Heiß-kalte Erzählungen aus der Schweiz
17.12.1999
Pro:
Kontra:
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 schulti
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?Coole Liebesgeschichten? verkündet uns der Deckeltext des neuen Erzählbandes von Peter Stamm. Und tatsächlich, im ersten Moment liest man leicht verwundert von der Liebe, der Frau und dem Gefühl als ?Treibgut?, oder von Jugendlieben, die plötzlich enden, sei es tödlich oder nicht, so wie ein Auto nicht mehr fährt, wenn das Benzin alle ist. Das ist nicht nur ein schlechter Vergleich, sondern auch ein zu oberflächlicher Blick auf die feine Prosa des Schweizer Autors. Denn seine Erzählungen sind größtenteils versuchte Annäherungen an einen Unterschied, an die Schwierigkeiten zwischenmenschlicher Beziehungen oder sogenannter ?Liebesbeziehungen? zwischen Mann und Frau. Und zumeist ist es zugleich deren Scheitern. In acht von neun Erzählungen werden direkt ?Beziehungen? beschrieben, von Small-Talk bis zu Sex, in der einen die Unmöglichkeit und Nichtexistenz von Liebesgedichten von Frauen an Männer in der Literatur. Und alle diese Frauenfiguren erinnern in Anklängen an ?Agnes?, Titelfigur des literarischen Erstlings von Peter Stamm. Die Frau als Mysterium, das naturgemäß nie, und erst recht nicht von einem Mann, ergründet werden kann. Sachlich-nüchtern und emotionslos in einfacher, unaffektiert-schlichter Sprache erzählt, mit kurzen Sätzen, fast brutal unauffällig, ohne Sprachmuskelspielereien, ohne große Metaphern kommen Stamms Texte daher. Und laufen deswegen akute Gefahr, schnell langweilig und belanglos zu wirken. Die Erzählung ?Passion?, die Peter Stamm beim diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Preislesen zum Besten gab, wurde von der elitären Jury unter anderem mit eben diesem Prädikat versehen. In der letzten Erzählung ?Blitzeis? wird ein Reporter mit Larissa konfrontiert, die, unheilbar tuberkulosekrank, als bereits schwer von ihrem Schicksal gezeichnet beschrieben wird. Dem Erzähler wird vorgeworfen, dass er ?als Schreiberling? die Schönheit, die sich hinter der sterbenden Fassade verbirgt, niemals sehen könne. Der Schreiberling dieser Geschichten sieht jedoch viel mehr, als er uns mitteilt. Aber gerade weil er es nur rudimentär, ansatzweise mitteilt, weil er mit ökonomischer Präzision Leerstellen setzt, sehen die Leser um so deutlicher, um so eindringlicher.
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