Duales Studium bei Bertelsmann!

4  27.04.2001

Pro:
zeitlich kurzes, aber qualifizierte Mischung aus Studiumstheorie und Arbeitspraxis

Kontra:
sehr lernintensiv, keine tolle Stadt

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Verdienst (Ausbildung):

Qualität der Ausbildung:

Sozialleistungen:

Übernahmechancen:

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PhiltheBill

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Wirklich viel wußte ich ja nicht, als ich mir 1997 überlegte im Anschluß an meinen Zivildienst eine berufliche Zukunft bei Bertelsmann einzuschlagen.

"Das ist doch dieser Buchclub... Irgendwo in Gütersloh... Na ob das was ist?"

Genau so erging es mir. Schnell jedoch informierte ich mich und bekam heraus, daß die Bertelsmann AG Europas größter und der Welt drittgrößter Medienkonzern ist. Nicht schlecht dachte ich mir! Aber was tun? Wenn ne Ausbildung dann bei Bertelsmann. Medien sind schließlich das Geschäft der Zukunft.

Aber eigentlich ist erst ne Ausbildung (und sei sie auch bei Bertelsmann) und dann noch ein Studium (studieren wollte ich auf jeden Fall) doch so ne Sache. Ich wollte zumindest nicht erst mit 28 oder älter ins Berufsleben starten. Problem am reinen Studieren war aber die teilweise katastrophalen Verhältnisse an deutschen Unis. Zumindest bei BWL Montags im großen Hörsaal mit Glück noch einen Platz auf der Treppe kriegen. Jeder Termin mit nem Prof wird eh 10mal verschoben oder kommt garnicht erst zustande, weil alle ihn sprechen wollen. Lieber nicht!

Doch dann sah ich eine ideale Alternative: Bertelsmann bot ein duales BWL-Studium mit integrierter Lehre zum Industriekaufmann in 3,5 Jahren Dauer an. Das erschien mir ideal, und so kam es, daß ich im August 97 als Konzernstudent und Azubi gleichermaßen in Gütersloh startete.

Einzelheiten zum Aufbau findet Ihr unter www.za.bertelsmann.de.

Jetzt also zum Blick hinter die Kulissen und für alle die schonmal was von nem Freund von nem Bekannten der da gearbeitet hat was gehört haben:

Zunächst die Vorteile und Vorzüge der Ausbildung:
Die kaufmännische Ausbildung (die gewerbliche zu Druckern usw. kann ich nicht beurteilen) ist wirklich hervorragend. Da Bertelsmann eine eigene Berufsschule hat, man somit alle Lehrer persönlich kennt und alle "Mitazubis" Erfahrungen in anderen Konzernfirmen am Standort Gütersloh sammeln, bekommt man einen sehr guten Überblick über die eigenen Azubiarbeiten hinaus. Man hört wo es besonders gut sein soll, stimmt dann mit dem Sekretariat der Berufsschule die nächste Abteilung ab und erlebt interessante Bereiche in interessanten Geschäftsfeldern. Zusätzlich hat man die Möglichkeit in Arbeitsgemeinschaften wie Spanisch, Fotografieren, Volleyball, Rhetorik usw. die wenige Freizeit totzuschlagen. Berufsschulunterricht gibt es 2mal/Woche.

Das parallel laufende Studium findet idealerweise wie der Berufsschulunterricht in den Räumen der privaten Berufsschule in der Konzernzentrale in Gütersloh statt. Die Dozenten kommen teilweise von Unis oder auch direkt aus der Praxis. Man schließt nach 7 Semestern insgesamt als Diplom-Betriebswirt (VWA) ab. Das VWA steht für Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie. Das Pendant zu den Berufsakademien in Baden-Württemberg. Die Dozenten sind mal hammermäßig, aber manchmal auch nicht so gut. Super ist jedenfalls, daß ständige Feedbackgespräche zur Ausbildungsleitung hier auch mal zu einem Wechsel des Dozenten führen können. Ein weiterer Vorteil bei Bertelsmann sind das Haussortiment (dort kann jeder Mitarbeiter Bücher und CD´s bis zu 40% günstiger kaufen, megavoll vor Weihnachten!!), die exzellente Kantine ;-) (jeden Tag frische Sachen aus dem Wok, vom Grill usw.) sowie diverse Sozialleistungen. Ein Gewinnbeteilungsmodell ist dabei wohl am erwähnenswertesten.

Nun zu den Nachteilen:
Zunächst einmal ist die Ausbildung besonders durch die zusätzliche Belastung des Studiums, daß in den ersten 2 Jahren einmal die Woche und dann 1,5 Jahre lang 2mal die Woche stattfindet, extrem zeitintensiv. Es vergeht wohl keine Woche, wo man nicht an irgendwelche Klassenarbeiten oder Klausuren denkt. Es heißt halt 3,5 Jahre lang mal A****backen zusammen und durch. Dafür ist man mit 23 oder Mädels sogar mit 22 fertig. Mit ner abgeschlossenen Ausbildung und nem Studienabschluß. Was auch noch negativ zu sehen ist, ist die Stadt Gütersloh. Wenn man nicht aus ihr kommt, wird man wohl des öfteren am WE unterwegs sein. Hier gibt es außer Bertelsmann und Miele nämlich wirklich ni... äh... wenig.

Wie dem auch sei. Bertelsman bietet eine wirklich qualifizierte Ausbildung und ist was zukünftige Karriereentwicklungen angeht nicht wirklich uninteressant. Klarmachen sollte man sich aber, daß bei einem Medienkonzern auch "nur" Produkte verkauft werden. Wer mal in der Buchhaltung war weiß, dass Guano-Apes-CDs zu buchen genauso langweilig ist wie Büroklammern. Also weg mit irgendwelchen Illusionen über coole Traumwelten. Der Dunggeruch des nahegelegenen Gütersloher Ackers holt Euch schon zurück auf den Boden.

Also viel Glück beim Bewerben und dem anschließenden Assessment Center!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
kundschafter

kundschafter

27.04.2001 17:07

Olala das ist aber ein Topbericht, als Einstiegsbericht. Herzlich willkommen bei Ciao.

Eminencia

Eminencia

27.04.2001 17:06

Sehr interessant! Grüße...

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