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Die große Kunst der flachen Worte

3  28.01.2004 (03.04.2009)

Pro:
kurze und knackige Informationen, alle verstehen die BILD Artikel

Kontra:
reißerische, einseitige Berichterstattung

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Informationsgehalt

Layout:

Berichterstattung Politik:

Berichterstattung Wirtschaft:

Berichterstattung Feuilleton:

Berichterstattung Zeitgeschehen:

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TennisQueen

Über sich: Ich schreibe unheimlich gerne und habe mich deshalb bei Ciao.de angemeldet um mal ein Bisschen meine...

Mitglied seit:10.04.2000

Erfahrungsberichte:70

Vertrauende:8

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 43 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Die BILD-Zeitung mag zwar als volksverdummende Tageszeitung für Proleten verschrien sein, doch eigentlich ist sie viel mehr als das.

Ich würde es niemals wagen, abzustreiten, dass ihr Inhalt manchmal hart an der Schmerzgrenze des gerade noch Erträglichen kratzt, doch muss man eines bedenken:
Die BILD-Zeitung hat sich nach dem zweiten Weltkrieg nicht nur als einzige Zeitung zur Aufgabe gemacht, auch die einfache Bevölkerung durch reich bebilderte Artikel und eine Beschränkung auf die wesentlichen Fakten, über das Zeitgeschehen zu informieren, sie hat sich über die Jahrzehnte zum einflussreichsten Sprachrohr der deutschen Bevölkerung entwickelt.

Ein BILD-Redakteur muss schneller, mutiger und hemmungsloser sein als jeder andere Journalist. Denn die BILD-Zeitung spricht aus, um was andere Blätter einen großen Bogen machen. Die Titelseite der BILD-Zeitung hat schon einige Schicksale besiegelt, Worte kreiert, Skandale aufgedeckt und Skandale erzeugt.
Ein BILD-Redakteur muss also eine geniale Gratwanderung absolvieren: Einen Artikel zu schreiben, der sich tatsächlich nur auf die Schlüsselfakten beschränkt, der einen locker-flockigen und oft zutiefst ironischen oder sarkastischen Unterton hat, der aber derartig verpackt daher kommt, dass seine Unsachlichkeit nicht jedem ersichtlich ist.

Gerade weil die BILD-Zeitung keine Tabus kennt, ist sie das öffentliche Organ, das von den Berühmten und Mächtigen am meisten gefürchtet aber auch am meisten geliebt wird.
Treffend wirbt die BILD-Zeitung in einem TV-Spot mit einer dementsprechenden Szene:
Ein kleiner Angestellter beschwert sich bei seinem Chef, der ihn nur auslacht, als er mit seinem Anwalt droht. Erst die Drohung, zur BILD-Zeitung zu gehen, lässt den Chef erschaudern und „gefügig“ werden.

Die BILD-Zeitung ist eine geniale Mischung aus Boulevard-, Sport- und Politmagazin.
Durch eine Erwähnung in der BILD kann der Bekanntheitsgrad eines TV-Sternchens rapide gesteigert werden, sowohl im positiven oder auch im negativen Sinne.
Die BILD-Zeitung hat nämlich die gigantische Reichweite von 92 % im deutschen Sprachraum und ist Meinungsmacher Nr. 1 in Deutschland. D.h., die BILD-Zeitung hat die Macht, über den Erfolg oder Misserfolg von in der Öffentlichkeit stehenden Personen zu entscheiden.
Kein Politiker kann sich dem Einfluss der BILD-Zeitung entziehen und auch wenn es nicht gern zugegeben wird, ist die BILD-Zeitung mit Sicherheit die wichtigste Morgenlektüre für viele Machtmenschen.
An dieser Stelle bringe ich gern die kleine Anekdote ein, wie ich unseren jüngst aus dem Amt entlassenen, Hamburger Innenminister Ronald Barnabas Schill am Strand von Sylt beobachtete, als er mit interessierter Mine die aktuelle Ausgabe der BILD-Zeitung studierte deren erste Seite sein Antlitz zierte....man muss sich ja über seine eigene Position informieren.

Die BILD-Zeitung kann nach normalen journalistischen Maßstäben nicht beurteilt werden, sondern stellt eine komplette Neuerfindung des Mediums Zeitung dar.
Wo andere Blätter die Nase rümpfen, wühlt die BILD erst Recht tief und polarisiert damit auf ganzer Linie. Die BILD-Zeitung möchte aufrütteln, auf zeitsparende Weise Informationen vermitteln, die für alle verständlich sind, die aber, für intellektuellere Kreise zwischen den Zeilen besonders gesellschaftskritische Appetithappen bereit halten, sie möchte unterhalten und Anwalt des Volkes sein.
Wo andere Zeitungen sachlich bleiben, spricht die BILD-Zeitung direkt die Emotionen des Lesers an.
Die riesigen Schlagzeilen und das Layout sind reißerisch und möglichst sensationsheischend.
Es wird um jeden Preis Aufmerksamkeit erzeugt.

Es gibt deutschlandweit Regionalausgaben der BILD, wobei ich die Hamburger Ausgabe lese.
Die Ausgaben sind alle gleich aufgebaut: Seite 1 mit der Titelstory und mehreren Schlagzeilen, die auf Artikel aufmerksam machen, dann mehrere Regionalseiten mit Meldungen, die den jeweiligen Landkreis betreffen, dann der regionale Klatschteil, Meldungen aus aller Welt und der sehr umfangreiche Sportteil.
Auf der letzten Seite finden sich ebenfalls Klatsch und Tratsch und Neuigkeiten aus aller Welt.

Die gesamte Zeitung ist darauf ausgelegt, den Inhalt schnell zu überblicken, sich ein Bild vom Tagesgeschehen machen zu können, ohne aber lange Zeit zum Lesen aufzuwenden.

Oft bezieht die BILD-Zeitung ihre Leser mit ein und versucht, durch Aufkleberaktionen, Gewinnspiele, Unterschriftensammlungen, etc. den Leser zur Interaktion zu animieren.
Durch die Berichterstattung der BILD-Zeitung gepaart mit der „Steuern runter macht Deutschland munter“ Aufkleber-Aktion gerieten die Politiker vor kurzem in Zugzwang und beschleunigten die Durchführung der Steuerreform.

Wer es also schafft, einen gepflegten Abstand zu den Inhalten der BILD zu wahren und viel Wert darauf legt, sich einen schnellen Überblick über die Personen und Geschehnisse zu verschaffen, die aktuell in aller Munde sind, der sollte die BILD-Zeitung täglich lesen.
Natürlich ist es anzuraten, als Ausgleich noch eine „seriöse“ Tageszeitung zu lesen.

Wer einmal genauer liest und sich die Mühe macht, die Artikel der BILD und den Schreibstil der Redakteure genau zu beleuchten, der wird merken, wie schwer es ist, einen wirklich guten BILD Artikel zu verfassen.
Ich bin der Meinung, dass es viel mehr Geschick erfordert, im BILD-Stil zu schreiben, als Fakten nüchtern und ausführlich zusammenzufassen, wie es bei anderen Zeitungen üblich ist.

Selbst der größte „Schandfleck“ der BILD, Nacktgirl von Seite 1 ist mit ziemlich kreativen Kurzgeschichten versehen.
Ganz ehrlich, mir würden solche Texte nicht einfallen...
Katja Kessler, die Co-Autorin von Dieter Bohlens Büchern hat übrigens mit dem Schreiben dieser Pornotextchen angefangen. Würde man niemals glauben, dass sich Frauen so etwas ausdenken. Erst war sie Zahnärztin, dann bei der BILD und jetzt Klatschtante vom Dienst und Autorin. Interessante Karriere...

Eine BILD-Zeitung kostet übrigens 50 Cent und ist überall in Deutschland und auch Europa erhältlich.


28.01.2004


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
MrDamar

MrDamar

20.06.2010 01:37

Interessanter Artikel mit sicher streitbarer Aussage.

DasMorgenblau

DasMorgenblau

05.02.2007 21:40

Kreativität in der Bild? Das ist ja wie ein Spielplatz auf ner Autobahn :D

DanGri

DanGri

07.07.2004 21:04

Wenn die Bild mehr Wahrheitsgehalt in ihren Artiklen hätte, würde ich sie vielleicht auch mal lesen. So erspar ich mir das lieber!

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