Ein Lehrstück ohne Lehre?

5  16.03.2001

Pro:
Interessant und Lehrreich

Kontra:
keine Kontras

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Unterhaltungswert

Wie ergreifend ist die Story?

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FujinRA

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Mitglied seit:14.02.2001

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Max Frisch hat in einem seiner wohl besten Werke Biedermann und die Brandstifter seine Genialität eindeutig zum besten gegeben.
Zwar ist die untere Zusammenfassung bzw. Interpretation schon etwas älter,aber passen tut sie auf jeden Fall in diesen Bericht,da sie eindeutig meine Meinung und Eindrücke wiederspiegelt.

Das Drama "Biedermann und die Brandstifter" von Max Frisch handelt von Gottlieb Biedermann, einem typischen Kleinbürger. Er ist Haarwasserfabrikant und dadurch reich geworden. Während er bei seiner häuslichen Zeitungslektüre über die Brandstiftungen schimpft dringt ein Hausierer, Josef Schmitz in seine Wohnung vor, indem er an Biedermanns Menschlichkeit appelliert. Ein ehemaliger Angestellter, namens Knechtling tritt auf und verlangt eine Gewinnbeteiligung an einem Haarwasser, welches er erfunden hat. Knechtling wird daraufhin hinausgeworfen. Schmitz wird auf dem Dachboden Asyl gewährt. Auch Frau Biedermann, die gegen den Aufenthalt von Schmitz ist, schafft es nicht ihn auf die Straße zu setzten ,nachdem dieser an ihre Sentimentalität appelliert. Zugleich zieht ein Freund von Schmitz, ein ehemaliger Kelner namens Willi Eisenring, in den Dachboden ein. Herr Biedermann bemerkt, daß die beiden Benzinfässer lagern. Er ist zunächst darüber wütend, läßt sich dann jedoch durch die rückhaltlose Offenheit der beiden überrumpeln. Vor der Polizei, die den Selbstmord Knechtlings meldet, macht sich Biedermann aus schlechtem Gewissen zum Komplizen der beiden. Er behauptet in den Benzinfässern sei Haarwasser. Schmitz und Willi treffen ihre Vorbereitungen zum Brandstiften. Herr Biedermann redet sich währenddessen seine Angst aus. Er sieht seine letzte Hilfe darin, das Vertrauen der Gangster zu gewinnen, indem er sie zum Abendessen einlädt und sie sich schließlich duzen. Dabei gibt Herr Biedermann den Ganoven die Streichhölzer, da er sich einredet, daß die beiden selbst Streichhölzer hätten, wenn sie Brandstifter wären. Herr und Frau Biedermann kommen gemeinsam in den Flammen des Feuers um, welches Schmitz und Willi noch in der selben Nacht legen. Während des ganzen Stücks tritt unabhängig von der Handlung ein Chor in Gestalt von Feuerwehrmännern auf. Der Chor kommentiert und kritisiert das Geschehen. Im Nachspiel finden sich Frau und Herr Biedermann nach der Katastrophe in der Hölle wieder. Hier treffen sie Herr Schmitz als Beelzebub und Willi als Teufel. Letzterer kommt gerade wieder vom Himmel zurück, zudem er aus Verhandlungszwecken gereist war, denn die wirklichen Verbrächer kämen nicht in seine Hölle sondern in den Himmel, der all diese begnadigt. Willi befiehlt also dem Chor das Höllenfeuer zu löschen, denn er weigerte sich noch irgendeinem armen Sünder, der nichts wirkliche Schweres verbrochen hat, aufzunehmen. Biedermann verlangt entrüstet, in den Himmel zu kommen, er fordert Wiedergutmachung, denn er sei ein Opfer. Seinen Protest schließt er mit den Worten er verbitte sich das Getue wegen der Katastrophe. Katastrophen habe es immer gegeben. Die Teufel aber kehren zur Erde zurück um von neuem ihr Unwesen zu treiben.

Das Drama ist ein Einakter mit sechs Szenen.
In der ersten Szene wird dem Zuschauer Gottlieb Biedermann vorgestellt. Bereits sein Name gibt uns eine Aussage über seine Person. Er ist ein biederer Spießbürger. Biedermann ist bestürzt über die aktuellen Brandstiftungen in der Stadt. Die Sprache in der er sich über dieses Geschehen äußert erinnert an Stammtischparolen. Als Josef Schmitz, ein Hausierer, um Obdach bittet überspielt Biedermann seine Angst mit "Menschlichkeit". Als jedoch sein ehemaliger Angestellter, Knechtling, auftritt entlarvt er seine scheinbar menschenfreundliche Person als unmenschlich, da er Knechtling wegen seiner Forderung, einer Gewinnbeteiligung hinauswirft. Der Name Knechtling gibt Auskunft über das Verhältnis Biedermanns zu seinen Angestellten. Schmitz tritt als nicht vertrauenserweckende Erscheinung auf. Durch Hinweise auf sein früheren Ringerberuf macht Schmitz Biedermann Angst. Durch psychologische Raffinesse, dem Appell an Biedermanns Menschlichkeit, erwirkt er die Möglichkeit auf Biedermanns Dachboden Unterschlupf zu finden. Bereits in der ersten Szene macht Schmitz seine offenkundige Unverschämtheit deutlich. Der Chor gibt in dieser Szene einen Ironischen Kommentar zum Geschehen ab .

In der zweiten Szene zeigt Babette Biedermann Schmitz, daß sie nicht einverstanden ist mit seinem Aufenthalt in ihrem Haus. Er jedoch manipuliert sie so, indem er ihre Sentimentalität anspricht, daß ihre Zweifel über seinen Aufenthalt verschwinden. Durch Biedermanns Äußerungen am Anfang der Szene wird seine Angst deutlich. Er bekundet sein Vertrauen zu den Brandstiftern. Er will nicht wahrhaben, daß die Gäste auf seinem Dachboden Brandstifter sind. Der Chor kommentiert am Ende der Szene mit der Aussage "Blinder als blind ist der ängstliche, zitternd vor Hoffnung, es sei nicht das Böse, freundlich empfängt er's, wehrlos, ach, müde der Angst, hoffend das beste...bis es zu spät ist." Durch dieses Zitat wird deutlich, daß Biedermann durch seine Angst bereits jetzt nicht mehr hinter sein handeln kommt.

In der dritten Szene möchte Biedermann die Brandstifter, nachdem er bemerkt, daß sie Benzinfässer auf dem Dachboden lagern, hinauswerfen. Die beiden Brandstifter verheimlichen nicht, daß sie Benzin lagern. Sie nutzten somit Biedermanns Situation aus. In dieser liegt nämlich die Ironie dieser Szene: Ruft Biedermann nicht die Polizei macht er sich als Mittäter schuldig, ruft Biedermann die Polizei macht er sich durch die Lagerung von Benzin in Zeiten der Brandstiftung ebenfalls strafbar. Biedermann lügt aus der daraus entstandenen Angst den Polizisten an. Hier setzt die Verdrängung der Tatsache, daß Brandstifter auf seinem Dachboden leben, erneut ein. Dieser Abschnitt kann parabelhaft auf das alltägliche Leben unserer Zeit übertragen werden. Es gibt Menschen wie Biedermann, die Fehler anderer kritisieren selbst aber kaum einen Deut besser sind. Biedermanns Verdrängung weist darauf hin, daß er eine charakterschwache Person ist. Vor dem Brandstifter versucht er zwar Willensstärke und Entschlossenheit zu demonstrieren, in Wirklichkeit ist er willensschwach und leicht beeinflußbar. Die Brandstifter kennen offensichtlich diesen Typ Mensch genau und sie wissen, wie man mit ihm umzugehen hat, um ihn ausnutzen zu können.

In der vierten Szene manipulieren die Gangster Biedermann nicht mehr durch den Appell an seine Menschlichkeit, sondern durch die blanke Wahrheit. "Scherz ist die drittbeste Tarnung. Die zweitbeste: Sentimentalität. Was unser Sepp so erzählt: Kindheit bei Köhlern im Wald, Waisenhaus, Zirkus und so. Aber die beste und sicherste Tarnung ( finde ich) ist immer noch die blanke und nackten Wahrheit. Komischerweise. Die glaubt niemand." . Dieses Zitat zeigt, daß Biedermann selbst zu blauäugig ist, um die Absichten der Brandstifter zu erkennen, selbst wenn diese ihm die Wahrheit offen darlegen. Der Chor äußert sich durch die Aussage "Putzend die Brille, um Weitsicht zu haben sieht er in Fässern voll Brennstoff nicht Brennstoff- er nämlich sieht die Idee! Bis es brennt." kritisch.

In der fünften Szene versucht Biedermann immer noch verzweifelt seine Haut zu retten. Er verschließt sich weiterhin vor der Realität. Durch ein Abendessen versucht Biedermann die Ganoven zu bestechen. Er besteht dabei allerdings auf Schlichtheit damit die Brandstifter seine Bestechungsabsichten nicht erkennen. Die Ironie dieser Szene besteht darin, daß Biedermann die Brandstifter nicht durch die Wahrheit sondern durch versteckte Bestechung versucht zu manipulieren. Die Wahrheit allerdings wurde in der vierten Szene von den Brandstiftern selbst als bestes Mittel der Suggestion gesehen.

In der letzen Szene ist das Einzige was Biedermann den Brandstifter entgegen zu setzen hat seine eigene Verlogenheit, sein mißglückter Humor, seine Verdrängung von Problemen und seine daraus resultierende Verzweiflung, die aus der Einsicht entsteht hilflos zu sein . Die Brandstifter durchschauen seine "zweit- und drittbeste" Tarnung und treiben ihr Spiel mit ihm fort. Sie fordern alle Accessoires, auf die Biedermann absichtlich verzichtet hat. Die einzige die sich unbehaglich fühlt und teilweise Widerstand leistet ist seine Frau Babett. Nun kommt es zur Katastrophe, indem Biedermann das Streichholz gibt, das sein eigenes Haus abbrennt. Dies zeigt, daß Biedermann durch seine Ignoranz den offensichtlichen Tatsachen gegenüber seinen eigenen Untergang selbst herbeigeführt hat.

Max Frisch zeigt bereits durch den Untertitel "Ein Lehrstück ohne Lehre", daß er der Wirkung seines Gesellschaftskritischen Stücks kritisch gegenüber steht. Er besteht nicht darauf, daß seine Hauptperson Biedermann am Ende im Nachspiel in der Hölle einsichtig wird. Vielmehr setzt Max Frisch den Schwerpunkt darauf, daß der Zuschauer anfängt zu reflektieren und so zu einer Einsicht gelangt. Der Bürger soll aus Angst nicht die Tatsachen aus den Augen verlieren. Wer sich durch wegsehen aus einem Problem heraushält führt seinen eigenen Untergang, da er Teil dieses Problems ist selbst herbei und wird zum Mittäter.

Und trotzdem empfand ich es als eines der größten Lehrstücke die die Deutschsprachige Literatur hervorgebracht hat.
ya FujinRA...Intellektueller mit Begeisterung 8-)
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Laurielle

Laurielle

15.08.2001 11:18

Ahhh... Was hast du bloß für einen Geschmack? Ich Kellerkind les wenigstens vernünftige Bücher! Dieses habe ich gehasst, wie auch Homo Faber von Max Frisch. Der schreibt sooo langweilig. Für mich also: Strafe Strafe Strafe!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Lady.Saw

Lady.Saw

01.07.2001 15:18

Klasse Zusammenfassung!(Is mir egal ob die selbst geschrieben oder kopiert is,gut is sie auf jeden Fall) *

Whynodd

Whynodd

17.06.2001 20:39

Hast du die Zusammenfassung selber geschrieben oder nur kopiert? Ach, ist ja auch egal. Ich muss den Krams im Moment für Deutsch lesen. Ich wusste gar nicht, dass Biedermann und Babette sich am Ende in der Hölle wiederfinden.

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