Blumenzwiebeln - Tipps & Tricks

Erfahrungsbericht über

Blumenzwiebeln - Tipps & Tricks

Gesamtbewertung (14): Gesamtbewertung Blumenzwiebeln - Tipps & Tricks

 

Alle Blumenzwiebeln - Tipps & Tricks Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


Blumenzwiebeln - die Würze im Garten

5  07.09.2002

Pro:
Reichliche Artenvielfalt, brillante Farbtöne

Kontra:
zum Teil frostfreie Überwinterung notwendig

Empfehlenswert: Ja 

Arim

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:193

Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 206 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Blumenzwiebeln im Garten, das ist für mich wie die Harfentöne einer Melodie, die dem gesamten Stück einen lieblichen, romantischen und unverwechselbaren Charakter verleiht - Blumenzwiebeln, sie sind die Melodie des Gartens, die uns fast das ganze Jahr begleitet und fröhlich stimmt.

Die Blütenpracht, die sich aus den oft unscheinbaren grauen, braunen oder auch andersfarbigen etwas eigentümlich geformten Pflanzenteilen im laufe des Jahres entwickelt, ist sicher nur von wenigen anderen Pflanzen zu übertreffen.

Nicht umsonst zählen deshalb Blumenzwiebeln zu den beliebtesten Gartenartikeln, die auch in Deutschland Jahr für Jahr millionenfach verkauft und kultiviert werden.

Ich habe die Erfahrung gesammelt, dass die beste gestalterische Wirkung erreicht mit Blumenzwiebeln erreicht wird, wenn man sie nicht einzeln im Garten verteilt, sondern in kleinen Gruppen, nestartig einpflanzt.


<<< WAS SIND BLUMENZWIEBELN? >>>

Botanisch gesehen lässt sich diese Frage kurz und knapp beantworten:
Blumenzwiebeln sind Speicherorgane der Pflanzen, die es ermöglichen, vegetationsungünstige Jahreszeiten für die Pflanze zu überwinden, Nährstoffe zu speichern, um diese zum gegebenen Zeitpunkt wieder zu aktivieren.

Sie sind also lebende Organismen und müssen auch so betrachtet und behandelt werden.
Ihre Form und Gestalt ist sehr unterschiedlich, die Funktionen aber immer gleich.
Da haben wir zum einen die traditionellen Zwiebeln (auch Bulben genannt), die schalig aufgebaut sind.
Dazu zählen zum Beispiel die Allium- Arten (Lauchgewächse).

Gladiolen oder Krokus dagegen haben Knollen, Der Unterschied liegt im Aufbau des Speicherorganes, auf den ich hier absichtlich nicht näher eingehen will.

Ein weiteres Speicherorgan ist das Rhizom, was sehr deutlich zum Beispiel beim heimischen Buschwindröschen (Anemone nemorosa) ausgeprägt ist.

Die Vermehrung der meisten Zwiebelgewächse erfolgt durch die Bildung von Brutknollen bzw. Tochterzwiebeln oder Tochterknollen, eine Methode, die auch ich (©Arim) bevorzuge.
Aber auch durch die Ausbreitung von Samen, wie z.B. bei Märzenbechern und Schneeglöckchen, vermehren sich die Bestände bei guten Standortbedingungen relativ gut. Lilien z.B. können auch durch die einzelnen Zwiebelschuppen vermehrt werden.


<<< SCHÄDLINGE UND KRANKHEITEN >>>

Beim Kauf der Zwiebeln bzw. Knollen kann man in der Regel davon ausgehen, dass die erworbenen Produkte krankheits- und schädlingsfrei sind.
Bei der Kultivierung in unserem Garten müssen wir mit Blattlausbefall und Schneckenfraß rechnen. Auch Wühlmäuse bevorzugen unsere „Gartenlieblinge“ und sind in der Regel die Begründung für das Verschwinden größere Bestände.
Ich persönlich habe gute Erfahrungen mit der Einstreuung von Kaiserkronen (Fritillaria imperialis) gemacht, da der eigenartige Geruch dieser Pflanzen die Wühlmäuse offensichtlich vertreibt. Auch einige Wolfsmilcharten besitzen ähnliche Wirkung.

Durch die saugenden Aktivitäten der Blattläuse können Viruskrankheiten übertragen werden, gegen die man dann nur eins machen kann, die befallenen Exemplare vernichten.
Die schwerwiegendsten Erkrankungen werden jedoch durch BOTRYTIS, den Grauschimmelpilz, hervorgerufen.

Methoden des Schutzes findet Ihr in einschlägigen Berichten in der Ciao-Kategorie
Ökologischer Pflanzenschutz.

Ich möchte hier darauf hinweisen, dass sich z.B. einige Insekten auf Zwiebelgewächse spezialisiert haben (z.B. Narzissenfliege und Lilienhähnchen).
Spezielle Bekämpfungsmittel gibt es im Fachhandel zu kaufen.


<<< EINPFLANZEN >>>

Ich (©Arim) verfahre beim Pflanzen meiner Zwiebelgewächse nach folgenden Grundschema:
Frühlingsblüher im Herbst einsetzen, Herbstblüher im Frühjahr einpflanzen!

Mit der Pflanzschaufel oder dem Spaten hebe ich eine kleine Pflanzgrube aus, deren Grubensohle ich lockere. Eingefüllt wird nährstoffreicher Kompost, dem ich zusätzlich Hornspäne beimische, da fast alle Zwiebel- und Knollenpflanzen Nährstoffzehrer sind.
Die Pflanztiefe richtet sich nach der Größe der Bulben. Als Faustregel gilt, dass etwa die reichliche Zwiebelhöhe als Pflanztiefe gilt. Also bei Narzissen und Tulpen sind das etwa 7 bis 10 cm.
Prinzipiell bringe ich direkt unter dem Zwiebelboden noch eine Sand- bzw. Feinkiesschicht von etwa 3 bis 5 cm ein, damit sich keine Staunässe bildet.
In dieses so vorbereitete Pflanzloch wandern dann mindestes 5 Exemplare hinein, bei Krokus und Schneeglöckchen auch manchmal 15 bis 20 Stück.

Zum Schluß wird bis zum Bodenrand weiter mit Kompost aufgefüllt, leicht angedrückt und angegossen.
Gut ist es, wenn man den Standort z.B. mit einem farbigen Trinkröhrchen aus Plaste kennzeichnet, damit man bei Pflegearbeiten die in der Erde ruhenden Bulben nicht verletzt.


<<< PFLEGE >>>

Die Pflegearbeiten beschränken sich auf Pflanzenschutz und aufnehmen der Bestände nach etwa 3 bis 4 Jahren (dazu bitte eine Grabegabel verwenden).

Das Aufnehmen der Bestände dient der Gewinnung von Brut- bzw. Tochterbulben und der Bodenauffrischung sowie Auflockerung der Bestände.

Das geschieht jedoch alles nicht , bevor das Laub vollkommen abgewelkt ist und die Bulben so die Nährstoffe gespeichert haben.

Um die Nährstoffspeicherung zu unterstützen, entferne ich z.B. bei Tulpen und Narzissen die Samenanlagen, denn die Ausreifung kostet die Pflanzen nur unnötig Kraft und Energie.

Bei Blumenzwiebelbeständen in Rasenflächen sollte gleichfalls darauf geachtet werden, dass der erste Rasenschnitt erst nach dem Einziehen des Laubes der Bulben erfolgen kann. Vernachlässigt man diesen Umstand, gehen die Bestände an Blumenzwiebeln im Rasen nach und nach zurück, bis sie eines Tages völlig verschwunden sind. Daran sind wir aber dann selbst schuld und können es nicht den Wühlmäusen anlasten.


<<< ÜBERWINTERUNG NICHT FROSTHARTER ARTEN >>>

Dazu zähle ich besonders Gladiolen und Dahlien sowie Knollenbegonien, aber auch andere Arten und Gattungen kommen dafür in Frage.

Die meisten Arten werden trocken überwintert.
Bevor der erste Nachtfrost einsetzt sollten die Pflanzen ausgegraben werden. Bei Dahlien entferne ich das Kraut, so dass Stümpfe von etwa 15 bis 20 cm übrig bleiben. Die anhaftende Erde wird vorsichtig abgeklopft und die Überwinterung erfolgt dunkel, in luftigen Kisten im frostfreien Kellerraum.

Gladiolen nehme ich im Ganzen aus der Erde und lasse sie im Keller einziehen und abtrocknen. Ist das Laub braun und eingetrocknet, putze ich die Knollen. Ich achte aber darauf, dass die schützende braune Hülle an der Knolle bleibt. Die alten Wurzelböden lassen sich mit einem leichten Daumdruck relativ gut entfernen.
Auch hier überwintern die Knollen trocken, frostfrei und luftig im dunklen Keller.

Knollenbegonien werden behandelt wie Dahlien, jedoch packe ich die Knollen in Torf und befeuchte von Zeit zu Zeit leicht.

Ich hoffe, mit diesen Erfahrungen den einen oder anderen Tip zum Überleben Eurer nicht winterharten Bulben gegeben zu haben.


<<< BLÜHKALENDER >>>
(kurze Auswahl wichtiger und allgemein bekannter Vertreter)

Diese Tips und Hinweise sollen für Euch Anregung sein, die Blumenzwiebeln für die Verwendung im Garten so auszuwählen, dass möglichst in jeder Jahreszeit blühende Exemplare Euch erfreuen.
Die angegebenen Zeiträume können jedoch nur Grundorientierung sein, denn die Pflanzen richten sich selbstverständlich nicht nach einem Kalender, sondern entwickeln sich entsprechend dem Witterungsverlauf.

Februar / März:
Frühjahrsblühende Crocus, frühjahrsblühende Cyclamen, Winterling (Eranthis), Sneeglöckchen, Knollen- und Zwiebeliris, Narzissen und Tulpen (besonders botanische Wildarten), Scilla,

März / April:
Anemonen, Schneestolz (Chionodoxa), frühjahrsblühende Crocus, frühjahrsblühende Cyclamen, Aronstab, Kaiserkrone, Hyazinthen, Knollen- und Zwiebeliris, Märzenbecher, Traubenhyazinthe, Narzissen und Tulpen, Scilla,

Mai / Juni:
Verschiedene Zierlaucharten (Allium), Canna, Maiglöckchen,
Knollenbegonien, Eremorus, Kaiserkrone, Hyazinthen, Knollen- und Zwiebeliris, Traubenhyazinthe, Lilien, späte Narzissen und Tulpen, Sauerklee (Oxalis), Ranunkel,

Juli / August:
Verschiedene Zierlaucharten (Allium), Canna, Montbretien,
Knollenbegonien, Dahlien, Eremorus, Gladiolen, Lilien,

September / Oktober bzw. bis zum ersten Nachtfrost
Dahlien, Canna, Herbstzeitlose (Colchicum), Montbretien, Gladiolen,
Knollenbegonien, herbstblühende Crocus, herbstblühende Cyclamen, verschiedene Lilien,


<<< SCHLUSSBETRACHTUNG >>>

Die Welt der Pflanzen, die ihre Pracht aus Blumenzwiebeln entfalten ist riesengroß.
100-terte verschiedene Arten blühen fast über das ganze Jahr.
Wenn man es geschickt anstellt, hat man von Februar/März bis zum ersten Frost im Spätherbst die Möglichkeit durch geschickte Plazierung von Blumenzwiebeln im Garten, bestimmte Blütenhöhepunkte zu schaffen.

Man muss allerdings beachten, dass es sowohl winterharte Arten, wie auch Sortimente gibt, die keinen Frost vertragen.
Je nach diesem Verhalten, ist der Pflege- und Arbeitsaufwand unterschiedlich.

Blumenzwiebeln dürfen aufgrund ihrer Spezifika und vorallem aufgrund ihrer Schönheit in keinem Garten fehlen.
Ihre Vielgestaltigkeit ist so variabel, dass jeder, je nach seinem Ästhetikempfinden sicher die richtige Art für die Verwendung in seinem Garten finden wird.
Der eine liebt eben Tulpen, der andere Narzissen, wieder andere bevorzugen Lilien, es gibt Gladiolenliebhaber und Dahlienfans usw.

Übrigens sind etwa 3000 unterschiedliche Aren von Zwiebelgewächsen bekannt!

Ich hoffe, mit meinen Tips und Hinweisen dem Einen und Anderen geholfen zu haben, mit seinen Blumenzwiebeln besser wie bisher hinzukommen und wünsche Euch wie immer gute Kultivierungserfolge bei Euren Kulturen.


Euer Arim

(© Arim 07.09.2002)

Diesen Bericht empfehlen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Volker111

Volker111

21.09.2002 16:04

Welch schöner Einleitungssatz. :0)

hirbele

hirbele

17.09.2002 20:13

Ein interessanter Bericht, der keine Fragen offen lässt. Gruss hirbele

olaiaga

olaiaga

16.09.2002 11:03

Danke für die tollen Tipps, Ein erstklassiger Bericht. Gruß olaiaga

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 2820 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (100%):
  1. suesse50
  2. DarkAngel0277
  3. moony42
und weiteren 212 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.