Blue Velvet

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Genialität

5  06.12.2003

Pro:
ausgeklügelter Film, brillante Inszenierung, packende Atmosphäre, grandiose Dialoge, gute Soundkulisse

Kontra:
(nicht jedermanns Fall)

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

mehr


short_bizarre_death

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:34

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 15 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Forrest Gump sagt: „Mama sagte immer: Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiß nie, was man bekommt". Ganz genau das gilt auch für David Lynch-Filme. Auch für diesen...
Eine Wohngegend für die Mittelschicht in einer amerikanischen Kleinstadt. Die Himmel ist blau, die Sonne strahlt, die Menschen sind fidel und alles blüht. Feuerwehrmänner fahren an Schulkindern vorbei und winken ihnen zu. Alles wird in Zeitlupe abgespielt, was den Eindruck vermittelt, es handle sich um eine wundervolle Traumwelt, was jedoch durch den Zusammenbruch eines älteren Mannes wiederlegt wird...Ein sehr gruseliger Turnus.

Jeffrey Beaumont (Kyle MacLachlan), College-Student und Sohn des zusammengebrochenen Mannes, kehrt nach diesem Geschehen nach Hause zurück und findet durch Zufall auf einem leeren Grundstück ein abgeschnittenes Ohr. Dieses Ohr ist der Anfang von Allem. Die Ermittlungen des Sheriffs über das abgeschnittene Ohr wollen nicht voran gehen und so beschließt Jeffrey auf Eigeninitiative nachzuforschen. Unterstützung bekommt er dabei von der Tochter des Sheriffs (Laura Dern), die nach gewisser Zeit sein Herz erobert. Sie lässt Jeffrey die Information zugute kommen, dass eine gewisse Dorothy Valance (Isabella Rossellini) etwas mit dem Fall zu tun hat, sodass er sich auf die Suche nach dieser macht. Nur wenig später hat er die Nachtclubsängerin, die jeden Abend in der Bar „Joyride“ auftritt, ausfindig gemacht und dringt in ihre Wohnung ein, wird jedoch von ihr entdeckt.
Dorothy Valance führt Jeffrey in ihr Leben ein und erzählt ihm, dass ihr Ehemann und ihr Sohn entführt wurden und das abgeschnittene Ohr von ihrem Mann stammt und als Warnung des geisteskranken Erpressers Frank Booth (Dennis Hopper), der Dorothy für groteske Sex-Spiele ausnutzt, dient. Jeffrey wird immer mehr in einen Sumpf von grausamer Gewalt, bizarren Sex-Spielchen und absoluten Wahnsinn gesogen. Dabei wird die psychisch labile Dorothy zur heimlichen Geliebten von Jeffrey. Begleitet wird der Film durch das immer wieder auftretende Titellied (geschrieben von Bobby Vinton), das von Dorothy Valance gesungen wird. „…And I still can see blue velvet through my tears.“

Moralische Schranken gibt es bei „Blue Velvet” nicht. Er ist voller diffusen Obzönitäten, was nicht nur an den des Öfteren mal „Fucker“-sagenden Frank Booth liegt, sondern auch an den psycho-sexuellen Spielchen und ist daher nicht ein Film jedermanns Geschmack. Immer mehr wird auch der Zuschauer unbewusst in die Abgründe der menschlichen Seele geführt, was immer wieder von surrealen Geschehnissen, Motiven und sogar Possen unterbrochen wird und manchmal schon fast eher in die Groteske geht.

Man könnte zuerst meinen, dass David Lynch (u.a. „Lost Highway“, „Mullholland Drive“) hier ein unscheinbares Kleinstadt-Drama abgedreht hat, wer jedoch Lynchs Filme kennt, weiß, dass dies keinesfalls so ist. Er hat hier zwar ein einfaches Grundmuster abgeliefert, dieses geht jedoch in die Tiefe und zeigt wie kurz die Entfernung zwischen Kleinstadt-Idylle und brutalen, verdorbenen Abscheulichkeiten liegt. Bei den Charakteren handelt es sich um unberechenbare und anrüchige Personen, die mit einer unwahrscheinlichen Brillanz von den Darstellern verkörpert wurden. Besonders Hopper glänzt als diabolischer, merkwürdiger und sadistischer Bösewicht. Und Isabelle Rossellini ist als deprimierte, verzweifelte Sängerin ohne Zweifel in der besten Rolle, die sie jemals gespielt hat. Alles im allen ist die Inszenierung perfekt und bietet eine großartig gespenstische Atmosphäre, die mit grellen Licht- und Farbeffekten, sowie einer packenden Geräuschkulisse untermalt wurde.
Auch stilistisch ist Ausnahmeregisseur Lynch souverän: „Blue Velvet“ ist reich an grandiosen Dialogen, spielt mit blutigen Effekten, ist wild, schnell und grob. Der Humor ist sehr subtil. Deshalb sei dem Zuschauer eins gesagt: Die Augen niemals von der Leinwand abwenden oder sogar noch verstreutes Popcorn auf dem Pullover wegmachen!

Wer sich einen konventionellen, lockeren Film ansehen will für den ist „Blue Velvet“ nicht gerade das Richtige. Für Leute, die sich in einer Welt von Paradies und Hölle bewegen wollen ist dieser ausgeklügelte Film unbedingt zu empfehlen. Einer der besten Filme vom zurecht vielverehrten David Lynch und einer der besten Filme überhaupt. Schnell vergessen wird man diesen Film nicht. Es handelt sich hier nämlich um ein packendes Meisterwerk der Filmgeschichte.

Regie: David Lynch
Darsteller: Kyle MacLachlan, Isabella Rossellini, Dennis Hopper u.v.m.
Erschienen: USA, 1986

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Scigy

Scigy

25.02.2005 18:20

Ich glaube, der könnte mir gefallen. Viele grüße - Scigy

winterspiegel

winterspiegel

07.12.2003 13:57

ne, was der linch da die ganzen jahre über abliefert ist ganz und gar nicht mein fall...mfg thomas

CiscoGianino

CiscoGianino

06.12.2003 19:57

Für mich klar der beste Lynch-Film.

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  2. TFaust99
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