Bespitzelung am Arbeitsplatz - wie weit darf ein Arbeitgeber gehen?

Bespitzelung am Arbeitsplatz - wie weit darf ein Arbeitgeber gehen?

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Ich habe das Buch 1984 von George Orwell gelesen sowie von Aldous Huxley Schöne neue Welt, also ich bin echt kein Freund von unnötiger Überwachung. Aber auch in meinem Job gibt es Situationen, wo die Kamera mitläuft. Nehmen wir mal die Wiesn, da machen einige der Ärzte und Kollegen freiwillig ... Bericht lesen





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Kann Fluch oder Segen sein
Erfahrungsbericht von aquarius2 über Bespitzelung am Arbeitsplatz - wie weit darf ein Arbeitgeber gehen?
09.05.2009


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Es kann jeder Seite nutzen
Kontra: Aber wie gesagt, der Teufel liegt im Detail, denn es wird oft gegen die Mitarbeiter eingesetzt

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Ich habe das Buch 1984 von George Orwell gelesen sowie von Aldous Huxley Schöne neue Welt, also ich bin echt kein Freund von unnötiger Überwachung.
Aber auch in meinem Job gibt es Situationen, wo die Kamera mitläuft.

Nehmen wir mal die Wiesn, da machen einige der Ärzte und Kollegen freiwillig die Wiesenwache, meist kommen Betrunkene dahin, oder Leute, die kleinere Unfälle haben.
Ab und zu drehen diese "Kunden" voll auf und werden auch aggressiv und schlagen wild um sich. Natürlich werden sie dann fixiert und mehrere Leute halten sie fest. Später dann beschweren sie sich und bekommen ihr Video ausgehändigt, danach sind die soooo klein mit Hut. Hätten sie nicht selbst gesehen, wie sie sich mit über 2 Promille verhalten, hätten sie möglicherweise Strafantrag gegen die Kollegen gestellt. Da hätte Aussage gegen Aussage gestanden...

Meine Cousine wurde mal von einem Ladendetektiv aufgefordert, mitzukommen, er holte zu ihrem großen Erstaunen zwei Cremes aus ihrer Tasche und bat sie in sein Büro. Auf dem Video sah sie, dass eine Bekannte, mit der sie in das Geschäft gegangen ist ihr die Sachen unbemerkt in die Tasche gesteckt hat. Der Detektiv glaubte ihr, dass sie davon nichts gewusst hat. Warum die Mitschülerin das gemacht hat weiß sie nicht, die stritt es frech ab!

Vor einiger Zeit war ein Discounter in den Schlagzeilen, der die Mitarbeiter in den Umkleiden bespitzelte, da hört für mich der Spass auf. Das ist gegen meine Rechtsauffassung und seitdem kaufe ich da nichts mehr schon gar nicht mit der Karte, denn die Kassen wurden auch überwacht und der Kunde wurde gefilmt, wie er die PIN Nummer eingab.

Das Arbeitgeber ihre krankgeschriebenen Mitarbeiter von Privatdetektiven überwachen lassen, oder dass sie Detektive bei Verdacht auf Diebstahl oder Werkspionage einsetzen ist auch nicht mehr so selten.
Sicher, niemand freut sich, wenn Kollegen eine Krankschreibung hinlegen und dann den eigenen Dachboden ausbauen, oder in der mobilen Pflege jobben (das kam bei uns schon vor) aber wo ist hier eine Grenze?
Geht ein Kollege zum Treffen einer Selbsthilfegruppe, oder zum Psychotherapeuten geht das seinen Arbeitgeber nicht unbedingt was an.

Rufe ich bei einer Firma an, kann es sein, dass der Anruf aufgezeichnet wird, das dient zur Kontrolle der Mitarbeiter, ob sie gut beraten, aber ich werde ja auch bespitzelt, wer sagt mir denn, dass der Überwacher nicht auch mich ausspioniert, ich sage immer nein, wenn ich um mein Einverständnis zur Aufzeichnung gebeten werde, ich hoffe die Gegenseite hält sich dran.

Rufe ich bei der Polizei oder Feuerwehr an, wird mein Anruf auch aufgezeichnet. Ebenso, wenn ich bei einigen Hotlines anrufe, zur Beweissicherung...

Auch die heißgeliebte Bahn AG bespitzelt ihre Mitarbeiter, sie könnten ja bei Zulieferern auf der "Lohnliste" stehen. Private E-Mails oder Bankgeschäfte gehen dem Chef aber nix an, wo kommen wir denn da hin? Man darf auch nicht vergessen, dass es Leute gibt, die auch heute noch kein eigenes Konto haben und die sich ihren Lohn auf das Konto vom Partner überweisen lassen. Wäre sicher nicht mein Ding aber der Arbeitgeber würde dann beide ausspionieren.

Will ich meinen Job wechseln, kann mein Arbeitgeber ein Führungszeugnis anfordern, als Krankenschwester darf ich nicht vorbestraft sein. Als ich die Heilpraktikerprüfung abgelegt habe, musste ich das auch.
Da das aber alle machen müssen kann ich das auch nicht verweigern, die Konsequenz wäre, ich würde den Job nicht kriegen, ich dürfte die Prüfung nicht machen.

Was spricht für eine Überwachung?

Arbeitet man in der Bank und die wird überfallen, kann man anhand des Überwachungsvideos den Täter leichter finden, das gleiche gilt für die Tanke, wo man rund um die Uhr rein kann, da hält eine Kamera auch vielleicht den einen oder anderen vom Überfall ab, oder davon, ohne zu zahlen abzufahren.

Auch in Kaufhäusern oder Supermärkten kann man sowohl die Kunden, als auch die Mitarbeiter überwachen. Was genau macht der Arbeitgeber.

Öffentliche Plätze, wo zum Beispiel viele Drogensüchtige zusammenkommen werden ja auch über wacht, wird die Polizei da aktiv kann man die Videos auch gegen Beamte einsetzen, wer zieht da die Grenze?

Zum Beispiel wenn sich ein Patient beschwert, er sei geschlagen worden oder so dann kann man ihm und zur Not auch dem Staatsanwalt das Video aushändigen, das klärt einiges.

Wird in einer Firma im großen Stil geklaut, dann sieht man vielleicht auch wer der Dieb ist, aber man sieht auch zum Beispiel wie sich Kollege X mit Kollegin Y in der Mittagspause im Kopierraum vergnügt... Was macht der Arbeitgeber denn mit der Information? Wie gesagt, sind beide einvernehmlich zusammen ist es ja auch nicht illegal???

Der Mitarbeiter wird bespitzelt und wenn ich weiß, dass mein Boss mich überwacht werde ich ganz anders arbeiten, ich werde sehr vorsichtig sein mit dem was ich sage und wie ich es sage. Aber ich kann einem Kunden auch politisch korrekt rüberbringen, wie ich ihn finde und was ich von ihm halte. Wie reagiert der Chef dann???

Inwieweit kann so eine Überwachung vor Gericht Anwendung finden? Wie ist es in meinem Beruf zum Beispiel mit der Schweigepflicht? Was passiert, wenn der Patient sich darauf beruft? Wie kann man den Schaden begrenzen, wenn zum Beispiel bekannt wird, dass in der Notaufnahme oder im Wartebereich einer Klinik die Kameras laufen? Nicht jeder Kunde ist davon angetan. Was ist, wenn man sieht, wie einige ihre Drogen dem Kumpel mitgeben, bevor sie zum Doktor in die Kabine kommen? Keine Angst, es geht kein Video ans Drogendezernat ;-)! Aber sowas hat eine meiner Kollegin auf einem Überwachungsvideo mal gesehen.

Manchmal kommt es auch vor, dass Patienten sobald es dunkel wird ganz anders sind als tagsüber. Sie unterstellen der Kollegin im Nachtdienst, sie würde sie mißhandeln, weil die sie fixiert, dass sie die Kollegin geohrfeigt und gewürgt haben wissen sie dann nicht mehr. Am nächsten morgen schimpfen sie über die ach so böse Nachtschwester, die wird dann von der PDL aufgefordert, Stellung zu nehmen, da sie alleine im Zimmer war, steht Aussage gegen Aussage und nicht immer hat die Schwester die Gelegenheit, eine Kollegin von der Nachbarstation zu Hilfe zu holen. Da es auf der Normalstation nicht mehr zu handhaben war, kam dieser Patient dann zu uns und von dort in die Psychiatrie. Er hatte eine Schizophrenie, die vorher nicht bekannt war. Hätte man nur dem Patienten geglaubt hätte schlimmeres passieren können, ich habe es einmal erlebt, dass ein Patient eine Kollegin fast erwürgt hat, da waren drei Kollegen nötig, um ihn von ihr wegzuziehen.
Manche Patienten sabotieren auch ihre Therapie, einer hat seine Antibiotikainfusion ins Waschbecken laufen lassen und die Ärzte wundern sich, warum die Therapie nicht anschlägt...


Fazit

Ich bin gegen die totale Überwachung, aber leider gibt es immer mehr Kriminalität und deshalb fordern viele, die Überwachung des einzelnen. Es kann Fluch oder Segen sein, aber wer genau bekommt die Videos und Sprachaufzeichnungen zu sehen, wer bekommt Einblick in meine privaten Daten, das ist für mich nicht einzuschätzen und es macht mir manchmal Angst. Ich vergebe drei Sterne, weil ich hin und hergerissen bin.

   

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