Berserk" einen völlig neuen Weg gegangen: Statt normaler Anime-Standbilder verwendete man hier aufwendig gemalte Artworks, was in meinen Augen einen hervorragenden Eindruck macht. Insbesondere in Massenszenen wie Schlachten, aber auch in Schlüsselszenen der Handlung, friert das Bild ein und verwandelt sich in gemäldeartige Artworks. Zeichentechnisch ist "Berserk" nicht ganz so detailreich und genial wie die Comic-Serie, ist aber völlig solide und in Ordnung, mit dem kleinen Bonus der innovativen Standbilder.
**** Charaktere ***** ---------------------- Das Charakterdesign ist - wie auch im Comic - sehr gut gelungen. Da der Film eine Spielzeit von über 10 Stunden hat, hat man es nicht eilig, Charaktere schnell einzuführen, ganz im Gegenteil werden alle beteiligten Hauptpersonen in Ruhe eingeführt, aber entwickeln schnell eigene Persönlichkeiten. Gatsu, der verschlossene Einzelkämpfer, ist gerne mürrisch und will seine Ruhe, andererseits bemerkt er sehr wohl, daß er mit den Falken eine Gemeinschaft gefunden hat, die für ihn eine besondere Bedeutung hat. Er ist ein zwiespältiger Charakter und nur wirklich glücklich, wenn er sein Schwert schwingen kann, und geht dabei mit absoluter Brutalität und Gnadenlosigkeit vor. Andererseits denkt er viel über sich selbst nach und stellt sich selbst und seine Lebensvorstellungen, gerade im Vergleich mit Griffith, in Frage.
Griffith ist sehr androgyn und fast feminin. Daß er beiden Geschlechtern gegenüber aufgeschlossen ist, ist kein Geheimnis, aber im Endeffekt ist er ein absoluter Narzißt, der nur seine eigenen Interessen und seine eigene Karriere im Sinn hat und dabei alle Leute, die ihm in den Weg kommen, für seine Ziele einspannt, benutzt und mißbraucht - und das auf alle möglichen unterschiedlichen Arten. Da er einen Belelithen trägt - einen Stein, der - ähnlich wie die magische Box in Hellraiser - die Tür in eine andere Welt öffnen kann, hat er damit sein Ziel (absolute Herrschaft) gegen den Preis seines Körpers und seiner Seele erkauft, was ihm in dieser Konsequenz erst spät bewußt wird. Caska ist eine starke und aggressive Frau, die Gatsu von Anfang an nicht leiden kann. Sie wurde als kleines Kind von Griffith vor Vergewaltigung gerettet und kämpft seitdem für ihn und seine Träume. Sie verehrt Griffith und verteidigt alle seine Befehle und sieht in Gatsu eine Konkurrenz.
Das Charakterdesign im Film ist meiner Meinung nach gut gelungen, schon nach wenigen Folgen fiebert man mit den Figuren mit und ist von ihnen in den Bann gezogen, so daß einem ihr persönliches Schicksal und ihre Geschichten sehr fesseln. Nicht umsonst haben wir uns die 25 Folgen innerhalb von 2 Nächten am Stück angeschaut... *** Sound, Musik, Technik **** ------------------------------- Hier komme ich leider zu einem großen Schwachpunkt der DVDs. Die japanischen Sprecher sind völlig in Ordnung, sehr engagiert und passen gut zu den Figuren, jedoch sind unerklärlicherweise die Stimmen immer mit einem gewissen Hall unterlegt, so daß es klingt, als hätte man die gesamten Folgen in einem großen Raum synchronisiert. In geschlossenen Räumen und Burgen mag das okay sein, in Wäldern oder unter freiem Himmel wirkt es deplaziert. Die hallenden Dialoge sind zwar klar und von guter Klangqualität, aber dieser Effekt ist mir völlig unerklärlich.
Der sonstige Sound ist gut; von Pferdewiehern über Schwerterklirren bis hin zu widerlichen Geräuschen beim Zerteilen von Körpern ist alles im Angebot. Die Musik ist mehr als sparsam und sehr geschmacksabhängig, da seeehr japanisch. Der meiner Meinung nach etwas unpassende Titelsong, der zu allem Überfluß auch noch auf Pseudo-Englisch mit stark japanischem Akzent von einer jungen japanischen Rockband im psuedo-britischen Stil gesungen wird, hätte wirklich nicht sein müssen. Da gefiel mir der Titeltrack zum "Berserk"-Dreamcast-Spiel deutlich besser. Zum Glück kann man den Vorspann ja vorspulen.... zudem gibt es in der Serie zwei weitere, gesungene Lieder, die immer mal wieder auftauchen; eines ist sehr japanisch und sehr animemäßig und taucht gerne in Schlachtszenen auf, jedoch gefällt mir dieses ganz gut. Das andere Lied ist von einer japanischen Pseudo-Gruftie-Independent-Band und ziemlich schräg und düster, kommt jedoch interessanterweise an dazu passenden Filmszenen. Die restliche Musikuntermalung ist eher bescheiden bis sparsam; die meiste Zeit ist gar kein Soundtrack zu hören, und auch die anderen Musikstücke, die aus wenigen Leitmotiven bestehen, die immer wieder auftauchen, wie Griffith- oder Erinnerung-an-unschöne-Vergangenheiten-Themen, haben einen hohen Wiedererkennungswert und man gewöhnt sich schnell daran. Weil sie so selten auftauchen, erkennt man Szenen mit Musikuntermalung schnell als Schlüsselszenen, denen man seine Aufmerksamkeit widmen sollte, da die Story sehr komplex ist.
Was leider ebenfalls ziemlich schlecht ist, sind die englischen Untertitel. Sie sind zwar inhaltlich in Ordnung, jedoch wurden sie schlampig integriert und nicht sonderlich sorgfältig plaziert. So geschieht es, daß einige Untertitel nur für den Bruchteil einer Sekunde eingeblendet werden und verschwinden, bevor man sie lesen kann, andere sind viel zu lange eingeblendet. Teilweise kommen sie auch zu spät, wenn der betreffende Dialog schon längst weiter ist. Dieses ist jedoch nicht durchgängig so, sondern nur gelegentlich. Es ist halt eine einfache Hongkong-Version und da muß man mit diesen Unbillen wohl leben. Die Qualität der chinesischen Untertitel kann ich im übrigen nicht beurteilen... **** Unterschied Manga - Anime ****** -------------------------------------- Im Anime fehlen leider einige meiner liebsten Stellen, aber auch Szenen, die für das Verständnis der Handlung und bestimmter Dinge wichtig sind. Erst einmal sind die gesamten Anfangsgeschichten der ersten Berserk-Bände, d.h. sein Leben "nach" einem gewissen Ereignis, das ihn verstümmelte und ihm ein geheimnisvolles Brandmal auf den Hals setzte, fast völlig weggelassen. Es gibt kein Zusammentreffen mit kannibalistischen Herrschern, satanischen Sekten, wilden widernatürlichen Orgien und leider, leider auch kein Zusammentreffen mit den Dämonen in der multidimensionalen Welt, die im Comic Ausgangspunkt für Berserks Rückerinnerung an sein Leben ist. Die Dämonen tauchen hier nur in einer kurzen Vision auf und das optisch sehr ansprechende Reisen Gatsus durch die surrealen, Escher-inspirierten Welten fehlt völlig.
Auch fehlt die gesamte Geschichte rund um Gatsus Mißbrauch. Im Comic wurde er als elfjähriger von Gambino an einen Söldner für eine Nacht verkauft und von diesem vergewaltigt, was Gatsu niemals verwunden hatte. Zwar sind die Folgen auch im Film zu sehen, z.B. daß Gatsu es nicht ertragen kann, angefaßt oder gar festgehalten zu werden, und auch einer seiner Angstträume, in denen er als nackter Junge von einem riesigen Mann verfolgt wird, kommt vor, jedoch wirkt dieses ohne das Hintergrundwissen um seine Vergangenheit zusammenhangslos. (Ich gab meiner Freundin an dieser Stelle die entsprechende Szene im Comic zu lesen, woraufhin sie um einiges schlauer war). Ansonsten ist der Film etwas in der Gewalt reduziert - wobei das absolut relativ ist, denn auch im Anime spritzt und sprudelt es nur so und unglaubliche Massen von Leichen und Blut füllen den Fernseher. Im Vergleich zum Comic ist jedoch die detailgetreue Darstellung, z.B. von zerschlagenen Körperteilen und anatomischen Einzelheiten sehr zurückgeschraubt worden. Aber keine Sorge, es ist immer noch brutal genug! Auch wurden die Sex-Szenen stark entschärft; während im Comic seitenweise mehr oder weniger erotische Szenen zelebriert werden, bleibt man hier relativ züchtig und ergeht sich in Andeutungen. Auch die Gewaltszenen wie z.B. die Folter, der Griffith unterworfen wird, werden eine Stufe heruntergefahren.
*** Zeichentrick = Kinderfilm? ***** ------------------------------------- Auch hier gibt's von mir - wie schon beim Comic - ein eindeutiges NEIN! Die Berserk-Reihe ist definitiv keine Kinderserie, keine fröhliche Zeichentrickunterhaltung am Samstag Morgen. Die Serie strotzt vor Gewalt und Abartigkeiten und auch wenn sie im Vergleich zum Comic deutlich entschärft wurde, ist und bleibt sie eine Fernsehserie für Erwachsene. *** Fazit ***** ---------------- Das 10-stündige Berserk-Anime-Spektakel lohnt sich auf jeden Fall, auch für einen (noch) Nicht-Berserk-Fan. Die Geschichte ist, abgesehen von der Anfangsfolge, die einiges Grundwissen voraussetzt, mitreißend, fesselnd und zieht einen schneller in den Bann, als einem lieb ist und schon kann man nicht mehr mit dem Anschauen aufhören.
Berserk ist eine düstere, ernste und apokalyptische Geschichte aus dem Mittelalter und voller Intrigen, einer komplexen Geschichte, vielschichtigen und interessanten Charakteren und einigen heftigen Einfällen. Dazu heben die Artworks, die an besonders markanten Szenen eingeblendet werden, Berserk von der Masse der weiten Anime-Welt ab. Die in Rückblenden erzählte Geschichte ist hart, voller Gewalt, aber auch anspruchsvoll. Die unterschiedlichen Beziehungen der Personen zueinander, die intrigante Welt des Hofes, das Leben eines mittelalterlichen Söldners und nicht zuletzt die dämonische Komponente, die die letzten Folgen dominiert und Berserk zu einem völlig unerwarteten Ende führt, das zutiefst verstört und mich tagelang mitgenommen hatte, machen diese Serie unbedingt sehenswert. Leider gibt es diese Serie bislang nur als Hongkong-Import, möglicherweise entdecken europäische Vertriebe jedoch bald das Potential dieser Reihe. Bis dahin muß man sich mit einem japanischen, hallenden Originalton, chinesischer Menüführung und teilweise schlechten englischen Untertiteln abfinden. Jedoch störten mich diese technischen Unzulänglichkeiten nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr; mich hatte wieder das "Berserk"-Fieber gepackt, wie schon bei dem Manga zuvor, und die hohe Qualität der Geschichte machen diese Mängel mehr als wett. Man muß halt damit leben, man kann es zur Zeit nicht ändern - und wenn man Berserk sehen möchte, muß man diese Erschwernisse in Kauf nehmen. Ich habe es gerne getan und nicht bereut. Ich weiß nicht, wie oft ich die einzelnen Folgen mittlerweile gesehen habe, aber sogar meine Freundin, die völlig Berserk-unbedarft war, war innerhalb weniger Folgen völlig suchtgepackt und von der Story in den Bann gezogen.
Berserk ist keine Zeichentrickserie für Kinder, sie ist blutrünstig, gewalttätig, abgrundtief böse und ziemlich hart. Möglicherweise könnte sie sogar einigen zartbesaiteten Erwachsenen auf den Magen schlagen und auf keine große Begeisterung stoßen. Wer jedoch die Comics mag, wird sie hier "zum Leben erweckt" finden, wer Berserk-süchtig ist, wird ohnehin begeistert sein, 10 Stunden Stoff seiner Lieblingsdroge zu erhalten. Aber auch wer eine gute Story mag, dazu einen Hang zu Horror, Fantasy, Mittelalter, Schwertkampf und Dämonen hat, kann zugreifen. Mir selbst gefällt ganz einfach die ganze Welt von Berserk, die Figuren, die epische und apokalyptische Geschichte mit ihrem überraschenden und schockierenden Ende... wie jeder feststellen kann, kann ich mich stundenlang über Berserk begeistern und habe nun endlich neben der Manga-Serie und dem Dreamcast-Spiel auch den Berserk-Film gewürdigt und kann mich zufrieden zurück zu meinen DVDs begeben, um mir die Folgen zum hundertsten Mal anzuschauen :-)
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25.06.2003 22:28
Die Serie ist wirklich genial. Ich kenn aber leider den Manga nicht. Das Dreamcastspiel hab ich übrigens auch. Die Serie hab ich bisher leider nur in dürftiger Qualität im Internet gefunden. Wär die DVD nicht so teuer und schwer zu bekommen hätt ich sie schon lange.
25.05.2003 21:01
Da Berserk bald auch in Deutschland erscheinen wird, kann ich ja das deutsche Release hier beschreiben. Sie erscheint bei Panini Video und es läßt sogar hoffen, dass es zusätzlich eine dt. Synchronisation geben wird. Zumal die Panini Synchronisationen garnicht mal so schlecht sind (siehe ZOE mein Bericht)... Interessieren tut mich der Titel sehr wohl und dein Bericht ist äußerst umfangreich und gut... Gruß AnimeFan PS: Anime sind wohl fast alle "feel good"-Filme ;-)
04.04.2003 20:38
Wow, super ausführlicher und informativer Bericht ;-)