Bertelsmann (Praktikum)

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... What the fuck is Bertelsmann?! 2. Wie komme ich dahin? 3. Wie hat's mir gefallen? 4. Update 1. What the fuck is Bertelsmann?! Das habe ich mich auch gefragt, als ich zufällig in Istanbul auf einem internationalen Studentenkongress einen Topmanager eben dieser Firma kennenlernte. ... Bericht lesen





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Gepackt von der Bertelsmannia
Erfahrungsbericht von AndreaK. über Bertelsmann (Praktikum)
06.10.2000


Produktbewertung des Autors:   

Bezahlung (Monat): EUR 750 - EUR 1000 
Lernfaktor: sehr gut 
Betreuung: sehr gut 
Betriebsklima: ausgezeichnet 
Eigenverantwortliches Arbeiten: wird stark gefördert 

Pro: vielfältige Praktika in verschiedensten Bereichen
Kontra: Gütersloh ist kein attraktiver Lebensraum; man wartet ein Jahr auf sein Arbeitszeugnis  :  - (

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Ein kleiner Überblick für den Anfang:
1. What the fuck is Bertelsmann?!
2. Wie komme ich dahin?
3. Wie hat's mir gefallen?
4. Update

1. What the fuck is Bertelsmann?!

Das habe ich mich auch gefragt, als ich zufällig in Istanbul auf einem internationalen Studentenkongress einen Topmanager eben dieser Firma kennenlernte. Bis dato hatte ich noch nie etwas davon gehört, wußte also gar nicht, dass Bertelsmann ein waschechter Global Player auf dem Weltmarkt ist. Nur das war bis zu uns Ösis leider noch nicht durchgedrungen. Aber jetzt weiß das auch ich :-).

Bertelsmann startete eigentlich ganz klein als Kirchenbuchverlag im kaffigen Gütersloh (Nordrhein-Westfahlen), knappe 20 km von Bielefeld entfernt. Carl Bertelsmann, der Gründer dieses heute riesigen Konzerns expandierte aber sehr bald aufgrund des großen Erfolges. Der Verlag wuchs an und brachte fortan Lexika ans Tageslicht - uns allen bekannt, das Bertelsmann-Lexikon. Zum Verlag gehörte natürlich von jeher eine Druckerei, auch die wurde größer.
Und im Laufe von Jahrzehnten kamen immer mehr Sparten dazu. Heute umfaßt der Name Bertelsmann nicht nur die Sparte Bücher (Buchclub, Lexika, Springer Verlag, Gabler Verlag, etc.), sondern auch Musik (BMG = Bertelsmann Music Group), Internet (Pixelpark, AOL GEHÖRTE mal dazu, Lycos, etc.), Zeitschriften und Fernsehen (RTL, Super RTL, RTL 2). Dem guten B-Mann haben wir also auch die umstrittene Serie "Big Brother" (ich persönlich haße diese Soap!) und künstliche Stars wie die No Angels :-P zu verdanken.

Die Hauptverwaltung und das neuralgische Zentrum von Bertelsmann befindet sich noch immer in Gütersloh, das Fernsehen hauptsächlich in Köln, alle anderen Bereiche des Konzerns sind in Deutschland und auf der ganzen Welt zu finden. So auch in Amerika, wo Bertelsmann das bekannte Unternehmen Random House aufgekauft hat. Auch in Asien ist Bertelsmann oft zu finden, dort sichert man sich auch ein weiteres Standbein.

Dieses Unternehmen ist aber nicht nur gewinnorientiert, sondern engagiert sich auch sehr im sozialen Bereich. Das ist Aufgabe der Bertelsmann Stiftung, die gleich neben der AG ebenfalls in Gütersloh sitzt. Dort kümmert man sich um das Bildungs- und Sozialwesen, ist bestrebt, die deutsche Unilandschaft mit Reformen und Verbesserungen zu modifizieren und arbeitet sogar in der Politik mit. Ein so massiver Einfluss ist zwar ein Diskussionspunkt, das stimmt schon, aber grundsätzlich finde ich das sehr starke soziale Engagement von Bertelsmann sehr gut.

Das ist es also, das Unternehmen, in dem ich wunderbare vier Monate verbrachte.


2. Wie komme ich dahin?

Als Österreicherin hat man in diesem kleinen Land nicht allzu viele Möglichkeiten, einmal in einem richtigen Weltkonzern zu arbeiten. Weil ich außerdem von Praktika in Ösi-Land die Nase voll hatte, bewarb ich mich bei Bertelsmann in Gütersloh und bekam prompt ein Praktikum. Von Anfang an unterschied sich Bertelsmann in seinem Auftreten und Verhalten Bewerbern und Praktikanten gegenüber immens von meinen bisherigen (schon zahlreichen) Arbeitgebern - und das in einer sehr positiven Art und Weise.

Vom Eingang meiner Bewerbung an bekam ich regelmäßig Emails, in denen ich über den Verbleibe meiner Unterlagen informiert wurde. Stets wußte ich, wer meine Bewerbung gerade las, in welcher Abteilung die Unterlagen herumschwirrten und wem man diese als nächstes weiterreichen würde. Von österreichischen Unternehmen kannte ich so eine Kommunikation überhaupt nicht. Dort reagiert man oft vier Monate nicht auf die Bewerbung, und wenn man Glück hat, erhält man danach eine schriftliche Absage (wie gesagt, WENN MAN GLÜCK HAT).

3. Wie hat's mir gefallen?

Dann war es so weit: ich bekam ein Praktikum in der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh. Dort wurde ich bei meiner Ankunft sehr herzlich empfangen, und vom ersten Tag an überhaupt nicht wie ein typischer Praktikant behandelt. Kopieren oder Kaffeekochen gab es nicht, ich wurde auf sämtliche Besprechungen mitgenommen und bekam viele Arbeitsinhalte hautnah mit. Auch solches kannte ich von österreichischen Praktika nicht. Vielleicht hatte ich auch nur einfach Pech, aber als Praktikant ist in Österreich kaum die eigene Meinung gefragt, außer man arbeitet bei Unternehmen wie Procter&Gamle, Andersen Consulting oder McKinsey, die auf kritisches Denken ausdrücklich Wert legen. Aber der große Rest der Firmen in Österreich behandelt die Praktis wirklich wie Praktis.
Bei Bertelsmann bekam ich sogar nach einer Woche eine persönliche E-Mail-Adresse und sofort einen Arbeitsplatz mit Computer. Damit stand einem tollen Praktikum nichts mehr im Weg.

Meine Kollegen waren immer sehr freundlich und hilfsbereit, ich fühlte mich von Anfang an voll integriert.
Einen Wehmutstropfen hatte dieses Praktikum allerdings, und das war der Grund für meine vorzeitige Kündigung: man hatte mir meinen Aufgabenbereich als Unterstützung der Organisation zweier großer Konferenzen geschildert, doch Tatsache war, daß ich laufend Serienbriefe hinausschickte, Briefe für meine Vorgesetzten zum Unterschreiben vorbereitete und eine Adressdatenbank updatete. Als ich erfuhr, daß die Praktikanten in der gegenüberliegenden AG viel Verantwortung und eigene Projekte bekamen, war mein Frust natürlich grenzenlos. Als ich die Chance bekam, in den Personalbereich der AG zu wechseln - ein Bereich, in dem ich von Anfang an arbeiten wollte - nahm ich diese Chancen natürlich sofort wahr.
Den letzten Teil meines Praktikums, das letzte Monat, arbeite ich nun dort, wo ich immer schon hin wollte.
Die Kollegen hier in der AG sind genauso nett und hilfsbereit, es macht großen Spaß, hier zu arbeiten.

Zusammenfassend möchte ich folgendes sagen:

Bertelsmann ist meiner Erfahrung nach eines der wenigen Unternehmen, die größtenteils auch tun, was sie kommunizieren. Das spiegelt sich in der Unternehmenskultur, die durch Offenheit und Raum für persönliche Entwicklung und Kreativität geprägt ist, wider. Vor allem lebt Bertelsmann das vor, was in den Visionen niedergeschrieben wurde. Und das findet man selten.

Interessant ist auch, dass man als Praktikant in jeden Unternehmensbereich Einblick bekommen kann und in diesem Konzern auch verschiedene spannende Auslandspraktika absolvieren kann. Und das ist doch eine beträchtliche Lernerfahrung, die hier geboten wird.

Die Faszination für Medien ist hier in Gütersloh sehr deutlich spürbar, hier weht ein frischer und motivierender Wind!
Für mich ist Bertelsmann nach Abschluß meines Studiums der absolute Wunschkandidat was meinen zukünftigen Arbeitgeber angeht!


Update 12.9.2001:
-------------------------
So toll Bertelsmann auch in seiner Performance als Arbeitgeber ist, so schwach präsentiert sich das Unternehmen leider, wenn es darum geht, ein Arbeitszeugnis auszustellen.
Ich hatte Bertelsmann im Oktober 2000 verlassen und meinem Vorgesetzten (dessen Namen ich hier absichtlich nicht nennen möchte) meine detailierten Aufgaben gemailt, damit dieser sie im Zeugnis auflisten konnte. Diese Punkte hatte ich ihm am 4. November 2000 gemailt.

Heute schreiben wir den 12.9.2001, fast ein Jahr danach. Die 11 Monate hatte ich damit verbracht, 12 Mails an meinen Vorgesetzten zu schreiben, ihn 10 Mal anzurufen, ihn fünf Mal anzuchatten und 7 SMS an ihn zu schreiben, alle mit dem selben Inhalt, nämlich der Bitte, endlich doch das Zeugnis zu schreiben. Anfangs bekam reagierte er noch, mal mit dem Versprechen, mir bald das gewünschte Arbeitszeugnis zu schicken, dann wieder mit Bemerkungen wie "es plagt mich mein schlechtes Gewissen". Ja, nun davon schreibt sich das Zeugnis leider auch nicht von allein.

Im Moment stehe ich im Kontakt mit der Personalabteilung von Bertelsmann, in der man mir Unterstützung zugesagt hat. Nach ettlichen Gesprächen mit meinem Vorgesetzten selbst erfuhr ich von der Personalabteilung, dass mein Vorgesetzter das Zeugnis nun endlich schreiben werde. Es bleibt zu hoffen, dass es sich dabei nicht wieder um eine leere Floskel à la "mich plagt das mein schlechtes Gewissen" handelt.

Wie ungehalten ich nun bin, kann sich jeder wahrscheinlich gut vorstellen. Schließlich habe ich seit meiner Rückkehr nach Österreich schon wieder zahlreiche Bewerbungen geschickt. Denen sollte ich doch eigentlich auch das Arbeitszeugnis von Bertelsmann beilegen, weil gerade ein Praktikum in der Managemententwicklung dieses Unternehmens für meine zukünftigen Arbeitgeber interessant ist. Wie es klingt, wenn ich den Personalverantwortlichen erkläre, dass ich seit nahezu einem Jahr auf das Zeugnis warte, ist auch jedem klar: eine mühsam konstruierte Ausrede.

Update 15.2.2002

Im November 2001 erhielt ich dann endlich mein Zeugnis. Es war sehr gut und detailiert verfasst, was mir zukünftig sicher helfen wird. Dennoch, nach 11 Monaten Wartezeit bleibt ein schaler Nachgeschmack.

Copyright September 2001, Andrea Koppel Wien / Österreich   
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