Notorius
04.01.2002 (02.09.2002)
Pro:
Des Meisters Werk
Kontra:
. . . werden gesucht
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
mehr
 LRSB
Über sich:
Bilder kommen, Antworten auch!
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 114 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Notorius ist mit Abstand der am genialsten geplante, moralisch düsterste Spionagethriller von Alfred Hitchcock. Das prophetische Ausnutzen eines geheimen Uranlagers brachte dem Meister in Schwierigkeiten mit Amerikas Atombesessenem Geheimdienst. Ironie des Schicksals! Das Uran ist das beste Beispiel für ein Handlungsgriff, um die Geschichte voranzutreiben und die in Film wesentlichen Elemente in Bewegung zu bringen. 1944- so erzähle Hitchcock die Geschichte
Hitchcock hatte 1944 zuerst die Idee für "Notorius". Wie die Gesetze des Zufalls es nun mal manchmal wollen, hatte er entschieden, Uran als die geheime Nazi-Waffe einzusetzen. Kurz danach hatte er Nachforschungen in dieser Angelegenheit angestellt; er fragte viele Beamten und Spitzenwissenschaftler, ob Uran irgendeine Bedeutung für Atomwaffen haben konnte. Niemand war bereit Antworten zu geben, und das FBI nahm ein paar Wochen lang Hitchcock unter ständiger Beobachtung. Was wusste der dämonische Regisseur über das Manhattan-Projekt, das die Atombombe entwickelte? Die Kurzfassung
Notorius ist im Prinzip die Studie einer Mann-Frau Geschichte, fast gelähmt durch Forderungen von außen, Stolz, Wiedergutmachung und einen fatalen Mangel an Kommunikation. Die Story
Die Handlung sieht die Entsendung des FBI Agenten Devlin (Cary Grant) nach Rio durch seine Beziehung mit der Tochter eines verurteilten Verräters, Alicia Hubermann (Ingrid Bergmann), gefährdet. Alicia leidet psychisch unter die Last der Taten ihres Vaters, sie ist endlos desillusioniert und neigt dazu, viel zu trinken. Alicia und Devlin haben sich auf einer Party zufällig getroffen, und sich verliebt. Um in seiner Nähe zu sein, und um Wiedergutmachung der Fehler ihres Vaters bemüht, ist Alicia bereit, Devlin zu helfen, in Rio de Janeiro eine Agenten-Zentrale der Nazis auszuheben. Um hinter das Geheimnis der Verschwörer zu kommen, muss Alicia den reichen und charmanten Nazi namens Alexander Sebastian (Claude Rains) nähern und verführen. Unter Berufung auf ihren Vater schleicht sich bei Sebastian ein, nimmt seinen Heiratsantrag an, und so wird sie diesmal die Lieferantin von Informationen, um beweisen zu können, dass sie eine gute Amerikanerin ist, und um das von ihrem Vater begangene Unrecht wieder gutzumachen.
Alicia ahnt zwar, dass Devlin sie liebt, und die kurzfristige Beziehung der beiden mehr bedeutet. Sie rechnet sogar damit- sie deutet es mindestens an, dass Devlin ihr die Heirat nicht erlauben würde. Der ist aber offensichtlich nicht so ganz von ihren Gefühlen überzeugt, und er sagt nichts... Bei einem Empfang im Haus Sebastian findet ein filmisch denkwürdiger Moment statt. Hitchcock lässt die Kamera langsam von oben über das Foyer schwenken und dann an einem prächtigen Kronleuchter vorbei nach unten Zentimeterweise schweben. Alicia befindet sich in der Mitte der Gästen. Diese entfernen sich nacheinander, und die Kamera senkt sich immer noch weiter herab. Das Konzentrationspunkt ist die linke Hand von Alicia, deren Finger sich sehr nervös um den Schlüssel des Weinkellers kämpfen. Als sie endlich den Schlüssel hat, verschwindet sie zusammen mit Devlin im Keller. Dort entdecken sie in einigen Weinflaschen eine seltsame, offenbar uranhaltige Masse. Leider waren sie aber zu langsam, denn Sebastian will Nachschub für seine Gäste besorgen und überrascht die beiden. Sie improvisieren eine Liebesszene, um so einen Ausflug zu schaffen. Sebastian nimmt das offenbar hin, aber er durchschaut die Wahrheit. Er bleibt unverändert liebeswürdig, lässt sich kaum was anmerken, und fängt mit Hilfe seiner Mutter, Alicia unauffällig zu vergiften. Sebastian ist zwar ein Mann von großer persönlicher Autorität, er muss sich aber trotzdem dem Willen seiner zu dominierenden Mutter unterwerfen. Ein Mann verzweifelt zwischen der Liebe zu seiner Frau und der Tatsache, dass er sie auslösen muss. Rains erreicht eine wirklich bemerkenswerte, rührende und bewegende schauspielerische Leistung.
Alicia und Devlin lieben sich trotzdem weiter, aber ihre Liebe ist gefährdet und kaum ausgesprochen, bevor der Film endet, wenn Alicia, vergiftet von ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter (Leopoldine Konstantine- die Personifizierung der bösen Schwiegermutter, oder besser gesagt "Die frostige Arroganz"), sprichwörtlich im letzten Augenblick, mit Hilfe von Devlin Sebastians Lager entflohen ist. Dabei riskiert Devlin den Erfolg der Mission und Sebastian unterschreibt seinen Totenschein. Er lässt die Beiden entkommen, und er rechnet damit, von seinen Kollegen getötet zu werden. Der Film
Das Drehbuch und die Regie haben ein halbverlorenes Mädchen zu einer Dame von bemerkenswert eigenartiger Moral umgewandelt. Im Laufe der Jahre hat Notorius einen besonderen Platz in der erklärten Zuneigung der Bewunderer von Ingrid Bergmann, Cary Grant und Alfred Hitchcock eingenommen. Das gute Drehbuch erlaubt den Darstellern allen Raum, den sie benötigen, um ihre Qualitäten auszuspielen. Der Film zeigt eine schöne, labile Ingrid Bergmann, die als Playgirl mit willfähriger Veranlagung, aber mit unerschütterlichen ethischen Überzeugungen, eine beeindrückende Tiefe und Nuancierung entfaltet, den Claude Rains als reichen, mächtigen und bösen, aber nicht ganz unsympathischen Sebastian, und am eindrucksvollsten Cary Grant, gegen seinen Typ als verbissener Weiberfeind besetzt, dessen moralische Unklarheit gleich in der Eröffnungsszene angedeutet wird, wo Hitchcock ihn ohne Gesicht zeigt, als schattenhaften Partygast. Doch der Zyniker ist in der Liebe verwundbar. Die Schatzruhe von Regieeinfällen des Meisters war ja immer einmalig! Und wenn ich bei der berühmten Schatzruhe von Hitchcock bin, hier noch eine Glanzleistung: "Der längste Kuss der Filmgeschichte" - so wurde es nämlich angekündigt. Der Kuss beginnt unauffällig auf dem Balkon eines Hotelzimmers mit einem herrlichen Blick über Rio. Das küssende Paar geht langsam hinein, bewegt sich entlang des Zimmers und setzt dabei den Kuss weiter fort. Das Telephon klingelt, Devlin nimmt ab, er spricht sogar und unterbricht den Kuss nur hauchdünn, um Anweisungen über das Dinner und das Geschirrspülen zu geben. Der Kuss dauert immer noch....
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08.12.2004 20:44
Dem Kommentar von Treesitter kann ich nur zustimmen. "Notorious" ist einer meiner Lieblingsfilme überhaupt und nach "Ich kämpfe um Dich" (Spellbound) mein zweitliebster Film mit Ingrid Bergman. Das einzige, was ich beim Erfahrungsbericht nicht ganz nachvollziehen kann, ist die Beschreibung von Ingrid Bergman / Alicia Huberman als "willfähriges Playgirl". Nun gut, in einer Szene hat sie etwas zu tief ins Glas geschaut...
16.09.2002 11:56
Ich kenne den Film zwar nicht, aber Du hast ihn faszinierend beschrieben und mich neugierig gemacht. Tschüs, Regina
10.09.2002 22:27
NOTORIOUS ist zwar nicht mein Lieblings-Hitchcock (das sind bei mir immer noch DIE VÖGEL), aber der Film hat durchaus was --- vor allem der Plot und Hitchcocks Inszenierung sind wieder einmal genial. Und darüber hinaus die Besetzung: das Paar Grant-Bergman ist ja fast noch genialer und wesentlich "more appealing" als das Paar Bogart-Bergman ("Casablanca")! LG, giovanna