Brutale Freaks
11.10.2006
Pro:
Sehr actionreich, viele unterschiedliche Spezialattacken und Waffen, gewaltig große Figuren, teils beeindruckende Animationen, gelungene Steuerung, viele Spielmodi mit entsprechenden Highscorelisten
Kontra:
Sehr brutal, "irgendwie schon" gewaltverherrlichend, Pseudo - Geschichte, ganz sicher nicht jedermanns Sache
Empfehlenswert:
Ja
 elisa2
Über sich:
Ihr habt Glück, ich mache eine kleine Pause:-)
Mitglied seit:10.01.2003
Erfahrungsberichte:61
Vertrauende:16
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 83 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ein meiner Ansicht nach doch sehr ungewöhnliches und vor allem auch erstaunlich brutales Beat em Up stellt "Biofreaks" für das Nintendo 64 dar, welches von Midway entwickelt wurde und im Jahr 1998 auf den Markt kam. Zwar treffen Videospiele aus diesem Genre eigentlich eher nicht so meinen persönlichen Geschmack, zumindest können diese mich meistens nicht besonders lange faszinieren, doch trotzdem ist mir dieses sehr makabre Prügelspiel ziemlich gut in Erinnerung geblieben. In erster Linie dürfe das an den teilweise sehr drastischen Animationen gelegen haben, bei denen ich manchmal nicht glauben konnte, dass sie durch die Zensur gekommen waren, zudem weist dieser N64-Titel aber noch andere Stärken auf, auch wenn es letztlich nicht zu einem richtigen Top-Hit gereicht hat. Worum geht es in "Biofreaks" eigentlich?
Da es sich um ein ganz und gar nicht niedliches Prügelspiel handelt, überrascht es wenig, dass eine Hintergrundgeschichte praktisch überhaupt keine Rolle spielt, hier geht es einzig und allein um Action. Jedenfalls spielt dieses Beat em Up in der Zukunft, in welcher die USA stark unter einem gewaltigen Bürgerkrieg zu leiden hat, schließlich von einer Einheit nicht mehr die Rede sein kann und in einzelne unabhängige Staaten (wieder) zerfällt. An der Spitze eines jeden solchen Staates stehen große Firmen, speziell jene aus den Branchen der biogenetischen Forschung und Elektronik. Aus brandaktuellen Forschungen sind schließlich mächtige Cyborgs entstanden, die quasi stellvertretend für ihren jeweiligen Staat in den Kampf ziehen und in Duellen mit gegnerischen Cyborgs die Streitigkeiten austragen und letztlich entscheiden. Insgesamt existieren acht große Syndikate, welche offensichtlich immer noch nicht genug Macht zu haben scheinen, sie gieren unentwegt nach mehr und wollen ihren Einzugsbereich noch mehr erweitern. Die Folge ist, dass unterschiedliche seelenlose Prototypen an Cyborgs weiterhin in die Schlacht ziehen, um neues Land für den entsprechenden Staat bzw. Konzern zu erobern. Jedes Syndikat verfügt über einen ganz speziellen Kämpfer, die sich nicht nur erheblich in der Art ihres Aussehens, sondern selbstverständlich auch in ihren Fähigkeiten unterscheiden. Jeder dieser Cyborg-Söldner verfügt über individuelle Stärken und Schwächen, so dass es schließlich Geschmackssache ist, welchen davon Ihr nun übernehmen möchtet. Während sich das eine Kampfmonstrum mit zwei mächtigen Maschinengewehren energisch zur Wehr setzt, verfügen andere über gewaltige Kanonen, Stahlkugeln, Raketenwerfer, Laser, Flammenwerfer und
Bilder von Bio Freaks (Nintendo 64)
noch vieles mehr. Interessant ist hierbei allerdings, dass jeder Cyborg über sehr unterschiedliche Kampftechniken (Dreh-, Sprung-, Sprint- und Rollattacken) verfügt, welche für einen sehr abwechslungsreichen Kampfverlauf sorgen. Sehr heftig und oft im Hinblick auf den Jugendschutz (ausnahmsweise einmal wirklich!) bedenklich sehen einige Animationen aus, denn regelmäßig werden Gliedmaßen abgetrennt, Schädel abgeschlagen und es spritzt manchmal literweise Blut quer über den Bildschirm. Den Meisten von Euch - erst recht Liebhaber dieses Genres - dürften die teils drastischen Bilder aber eher willkommen sein, glaube ich, ganz objektiv gesehen sind diese ein Markenzeichen von "Biofreaks" und zudem von beeindruckender Qualität, was das In-Szene-Setzen angeht.
Spielmodi stehen uns bei diesem blutrünstigen Massaker netterweise auch mehrere zur Verfügung, nach einer mehr oder weniger langen Eingewöhnungsphase im Trainingsmodus reisen wir im Solospielermodus in einem Arcade-Modus durch die unterschiedlichsten Gebiete und erheben mit unserem mutierten Söldner mit besonderem Nachdruck Ansprüche auf neues Terrain. Des Weiteren existiert ein Survival-Modus, in welchem Ihr versucht, einen Gegner nach dem anderen abzuschlachten, dabei aber darauf achten müsst, möglichst viel Energie in den sich unmittelbar anschließenden Kampf mit hinüber zu retten, denn Eure Lebensenergie wird dann nur zu einem kleinen Teil aufgefrischt. Dem Zweispielermodus kommt hier eine noch höhere Bedeutung zu, durch diesen bin ich auch überhaupt erst zu diesem etwas skurrilen Videospiel gekommen. Hier können wir im Versus-Modus im Duell gegeneinander antreten oder auch im Teamkampf mit bis zu fünf Cyborgs pro Team den wahren Champion unter uns ausmachen. Wer mit seinem Söldner dabei die erste Runde übersteht, tritt mit der verbliebenen Lebensenergie im nächsten Kampf gegen den zweiten Söldner des Gegenübers an und dies geht dann solange weiter bis irgendein Team keinen funktionierenden Cyborg mehr übrig hat. Dass es für jeden einzelnen Spielmodus eine ganz spezielle Highscoreliste gibt, sollte dabei für ausreichend Motivation sorgen. Die Steuerung ist trotz ihrer Komplexität - denn es lassen sich tatsächlich viele unterschiedliche Manöver ausführen - gut gelungen, dass Ihr am Anfang etwas länger braucht, um die unterschiedlichen Möglichkeiten kennen zu lernen und erst recht um diese zu verinnerlichen, ist eher normal. Wer sich die Mühe gibt, sich zu Beginn ausführlich mit den zahlreichen Moves zu beschäftigen, wird später durch sehr abwechslungsreich verlaufende Kämpfe belohnt, insgesamt dürfte jeder Cyborg über ungefähr zwanzig verschiedene Kampfaktionen verfügen. Egal ob Ihr Sprint-, Roll-, Dreh-, Stampf- oder Wirbelattacken ausführt, jeder Söldner steuert sich ganz anders und verfügt nicht zuletzt über außergewöhnliche Spezialangriffe, nicht zu vergessen natürlich die sehr unterschiedlichen Mordinstrumente. Der größte Pluspunkt von "Biofreaks" dürfte aber an den vielen Überraschungen mitten im Kampf liegen, denn nicht gerade selten entdeckt Ihr bei Eurem eigenen Monstrum völlig neue Möglichkeiten im Kampf und werdet aber genauso immer wieder aufs Neue von Eurem Kontrahenten überrascht.
Oft wähnt Ihr Euch schon in trügerischer Sicherheit, hat Euer Feind doch schließlich schon Arme und Beine verloren und auch der Schädel baumelt eher nur noch schwach am Hals, doch regelmäßig kann sich der Wind dann noch drehen, urplötzlich tauchen "von irgendwo her" doch noch Rauchbomben, Granaten oder Giftwolken auf, die Euch ordentlich zu schaffen machen, manchmal sind auch an den unmöglichsten Körperregionen zusätzliche Geheimwaffen versteckt. Sollte praktisch gar nichts mehr gehen und die Situation ausweglos erscheinen, gibt es als letzte Trumpfkarte noch die Möglichkeit, das umliegende Terrain sich zunutze zu machen, denn manchmal lässt sich ein schon längst verloren geglaubter Kampf dann noch umbiegen. Ein kleiner Schubs zur rechten Zeit in einen glühend heißen See aus flüssigem Stahl in einer der zahlreichen Industrie- und Fabrikanlagen kann da so manches Wunder bewirken. Klar ist auf jeden Fall, dass ständige Action und ein hohes Maß an Abwechslung hier eindeutig gegeben sind. Durch die teilweise sehr brutalen Animationen dürfte bei vielen von Euch auch die entsprechende Langzeitmotivation gegeben sein, denn selbst nach vielen Monaten und Jahren lohnt sich in dieser Hinsicht ein erneutes Anspielen, glaube ich. Wie sieht "Biofreaks" aus und wie hört es sich an?
Gar nicht einmal so schlecht wie ich es ursprünglich befürchtet hatte. Zunächst dachte ich nämlich, dass das Ganze zu düster, zu unübersichtlich und auch zu pixelig aussehen würde, doch nach wenigen Monaten hatte ich mich an die ungewöhnliche Optik gewöhnt. Die Söldner an sich sind extrem groß gezeichnet worden und verfügen über die schon erwähnten sehr beeindruckenden Animationen. Auch mit Spezialeffekten beim Auslösen der unterschiedlichsten Waffen und besonders auch im Hinblick auf die fatalen Auswirkungen bei dem gepeinigten Cyborg wurde nicht gespart, in diesem Punkt wird uns klar Überdurchschnittliches geboten, zu Beginn des Spiels kam ich aus dem Staunen gar nicht heraus und auch später wurde ich immer wieder einmal durch die grotesken (und auch bedenklichen) aber in qualitativer Hinsicht gut in Szene gesetzten Effekte überrascht. Die teils düsteren, teils neonfarbenen Science-Fiction-Hintergründe sehen allerdings etwas bieder aus und wenn die Kamera einmal näher heranzoomt, sieht man ab und zu auch hässliche Texturen. Die Musik ist hier bei einem solch brutalen Prügelspiel absolut zweitrangig, wenn überhaupt, zumindest passen die Hintergrundmelodien aber zum jeweiligen Kampfgeschehen. Die Soundeffekte haben bei diesem brutalen Prügelspiel eine wesentlich höhere Bedeutung und tatsächlich unterstützen diese die actiongeladene Atmosphäre stimmungsvoll. Trotzdem bleibt die ungewöhnlich (brutale) Optik dominant, die akustische Untermalung tritt hier zurück und ist einfach nur nettes Beiwerk, immerhin heizt sie die Stimmung aber regelmäßig an und ist in qualitativer Hinsicht völlig in Ordnung. Kann ich Euch "Biofreaks" insgesamt empfehlen?
Das auf jeden Fall, gar keine Frage. Für zartbesaitete Videospieler ist dieses brutale Beat em Up aber ganz sicher nichts, denn Gewalt wird hier in einem extremen Maße offensichtlich verherrlicht, daran will ich auch gar nichts beschönigen. Wer in dieser Hinsicht aber keine moralischen Bedenken hat, der wird voll auf seine Kosten kommen, denn an Action und Abwechslung wurde hier keinesfalls gespart, speziell die oft grotesken Animationen sind immer wieder aufs Neue ein echter Hingucker und mir teilweise bis zum heutigen Tage sehr gut in Erinnerung geblieben. Die zahlreichen Spielmodi und nicht zuletzt die vielen Highscorelisten motivieren sowohl im Einzel- als auch Mehrspielermodus und dass die einzelnen Cyborg-Söldner sehr unterschiedlich agieren, über sehr unterschiedliche Spezialattacken und auch Waffen verfügen, reizt zum Ausprobieren sämtlicher Figuren. Auch die Präsentation braucht sich nicht zu verstecken, sowohl die optischen als auch die akustischen Mittel sind gut gelungen bzw. in Szene gesetzt worden. Die Steuerung erfordert aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten zwar eine ziemlich lange Eingewöhnungsphase und auch viel später entdeckt Ihr völlig überraschend noch die ein oder andere Spezialattacke, aber das ist ja eigentlich auch gut so, finde ich. Auf jeden Fall ist die Tastenbelegung auf dem Joypad sinnvoll angelegt worden, wer nicht lange das Handbuch studieren, sondern einfach schnell loslegen möchte, kommt auch auf seine Kosten. Besonders gewichtige Nachteile fallen mir jetzt eigentlich nicht ein, allerdings müsst Ihr für solch eine Art von Videospiel grundsätzlich zu begeistern sein. Wer Prügelspielen nicht viel abgewinnen kann, wird sich höchstens eine kurze Zeit lang die außergewöhnlichen Animationen anschauen und das war es dann auch. Für Fans dieses Genres ist "Biofreaks" auf jeden Fall hochinteressant, zumal gerade auf dem auf Nintendo 64 nicht so wahnsinnig viele (gute) Prügelspiele erschienen sind.
P.S.: Für das seltsame Titelbild von Ciao zu diesem Videospiel kann ich übrigens nichts;-)
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26.10.2006 08:40
Guter Bericht. Er zeigt mir einmal mehr, warum ich solche Spiele absolut nicht mag. Die Gewaltverherrlichung ist schlicht und einfach nicht mein Ding. LG Ilona
13.10.2006 17:39
Von der Beschreibung her eigentlich genau mein Fall, aber den Bildern nach anscheinend arg gewöhnungsbedürftig.. Hat mich übrigens alles ein wenig an Mortal Kombat 4 erinnert. Mfg MaRco
11.10.2006 15:25
Super Bericht, weiter so! Gruß Klaus