Über sich:"Jeder, den ich mit Aufmerksamkeit betrachte, drückt meiner Seele etwas von der seinigen auf.&q...
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Beim Ton des gefällten Baumes fängt der Bericht an:
"Ich mag keine Filme, die nur eine Sichtweise zulassen … So sehe ich das Leben nicht." (David Lynch)
Aber David, als Autorenfilmer müsstest Du doch dann die USA, das „eindimensionale Mainstreamkino“ von Hollywood verlassen und nach Europa gehen…
Leider entsprach Lynchs (romantisiertes) Bild vom alten Kontinent nicht dem Vorgefundenen und so degenerierte ein Mitte der 60er Jahre geplanter 3 Jahres-Aufenthalt in Europa schlagartig zu einem Kurztrip von nur 15 Tagen, wo ihm schnell bewusst wurde, wie sehr er seine Heimat und das Amerikanische vermisste/liebte (er soll z.B. in Athen gedacht, nein befürchtet haben, das nächste MacDonalds wäre 7000 Meilen entfernt, Anno 2003 wären es wahrscheinlich nicht mehr als 7 Meilen). Er ist eben durch und durch Amerikaner, was ich definitiv nicht als negativ betrachte. Lynch erreicht in seinen Werken jenseits der gängigen (ihn auch geprägten) typischen "US-fast-food-Kultur" eine Tiefe, die leider zu selten dort anzufinden ist (was aber auch ganz einfach Ausdruck eines undifferenzierten und unromantisierten Amerikabildes meinerseits sein kann). Es gibt einfach zu wenige (amerikanische) Filmemacher, die ihre Wurzeln kennen & lieben, ihnen treu bleiben und daraus anspruchsvolle „Autorenfilmkunst“ machen. Für mich ist David Lynch ein Europäer mit amerikanischem Pass und diese "Exilanten" sind mir die liebsten. (In Amerika wurde er einmal als „the eccentric american auteur“ bezeichnet.) Passenderweise kombiniert er in „BLUE VELVET“ (blauer Samt) - nach dem Motto „opposites attracts“ - die amerikanisch-oberflächliche Kleinstadtpostkartenidylle mit europäisch-freudianischer Hintergründigkeit, 2 Welten in 1, vielleicht hat er deswegen so ein Faible für Schizophrenie. Aus solch einer „Kreuzung“ kann doch nur ein fremdes, seltsames "Baby" herauskommen…
I. Inhalt II. Nach „Dune“ III. The 50´s oder die Kindheit von David Lynch IV. Geheimnisse, Metaphern, Rätsel & Symbole V. Frank & Jeffrey, die siamesischen Zwillinge VI. religiös & subjektiv angehauchte Interpretation VII. Fazit VIII. Randnotizen IX. Filmrätsel
I. Inhalt: °°°°°°°°°°
Als sein Vater einen Herzinfarkt erleidet, unterbricht Jeffrey das College-Studium und kehrt in seine Heimatstadt zurück. Nach einem Krankenhausbesuch findet Jeffrey auf einer Wiese ein abgeschnittenes Ohr ("It had to be an ear because it´s an opening" D.L.). Von Neugier getrieben, möchte er mehr über seinen Fund erfahren und erhält durch Sandy, der blonden Tochter des für den Fall zuständigen Polizeiinspektors, unerwartete Hilfe. Sandy konnte nämlich ihren Vater in seinem Arbeitszimmer „belauschen“. Sie führt Jeffrey auf die Spur von Dorothy Vallens, einer Nachtclubsängerin. Jeffrey ist von der dunkelhaarigen Frau fasziniert und möchte mehr über sie herausfinden. Unter einem Vorwand – vielleicht eine Lynch-Metapher für seine kommende „Mission“: Die Welt von „Ungeziefer“ zu befreien - verschafft er sich als Kammerjäger Zugang zu ihrer Wohnung und kann einen Hausschlüssel entwenden. Diesen benutzt er, um bei Dorothys Abwesenheit ihre Zimmer zu durchsuchen. Die Sängerin kommt aber früher als erwartet nach Hause, und Jeffrey kann sich gerade noch in einem Wandschrank in Sicherheit bringen. Durch die Sehschlitze fängt er an Dinge zu beobachten, die man normalerweise nicht sieht. Aber er wird von der SängerIn entdeckt und aus seiner passiven Beobachterrolle (und dem Schrank) herausgerissen. Von diesem Augenblick an wird er in einen Strudel von Gewalt, Sex & Crime hineingezogen. Seine Neugier hat ein Tor zu einer Welt aufgestoßen, deren tiefe Abgründe ihn zu verschlingen drohen.
Kann er oder lässt man ihn überhaupt wieder in „seine Welt“ zurückkehren?
II. Nach „DUNE“: °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Anno 1984, nachdem „DUNE“ (Budget 45 Mio. $) sich an den Kassen zu einem gigantischen Fiasko entwickelte und folglich auch ein geplantes Sequel im Sande verlief, befand sich Lynch in einer tiefen Krise. Ans Filmemachen wollte er gar nicht mehr denken. Vielleicht hätte er sich mit Terry Gilliam (wieder eine dieser „amerikanischen Ausnahmen“) treffen sollen, der zu der Zeit in einer ähnlichen Gefühlswelt lebte, nachdem ihn die Produzenten bei „BRAZIL“ zu Kürzungen zwingen wollten und er sich weigerte. Mit dem Resultat, dass „BRAZIL“ auf Eis lag und später dann doch von Gilliam zurechtgeschnitten wurde. Auch Lynch musste sein 240 Minuten langes Wüstenepos auf 131 Minuten stutzen und war mit dem im Kino gezeigten überhaupt nicht zufrieden. In dieser Phase tiefster Verzweiflung gab ihm ausgerechnet der Produzent Dino De Laurentiis, dessen Geld er bei „DUNE“ verpulvert hatte, eine weitere Chance (was ich ihm hoch anrechne), mit nur einer Auflage: Das Budget durfte die 6 Mio. Dollar-Grenze nicht übersteigen. Auch bei seiner Gage musste Lynch Abstriche machen, aber ich denke ohnehin nicht, dass er Filme aufgrund des Geldes macht, vor allem, da ihm bei „BLUE VELVET“ etwas zugesichert wurde, was ihm definitiv wichtig ist: absolute künstlerische Freiheit (dennoch wurde ihm wieder nicht - déjà-vu - der „final cut“ zugestanden) So ist es nicht verwunderlich, dass er nach 2 eher „untypischen“, weil nicht auf eigenen Ideen beruhenden Werken, mit seinem 4. abendfüllenden Film zu seinen Wurzeln zurückkehrte.
(Gewisse Ähnlichkeiten zu „ERASERHEAD“ sind durchaus erkennbar, aber die Nachfolger „ELEFANTENMENSCH“ und „DUNE“ scheinen ihn dennoch geprägt zu haben. Ich bin sowieso der Meinung, dass „BLUE VELVET“ ohne seine beiden Vorgänger, im Anschluss an „ERASERHEAD“ gedreht, nicht das geworden wäre, was es ist: eine linear, im positiven Sinne klassisch-konservativ erzählte, leicht verständliche Geschichte, die dennoch auf einer anderen Ebene viel Spielraum für Interpretationen lässt.)
Da kam ihm eine ganz bestimmte Story, die schon einige Jahre in ihm herumspukte, gerade recht, vor allem, weil man in „BLUE VELVET“ auch die Aufarbeitung der eigenen Jugend sehen kann, die zugleich auch eine Hommage an die mediale Welt der 50er Jahre ist…
III. The 50´s oder die Kindheit von David Lynch: °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Die Fünfziger brachten den Menschen das Kino nach Hause. Durch den Fernseher wurde ein Bild von einer idealen Welt vermittelt (passenderweise und im doppelten Sinne „schwarz-weiß“), die man gerne hätte, aber so gar nicht eXistierTe bzw. nur Minderheiten zuteil wurde. Auffallend machte sich dabei bemerkbar, dass sich die US-TV-Macher im gewissen Sinne ihrer Verantwortung bewusst waren und so zwangsläufig „moralinsaures Familienprogramm“ produzierten. Schließlich war der Zugang zum Flimmerkasten für Kinder weitaus leichter, als in einen Kinofilm für Erwachsene zu gelangen. Man machte in Familie und erhob die Prüderie zu einer verklemmten Kunstform. „Sex“ wurde totgeschwiegen & „Crime“ kam - wenn überhaupt - nur in Krimiserien vor und das Böse wurde am Ende auch seiner gerechten Strafe zugeführt. Anfang und Ende waren – wie bei einem Wurm - gleich, weil sie eine heile, perfekte Welt zeigten, nur dem „Dazwischen“ wurde zwecks Dramatisierung eine Abweichung von der Norm zugestanden (in den meisten Comics, Filmen, Serien usw. ist das eigentlich immer so). Das „Pantoffelkino“ schickte Dir eine Postkartenidylle paradiesischen Glücks frei Haus und entführte Dich in eine „bonbonbunte Bilderbuchfamilienwelt“ à la „PLEASANTVILLE“ oder der dafür Pate gestandenen 50er Jahre Serie „FATHER KNOWS BEST“ mit Robert Young.
Auch wenn die Realität von dieser „Braunschen-Röhren-Wunschkopfgeburt“ mehr oder minder abwich, „brannten“ sich dennoch die gezeigten
Bilder von Blue Velvet
Der Wald hat Ohren, das Feld hat Augen
„Scheinwerte“ tief in die Gehirne der Betrachter ein. Schließlich sehnt man sich nicht selten nach dem, was man nicht hat. Außerdem spielte man mit der Illusion, das Böse kontrollieren zu können, da man die Macht d.h. die Fernbedienung in der Hand hatte, und so konnte man es ohne Gefahr bändigen. So als wäre man in einem Zoo und betrachtet eine gefährliche Raubkatze aus sicherer Entfernung. Aber so mancher wollte über die Absperrung gehen und ignorierte Verbote…
Diese Ära hat David Lynch deutlich in seinen Werken geprägt und daher ist „BLUE VELVET“ auch ein Spiegel seiner selbst, fast schon autobiographisch und deswegen für mich – neben „TWIN PEAKS“ - seine persönlichste „Zelluloidkopfgeburt“. (Ja, ich mag Regisseure mit hohem Selbsterkennungswert, die einen in ihre Welt eintauchen lassen und deren Vita sich im Film wiederfindet. Leider gibt es von diesen Filmemachern zu wenige…)
Als Sohn eines Agrarwissenschaftlers, der Baumkrankheiten untersuchte und mit Insekten experimentierte, wuchs Lynch (Jahrgang 46) in geordneten Mittelklasseverhältnissen mit Vorort- und Kleinstadtidyllcharakter auf. Der Wald an sich, das Hauptarbeitsgebiet seines Vaters, erschien ihm rätselhaft und zutiefst geheimnisvoll. In einem dörflich geprägten Umfeld, wo Nachbarschaften gehegt und gepflegt wurden, schien alles so beschaulich, fast paradiesisch. Das Leben hingegen in einer unübersichtlichen Metropole und der daraus resultierenden Großstadtanonymität – die so mancher als Quelle von Kriminalität ausmacht - war ihm gänzlich fremd. Da verwundert es nicht, wenn er von seiner Kindheit/Jugend schwärmt:
„Ich liebte die allgemeine Atmosphäre, in der ich lebte, und ich träumte viel, denn die Welt erschien mir wunderschön.“ „Ich war praktisch überall von lächelnden Menschen umgeben. Dieses Lächeln ist seltsam. Es meint eine Welt, wie sie sein sollte oder könnte. Diese lächelnden Menschen brachten mich dazu, dauernd zu träumen. Das war vielleicht das Angenehme an der Sache. Aber trotzdem sehnte ich mich nach etwas anderem, nicht gerade nach einer Katastrophe, aber danach, das etwas Ungewöhnliches passierte.“
Und so saß vielleicht klein David mit seinen Verwandten vor dem Flimmerkasten (auch wenn er behauptet, als Kind nicht besonders viel Zeit davor verbracht zu haben) und sah einen Krimi, um den langweiligen Alltag ein wenig aufzupeppen, oder ungelebte Sehnsüchte zu befriedigen.
In „BLUE VELVET“ kommt Jeffrey in einer Szene, die ich in ihrer banalen Einfachheit und Aussagekraft für genial halte, die Treppe herunter. Seine Mutter und Tante befinden sich gerade in einer „anderen Welt“ und frönen ihrer „passiven“ Neugier. „Passiv“ weil sie im Fernsehen einen Krimi schauen, wo sich gerade ein Fremder aufmacht, genau das Gegenteil von Jeffrey zu tun: Er geht die Treppe hinauf, so als ob Jeffrey und der Unbekannte ihre Plätze tauschen würden. (Lynch erweckt bei mir die Erwartungshaltung, Jeffrey würde sich in einen dunklen Keller hinab begeben, aber nein, nur ein Vorurteil, er geht doch lediglich vom ersten Stock in das Erdgeschoß, es ist eben alles nur eine Frage der Perspektive. Im Kontext der Story entpuppt sich der Ersteindruck dennoch als zutreffend, Jeffrey steigt ganz tief hinab in den „Kaninchenbau“. Hierbei gefällt mir besonders der Gedanke, dass man gleichzeitig richtig und falsch liegt, weil Lynch in einem Moment auf 2 Ebenen tätig ist.) Die Neugier war die Triebfeder, Jeffrey verlässt das „Paradies“ und geht in die Welt „des Fremden“. Er wird aktiv…
„Alle meine Filme handeln von dem Versuch, in der Hölle die Liebe zu finden.“ (D.L.)
Und hinter dem überdimensionalen (Verbots)Schild „Warning!!! You are now leaving paradise“ (eigentlich das Straßenschild „Lincolnstreet“) kann Jeffrey all seinen sexuellen Gelüsten bei Dorothy Vallens nachgehen. Sie lässt ihn all die schlimmen Dinge machen, die „kleine böse Jungs“ gerne machen.
„Ich hatte Lust, in den Raum eines Mädchens einzudringen und die ganze Nacht damit zu verbringen, sie zu beobachten. Ich meine, ich gehe in ein Cafe, sehe ein Mädchen und will sie anschauen, aber richtig, intim. Aber ich kann nicht, natürlich, weil sie sofort die Polizei holen würde. Das ist das merkwürdige Gefühl in BLUE VELVET – es geht darum, Dinge sehen zu wollen.“ (D.L.)
…Dinge, die man normalerweise nicht sieht und außerdem sollte das Objekt der Begierde nicht die Polizei holen wollen/können.
(Witzigerweise steht vor dem Wandschrank, durch dessen „Sehschlitze“ Jeffrey illustre Szenerien beobachtet, ein Fernseher, als ob Lynch darauf aufmerksam machen will, dass sein Protagonist ein Alternativprogramm konsumiert, was nicht im TV der 50er Jahre ausgestrahlt wird.)
Jeffrey ist neben Agent Cooper Lynchs alter ego, beide haben eine „augenscheinliche“ Schwäche für Mysterien…
IV. Geheimnisse, Metaphern, Rätsel & Symbole: ????????????????!??????????!????????!??????!
Jeffrey: „Ich hab was gesehen, das man normalerweise nicht sieht. Ich hab mich auf was Unbekanntes eingelassen, ich bin mitten drin … in einem Rätsel, und das alles ist ein Geheimnis.“
Sandy: „Und so sehr magst Du Geheimnisse?“
Jeffrey: „Ja … und Du bist auch ein Geheimnis…“
(Zuweilen beschleicht mich das Gefühl, Lynch würde den Wunsch, etwas enträtseln zu wollen mit dem nach Erfüllung sexueller Begierden gleichsetzen.)
Wenn man Lynchs Werk genauer unter die Lupe nimmt, wird der Suchende belohnt. Es verwundert daher auch nicht, dass „sein Film“ in unzähligen Analysen auseinander genommen wurde, zu den unterschiedlichsten Interpretationen Anlass gab und wohl auch weiterhin für Diskussionsstoff sorgt. Wobei ich es interessant finde, ein Potpourri so vieler konträrer Meinungen und Analysen vorzufinden.
(Aktivierung des Running-Gag-Modus: Es gibt leider zu wenige solcher Filmemacher, die derlei subjektive „Gedankenspiele“ beim Zuschauer verursachen…)
Die Neugier stellt einen elementaren Bestandteil in „BLUE VELVET“ dar. Passenderweise geht der Zuschauer (der Voyeur schlechthin) mit Jeffrey (Voyeur Nr. 2) eine Personalunion ein. Und eben „dank“ diesem „Wissensdurst“ entwickelt sich das „Paradies“ zu einem Limbus. Ein Zustand der Eindeutigkeit weicht dem des Zweifels. Zwei Fehler haben sich sinnigerweise in das idyllische Bild eingeschlichen, die den Blick des Betrachters trüben und zum Abweichen vom erwartet-gängigen Bild – der Norm - führen, womit der potentiellen Perversion (Steigerung der Neugier) ein Tor geöffnet wird.
Durch Fehler Nr. 1 (das Ohr, wohl Lynchs Alternative zum biblischen Apfel, der im Endeffekt dazu führt Garten Eden zu verlassen) findet er einen Zugang zu einer anderen Welt, die ganz nebenbei nur einen „Steinwurf“ entfernt liegt. Hierbei stelle ich mir oft die Frage, ob sich Jeffrey überhaupt in die „Hölle“ hineinziehen lassen würde, wenn sein Vater nicht einen Herzinfarkt (Fehler Nr. 2) erlitten hätte. Schließlich sieht er an ein und demselben Tag etwas, was man normalerweise nicht sieht. Diese beiden einschneidenden Erlebnisse könnten durchaus in seinem Kopf eine Symbiose bilden. (Ich vermute sogar, Jeffrey verfolgt aus reinen „Escapism-Gründen“ die Spur des Ohres, um den familiären Schicksalsschlag zu verdrängen/verarbeiten). Der Verstand versucht das Chaos zu ordnen, denn ein Fundament auf unsicherem Boden ist ihm ein Gräuel. So werden Fragen, so abwegig sie auch sind, aufgeworfen, um Mysterien zu entwirren, damit Eindeutigkeit herrschen kann/muss.
??????? Warum? ???????
Vielleicht wurde im „Paradies“, im 7. Himmel, auf Wolke VII gerade geschlafen, womöglich weil gerade der siebente Tag war. Auch wenn lt. Bibel Gott den Sonntag heiligte und an ihm ruhte, kann man dieser Zahl (wie „BLUE VELVET“) eine gewisse Ambivalenz nicht absprechen, die in beiden Welten zuhause ist. Eine Münze, mit ein und derselben Zahl, oder 2 Köpfen auf beiden Seiten. Sie steht für Geheimnisse („Buch mit 7 Siegeln“) und erweist sich oft als weitaus trügerischer oder märchenhafter als man denkt. Die magische 7 bedeutet auch Gefahr und könnte als Vorhut der 7 Todsünden verstanden werden.
„Jenseits der 7 Berge“ liegt die Lincolnstreet, wo viele Filmkritiker eine signifikante Häufigkeit der Zahl bemerkt haben wollen, die nicht zufällig sein kann: Eine mysteriöse Frau lebt im 7.Stock und arbeitet als SängerIn in der 7. Straße, ihr Name:
Dorothy Vallens
(Hierbei finde ich es witzig, aber andererseits auch verwunderlich, dass eine „gehörte 7“ den Filmkritikern sofort auffällt, aber eine, nein 2 „geschriebene 7“ – Namen sind eben manchmal auch ein Wink mit dem wundervoll weiß gestrichenen Zaunpfahl – durch den Rost solch profunder Kenner fallen…)
In mancherlei Hinsicht kann man dem Script vorwerfen, Dinge, Eindrücke zementieren zu wollen und doppelt zu betonen. Der Dualität wird mächtig Zucker gegeben. Wie auf dem Reißbrett wurde vieles bewusst „plaziert“ und wirkt deswegen künstlich. Die u.a. bereits erwähnte Allegorie mit dem 7. Stock & der 7. Straße, oder das Frank Booth (der Name des Attentäters von Abraham Lincoln) in der Lincolnstreet sein Unwesen treibt, machen mit einem Holzhammer auf etwas aufmerksam, bzw. wollen eine Verbindung konstruieren.
Z.B. welches Bier trinkt Frank am liebsten?
„Pabst Blue Ribbon“
Was soviel heißt wie „Pabst blauer Streifen“ und wer jetzt sofort an den blau-samtigen Fetzen denkt, den Frank ständig in den Mund steckt, hatte wohl die intendierte Assoziation des Filmemachers. (was für eine „orale Dopplung“)
Lynch zieht Dich tief in seine neurotische Welt hinein, in der alles perfekt ineinander greift oder mit der „Schere“ passend zurechtgeschnitten wird. Selbst das Benutzen oft gezeigter Treppen wird erzwungen, man könnte natürlich einen Lift nehmen, aber nein „außer Betrieb“. Eine Treppe symbolisiert hier neben dem Wechsel der „Ebenen“ („Paradies“ & „Hölle“) auch Jeffreys Aktivität, signalisiert seine (Risiko)Bereitschaft, Gefahren, Anstrengungen auf sich zu nehmen. In den 7. Stock „klettert“ nicht jemand, der nur mal kurz „vorbeischauen“ will.
Kunst ist die schönste Neurose...
Daher kann man in der Konfrontation von Rätseln und Geheimnissen einerseits und der banal-offensichtlichen Allegorie andererseits auch ein passendes Stilmittel eines Individualisten sehen, der Bewusstsein und Unterbewusstsein miteinander „verheiratet“. Schließlich bezog sich mein Einwand auf 2 verschiedene Ebenen (1. Story und 2. Intention/Interpretation), die nun im Geist des Betrachters trotz ersichtlicher Divergenz niemals kontraproduktiv wirken, da sich Gegensätze auch anziehen können und Lynch diese Konfrontation forciert und das den unnachahmlichen Reiz des Films ausmacht.
Vielleicht wollte Lynch sein Werk ganz bewusst „synthetisch“ wirken lassen, somit erscheint die perfekt-saubere Welt diesseits der Lincolnstreet noch überbetonter, surrealer. Deswegen könnte er z.B. absichtlich ein ausgestopftes Rotkehlchen („looks not real“ D.L.) eingesetzt haben, um die trügerische Scheinheiligkeit dieser Fassade zu verstärken. Der Surrealist in ihm hätte auch - übertrieben gesagt - das Bild untertiteln können mit:
«C´est ne pas une rougegorge»
Nach dem Motto: Ich habe euch zwar ein wunderschönes „mainstream-happy-end“ gegeben, aber es ist doch zu schön um wahr zu sein. Ich frage mich ohnehin, wie viele Menschen dieses „zu schön um wahr zu sein“ überhaupt „wahrnehmen wollen“, schließlich sagt Lynch:
„Wir leben in einer Welt, in welcher Chaos und Dunkelheit regieren, und die meisten Leute haben Angst, sich direkt mit dieser Dunkelheit auseinanderzusetzen.“
Der Tiefenpsychologe in ihm fügt hinzu:
„Was verborgen in uns schlummert, was um jeden Preis verdrängt werden muss, muss offengelegt werden, denn es gehört zu unserer Identität.“
Ja, zuweilen schlafen auch 2 Seelen in einer Brust…
V. Frank & Jeffrey, die siamesischen Zwillinge: °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Die Identität (lt. Duden: Wesenseinheit; völlige Gleichheit) ist an sich ein Paradoxon, schließlich verfügt der Mensch in seinem Leben über einen großen Erfahrungsschatz von 2/3 Wachzustand/Bewusstsein und 1/3 Schlafzustand/Unterbewusstsein (reiner Durchschnittswert, so manche Katze schläft z.B. doppelt soviel wie sie wach ist). Diese 2 unterschiedlichen Wahrnehmungsformen werden zudem noch von grundverschiedenen Arten der Logik beherrscht, konträre „Wesenszüge“ könnten durchaus auftreten. Das Individuum („eindeutig“ im eben genannten Buch als „Einzelwesen“ deklariert) widerspricht sich Tag und Nacht, zur Schizophrenie ist es nicht mehr weit. Was ist, wenn sich „Sonne“ und „Mond“ auf einmal „Tête-à-tête“ gegenüberstehen? Was hätten sie sich außer einem „carpe diem“ & „carpe noctem“ schon zu sagen? Frank zu Jeffrey: „Wir sind uns ähnlich“. Es hätte mich nicht gewundert, wenn er hinzugefügt hätte: Wir lieben/begehren dieselbe Frau, wir sind Nachbarn!
„Sandy und Dorothy sind – wie Frank und Jeffrey – eine Person, die in zwei verschiedenen Welten lebt.“ (Filmkritiker Georg Seesslen)
Bevor ich diese Zeilen zum ersten Mal las, „fuhr“ ich nicht im Entferntesten auf dieser „Lost-Highway-Schiene“. Mittlerweile erscheint es mir hinsichtlich Lynchs späterer Filme nur logisch und konsequent dieser Meinung zu sein. So kann man sein Faible für Schizophrenie auch in „BLUE VELVET“ erkennen (wollen).
Nur schafft es Lynch in „BLUE VELVET“ auf sehr geschickte Weise, den „inneren Zwiespalt“ zu „veräußern“: Man wird also nicht in die Psyche des Kranken hineingezogen und Zeuge seiner „dualen Introspektionen“, sondern bekommt die Bewusstseinsstörung vereinfacht als äußeren Konflikt zwischen 2 realen Personen dargeboten. Vielleicht auch ein Tribut an das eine zu komplizierte Handlung verachtende Mainstream-Kinopublikum, aber möglicherweise auch Indiz für Lynchs nach „DUNE“ herrschende Unsicherheit, die er – falls das überhaupt je der Fall war - später gänzlich ablegen sollte…
Da ich auf Zahlen, aber auch auf die Anzahl von Buchstaben achte, finde ich auch hier die Übereinstimmung bei Frank & Sandy (5) und Jeffrey und Dorothy (7) erwähnenswert. Sieht Seesslen in Frank & Sandy die Schöne und das Biest, die auf ihre Art gut zusammenpassen, gefällt mir das andere Paar besser, weil sie a) in beiden Welten leben (können) und b) weniger eindimensional dargestellt werden. Ihre Westen sind weder weiß noch schwarz, sie sind „kariert“. Jeffrey ist definitiv nicht die Unschuld vom Lande*****
VI. religiös & subjektiv angehauchte Interpretation: °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° (Gott-Vater-Lehrer & Adam-Sohn-Schüler)
Was gewinnt man, wenn Extreme gegenübergestellt werden und sich zu vermischen beginnen?
Einen ungemein virtuos durchkomponierten Abschied von der Kindheit. (Die 2. Geburt)
Man(n) muss den Garten Eden verlassen, um erwachsen zu werden, denn das Paradies (altpers. „umzäunter Raum“) bedeutet nicht Leben, sondern Vegetation in einem Zoo, der Wachsen nicht zulässt. Man wird klein gehalten, wie ein gehorsamer Hund an der kurzen Leine … oder wie ein Baby im 9. Monat, das niemals geboren wird und bis zum Tode an der „wohlig-warmen“ Nabelschnur hängt. Nenne ich das Leben?
Da verdamme ich keine Schlange oder einen sinnverwandten Gartenschlauch. Auch wenn es wie bei einer Geburt Schmerzen verursacht und für Veränderungen steht, lässt es den Menschen reifen und eine nächsthöhere Stufe des Seins erreichen,
denn:
„ein Mensch braucht neue Erfahrungen. Sie erschüttern etwas tief in uns und lassen uns reifen. Trotz allen Wissens schläft etwas in uns, was nur selten erwacht. Das Schlafende muss erwachen.“ (Herzog Leto zu seinem Sohn Paul in „DUNE“)
Man verlässt Garten Eden und geht seinen eigenen Weg, wie immer er auch sein mag. Jeffrey rettete Dorothy und half ihren Sohn zu befreien, er handelte – auch wenn dies anfangs nicht so war – am Ende selbstlos und das ist entscheidend. Deswegen kann er in „sein eigenes“ Paradies zurückkehren, das dem früheren zwar ähnelt, aber seine Sicht hat sich geändert, er hat sich weiterentwickelt…
Was kann denn ein Lehrer anderes wollen als dass sein Schüler seinen „Abschluss“ macht. Die Steigerung wäre vielleicht, selber Lehrer zu werden, was für mich einem Kompliment des „Sohns“ an seinen „Vater“ gleichkäme.
Aber andere sehen darin blanke Blasphemie, womit wir bei der anderen Seite der Medaille/Münze wären:
So mancher, der das Paradies verlassen hat, will zurückkehren, kann es aber nicht, wie z.B. Frank Booth. Er ist die tragische Figur, man kann ihn sogar bedauern, er hat den „point of no return“ schon lange überschritten. Weil er nur seinen Vorteil sucht, nur Haben und nicht geben will, ist er auf Gedeih und Verderb in seiner Welt gefangen. Durchdrungen von „pränataler Sehnsucht“, die ihn immer alles abdunkeln lässt, will er zwar im doppelten Sinne zu seiner „Mammi“ zurückkehren, in den warmen Bauch, kann es aber aufgrund seiner – von mir unterstellten - Impotenz nicht (ob Frank nun Impotent – hier rein sexuell gemeint – ist oder nicht, darüber sind sich die Kritiker nicht einig). Auch der blau-samtige Fetzen, den er vom „Rockzipfel“ seiner „Mutter“ abriss und mit ihm die Verbindung zwischen ihren Mündern sucht, kann die nicht mehr vorhandene Nabelschnur ersetzen. Ein Zustand, der ihn krank gemacht hat und wendet sich mancher Betrachter aufgrund „motherfuckers“ Fäkalsprache angewidert ab, sehe ich in dem exzessiv genutzten „FUCK“ nur pure Verzweiflung, nach Hause zurückkehren zu wollen. Von dem Dämon „Schmerz“ besessen kann er nur Leid in die Welt bringen, weil er keine andere Ausdrucksform kennt.
Und so sehe ich in dem Ende nicht den Sieg von Gut über Böse, sondern die Erlösung einer kranken, zutiefst unglücklichen Seele, die sich nach dem „candy colored clown“ sehnt, der dir den süßesten Traum schenkt, als Du ein Kind warst und die Welt noch durch ein „3. Auge“ sahst…
VII. Fazit: °°°°°°°°°°°°
David Lynch erscheint mir wie ein surrealer Maler aus dem späten Mittelalter oder der Renaissance, den ein deutlicher Hang zu einer „biblischen Bildsprache“ auszeichnet. Man steht vor dem Gemälde und kann es entweder als ganzes sehen oder den kleinen Einzelheiten Aufmerksamkeit schenken, die er fast schon fetischisiert. Die Magie steckt im Detail und verzaubert den Suchenden. Man kann in sein(e) Werk(e) viel „hineingeheimnissen“…
Vordergründig erzählt er formal eine banale Geschichte, deren zuckersüße Klischees dir unzählige Zahnarztbesuche bescheren würden. Denn hätte Lynch 116 Minuten lang ausschließlich das Paradies durchleuchtet und ihm ein Denkmal gesetzt, wäre schnell außerhalb des Vatikans etwas aufgekommen, was Homer Simpson ein lakonisches „LANGWEILIG“ entlocken würde. Und so mancher hätte justament lieber in den knallroten Apfel von Schneewittchens Stiefmutter gebissen. Nach dem Motto: In uns schläft zwar etwas, aber es wacht hier eh nie auf, da schlafe ich lieber weiter.
Die simple Vermischung von Schwarz und Weiß gebärt das „Grauen“. Ein fremdes, seltsames Baby, ein siamesischer Zwilling lebt in Paradies und Hölle gleichzeitig, da sie 2 Orte auf demselben Planeten sind. Sie existieren nicht nebeneinander, sondern ineinander, da sie derselben Quelle entspringen.
„BLUE VELVET“ ist ein Meisterwerk, weil der Film einerseits so banal, simpel daherkommt, aber andererseits vieldeutig. Lynch ist wie ein Oger, er hat viele Schichten. Raffiniert wird mit Klischees gespielt und Hollywood ein Schnippchen geschlagen. Lynch betreibt „Fassadenmalerei" und prangert die Oberflächlichkeit des amerikanischen Kinos an und lässt dahinter Hässlichkeit, Grausamkeit lauern. Diesen Widerspruch zelebriert er zwar mit Inbrunst, aber er ist hin und her gerissen, von beidem eingenommen. Seine große Stärke ist in allem etwas Schönes sehen zu können, es hängt nur von der Perspektive ab und der Art wie es einem „verkauft“ wird. Dies macht wohl den besonderen Reiz von „BLUE VELVET“ aus, er hinterlässt einen „ambivalenten Nachgeschmack“.
Eindeutige Genre-Einordnungen werden ebenfalls zu einem schwierigen Unterfangen. Handelt es sich nun bei „BLUE VELVET“ um ein Psycho-Drama, einen Liebesfilm, Erotik-Thriller, oder gar eine Komödie (vielleicht hielt ihn deswegen Woody Allen für den besten Film des Jahres). Schließlich wird „komisch“ oft auch als Alternative zu „seltsam“ benutzt, als ob man noch nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, absurd.
Es nimmt aber auch groteske Formen an, denn in „BLUE VELVET“ treiben unzählige Hunde ihr aberwitziges Unwesen. Ein Dalmatiner degeneriert - einer Porzellanfigur gleich - zu einem „devoten Trittbrettfahrer“. Ein anderer ignoriert Jeffreys Vater, der gerade einen Herzinfarkt erlitt, und spielt lieber mit dem spritzenden Wasser aus dem Gartenschlauch. Nachts steht ein „Pinscher“ regungslos wie sein sonnenbebrilltes Herrchen in der Gegend herum… (In Anlehnung an den Spruch „curiosity killed the cat“ finde ich es witzig, dass nur im „Paradies“ Hunde gezeigt werden. Sie sind schließlich gehorsam und halten sich an Herrchens Gebote. In der „Hölle“ sind allerdings keine Katzen zu sehen, aber „wenigstens“ ist dort die Neugier).
Das ist typisch Lynch, der detailverliebte Kunststudent der Malerei macht sich bemerkbar.
Vielleicht ist „BLUE VELVET“ ganz einfach ein „mystery“ (englische Bezeichnung für das Genre Krimi, die mir sehr passend erscheint)
Mit diesem Film schuf Lynch sein bislang schlüssigstes Opus. Ein grandioses Meisterwerk, einer der 20 besten Filme aller Zeiten und solche Sternstunden der Filmgeschichte zeichnet immer eines aus: Sie sind zeitlos…
Liebe ich den sehr ähnlichen „DUNE“ (beides „Erwachsenwerdungsfilme“, wo der Vater recht früh „ausgeschaltet“ wird und der Sohn auf sich alleingestellt ist; Paul gegen Vladimir Harkonnen & Jeffrey gegen Frank) trotz seiner Schwächen, sind hier fast keine auszumachen. Vielleicht lassen sich aufgrund der Kürzung von 240 auf 116 Minuten (in Gegensatz zu „DUNE“ besteht hier keinerlei Hoffnung auf den Directors Cut, da die Negative wohl für immer verloren sind) einige Holprigkeiten im Schnitt und Unstimmigkeiten in der Story erklären. Bei einer Stelle frage ich mich z.B. wieso der so genannte „yellow man“ ausgerechnet in dem Augenblick klingelt, als Jeffrey die Wohnung desinfiziert. Gordon kommt Sandy zuvor und übernimmt im gewissen Sinne ihren Part und gibt somit Jeffrey zwar die Möglichkeit, den Schlüssel zu entwenden, aber mir wird seine Präsenz nicht schlüssig-motiviert dargestellt. (Vielleicht einfach nur ein Kontrollbesuch, ob „klein-Dorothy“ brav zuhause ist)
Ich finde es nahe liegend, dass Lynch später die Serie „TWIN PEAKS“ machte - auch wenn er im weiterhin prüden amerikanischen Fernsehen („Sex and the city“ ist da einer der positiven Ausnahmen) auf nackte Tatsachen verzichten muss -, schließlich konnte er eine Geschichte „aufblähen“ & vertiefen, sich in Nebensträngen verlieren und mit den Erwartungshaltungen des Zuschauers spielen. Er war dort nicht rigorosen Kürzungen unterworfen. Die Phase 1982-1986 war meiner Meinung nach seine beste und ich muss zugeben, ich mag diesen Lynch. Ich bin nun einmal ein Freund linearer Geschichten, weil ich einfach gestrickt bin. „LOST HIGHWAY“ und „MULHOLLAND DRIVE“ sind geniale Werke, die mich zutiefst faszinieren und ihres gleichen suchen (Altman´s einfacheres „SPIEGELBILDER“ ist eine Empfehlung wert), aber auch gänzlich überfordern, weil zu hoch für mich (da muss ich auch an die letzten Filme von Tarkowski denken). Die letzte Maske will einfach nicht fallen (hat definitiv auch was). Solche Filme sind etwas für Wurmlochwesen, die nicht in linearen Dimensionen „denken“. Und ich glaube, dies ist der wahre Lynch. Ein Gemälde ist schließlich nicht linear, es erzählt eine Geschichte in einem Augenblick, alles fließt auseinander oder ineinander. Weder Anfang noch Ende, kein davor, jetzt und danach. Das macht Lynch so einzigartig. Kunst ist die höchste Form von Individualität.
Auch wenn Mel Brooks einmal David Lynch als „Jimmy Stewart vom Mars“ bezeichnete, würde ich ihn eher den „Hieronymus Bosch der bewegten Bilder“ nennen. Noch heute fragen sich viele, was der holländische Surrealist mit seinen Bildern sagen wollte. Zwar schon jetzt, aber auch in hunderten von Jahren, werden sich bestimmt viele dieselbe Frage in Bezug auf Lynchs Filme stellen. Im Zusammenhang mit diesem Film fand Bosch ebenfalls Erwähnung, zwar wurde niemals ein Bild namentlich genannt, aber 2 Werke von ihm erscheinen mir nahe liegend:
„Der Wald hat Ohren, das Feld hat Augen“
und
„Der Garten der Lüste, rechter Flügel, die Hölle“
Mein Bericht endet hier zwar nicht, aber die Kapazitäten von ciao, bei Filmen mit Überlänge musst Du die "2. DVD" einlegen. Teil 2 ist im ciao cafe erschienen, auf meiner Seite jederzeit einsehbar...
22.11.2008 11:23
Besser kann man es kaum machen, also hilfreich in jeder Hinsicht. lg, Lukas
21.03.2005 23:34
Der Bericht ist genauso ein Kracher wie der Film! Gruß Alex
15.05.2004 15:18
Kompliment Sehr gelungen