Über sich:***** http://meine-welt-lenchen.de.t l/Home.htm *****
Mitglied seit:24.03.2008
Erfahrungsberichte:60
Vertrauende:40
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 292 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo liebe LeserInnen!
Ich liebe Bücher. Ich mag lesen. Ich lese viel und mit Vergnügen. Wenn ich anfange ein Buch zu lesen, dann lese ich es eben bis zum Ende und lasse sehr selten halbgelesenes Buch liegen. Seit ich lesen kann, ist es mir nur sehr selten passiert, dass ich ein angefangenes Buch nicht ganz gelesen habe. Es ist einfach eine „Regel“ bei mir, dass ich jedes Buch vollständig lese. Vor kurzem habe ich das Buch in die Hände bekommen, dessen Annonce mich sehr angesprochen hat, obwohl mir der Name des Autors völlig unbekannt war. Ich wollte das Buch lesen, es schient spannend und vielversprechend. Ich bin einfach neugierig geworden, nachdem ich die Kurzbeschreibung zum Roman„Blut will fließen“ von James Ellroy gelesen habe. Und was für eine Enttäuschung hat mich da erwartet! Ich habe mich richtig durch das Buch gequält und wollte mehrmals mit dem Lesen aufhören. So schwer ist es mir gefallen. Nur meine Regel „Alle Bücher, die ich angefangen habe, lese ich auch durch“ hat mich davon abgehalten. Jetzt bin ich stolz auf mich, dass ich es doch geschafft habe, und kann euch auch meine Meinung zum Buch mitteilen.
Böse Ex-Cops, intrigante Killer, feige FBI-Informanten und gefährliche Frauen im Spiel um Macht, Millionen und Sex. Alle sind sie willfährige Marionetten, gelenkt von Politikern und ihren zweifelhaften Freunden. [...] USA, 1968: Nixon und Humphrey kandidieren für das Präsidentenamt. Der Wahlkampf ist hart und geprägt von Verleumdung und Korruption. Die Ermordung von Martin Luther King und Robert Kennedy, die Proteste von Schwarzen und Studenten wie auch der Vietnamkrieg bringen Unruhe in das Amerika jener Tage. In Los Angeles beschäftigt Scotty Bennett vom LAPD der ungeklärte brutale Überfall auf einen Geldtransporter, bei dem mehrere Millionen Dollar und eine größere Menge Smaragde verschwanden. Je mehr er bei den Ermittlungen in die Nähe der Machtzentren gerät, desto gefährdeter ist seine Mission – und auch sein Leben. Steckte das FBI hinter dem Überfall? Flossen die Millionen in Nixons Wahlkampf? Was hat Howard Hughes Nixon versprochen? James Ellroy führt zu den Hintertreppen der Macht und besticht mit seiner radikalen Gesellschaftskritik, einer explosiven Mischung aus Verschwörung und Gewalt, Besessenheit, Sex und Drogen. (Quelle: amazon.de)
Leseprobe
Eine kurze Leseprobe zum Roman findet man hier: http://www.vorablesen.de/files/Leseprobe_Ellroy_12.pdf
Über den Autor
James Ellroy, Jahrgang 1948, begann seine Schriftstellerkarriere 1979 mit Browns Grabgesang. Mit Die Schwarze Dahlie gelang ihm der internationale Durchbruch. Seine Kriminalromane sind Bestseller. Allein mit dem Deutschen Krimipreis wurde Ellroy fünfmal ausgezeichnet. Nach Ein Amerikanischer Thriller und Ein Amerikanischer Albtraum ist Blut will fließen der Abschluss seiner Underworld-Trilogie. Seiner Feder entsprang u.a. die Lloyd-Hopkins-Reihe, die L.A.-Tetralogie und andere Romane. Etliche seiner Bücher wurden verfilmt.
Ellroy beschreibt die dunklen Seiten der amerikanischen Gesellschaft, hier kann man sagen, dass er sich sehr gut mit dem Thema auskennt. Als er 10 war, wurde seine Mutter erdrosselt aufgefunden. Ellroy verbrachte Nächte auf Parkbänken, war drogen- und alkoholabhängig und über 30-mal kurz im Gefängnis. Diese Fakten erhellen seine Vorliebe bei der Themenauswahl und machen seinen ungewöhnlichen Schreibstil und seine Sprache verständlicher.
Meine Meinung
Amerika in den 60ern. Die schwere Zeit der Unruhen, der Ermordungen der hohen politischen Figuren, des Kampfs um die Macht. Der abschließende Teil der Trilogie von James Ellroy spielt während des Wahlkampfs von Nixon und zeigt uns alle verdeckte Motiven und politische Hintergründe, die diese Zeit bestimmt haben. Gangster, Politiker, FBI-Leute, arme Studenten und "bööööööse Schwarze", alle sind an der Handlung mehr oder weniger beteiligt. Den dritten Teil kann man auch ohne Bezug auf die ersten zwei betrachten. Das Buch hat mir nicht besonders gefallen. Es ist zu dick, zu lang und damit zu unübersichtlich. Sehr viele Namen tauchen im Roman auf, dass es gar nicht so leicht ist, sie alle zu sortieren oder zu merken. Es kommen immer neue Personen in die Handlung und es ist zu schwer, zu verstehen, wer für wen oder gegen wen arbeitet, sei es offensichtlich oder heimlich. Und sie wechseln ständig die Seite, was noch mehr Verwirrung stiftet. Keiner der Charaktere ist detailliert beschrieben. Das sind alles Leute ohne Gesichter.
Die Sprache ist auch sehr gewöhnungsbedürftig, eine Menge Ellipsen, also kurze, abgehackte und einfachste Sätze, viele Wiederholungen, kaum Dialoge und sehr seltsamer Humor. Dazu noch die seitenlangen Dokumenteneinschübe, die nicht unbedingt sehr interessant, sondern eher langweilig sind. So viel Jargon und Schimpfworte habe ich bisher in keinem Buch gelesen. Ich habe sogar neue Ausdrücke gelernt ;-) die ich niemals gebrauchen würde. Ellroys Stil erinnert mich stark an den provokanten Roman Tropic of Cancer von Henry Miller, allerdings ist dieser viel kürzer und amüsanter.
Es handelt sich immer um Drogen, Sex, Gewalt, Mord, rassistischen Hass, Korruption und schmutzige politische Geschäfte – und das in Unmengen. Ja, klar, so war das Gangsterleben damals und so ist es höchstwahrscheinlich auch heute, aber das ist nicht mein Lesestoff. Die Sprache ist absichtlich grob und hier muss ich sagen, dass es dem Autor sehr gelungen ist, mittels Sprache die Atmosphäre des damaligen Lebens in solchen Kreisen in Amerika wiederzugeben. Wie man aus seiner Biographie erfährt, kennt er sich mit der Existenz in diesen Kreisen gut aus, er schreibt quasi aus eigener Erfahrung. Die Handlung ist zu dicht und trotzdem gelingt es dem Autor erst nach 250 Seiten richtig zur Sache zu kommen, obwohl viele Helden zu diesem Zeitpunkt schon zum Opfer gefallen sind, mit oder auch ohne Grunde. Und wenn ich so viel verraten darf, das verlockende Bild eines Überfalls auf einen Geldtransporter, das sich nun durch das ganze Buch zieht, ist in meinem Auge eine Falle für den Leser, ein Lockvogel, der viel Spannung verspricht, und im Endeffekt ist doch unklar, ob es sich gelohnt hat, auf diese Tatsache reinzufallen und sich aus diesem Grund einen spannenden Krimi vorzustellen. Spannend – ja, vielleicht, wenn man sich im Labyrinth der Geschehnisse orientieren kann. Ich allerdings konnte es nur mit viel Mühe :-(
Viele Ereignisse aus der amerikanischen Geschichte, die mehr als 40 Jahre zurückliegen, beschreibt der Autor ohne jegliche Einführung oder Erklärung, als ob alle Leser damit so vertraut wären oder sich besonders dafür interessiert hätten. Viele Hintergründe wurden als selbstverständlich jedem bekannt dargestellt. Für fast 800 Seiten ist es einfach zu viel.
Fazit
Ich würde das Buch nur bedingt empfehlen und auch nur an solche Leser, die an der amerikanischen (kriminellen) Geschichte der 60er einen Narren gefressen haben. Sie hätten an diesem Buch vielleicht ihren Spaß. Für Uneingeweihte dagegen ein sehr schwerer Lesestoff. Von mir bekommt das Buch nur zwei Sterne. Ich werde mich von den anderen Büchern dieses Autors bestimmt fernhalten.
P.S. Der Bericht spiegelt nur meine eigene Meinung zum Buch wider. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Leute gibt, die diesen Roman ganz toll finden. Der beste Weg einen Eindruck von dem Werk zu gewinnen, ist ein Versuch selber diese 800 Seiten zu bewältigen. Viel Spaß damit!
18.01.2011 21:59
kein buch für mich ;); liebe grüße
18.07.2010 21:53
auch kein Buch für mich, aber ein toller Bericht! Liebe Grüße
11.03.2010 17:25
Nein, auch nichts für mich. Gut berichtet! LG