Grisham - gut!
23.11.2009
Pro:
Spannend und kritisch
Kontra:
Die Figur "Barry Rhinehart" bleibt zu blass
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 squarerigger
Über sich:
Besonders am Herzen liegt mir derzeit meine Meinung zur (Nicht-)Zukunft der Atomkraft. - Besucht me...
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Als ich neulich in einer Buchhandlung stöberte, fiel mir ein Buch auf, welches mich stark interessierte. Es wanderte (natürlich nach Bezahlung *g* in meine Tasche, so dass ich heute davon berichten kann: Titel: BerufungAutor: John Grisham Erscheinungsdatum: 02.11.2009Verlag: Heyne ISBN-Nr.: 3453434544Seitenzahl: 496 Preis: 9,95 EUR(Hinweis: Die o.g. Angaben beziehen sich auf die Taschenbuchausgabe.) Krane Chemikal, ein großer, US-amerikanischer Chemiekonzern, hat ein Problem. Wegen Grundwasserverseuchung und dem daraus folgenden Tod zweier Menschen wurde die Firma von einer Jury in Mississippi zu Schadenersatz und zu einer Geldstrafe von insgesamt 41 Mio. USD verurteilt. Und dies ist erst der Anfang; weitere Prozesse von Opfern des verseuchten Trinkwassers stehen noch aus. Doch Carl Trudeau, der Mehrheitsaktionär von Krane Chemical, sieht es nicht ein, „auch nur einen Cent seines mühsam verdienten Profits an diese Bauerntölpel“ zu bezahlen. Also geht Krane Chemical in die Berufung.Und damit das Berufungsgericht auch wirklich im Sinne des Unternehmens entscheidet, setzt Trudeau den geheimnisumwitterten Barry Rhinehart, dessen Spezialgebiet es ist, seinen Auftraggebern genehme Wahlergebnisse zu verschaffen, darauf an, die Zusammensetzung des Berufungsgerichts des Staates Mississippi in seinem Sinne zu ändern. So beginnt ein Wahlkampf der besonderen Art… (Anmerkung: In diversen US-Bundesstaaten werden die Richter tatsächlich durch die wahlberechtigten Einwohner des Staates gewählt.)„Berufung“ beginnt nach Grishams altbewährtem Schema: da ist einerseits ein böses Großunternehmen, da ist andererseits ein armer Kläger mit couragierten Anwälten, die vom bösen Großunternehmen Satisfaktion für erlittenes Unrecht erstreiten wollen. Als treuer Grisham-Leser kennt man das ja z.B. aus „Das Urteil“ oder „Der Regenmacher“ – dort kämpfen die aufrechten Kläger und Anwälte gegen die Tabakindustrie bzw. gegen einen Versicherungskonzert. Hier ist das Böse ein Chemiekonzern, der jahrelang hochgiftige, karzinogene Stoffe einfach weggekippt hat, um die Entsorgungskosten zu sparen. Dass dadurch das Trinkwasser eines ganzen Ortes verseucht wurde. was zu drastisch erhöhten Krebsraten führte, war den Verantwortlichen egal. Jeanette Baker aber, die ihren Mann und ihren Sohn verloren hat, zieht mit Hilfe des Anwaltsehepaars Mary Grace und Wes Payton gegen Krane Chemical vor. So weit, so bekannt. Dass sich Unternehmen gerne vor legitimen Straf- und Schadensersatzzahlungen drücken wollen, kennt man auch. Die üblen Tricks, mit denen dabei agiert wird, hat Grisham ja bereits in den o.g. Werken dargelegt. Hier aber erreichen die üblen Tricks ein völlig neues Niveau. Zufällig steht in Mississippi nämlich die Neuwahl eines der neun Berufungsrichter an. Also versucht man, einen genehmen Kandidaten durchzusetzen. Und die Methoden, die hier benutzt werden, um „Wahlkampf“ (oder eher Propaganda) zu führen, sind das Hauptthema dieses Romans.Der Wahlkampf in den USA wird ja bekanntlich mit deutlich härteren Bandagen als hierzulande geführt – aber die Methoden, die Grisham hier schildert (und die, wie er in seinem Nachwort anmerkt, alle so oder so ähnlich schon vorgekommen sind), sind regelrecht schockierend – und zugleich spannend geschildert. So spannend, dass man als Leser wirklich keine blasse Vorahnung davon hat, wie die Wahl und somit auch der Roman endet (dazu nur so viel: das Ende wird überraschend!). Die handelnden Personen stehen bei dieser Geschichte nicht wirklich im Vordergrund, vielmehr ist der politische Prozess der Richterwahl der eigentliche Star des Romans. Dennoch werden auch die Figuren teilweise sehr intensiv vor- und dargestellt. Dies gilt vor allem für Ron Fisk, den Traumkandidaten der Industielobby, sowie für Carl Trudeau, den skrupellosen Industriemagnaten. Sehr schwach dagegen bleibt die Person des Barry Rhinehart – kein vergleich zum inhaltlich ähnlich angelegten Rankin Fitch in „Das Urteil“.Mit „Berufung“ ist Grisham einmal mehr ein wahrhaft großer Roman gelungen; schon früher hat er solche Bücher verfasst, erinnert sei hier an „Die Jury“, „Die Firma“ oder das schon erwähnte „Das Urteil“, aber danach fiel er meines Erachtens in ein tiefes Tal der Mittelmäßigkeit mit Werken wie „Der Gefangene“, „Der Partner“ oder „Der Anwalt“. Vielleicht erleben wir mit „Berufung“ die Wiedergeburt des „alten“ John Grisham mit – jenes Grisham, der es nicht nur schafft, seine Leser von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln, sondern der es zugleich auch vermag, in einen spannenden Roman ein gerütteltes Maß an Sozial- und/oder Politikkritik unterzubringen. Ja, Politikkritik! Letztlich ist „Berufung“ von vorne bis hinten eine Kritik an der Praxis diverser US-Bundesstaaten, in denen die Richter vom Volk gewählt werden. Wie soll bei einer solchen Vorgehensweise nämlich die Unabhängigkeit der Justiz gewährleistet werden? Sind Kandidaten, die sich ihren (nicht gerade billigen) Wahlkampf selbst finanzieren müssen, nicht gerade prädestiniert dazu, Gelder von Lobbygruppen anzunehmen, die dann später Urteile in ihrem Sinne erwarten? Selbst wenn ich vor der Lektüre dieses Buchs ein Anhänger der Direktwahl von Richtern gewesen wäre, hätte mich dieses Buch durchaus bekehren können…Spannung und Gesellschafts- bzw. Politikkritik in einem Buch – was will man als Leser mehr? Hier präsentiert sich Grisham von seiner besten Seite, weshalb mir fünf Sterne für „Berufung“ absolut gerechtfertigt erscheinen.
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Jeanette Baker kann gar nicht mehr aufhören zu weinen. Vor einiger Zeit hat sie ...
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Berufung, John Grisham
Taschenbuch November 2009, Verlag: Heyne, Reihe: Heyne Bücher, Seitenanzahl: 491
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Berufung - Grisham, John
Taschenbuch, 496 S., Roman, Erschienen: 2009
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01.03.2010 00:39
Ich weiß nicht, wie oft ich dieses Buch schon in der Hand hatte - und genauso oft wieder zurückgelegt habe. Den Grund dafür hast du in deinem Bericht angedeutet: offenbar zu viel Ähnlichkeit zu früheren Werken wie "Das Urteil" oder "Der Regenmacher" (an genau diese Bücher habe ich denken müssen, als ich den Rückentext gelesen habe). Aber jetzt weiß ich, dass ich beim nächsten Mal, wo ich dieses Buch in die Hand nehme, zuschlagen werde. Dein Bericht kriegt dafür ein "bh" von mir, denn er hatte in der Tat großen Einfluss auf meine Kaufentscheidung! Danke dafür.
24.11.2009 15:52
Ein richtig toller Beitrag von dir!!! LG
24.11.2009 13:41
Grisham ist nichts mehr für mich, irgendwie ist das immer die gleiche verklausulierte Strickweise, nichts neues anbei, lG Chrissy