Beta RR50 - Ein starker Begleiter
02.12.2007
Pro:
sehr alltagstauglich, zuverlässig, klasse Optik, starker Motor, gute Bremsen, gutes Fahrwerk,
Kontra:
hoher Spritverbrauch, mäßige Beleuchtung, hakeliges Getriebe, teilweise etwas spartanisch
Empfehlenswert:
Ja
 alexvf
Über sich:
Mitglied seit:14.09.2006
Erfahrungsberichte:5
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 25 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
1. Vorwort Ich als Besitzer einer Beta RR50 Supermoto möchte mir heute mal die Zeit nehmen meine Erfahrungen mit dieser Maschine an die Welt weiterzugeben und hoffe, dass ich mit diesem Erfahrungsbericht dem ein oder anderen bei der Kaufentscheidung oder Meinungsbildung helfen kann. Ich versuche meine Erfahrungen hierbei von einem möglichst neutralen Standpunkt zu äußern, damit jeder Leser in der Lage ist sich nach dem lesen dieses Berichts nochmals seine eigene Meinung zu bilden.
2. Technische Daten (Herstellerangaben RR50 Supermotard) FAHRWERK Rahmen Doppelschleifen Rohrrahmen aus Stahl mit geschlossenen Unterzügen Radstand 1325 mm Gesamtlänge 1960 mm Gesamtbreite 800 mm Gesamthöhe 1120 mm Sitzhöhe 910 mm Bodenfreiheit 355 mm Anbauhöhe Fußrasten 425 mm Trockengewicht 85 kg Tankinhalt 6 l. Reserve 1 l. Füllmenge Kühlkreislauf 500 ccm Radaufhängung vorne Ölgedämpfte Telegabel ø36 mm Radaufhängung hinten Monofederbein mit einstellbarer Federbasis Hub Stossdämpfer 55 mm Federweg vorne 230 mm Federweg hinten 285 mm Bremse vorne Scheibe ø260 mm Bremse hinten Scheibe ø220 mm Felge vorne 2.50x17 - 36 Loch Felge hinten 3.50x17 - 36 Loch Reifen vorne 110/80 - 17 Reifen hinten 130/70 - 17 MOTOR Einzylinder, 2-Takt, Flüssigkeitsgekühlt, Membrangesteuert Bohrung 40,3 mm Hub 39 mm Hubraum 49,7cc Verdichtung 12 : 1 Zuendung Elektronisch AET 12V - 85W Kerze NGK BR 9 ES Schmierung Getrenntschmierung 1,5% Gemischaufbereitung Vergaser Vergaser Dell'Orto PHBN 16 HS Kupplung Mehrscheibenkupplung im Ölbad Primärantrieb Z. 20/71 Getriebe 6 Gänge Sekundärantrieb Z. 11/50 Getriebeöl SAE 20/30 (820cc)
3. Wie ich auf die Beta kam Nach dem erfolgreichen bestehen meines Klasse M Führerscheins (im Normalfall Kleinkrafträder bis 50ccm Hubraum und 45Km/h) stellte sich langsam aber sicher die Frage nach einem zuverlässigem und alltagstauglichem Fahrzeug, da ich ansonsten nur Oldtimer Mofas und Mopeds besitze, welche ich nur ungern im Alltag bewegen möchte.
Meine Auswahlkriterien für ein neues Fahrzeug waren folgende: - Schicke Optik - Gute Verarbeitung - Gangschaltung
Nach einigem Suchen traf ich eine engere Auswahl an möglichen Kandidaten, wobei die Beta am Ende aufgrund dem klasse Verhältnis aus Design und Qualität das Rennen machte. Ich entschloss mich für die Supermoto Ausführung in Schwarz, da die restlichen Farbkombinationen für das Modelljahr 2007 weniger meinem Geschmack entsprachen. 4. Äußere Form / Verarbeitung
Das äußere Erscheinungsbild der Beta ist einfach Klasse. Sie wirkt sportlich kompromisslos und zugleich hochwertig, was auch bei genauerem hinsehen klar wird. Die Verarbeitung ist entgegen meiner sonstigen Erfahrungen mit italienischer Qualität durchweg klasse. Die Beta ist ein wunderbares Zusammenspiel aus Qualität und Design, wie man es sonst nur sehr selten finden wird. 5. Motor
Der Motor stammt aus dem Hause Minarelli in Italien. Bei sämtlichen 50er Betas werden ausschließlich originale Minarelli Motoren des Typs AM6 verbaut, viele Hersteller sparen hier und verbauen minderwertigste Nachbauten. Dieser Motortyp hat sich bei vielen 50ern sehr bewehrt und ist hier häufig zu finden. Auch andere bekannte Hersteller wie z.B. Aprilia, Yamaha, Rieju, Motohispania, etc verwenden diesen Motortyp in ihren 50ern. Diese enorme Verbreitung hat den Vorteil, das dadurch eine extrem gute und bezahlbare Ersatzteilversorgung gewährleistet - zudem gibt es eine breite Palette an Tuningteilen durch Drittanbieter. Der Motor ist insgesamt sehr gut verarbeitet und zählt mit 8,8ps offen zu den kraftvollsten 50ccm Serienmotoren die zur Zeit überhaupt gebaut werden. Der Motor ist schon vom Werk her sehr robust gebaut und darauf zugeschnitten mit hoher Leistung klarzukommen. Teile wie z.B. Kurbelwelle sind daher großzügig dimensioniert und dadurch sehr belastbar.
Es sollte noch angemerkt werden, dass der Motor mit der Drosselung auf 45 KM/h der art zugeschnürt wurde, dass er kaum fahrbar ist. Nach dem entdrosseln sollte man meistens den Vergaser größer bedüsen, dann macht das Fahren viel Spaß. 6. Getriebe
Das Getriebe was ja eigentlich einen Teil des Motors ausmacht ist eigentlich seine einzige wirkliche Schwachstelle. Die Abstimmung der Gänge aufeinander ist zum Teil etwas fragwürdig, da z.B. der 6e Gang eigentlich nur als leichter Overdrive zum Spritsparen gebraucht werden kann und erst bei offener Leistung halbwegs sinnvoll zum Einsatz kommt. Die Gänge sollten spätestens nach dem ersten Getriebeölwechsel nach 500km (sofern man ein Neufahrzeug kauft) nochmals eingestellt werden, da es sonst dazu kommen kann, das Gänge herausspringen oder sich recht schwer schalten lassen. Insgesamt ist das Getriebe recht hakelig und ein wenig gewöhnungsbedürftig. 7. Rahmen, Fahrwerk und Bremsen
Der Rahmen ist normalerweise (sofern man nicht die ALU-Edition kauft) ein großzügig dimensionierter Stahlrahmen in langjährig bewährter Doppelschleifen-Rohrrahmen Bauweise. Alle Schweißnähte sind gut ausgeführt und machen einen soliden Eindruck. Der Rahmen ist mit kratzfestem und robusten Strukturlack beschichtet, welcher sich als guter und solider Korrosionsschutz erweist. Auch beim Fahrwerk finden sich nur hochwertigste Komponenten, welche für ein straffes aber dennoch angenehmes Fahrverhalten auf der Straße ermöglichen. Das Fahrwerk besteht beim Supermoto Modell aus einer Ölgedämpften Telegabel der Marke Paioli mit ø36mm Standrohren und 230mm Federweg vorne, sowie einem härteverstellbaren Marzocchi Zentralfederbein mit 285mm Federweg hinten. Mit diesem Fahrwerk lässt sich als geübter Fahrer auch die Supermoto mit ultimativem Spaßfaktor in leichtem Gelände Bewegen, wobei man hier jedoch darauf achten sollte, dass die Gabelrohre evtl. vorher etwas geschützt werden, sonst hat man möglicherweise schon bald defekte Gabelsimmeringe.
Die Räder sind beim Supermoto Modell massive 17 Zoll Speichenfelgen mit pulverbeschichteten Felgenkränzen und jeweils 36 Edelstahl Speichen in den Dimensionen 2.50x17" vorne und 3.50x16" hinten. Die Räder sind serienmäßig mit Pirelli Sport Demon bestückt. Diese Reifen sind wiederum einer der wenigen Störfaktore an der Beta. Bei Trockenheit hat man guten Grip auf Asphalt, bei Nässe jedoch werden diese Reifen riskant und extrem rutschig. Man muss daher vorsichtig bremsen und möglicherweise versuchen auf extreme Kurvenlagen zu verzichten. Am besten plant man bei Nässe von vorneherein für den Fall der Fälle einen recht langen Bremsweg ein. Die Bremsen sind mit ø260mm vorne und ø220mm Scheibenbremsen hinten, extrem großzügig dimensioniert und bringen bei Trockenheit bis über 85 Km/h eine gute Bremsleistung. Bei Nässe sollte man bei der Dimensionierung jedoch vorsichtiger sein, da die gute Bremsleistung aufgrund der oben angesprochenen Reifen schnell zum blockieren der Räder führen kann - die Folgen dürften jedem klar sein.
8. Handling Das Handling der Beta ist durch das Fahrwerk sehr gut. Extreme Kurvenlagen bleiben zwar vorerst den erfahrenen Fahrern oder den waghalsigen Draufgängern vorbehalten, da man die Beta schon richtig in die Kurven drücken muss, aber auch ein unerfahrener Anfänger kann die RR50 durch den breiten Lenker und die entspannte, aufrechte Sitzposition einfach fahren. Die Sitzhöhe beim Supermoto Modell beträgt 910mm, was ich mit der Körpergröße von 1,88m als äußerst angenehm empfinde. Auch die Sitzbank ist für eine kleine Maschine wie diese recht gut gepolstert und führt erst ab Fahrten von mehr als 100km am Stück zu ersten Hinterteilschmerzen ;-). Mit etwa 90Kg Gewicht incl. alles Betriebsstoffe zählt die Beta eher zu den Leichtgewichten und hat bei offener Motorleistung ein Leistungsgewicht von etwa 10kg/ps, welches einen enormen Fahrspaß ermöglicht.
9. Zuverlässigkeit Meiner Erfahrung nach ist die Beta ein extrem zuverlässiges Vehikel, welches bei guter Pflege stets wunderbar anspringt und einen nicht im Stich lässt. Wer auf die Haltbarkeit seines Motors Wert legt, sollte seine Beta sets mindestens 5Km auf Halbgas warmfahren, denn trotz hochwertigem Aluminium Zylinder und toller Verarbeitung wird die Lebensdauer ohne ausreichendes Warmfahren extrem verkürzt. Leider achten nur die wenigsten auf eine gute Pflege und ein ausreichendes warmfahren - aus diesem Grund schreibt Beta alle 4000km einen Kolbenring Bzw. kompletten Kolbenwechsel vor, welchen man auch einhalten sollte um einen kapitalen Motorschaden zu vermeiden. Unerfahrene Besitzer sollten den Wechsel auf jeden Fall von einer Fachwerkstatt vornehmen lassen, denn gerade hier zahlt man am Ende ein Vielfaches an Lehrgeld drauf, wenn man Fehler beim Einbau macht.
Vielleicht sollte abschließend noch erwähnt werden, dass man beim Entdrosseln der Maschine in jedem Fall eine größere Vergaserdüse verbauen muss, da die Lebensdauer sonst enorm verkürzt wird. Außerdem ist es sinnvoll, den Benzinhahn einige Minuten vor dem ersten Startversuch zu öffnen oder offen zu lassen, da es sonst dazu kommen kann das die Maschine nicht oder schlecht anspringt oder nach kurzer Zeit abstirbt. 10. Verbrauch
Die Beta benötigt bei einer recht hohen Verdichtung von 10,5:1 mindestens 95 Oktan Super Benzin und mindestens teilsynthetisches 2 Takt Öl (ich empfehle jedoch vollsynth. Öl). Der Verbrauch ist im gedrosselten Zustand mit etwa 4l auf 100km für einen 2 Takt Motor noch halbwegs im Rahmen. Im entdrosselten Zustand steigt der Verbrauch jedoch um gute 2l, je nach Fahrweise auch höher. Meine Erfahrung ist ein Verbrauch von etwa 6l auf 100km bei sportlicher Fahrweise mit Landstraßen und Stadtverkehr kombiniert. Die Beta verfügt über separaten Öl und Benzintank (Getrenntschmierung), was es auch Laien einfach macht, die Beta zu betanken. Ausnahme ist das Sondermodell "Racing", hier wird vorgemischter Kraftstoff benötigt. Da die Beta leider weder über eine Tankuhr noch über eine Warnlampe verfügt, erfordert das rechtzeitige betanken ein gewisses Gefühl. Der Tank hat ein Fassungsvermögen von rund 7l, wovon 1l Reserve sind (Benzinhahn umstellbar). Es ist also zu empfehlen spätestens etwa alle 100km eine Tankstelle aufzusuchen. Auch den Ölstand sollte man regelmäßig kontrollieren, damit es gar nicht erst dazu kommt das die Öl Warnlampe anspringt. 11. Preis/Leistung
In der Basisausführung kostet die Beta RR50 laut Listenpreis etwa 2800€. Je nach Händler liegt der Verkaufspreis etwa 300€ unter dem Listenpreis, jedoch sind diverse Sondereditionen wie z.B. das Modell ALU (Aluminium Rahmen) oder aber das Modell RACING (Doppelkühler, kein Öltank, keine Ölpumpe - Rennstreckentauglich) um einiges teurer. Meiner Meinung nach liegt die Beta preislich in einem guten Rahmen und bietet für ihr Geld einiges an Qualität. Möglicherweise vermissen verwöhntere Fahrer einige Features wie E-Start, Tankanzeige, Temperaturanzeige, besseres Licht, Batterie, etc, jedoch wird hier recht klar, dass die Beta ihre Wurzeln im Wettbewerbsbereich hat und recht kompromisslos dafür konzipiert ist. Was wir am Ende vorfinden ist eine leicht gezähmte und zugeschnürte Version welche sich den Gesetzen unseres Landes zu unterwerfen hatte. 12. Tuning
Wie oben bereits angesprochen haben wir in der Beta einen kraftvollen Minarelli AM6 Motor mit viel Potenzial. Dieser Motor bietet eine hervorragende Tuning-Teileversorgung durch Aftermarket Anbieter, wodurch ein frisieren recht einfach machbar ist, wenn man dann das Geld dazu hat. Der Motor ist für den Straßenbetrieb gnadenlos zugeschnürt, gerade im bereich Auspuff und Ansaugbereich. Im Auspuff findet sich ein "Katalysator"-Einsatz, um die Euro2 Norm zu erfüllen. Diesen kann man getrost rauswerfen, sofern man danach eine neue Dichtung zwischen Krümmer und Resonanzkammer einbaut (alte Dichtungsreste gut entfernen!!). Diese Aktion zieht zwangsweise eine dickere Bedüsung des originalen 16mm Dell'orto Vergasers nach sich, sofern man diesen weiter nutzen will... Empfehlenswert sind Düsen im Bereich 100-115 (m6 Gewinde), welche man im Fachhandel beziehen kann. Mit diesem Setup sollten nun Geschwindigkeiten von rund 80Kmh erreichbar sein. Wer sich diesen Umbau nicht zutraut, sollte lieber jemanden heranlassen der Ahnung davon hat, denn gerade das ausbauen der Auspuffdrossel stellt sich beim Supermoto Modell als schwieriger heraus als es aussieht. Wer noch weiter gehen will, der findet ein weitreichendes Sortiment an Tuningzylindern und Auspuffanlagen, womit Leistungen bis über 20ps erreichbar sein müssten. Hilfe hierzu findet man sicherlich in entsprechenden Internetforen. Eine weitere sinnvolle Nachrüstung ist z.B. eine Temperaturanzeige, gerade bei getunten Motoren. 13. Fazit
Die Beta RR50 ist ein bezahlbarer, schicker und sehr zuverlässiger Wegbegleiter und ist absolut alltagstauglich. In Deutschland sind Schaltmopeds nur wenig verbreitet, die meisten kennen sie höchstens noch aus den 70er Jahren. Mit der Beta hat man so einige neidische Blicke auf sein Moped sicher. Wer extremen Wert auf Komfort legt, sollte evtl. lieber nochmal über einen Roller nachdenken. Wer jedoch Wert auf auffälliges Äußeres und kompromissloses Fahrerlebnis legt, der ist mit der Beta genau richtig bedient.
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11.12.2011 13:14
Da spricht der Fachmann! :-)) LG Martin
05.12.2007 20:18
die negativen Argumente sind in der realität nicht so herausragend das ich mich dadurch ernsthaft eingeschränkt fühle... Bin im großen und ganzen einfach der Meinung das es ein super Mopped ist und deshalb volle punktzahl... Die negativ-Argumente hab ich halt gelistet damit am ende keiner beim Kauf enttäuscht ist, falls er was anderes erwartet hätte..
02.12.2007 21:07
Trotz den negativen Argumenten volle Punktzahl...!? Auf alle Fälle wünsche ich Dir allzeit gute Fahrt. Liebe Grüße & einen schönen Adventsabend^^