Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
fördert Toleranz und Weltoffenheit |
| Kontra: |
Toleranz will geübt sein, rechtliche Fragen |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Entstanden ist dieser Bericht eigentlich aus einem geplanten Reisebericht jenseits der Touristenpfade in der Türkei. Doch je mehr ich schrieb, desto mehr merkte ich, daß dieser Bericht als Reisebericht völlig untauglich ist und für interessierte Urlauber maximal „weniger hilfreich" ist. Dennoch waren einige nützliche Informationen für andere, die auch in binationalen Beziehungen leben, enthalten und erstaunt stellte ich fest, daß es dazu noch keine Kategorie gab. Schließlich gibt es im Zuge der Zeit immer mehr solcher Beziehungen. Aber nun ist der Produktvorschlag durch und ich kann schreiben.
Nach der Einleitung wird sich der Bericht grob in zwei Teile spalten: Erstens mein umgemodelter Reisebericht, der meine ersten Erfahrungen in der Schwiegerfamilie mit anderer Kultur zeigt und zweitens allgemeine, aber sehr wichtige rechtliche Fragen bezüglich bikulturellen Partnerschaften wie z.B. Eheschließung, Scheidung, Sorgerecht für die Kinder.
Einleitung:
Unser Planet ist ziemlich klein geworden: Dank moderner Verkehrsmittel sind wir innerhalb von wenigen Stunden im Vorderen Orient oder in den Vereinigten Staaten. Dank moderner Kommunikationstechnik können wir uns mittels weniger Mausklicke mit Menschen von allen bewohnten Kontinenten dieser Erde unterhalten. In Deutschland und einigen anderen EU-Staaten kommt hinzu, daß bedingt durch das Wirtschaftswunder ausländische Arbeitskräfte ins Land geholt wurden, von denen viele seßhaft werden und mittlerweile bereits die Generation ihrer Enkel hier aufgewachsen ist, studiert hat und arbeitet.
War es in früheren Jahrhunderten noch eine Sensation, wenn man das Mädchen aus dem übernächsten Dorf ehelichte, sind heute Verbindungen zwischen Inländern und Ausländern keine Seltenheit mehr, sondern nehmen sogar stark zu.
Für die Kategorie habe ich mich ausdrücklich für den Namen „bikulturell" statt „binational" entschieden. Wenn ich mich hier in München geboren und aufgewachsen für einen Mann aus Salzburg entschieden hätte, würden wir zwar eine binationale Ehe führen, aber kulturell wären wir beiden Alpenländler uns wohl ähnlicher und vertrauter in Sitten und Gebräuchen als wenn ich einen Mann aus Hamburg geheiratet hätte. Ebenso wird einem Mann aus Flensburg gehen, der sich in eine hübsche Dänin verliebt...
Entscheidet man sich für eine Ehe mit einem EU-Bürger aus Italien, Griechenland oder Spanien, dann treten zwar die rechtlichen Schwierigkeiten und Besonderheiten nicht auf, die in Teil 2 behandelt werden, kulturelle Unterschiede werden sich aber bereits hier bemerkbar machen.
Ganz besonders möchte ich mich aber auf Beziehungen konzentrieren, die zwischen EU-Bürgern und Bürgern anderer Kulturen, sogar Kontinente und Religionen geschlossen werden. Jede Ehe sollte vor ihrer Schließung gut durchdacht werden. Wenn ich höre, daß in Deutschland mittlerweile jede 3. Ehe mit Tendenz steigend wieder geschieden wird, dann kann doch irgendwas nicht stimmen. Aber dies sind - wenn auch traurige - Fakten und wenn dann noch bezüglich Unterhalt, Sorgerecht etc. besondere Bestimmung dazukommen, sollten bikulturelle Ehen besonders gut durchdacht werden, um zu funktionieren. Darum möchte ich jedem anraten, vor der Eheschließung einmal in das Heimatland des Partners zu fahren und sich eine Zeitlang mit Sitten, Gebräuchen im Allgemeinen und der Schwiegerfamilie im Besonderen auseinanderzusetzen. Ich habe das auch getan und keinen Moment bereut, da mir doch viele Unterschiede auffielen, mich einiges störte und ich mich daheim erst einmal in Ruhe damit auseinandersetzen konnte, bevor ich mein endgültiges Jawort gab.
1. Meine Reise in den Orient
Kennengelernt habe ich meinen türkischen Mann hier in Deutschland, er wohnte jedoch nicht hier, sondern war nur zu Besuch bei Bekannten, wo ich ihn kennenlernte. Ich hatte bereits vorher zwei Beziehungen zu Türken hinter mir (und war eigentlich gerade an dem Punkt, wo ich sagte. Nie wieder!) als ich ihn traf. Diese türkischen Männer waren jedoch sogenannte „Deutschtürken". D.h. hier aufgewachsen. In Deutschland Türken genannt, in der Türkei Deutsche - Wandler zwischen zwei Welten und Kulturen. Und es stimmt: Sie SIND bereits anders geprägt als z.B. „echte" Türken, wie mein Mann.
Bei meiner ersten Reise in die Türkei trafen mein Freund und ich uns in Istanbul (wir waren ja noch nicht verheiratet und dieser Unterschied ist sehr sehr wichtig in der Türkei, darum werde ich für die Reisebeschreibung meinen Mann als meinen Freund bezeichnen). In dieser weltoffenen Metropole verbrachten wir einige wunderschöne, unbeschwerte Tage und ich sah, was ich auch hier in Deutschland sehe: Frauen mit Kopftuch, Frauen ohne Kopftuch. Ein Schmelztiegel der Kulturen, Sitten und Gebräuche.
Da uns bereits klar war, daß wir eine Ehe ernsthaft in Betracht ziehen, entschlossen wir uns nach einigen Tagen weiter in seine Heimatstadt zu fahren, damit ich seine Familie kennenlerne. Seine Stadt liegt nur ca. 2 Autostunden von Izmir entfernt, da wir uns aber in Istanbul aufhielten, hieß das eine Busfahrt von ca. 16 Stunden zu machen. Als der Bus losfuhr, faßte ich wie üblich nach seiner Hand. Er nahm seine Hand von meiner und sagte: „Nur daß Du es gleich weißt, wir fahren nun weg aus Istanbul. Wir sind nicht verheiratet, es ist in der Öffentlichkeit verboten, daß wir Händchen halten, daß irgend jemand erkennt, daß wir ein Paar sind!" Daraufhin folge eine Flut anderer Verhaltensregeln, die zu beachten wären, so z.B. daß wir nicht in einem Zimmer schlafen dürften, daß ich um Himmels Willen keine Koseworte zu ihm sage und so weiter... Das war mein erster Kulturschock und etwas beleidigt zog ich mich auf meinen Platz im Bus zurück.
Je mehr Personen auf der langen Strecke zustiegen, desto weniger wurden die Frauen, die wie ich kein Kopftuch trugen, bis ich schließlich die einzige war und das dann auch noch blond und blauäugig...
Endlich angekommen, wurden wir vom Bruder und seiner Frau mit dem Auto abgeholt. Ich wußte, daß die beiden mit ihren Kindern normalerweise in Österreich wohnen und es war eine angenehme Vorstellung, daß ich mich wenigstens mit ihnen auf Deutsch verständigen könnte. Hier folgte für mich ein weiterer kleiner Kulturschock. Da die beiden in Österreich wohnen, dachte ich irgendwie nicht daran, daß die Schwägerin verschleiert sei. Das war sie aber, und es gibt auch in der Verschleierung sehr viele Abstufungen. Diese hier war eindeutig die strengere Variante. Natürlich war mir vor Antritt der Reise klar, daß ich kurze Röcke und knappe Tops daheim lasse. Und dennoch fühlte ich mich in den nächsten Tagen in dieser Stadt, unter meinen zukünftigen Verwandten irgendwie nackt! (Mittlerweile trage ich, wenn ich dort zu Besuch bin, Kopftuch, aber aus völlig freien Stücken! Keiner hat mich gezwungen! Aber wenn man als fast einzige Frau dort ohne Kopftuch durch die Stadt läuft und angegafft wird wie ein Marsmensch, dann nervt das!).
Aber meine Familie hat mich voll und ganz als Christin und ohne Kopftuch akzeptiert und das fand ich wunderschön! Nun bekam ich die positiven Seiten dieser Kultur kennen, nämlich diese unglaubliche Gastfreundschaft! Und der schönste Moment war für mich, als ich am nächsten Morgen meiner zukünftigen Schwiegermutter vorgestellt wurde, in die gleichen Augen meines Mannes blickte, sie mich in die Arme nahm auf die Wangen küßte, mich anlächelte und „Hos geldin!" („Herzlich Willkommen!") sagte und ich fühlte, daß sie es wirklich so meint!
Eine besondere Ehre wurde mir auch zuteil, weil - nach langen Diskussionen, aber immerhin, mein Freund es durchsetzte, daß wir in einem Zimmer schlafen durften, allerdings mußten wir versprechen, daß es dort zu keinen außerehelichen Aktivitäten kommt! Mein Freund hielt sich strikt daran und mir war es recht... ich hätte es in dieser Umgebung auch nicht unverkrampft können, ich hätte ständig mit der Angst gelebt, daß es doch jemand mitbekommt... (Nach vier Tagen hat es dann mein lieber Freund aber nicht mehr ausgehalten, klar, stell Schokolade auf den Nachtisch und versprich, nicht von ihr zu naschen!, und wir sind noch ein paar Tage nach Izmir, aber das ist eine andere Geschichte).
Sehr genau nahm ich aber meinen Freund unter die Lupe, sein Verhalten in seiner gewohnten Umgebung. Ebenso intensiv studierte ich die verschleierten Frauen, die mir unbekannten Wesen! Nun, mein Ergebnis ist im Falle der Türkei wirklich so, daß hier keine Frau gezwungen wird, ein Kopftuch zu tragen. Es ist eine Gewohnheit und da sie vom ersten Lebenstag nichts anderes sehen, ist es einfach Bestandteil ihrer Kleidung. In der Türkei, einem laizistischen Staat, dürfen Frauen mit Kopftuch nicht die höhere Schule besuchen oder studieren. Ich habe Frauen kennengelernt, die daraufhin das Kopftuch ablegten, aber es war grausam für sie! Ihr größtes Opfer. Ein Kopftuch macht keine unterdrückte Frau. Auch diese gibt es in der Türkei, genauso wie hier in Deutschland, ohne Kopftuch!
Die Seiten, die ich an meinem zukünftigen Mann kennenlernen durfte, gefielen mir jedoch wesentlich weniger. Hatte ich ihn bisher als sehr charmanten, eher schüchternen Mann kennengelernt, verhielt er sich jetzt anders. Selbstverständlich erwartete er es in Paschahaltung, daß ihm seine 10 jährigen Nichten unaufgefordert Tee nachgossen, wenn das Glas leer war. Versäumte ein Mädchen diese „Pflicht", forderte er sie mit unwirschem Kopfnicken unfreundlich auf, dieser Pflicht nachzukommen. Der Gedanke, mit ihm selber mal eine Tochter zu haben, stimmte mich nicht gerade glücklich. (Wenn ich mir es aussuchen könnte, hätte ich eigentlich lieber Töchter als Söhne, aber in dieser Konstellation würde ich mich ehrlich gesagt jetzt mehr über Söhne freuen, einfach den Kindern zuliebe...)
Ebenso fiel mir sein Verhalten mir gegenüber auf. Er versuchte jeden Blickkontakt zu meiden, tat meistens so, als wäre ich gar nicht vorhanden und setzte sich möglichst immer ans entgegengesetzte Ende des Zimmers - wenn wir unter Leuten waren. Kaum waren wir allein, kam er angefetzt, entschuldigte sich für sein Verhalten, aber... blablabla... Ich nahm alles so hin, wollte keine große Szene machen, aber ich vermerkte all diese Dinge in meinem Großhirn, um mir daheim in aller Ruhe mein eigenes Bild zu machen, ehe ich eine Entscheidung treffen würde...
Schließlich kam auch noch der Nachbar, musterte mich von oben bis unten und stellte einige unwirsche Fragen an meinen zukünftigen Schwiegervater. Ich verstand es natürlich nicht, aber meine kleine Nichte aus Österreich übersetze den Disput grinsend für mich: Dieser Nachbar hatte also meinen Herrn Schwiegerpapa angeherrscht, warum ich kein Kopftuch tragen würde? Daraufhin ist mein Schwiegervater sehr wütend geworden und hat mich verteidigt: Ich sei Deutsche, ich sei Christin, da sei das nicht üblich, ansonsten sei ich doch völlig korrekt und manierlich angezogen! ... Finde ich heute noch supersüss von ihm!
Wieder daheim bin ich dann wirklich ernsthaft in mich gegangen, bevor ich meine Entscheidung für die Ehe traf. Es gab viele Fürs und Widers und ich habe sie sehr sorgfältig gegeneinander abgewogen. Da ich selber aus einer konservativen Familie mit einer strengen Rollenverteilung stamme, fällt mir es nicht so schwer, diese auch hier zu akzeptieren. Ich bin mir nicht zu fein, für meinen Mann zu kochen! Wir Deutschen fordern doch auch immer, daß sich die Ausländer hier mehr anpassen sollen! Da sollte ich doch mal umgekehrt mit gutem Beispiel vorangehen. Und es gab noch tausende Überlegungen mehr. Aber ich habe mich für meinen Mann entschieden, habe es einige wenige Male schon bereut, aber zum Großteil bin ich nach wie vor glücklich und zufrieden mit meiner Wahl. Wir haben viel lernen müssen, und lernen immer noch dazu, aber ich begnüge mich inzwischen oft mit einem Schulterzucken: „Ach, mein türkischer Mann" und ebenso mein Mann: „Ach, Du deutsche Frau!" Wir sind langsam, aber sicher immer toleranter gegenüber den kulturellen Eigenarten geworden und dies ist auch die einzige Chance auf eine gute Ehe.
Ich betone aber auch, daß ich alle Frauen vor "Papagallis" jeglicher Art warnen möchte. Ob in Rimini oder Antalya oder am Ballermann. Es gibt so eine ganz bestimmte Art Touristinnenjäger, Animateure und ähnliches, die durch Euch wirklich nur nach Deutschland kommen wollen. Vor Männern aus diesen Touristengefilden muß ich warnen. Oft haben die ihre Frau/Freundin schon zuhause oder sind schon längst einer Frau versprochen. Dazu seid ihr nur eine von vielen Touristinnen. Pocht darauf, seine Familie kennenzulernen und vorallem mit dieser über EHE zu reden (oft dulden sie nämlich ihren Söhnen zuliebe diese "deutschen Huren"). Wenn sie bei dem Wort Ehe noch immer freundlich lächeln, dann habt ihr schon Sicherheit.
Ich möchte aber jeden, der eine bikulturelle Ehe anstrebt, raten, mir es gleich zu tun und diese Erfahrung unbedingt VOR der Ehe zu machen!
2. Die rechtliche Seite bikultureller Ehen
Die rechtliche Seite beziehe ich im Großteil auf bikulturelle Ehen, die hier in Deutschland geführt werden.
Eheschließung:
Jede Ehe ist eine staatliche Institution und ein offizieller Akt. Egal ob Eheschließung oder Scheidung, Behördengänge sind unverzichtbar! Der ganze Behördenkram potenziert sich bei binationalen Ehen um einiges und das bereits bei Eheschließungen zwischen EU-Bürgern, wie ich von einer Kollegin weiß, die einen Niederländer geheiratet hat. Hier kann ich keine verbindlichen Regeln wiedergeben, was an Unterlagen erforderlich ist, läßt sich am besten beim heimischen Standesamt UND der jeweiligen Botschaft des Fremdlandes nachfragen. Dort bekommt man meist bereits Listen als Vordrucke, die man der Reihe nach abhaken kann, um unangenehme Überraschungen kurz vor der Hochzeit zu vermeiden. Sollte man ein gewisses Datum festgesetzt haben, sollte man mit der Beschaffung der Dokumente allerspätestens ein halbes Jahr davor beginnen!
Soll eine deutsch-nichtdeutsche Ehe geschlossen werden, so ist neben dem deutschen auch das nationale Recht des nichtdeutschen Partners zu berücksichtigen, damit die Eheschließung auch in dessen Heimatland gültig ist. Die Standesbeamten prüfen, ob die Verlobten nach ihrem jeweiligen Recht, die Ehe schließen dürfen.
Der ausländische Ehepartner benötigt auf jeden Fall ein sogenanntes Ehefähigkeitszeugnis, das bescheinigt, daß nach dem Recht seines Landes kein Hinderungsgrund für eine Ehe besteht. Tatsächlich gibt es aber auch Staaten, die dieses Dokument nicht ausstellen! In diesem Fall muß der hiesige Präsident des Oberlandesgerichts eine Befreiung vom Ehefähigkeitszeugnis ausstellen, wenn eine Ledigkeitsbescheinigung dieser Länder vorliegt. Diese bekommt man in diesen Ländern kurioserweise auch, wenn man geschieden ist. Vorsicht auch, wenn der ausländische Partner nach deutschem Recht bereits in Deutschland verheiratet war und nach deutschem Recht geschieden ist. Das heißt noch lange nicht, daß diese Scheidung auch in seinem Heimatland rechtskräftig ist! Dafür muß er dann noch ein Anerkennungsverfahren in seinem Heimatland anstreben, was meist eine pro-forma Sache ist, aber auch Zeit kosten kann
Flüchtlinge und Asylbewerber können aus nachvollziehbaren Gründen oft keine Dokumente aus ihrer Heimat anfordern. Hier kann statt dessen eine eidesstattliche Versicherung von Zeugen dienen.
Viele ausländische Dokumente müssen erst ins Deutsche übersetzt werden. Das ist zwar meistens schnell erledigt, kostet aber auch dementsprechend, da hierfür nur vereidigte Übersetzer zulässig sind.
Ist der Papierkram erledigt, steht der Hochzeit nichts mehr im Wege. Doch wie gesagt, jedes Land hat andere Ehegesetze und gerade bei binationalen oder bikulturellen Ehen sollte man sich nicht scheuen, über den so ungeliebten, aber doch oft im nachhinein rettenden Ehevertrag zu sprechen. Da die Rechtslage in jedem Fall ungleich komplizierter ist als zwischen deutsch-deutschen Ehen, rate ich ganz dringend dazu!
Eheverträge können auch noch im nachhinein während der Ehe geschlossen werden, jedoch NICHT bei christlich-islamischen Ehen!!!
Vorallem wenn das christlich-muslimische Paar beschließt, im islamischen Heimatland zu leben, muß der Ehevertrag unbedingt vor der Ehe und vor einem dort zuständigen Notar geschlossen und unterschrieben werden!!!
In vielen islamischen Ländern gibt es keine gesetzlich geregelte Unterhaltszahlung für die Frau nach der Scheidung. Und geschieden wird man in diesen Ländern zudem sehr schnell, wenn der Mann das will. Jetzt kann man als deutsche Frau sagen, gut, ich gehe zurück nach Deutschland, prima. Doch halt! Sind zum Beispiel bereits Kinder da, könnt ihr nicht so einfach das Land verlassen, da kommt es erst zum Sorgerechtsverfahren und auch dieses fällt in islamischen Ländern gerne zu Gunsten der Männer aus! Es kann sein, daß ihr sehr lange dort seid, um das Verfahren für euch günstig zu Ende zu bekommen. Doch dafür benötigt ihr Geld, und dies wird durch die traditionelle „Morgengabe" im islamischen Ehevertrag geregelt. Einen Teil des Geldes bekommt ihr bei der Hochzeit, den restlichen Teil nach einer Scheidung. Habt ihr diesen Ehevertrag nicht, steht ihr völlig ohne Geld da und müßt das Land vielleicht ohne eure Kinder verlassen. Also macht hier bitte keinen Fehler und drängt auf diesen Ehevertrag! Dieser Ehevertrag ist aber auch in Deutschland manchmal sogar zwingend, z.B. bei der Ehe mit einem Marokkaner, da ansonsten die Ehe dort nicht registriert wird.
Ansonsten ist dieser Ehevertrag nicht zwingend, wenn das Paar in Deutschland leben möchte. Aber dennoch sollte man ihn abschließen. Es kann immer sein, daß man in die Heimat des Partners übersiedelt und darum sollte schon lange davor geplant sein, ob die Frau z.B. berufstätig sein darf, finanzielle Themen etc. ob die Frau die Scheidung einreichen darf, ob sie alleine verreisen darf... Ihr seht schon, Themen, die für uns so selbstverständlich sind, daß wir nicht daran denken! Aber in einigen Ländern ist dies ganz normal...
Eine endgültige Aufenthaltsgenehmigung für ausländische Ehepartner gibt es übrigens erst nach 5 Jahren Ehe, die deutsche Sprache gut mündlich beherrschen, und der Lebensunterhalt gesichert ist.
SCHEIDUNG:
Bikulturelle Ehen können ebenso scheitern wie andere Beziehungen.
Bei Scheidung sollte berücksichtigt werden, daß jedes Gericht weltweit von den Gesetzen des eigenen Landes ausgeht. Auch wenn die Eheschließung in Deutschland erfolgte... lebte das Paar danach im Heimatland des anderen Partners, gilt das dortige Scheidungsrecht!
Die Frage nach nationalem Scheidungsrecht gliedert sich in Stufen.
Erste Stufe: Wenn ein türkisch/türkisches Ehepaar sich in Deutschland scheiden läßt, gilt türkisches Familienrecht!
Zweite Stufe: Ein deutsch/türkisches Ehepaar wird nach deutschem Recht geschieden, wenn es zuletzt in Deutschland gelebt hat, nach türkischem Recht, wenn es in der Türkei gelebt hat.
Dritte Stufe. Lebt nun ein deutsch/türkisches Paar z.B. in Brasilien, wird das Scheidungsrecht angewandt. Dem die Eheleute am ehesten verbunden sind. Hier können natürlich große Konflikte entstehen...
SORGERECHT FÜR GEMEINSAME KINDER:
Darüber ist viel in den Medien berichtet worden: Kindesentführung der gemeinsamen Kinder nach einer Scheidung in das Heimatland des Partners! Dies ist ein sehr heikles und komplexes Thema. Ich bin keine Juristin und kann darauf nur sehr allgemein eingehen.
Es gibt das sogenannte Haagener Übereinkommen. Dies haben Länder unterzeichnet, die die Konflikte bezüglich dieses Themas möglichst sicher austragen möchten. Werden Kinder in Länder entführt, die dieses Übereinkommen nicht unterzeichnet haben, hat man kaum Chancen, seine Kinder wiederzusehen. Man sollte sich daher vor der Eheschließung unbedingt informieren, ob das Heimatland des Partners dieses Abkommen unterzeichnet hat!
Besondere Aufmerksamkeit gilt auch hier wieder islamischen Ländern, da die Mutter zwar durchaus das Erziehungsrecht erhält, aber nur, wenn sie im fremden Land bleibt... Eine Rückkehr nach Deutschland kann sehr erschwert werden!
Ich habe die juristische Punkte möglichst knapp gehalten, sie sollen auch nur einem groben Überblick dienen, auf was man alles achten sollte, bevor man die Ehe schließt. Wird das Thema Ehe wirklich konkret, müßt ihr euch natürlich eingehender mit diesem Thema beschäftigen!
Ist eine bikulturelle Ehe nun empfehlenswert oder nicht? Das kann jeder nur für sich selbst entscheiden. Das Wichtigste ist und bleibt die Liebe, aber: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! In diesem Sinne!
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Bewertung für Bikulturelle Beziehungen von
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Pro: alles
Kontra: nichts
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17.08.2007
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