Erfahrungsbericht über

Blade Runner [DC] (DVD)

Gesamtbewertung (105): Gesamtbewertung Blade Runner [DC] (DVD)

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"Ich will mehr Leben-Vater!"

5  13.05.2002

Pro:
Atmosphäre,Story,Bilder

Kontra:
-

Empfehlenswert: Ja 

winterspiegel

Über sich: Es gibt nichts Schöneres als das Mysteriöse. Aus ihm entspringt alle wahre Kunst und Wissenschaft......

Mitglied seit:08.04.2002

Erfahrungsberichte:211

Vertrauende:46

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 40 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
EINBLICK

Nur Zwei Jahre nach“ Alien“ zeigte sich Ridley Scott mit, der Blade Runner für einen weiteren Klassiker im Sciencefiction Genre verantwortlich.
Dies zeichnete sich zunächst nicht gleich ab, denn nach dem Kinostart sah es überhaupt nicht nach einem Erfolg aus, die Zuschauerresonanz hielt sich in Grenzen.
Vielleicht lag es am Thema - künstliche Intelligenz, vielleicht auch weil das Buch von Philip K. Dick(Total Recall, A.I.), das die Vorlage für den Film bildet, doch ein bisschen mehr zum Nachdenken anregt, und die Karrakteehre die zu Anfang noch recht eindimensional, und schwarz – weiß gezeichnet sind, sich im Laufe des Filmes immer mehr verschieben.
So wird der Zuschauer gezwungen sein, seine Sympathien ein ums andere mal neu zu vergeben. Dies ist Hauptsächlich Scott, und dem Drehbuch von Hamten Faucher, und David Peoples zu verdanken die den Roman von Dick („Do Androids dream of electric Sheep“?) Adäquat umgesetzt haben, und eine Zukunftsvision schufen, die von seiner interessanten, vielschichtigen Geschichte lebt, statt sich in entlosen, nichtssagenden Actionsequenzen zu ergießen.
Scott zeigt uns in einer Version der nahen Zukunft (2019), eine wissenschaftliche Technologie die durchaus machbar erscheint. Allein moralische Bedenken halten uns heutzutage( noch) von solchen radikahlen Eingriffen (Gentechnik usw.) ab. Doch wie lange wird es noch dauern bis es die ersten Menschen aus der Retorte, oder zumindest mit verändertem Erbgut geben wird?
Eine Horrorvision a la Frankenstein, dem seine Forschungen aus dem Ruder gelaufen sind, und schließlich von seiner Kreatur heimgesucht wird, drängt sich einem da auf.
Denn auch der künstlich erschaffene Roy Batty bekonnt keine befriedigende Antworten von seinem Erschaffer Tyrell, der sich seiner Verantwortung entziehen will.
All diese Aspekte sind in einem Film gepackt, der obendrein noch optisch und atmosphärisch seines gleichen sucht, und das seit immerhin 20 Jahren, und mit Sicherheit noch weit darüber hinaus.

Filmhandlung

Der Film beginnt im Los Angeles des Jahres 2019, die Bilder zeigen einen überbevölkerten, unüberschaubaren, Multikulturellen Moloch, in der die großen Konzerne das Sagen haben.
Der Verkehr findet größtenteils im Luftraum, dieser von Dauerregen und Neonlichtreklame geprägten, dahinsiechenden Stadt.
Deckard ist nicht all zu sehr begeistert, als er vom Essen weg ins Hauptquartier der „Blade Runner Einheit“ gebracht wird.
Im wird eröffnet, dass Replikanten von Außenposten anderer Planeten geflüchtet, und wieder unbefugter weise zur Erde zurückgekommen sind. Er soll die Rebellierenden ausfindig machen und „zur Strecke“ bringen, da hilft es Deckert auch nichts das er beteuert, den Job eines „Blade Runners aufgegeben zu haben. Er hat keine Wahl!
Deckard wird auf seine bevorstehende Aufgabe vorbereitet, ihm werden die Einzelheiten erläutert. So erfährt er unter anderen auch das die Replikanten eine begrenzte Lebenszeit von vier Jahren haben.
Der wieder in Dienst gestellte Blade Runner besucht die Tyrell Corporation, die Firma die jene geflohenen Replikanten hergestellt hat, es ist Tyrell selbst der ihn empfängt. Seine Sekretärin (Rachael) ist, wie Deckard bald herausfindet auch ein Androide, allerdings ein recht hübsches Exemplar wie der Blade Runner feststellen muss.
Deckard und Rachael verlieben sich ineinander.
Deckard macht sich auf die Suche nach den flüchtigen Replikanten.
Roy der Anführer der Replikanten verhört einen Teilehersteller von künstlichen Augen, um zu erfahren wer ihn entworfen hat, und wie er zu ihm gelangen kann. Roy bekommt wichtige Informationen.
Rachael geht zu Deckard: Der erläutert ihr, dass sie ein künstlich hergestellter Mensch eine Replikantin ist, und all ihre Erinnerungen an ihre Kindheit die sie zu haben scheint, künstlich implantiert wurden. Darauf verschwindet sie bei Tyrell, und steht von nun an auch auf der schwarzen Liste.
Deckert verfolgt eine Spur die ihn in ein schäbiges Variete führt, eine Replikantin arbeitet dort anscheinend als Schlangentänzerin. Als sie Verdacht schöpft flüchtet sie.
Der Blade Runner nimmt die Verfolgung durch die menschenüberfüllten Strassen auf.
Er schießt auf die Replikantin, die durch mehrere Schaufensterscheiben stürzt, um schließlich von mehreren Schüssen getroffen zusammenzubrechen und zu sterben.
Gleich darauf wird er von einem weiteren Replikanten angegriffen und fertiggemacht.
In dieser auswegslosen Situation rettet Rachael ihm das Leben, in dem sie den Replikanten erschießt.
Roy versucht in das Gebäude von Tyrell zu kommen, mit einem Trick schafft er es auch.
Roy der Replikant begegnet seinem Schöpfer Tyrell, und verlangt eine Verlängerung seiner Lebenszeit.
Tyrell eröffnet ihm, das es unmöglich währe, und ironisch fügt er noch hinzu: “ Das Licht das doppelt so hell brennt, brennt auch nur halb so lang“.
Roy tötet Tyrell – Deckard eine letzte Replikantin.
Jetzt bleiben nur noch die beiden übrig, Roy der nichts mehr, und Deckard der alles zu verlieren hat.

Musik

Sicher hätte ein „herkömmlicher“ Score von einem großen Orchester eingespielt, auch ganz gut funktioniert, doch dieser elektronische Sound gibt dem Streifen einfach noch mehr den passenden Rahmen für ein außergewöhnliches Stück Filmgeschichte.
Die Musik von Vangelis die sich mal zurückhaltend gibt, mal in wallenden elektronischen Klangorgien, zu diesem verregnetem „Alptraum Los Angeles“ erklingt, unterstreicht den Eindruck einer bedrückenden und kalten Welt noch intensiver.

Schauspieler

Harrison Ford (Rick Deckard)

Ganz anders als in „Krieg der Sterne“ wo er der Sunnyboy und Draufgänger sein durfte, stellt Ford einen illusionslosen, sarkastischen Karraktheer dar.
Er spielt den zynischen Kopfgeldjäger Deckard, der die entflohenen Replikanten zur Strecke bringen soll, routiniert - fast emotionslos.
Selbst die Romanze mit Rachael lässt Deckard nicht richtig auftauen, so gibt er den „unterkühlten“, der versucht nach Möglichkeit keine Emotionen an sich ran zu lassen.
Man nimmt Ford diesen Kopfgeldjäger ab, ganz ohne Zweifel. Es ist ohnehin seine Stärke mit minimaler Gestik, und einer Maximalen Präsenz seinen Figuren „Leben“ einzuhauchen, um`s mal so auszudrücken. Die „Indiana Jones“ Reihe wäre dafür ein weiteres Beispiel, und das ist bis heute meiner Meinung nach so geblieben.
Alles in allem hat Ridley Scott wohl das beste für eine gelungene Darstellung aus ihm herausgeholt.

Sean Young (Rachael)

Betrachtet man ihre Karriere, war dieser Film mit der sie so richtig begann wohl auch zugleich der Höhepunkt, im Kino spielte sie danach, eher in Filmen der zweiten Garde (Der Kuss vor dem Tode, Ace Ventura), später noch hauptsächlich fürs Fernsehen. Als unnahbare und scheue Replikantin gibt sie der Rolle eine unterschwellige Verletzlichkeit, die durch diese unglaublichen „Rehaugen“ noch unterstrichen wird.

Rutger Hauer (Roy Batty)

Der Holländer drehte in den Achtzigern eine ganze Reihe - meist Aktion und „hau drauf“ Filme die auch ihr Publikum fand, (Hitcher der Highwaykiller, Flesch and Blood.) In der Rolle als Replikantenanführer Roy Batty lief er wohl zu einer seiner Höchstformen auf.
Die Szene am Schluss von Blade Runner, als er seinen ergreifenden Monolog hält, ehe er stirbt, halte ich für eine der besten im ganzen Film. Auch Hauer hatte in den letzten Jahren eher weniger erfolgreiche Auftritte, in Streifen die hauptsächlich fürs Fernsehen Produziert wurden.

BAUTEN / SPEZIALEFFEKTE

Die archetektonischen Strukturen des Los Angeles der nahen Zukunft sind alle a`Miniatur angefertigt worden, um diesen Großstadtdschungel, mit den riesigen pyramidenartigen Bauten der Konzerne zu zeigen. Um diese zum „Leben zu erwecken wurde Unmengen an Fiberoptics, (Plastikröhrchen in dehnen Spannung erzeugt wird) in den Fenstern der Modelle zum leuchten gebracht.
Kleine Modellvehikel wurden an unsichtbaren Drähten gezogen, um den Eindruck von durch die nächtliche Stadt gleitenden Fluggeräten zu bekommen.
Das Finale des Films spielt im sogenannten Bradbury Gebäude von Los Angeles, einem Historischen 1892 erbautem Haus, im Gotischen Stiel.
Die Straßenszenen wurden in einer eigens angefertigten 70 Meter langen Kulissenstraße in den Warner Studios gedreht, die unter einer Dauerberieselung von künstlichem Regen unter Zuhilfenahme von riesigen Sprinkleranlagen stattfand.

KINOVERSION / DIRECTORSCUT

Den Leuten in den Testvorführungen war offensichtlich der Ausgang, in diesem ohnehin wenig Hoffnung verbreitenden Streifen zu düster. Deshalb fügte der Verleih nachträglich ein „Happy End“ in die Kinoversion ein.
In dieser Version in der die ersten hellen, und freundlichen Bilder überhaupt gezeigt werden, fliegt die Kamera über ein Waldstück, und Deckard (Ford) beginnt einen Monolog aus dem „Off“ zu sprechen, der den Eindruck von ein wenig Hoffnung für die Zukunft von Deckard und Raechel vermittelt.
Oder eben den Directorscut bei der sie auf ihrer Flucht feststellen müssen, dass egal wohin sie auch gehen, sie niemals sicher sein können, ob ein anderer Blade Runner auf sie wartet, ein guter Schluss, für diesen außergewöhnlichen Film und ein passender obendrein.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Geisha_X

Geisha_X

24.06.2004 11:20

Sehr guter Bericht von Dir über einen beeindruckenden Film.

Sowan

Sowan

25.12.2002 20:09

Ein genialer Film, vor allem gerade weil er nicht den gängigen Klischees entspricht. Jedes Mal, wenn ich ihn sehe, fallen mir neue Details auf, lieber Gruß und noch einen schönen Festtag, Sowan.

sili74

sili74

14.08.2002 21:31

Klasse Bericht! Hab den Film leider noch nie gesehen. ;-)

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"besonders hilfreich" von (3%):
  1. Geisha_X

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  1. Kruemel1984
  2. Sowan
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