Berufsakademien - Tipps & Tricks

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Ausbildung und Studium in einem...
Erfahrungsbericht von Tinchen_ über Berufsakademien - Tipps & Tricks
10.04.2004


Produktbewertung des Autors:   


Pro: finanzielle Unabhängigkeit, kurze Studiendauer, Praxisintegration .  .  .
Kontra: viel lernen, Verlust des "echten Studentenlebens"

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Hallo zusammen!

Seit Oktober 2003 studiere ich an der Berufsakademie Mannheim Wirtschaftsinformatik. Dies nehme ich zum Anlass, euch wichtige Informationen über das BA-Studium zu geben.
Dualstudium an einer Berufsakademie - was bedeutet das eigentlich genau?

Ein Berufsakademiestudium dauert 6 Semester (3 Jahre). Dabei wechselt man alle 3 Monate zwischen der Firma, bei der man sich vorher beworben hat, und der Berufsakademie. Die Hälfte des Studiums besteht also aus praktischen Erfahrungen. An der Berufsakademie wird das theoretische Wissen gelehrt.
Voraussetzung für solch ein Studium

Die Voraussetzung für ein Berufsakademiestudium ist die allgemeine Hochschulreife oder die der gewählten Fachrichtung entsprechende fachgebundene Hochschulreife. Hier muss ich aber anmerken, dass eine alleinige Fachhochschulreife nicht ausreicht.
Bewerbung

Bewerben müsst ihr euch bei einer Firma, die das Studium unterstützt. Am besten ist es, sich frühzeitig um eine Berufsakademiestelle zu bemühen. Der beste Zeitraum wäre circa 1/1,5 Jahr/e vor Studiumsbeginn. Auch ich habe mich 1 Jahr vorher darum gekümmert. Wichtig ist, dass ihr euch gut informiert, welche Firmen euren Studiengang anbieten. Danach ist natürlich ausschlaggebend, was diese Firma euch bietet, wie sie euch gefällt und welche Voraussetzungen die Firma verlangt. Ich muss sagen, dass es ein gutes Gefühl ist, schon lange bevor das Abitur richtig losgeht, einen sicheren Platz an der Berufsakademie zu haben. Man muss sich keine Gedanken mehr machen und kann sich voll und ganz auf das Abitur vorbereiten!
Ausbildungsvergütung

Da man als BA-Student sowohl Studierender, als auch Auszubildender ist, erhält man von seinem Unternehmen eine angemessene Ausbildungsvergütung. Diese steht euch während den gesamten 3 Jahren zu, also auch während der Dreimonatsintervalle an der Berufsakademie! Angaben möchte ich euch keine machen, da es Unterschiede von Firma zu Firma gibt!
Atmosphäre an der BA

Die Atmosphäre im Kurs ist natürlich immer unterschiedlich, doch kann man einige grundlegende Dinge sagen. Generell gilt Anwesenheitspflicht an der Berufsakademie. Das heißt also, dass man sich nicht, wie beispielsweise an einer Uni, einfach mal so vor ein paar Vorlesungen drücken sollte, da die Unternehmen darüber informiert werden und dies natürlich auch Konsequenzen mit sich führen kann. Man merkt zudem schon einen Unterschied, beispielsweise zur Schule, dass die Studenten Interesse haben, etwas zu lernen und daher auch seltener auf die Idee kommen, einfach an Vorlesungen nicht teilnehmen möchten : - ) . Die Vorlesungen ähneln dem Unterricht an der Schule. Vorne an der Tafel steht der Dozent am Rednerpult und vermittelt den Inhalt seines Faches. Der Unterschied, zur Schule, liegt nur hierbei, dass die Vorlesungsstunden keine 45min dauern, sondern sich über 1,5-3h Stunden hinziehen können. Die Pausen bestimmt jeder Dozent selbst. Ihr könnt, während der Vorlesung, auch den Finger heben und Fragen stellen. Ob der Dozent natürlich die Fragen beantwortet, bleibt ihm überlassen. Trotzdem, so finde ich, ist es gut zu wissen, dass man jederzeit nachfragen könnte, wenn man etwas wissen möchte. Doch muss ich euch darauf hinweisen, dass Vieles auch von euch selbstständig erarbeitet werden muss, was nicht in den Vorlesungen besprochen wird, doch mit den Themen eng zusammenhängt. Denn bei Prüfungen werden die Inhalte des grundlegenden Studiums vorausgesetzt und nicht die der einzelnen Dozenten. Natürlich gibt es auch von Dozent zu Dozent und Berufsakademie zu Berufsakademie Unterschiede, doch um euch einen Einblick zu geben, so denke ich, ist es doch ganz interessant zu sehen, wie ich es erlebt habe.
Semesterferien?

Euch stehen als Studenten an einer Berufsakademie keine Semesterferien, wie bei einem normalen Studium, zu. Man verfügt über 30 Tage Urlaub im Jahr, den man in den Praxisphasen nehmen kann. Je nach Firma, kann man diesen Urlaub auch ins nachfolgende Jahr mitnehmen. Dies kann sehr hilfreich für den Prüfungszeitraum sein!
Klausuren

Am Ende eines Dreimonatsintervalls an der Berufsakademie werden die Klausuren für das Semester geschrieben. Die Klausurentermine werden meist schon zu Beginn des Semesters festgelegt, sodass man sich in Ruhe darauf konzentrieren kann und nicht unerwartet einen Schock bekommt *gg*. Aber natürlich kommt es auch vor, dass Klausuren kurzfristig verschoben werden müssen und man dann beispielsweise 4 Klausuren in der Woche schreiben muss. Meine Klausuren gingen bis jetzt jeweils immer 90min. Natürlich entspricht die Lernstoffmenge einer Klausur an der BA nicht mehr der einer Klausur am Gymnasium für eine Klausur. Aber es ist alles zu schaffen!
Prüfungen

Nach dem Grundstudium (nach 2 Jahren) müsst ihr eine Assistentenprüfung ablegen. Diese besteht aus einem praxis- und theoriebezogenen Prüfungsteil. Ein weiteres Jahr danach (nach dem Hauptstudium) erfolgt die Diplomprüfung. Sie besteht aus einem praxis- und theoriebezogenen Prüfungsteil und aus einer Diplomarbeit.
Anerkennung eines BA-Studiums

Die Abschlüsse der Berufsakademien Baden-Württembergs sind denen der Fachhochschulreife berufsrechtlich gleichgestellt. Doch hierbei muss ich euch sagen, dass eine hochschulrechtliche Gleichstellung immer noch fehlt. Daher erkennen einige Universitäten den Berufsakademieabschluss nicht an und weisen BA-Studenten ab, die sich um Aufbaustudiengänge bemühen. Da die Berufsakademie rechtlich gesehen nicht zu den Hochschulen zählt, wäre sie nicht berechtigt Bachelor- und Masterabschlüsse zu verleihen. Aus dem Grund ist die Anerkennung der Berufsakademie weder national noch international gesichert. Es droht also eigentlich die Gefahr, dass das BA-Studium völlig an Bedeutung verliert und somit negative Auswirkungen nicht nur auf aktuelle, sondern auch auf ehemalige Studenten mit sich führen würde. Da das Konzept der Dualität eigentlich sehr erfolgreich ist und u.a. von vielen Unternehmen geschätzt wird, wäre dies sehr schade!
Fazit

Meiner Meinung nach, ist das BA-Studium eine gute Sache. Die Berufsakademie ermöglicht, dass ihr zwar den theoretischen Semesterinhalt lernen müsst, aber diesen meist gut, in den Praxisphasen anwenden könnt. Man lernt das Unternehmen kennen und sieht erst einmal, wie es in einer Unternehmung von statten geht. Daher finde ich die Praxisintegration eine gute Sache. Zudem kann der Wechsel zwischen Berufsakademie und Unternehmen ganz erholsam sein, wenn man beispielsweise alle Klausuren rum hat und dann wieder der praktischen Arbeit nachgehen kann und nicht theoretischen Lernstoff weiterpauken muss. Andererseits muss man einiges lernen, um gute Ergebnisse zu erzielen. Doch lernen kann auch Spaß machen und daher denke ich, dass auch der Verlust des „echten Studentenlebens“, durch das zeitintensive Lernen, nicht immer tragisch sein muss! Was mir auch aufgefallen ist, wäre, dass der Lernstoff, im Unterschied zur Schule, meist fächerübergreifend ist. Da man an der Berufsakademie bei einem bestimmten Studiengang eben nur die zutreffenden Kurse hat, die doch meist eng zusammenhängen, wird das zu Erlernende besser gefestigt! Nicht wie z.B. in der Schule, wo man beispielsweise u.a. Biologie und Mathe, die doch relativ wenig Zusammenhänge haben, hat! Außerdem solltet ihr immer im Hinterkopf behalten, dass ein
BA-Studium ein kurzes Studium ist und dass man dadurch Zeit einsparen kann. Ebenso ist auch wichtig zu wissen, dass ein BA-Studium gleichzeitig eine finanzielle Unabhängigkeit bedeutet. Dies war auch für mich ein ausschlaggebender Punkt, weshalb ich mich für dieses Studium entschieden habe. Ihr seit unabhängig von euren Eltern und habt somit auch Verantwortung zu tragen. Ich finde die Berufsakademie gut und kann sie euch nur weiterempfehlen. Die Freude am Studium hängt auch mit der Atmosphäre im Unternehmen zusammen. Doch wenn ihr euch gut informiert und ein wenig Zeit dafür investiert, sind die wichtigsten Weichen gelegt! Also, nur Mut! Alles ist machbar!

Ich hoffe, dass ich euch einen kleinen Überblick, über das BA-Studium, geben konnte. Bei Fragen könnt ihr euch gerne an mich wenden! Viel Erfolg für euren weiteren beruflichen Werdegang!

Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren!
Bis bald, Tine.

   

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