Was Bavaria im Zug liest - Teil 4
06.03.2008
Pro:
die beiden Hauptpersonen, die sehr lebhaften Beschreibungen, . . .
Kontra:
ein etwas schwächerer Teil und vielen sehr, sehr guten
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 Bavaria123
Über sich:
* *☼ ☼ - Ab 27. Januar für zwei Wochen in Südafrika~☼ ☼
CIS ist dann au...
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In der letzten Woche hatte ich ein bisschen mehr Zeit, auch mal wieder neben vieler Fachlektüre ein Buch zur Unterhaltung zu lesen. Meine Wahl fiel dabei auf ein Buch aus einer Reihe, die mir gut bekannt ist. Das Buch Das Cover wird als Bild mitgeliefert. Auf der Rückseite ist oben das Buch noch einmal im Kleinformat abgebildet, dann folgt ein sehr kleiner Abschnitt zur Inhaltsangabe und dann eine kurze Meinung der Zeitschrift Brigitte. Die meint: "Keiner taucht so tief, so fröhlich vulgär ins Mittelalter ein." Es handelt sich um ein Taschenbuch aus dem Knaur-Verlag. Der Titel ist "Blutacker" und es kostet 7,90 €. Die ISBN lautet 3-426-61895-8. Das Werk umfasst 317 Seiten. "Blutacker" gehört zu einer Reihe von Krimis, in denen der Mönch Athelstan und der Coroner Sir John die Hauptfiguren sind. Erschienen sind dazu die weiteren Bücher:Die Galerie der Nachtigallen Das Haus des roten Schlächters Die Sakristei des Todes Der Zorn Gottes Tod auf der Themse Das Parlament der Toten Tödliches Rätsel Der Zorn Gottes
Der Autor Paul Harding ist das Pseudonym, unter dem Paul Charles Doherty schreibt. Dieser wurde am 21. September 1946 in Middlesbrough als viertes von neun Kindern geboren. Die Schulzeit absolvierte er in einem katholischen Internat. Anschließend jobbte er mit geringem Erfolg als Müllmann, Straßenkehrer, Busfahrer, Kellner und sogar als Knecht Ruprecht. Danach wollte er eigentlich Priester werden, verwarf dies aber nach drei Jahren und studierte dann Geschichte in Liverpool und Oxford, wo er auch seine Frau Carla, eine Amerikanerin, kennenlernte. Nach dem Studium unterrichtete er in Berkeshire, Nottinghamshire und West Sussex und wurde 1981 zum Leiter der Trinity Catholic Highschool ernannt. Doherty veröffentlicht sowohl unter seinem richtigen Namen als auch unter den Pseudonymen Paul Harding, Michael Clynes, Celia L. Grace, Ann Dukthas und Anna Apostolou Mittelalter-Krimis.
Worum geht es? London, Herbst 1380 Drei Menschen werden in einem alten Haus tot aufgefunden. So muss sich der Dominikanermönch Bruder Athelstan auf die Suche nach dem oder den Mördern machen. Ein Raubmord scheint eher unwahrscheinlich zu sein. Aber der Grund für den Tod einer Prostituierten namens Prudentia, eines jungen Matrosen und eines dritten Opfers, das auch noch von höherem Rang ist, liegt noch im Dunkeln. Die Aufklärung ist nicht einfach, zumal auch noch weitere Angelegenheiten auf den Mönch und den Coroner der Stadt London zukommen, die ebenfalls geklärt werden müssen.
Leseprobe Seite 17 In der Pfarrkirche von St. Erconwald in Southwark kniete Bruder Athelstan, Dominikaner, Gemeindepfarrer und Sekretär von Sir John Cranston, dem Coroner der Stadt, auf den Stufen des Hochaltars. Er betete darum, dass die neue Woche ereignislos verlaufen würde. Er wollte sich auf das Gebet konzentrieren, doch die vielen verschiedenen Dinge, die derzeit vor sich gingen, wirbelten ihm durch den Kopf, denn der Gemeinderat sollte bald tagen. Insgeheim betrachtete Athelstan diese Sitzungen als einen Anlass zur Sünde, vor allem, wenn die Frau von Pike, dem Grabenbauer, weiter gegen alles und jeden wetterte. Der Maler Huddle wollte im Altarraum ein neues Fresko beginnen, aber Athelstan war zurückhaltend. Die geplante Szene sollte Noah darstellen, der die Tiere in die Arche führte, aber Huddle konnte es sich nicht verkneifen, dabei seine Feinde in der Pfarrei zu verspotten. Athelstan wusste, wenn die beiden Affen auch nur die entfernteste Ähnlichkeit mit Pike und seiner Frau aufwiesen, würde es Mord und Totschlag geben. Der Dominikaner blickte zum Messingkruzifix auf, das auf dem weißen leinenen Altartuch stand.
Meine Meinung Ich habe nun das neunte Abenteuer mit den beiden Helden dieser Reihe erlebt. Sie sind mir tatsächlich auch ein wenig ans Herz gewachsen, denn Paul Harding schafft es, richtige Persönlichkeiten zu schaffen. Bruder Athelstan ist ein sehr herzlicher, nachdenklicher Mensch, der aber immer auch eine Portion Humor in sich trägt. Er ist heimlich aber heftig verliebt in eine attraktive Witwe, die sich nicht nur um den Mönch, sondern auch um dessen Kater gern und gut kümmert. Als Gegenüber hat der Autor den Sir Coroner erschaffen. Dieser macht zunächst einen sehr grobschlächtigen, oberflächlichen Eindruck. Ein Mann, der gern trinkt und isst und dabei sicherlich etwas lauter ist. Aber im Grunde ist dieser John Cranston auch eine Seele von Mensch. Ich finde, die beiden Figuren sind einfach ganz toll erdacht. Sie ergänzen sich in vielen Dingen und passen gerade aufgrund ihrer Verschiedenheit hervorragend zu einander. Aber auch sonst gelingt es Paul Harding ganz unterschiedliche und interessante Charaktere zu erschaffen. Viele kennt man schon aus den vorhergehenden Kriminalromanen, denn es handelt sich um einige eigenwillige Bürger des Pfarrbezirkes. Auch die betreffenden Orte schildert der Autor sehr ansprechend und vielseitig. Das dunkle, geheimnisvolle Haus, in dem die drei Leichen gefunden werden, sieht der Leser ganz bildlich vor den Augen. Und nicht nur das, wenn Harding beschreibt, dann so, dass man auch meint, Gerüche wahrzunehmen. Ob es nun in der Kneipe ist, auf der Wiese oder ob es sich einfach um den Stand mit den Fleischpasteten handelt. Alles wird dem Leser auch direkt vor die Nase gebracht. Und ich bin bei den Märschen, die der Coroner und der Mönch durch London machen, dann bin ich versucht, einen Stadtplan herauszuholen und im Geiste mit zu gehen. Auch eine andere Kunst des Schreibens fügt der Autor in diesem Buch wieder gekonnt ein. Er erzählt nicht einfach einen Mord und schickt die Hauptfiguren und den Leser auf die Tätersuche - nein, er verknüpft verschiedene Morde mit unterschiedlichen Tätern und Motiven mit einer schwierigen Liebesbeziehung ohne, dass der Leser den Überblick verliert oder sonst überfordert ist. Es handelt sich um eine gelungene Kombination, wenn es auch ein erprobtes und bisher immer gutes Rezept von Harding ist. Wer keines der anderen Bücher kennt, wird sicher von einer guten Unterhaltung sprechen. Das Buch ist kurzweilig und ansprechend. Man muss die Vorgängerbücher nicht kennen, um dieser Erzählung folgen zu können. Wer aber ein Harding oder besser ein Athelstan-Cranston-Fan ist, der merkt schnell, dass es sich hier um einen etwas schwächeren band der Reihe handelt. Ich fand ihn nicht ganz so anspruchsvoll wie die Vorgänger. Während sonst die Suche nach den Tätern höchst verwoben und auch meist bis kurz vor Schluss immer noch nicht ganz geklärt ist, so kann man hier doch eher schnell auf die richtige Spur kommen. Die ganz große knisternde Spannung, die man sonst von dem Autor gewohnt ist, bleibt schon ein wenig aus. Aber trotz allem ist das Buch lesenswert und unterhaltend.Ich habe das Buch genossen, gerade weil es doch eine längere Pause ohne Neuerscheinungen über dieses Duo gab und ich wirklich auf Neues von ihnen gespannt gewartet hatte. Negative Kritiken könnte ich auch verstehen, weil es eben wirklich ein eher schwächeres Buch im Rahmen der Reihe ist. Aber mit einem kraftloseren Werk liegt der Autor immer noch im guten Bereich. Bei seinen Stammlesern hat er einfach ein sehr hohes Anspruchsdenken herangezogen, dem er sich mit jeder neuen Geschichte stellen muss. Ich kann das Buch auf jeden Fall empfehlen. Für die Fans von Athelstan und Cranstan ist es einfach ein Muss, in dem der Leser auch auf viele Bekannte trifft. Für die Leserschaft, die zum ersten Mal ein Werk von Harding in dieser Reihe in den Händen hat, wird es immer noch beste Unterhaltung sein. Ich hoffe jedenfalls, der Autor wird sich noch ein paar Mordfälle ausdenken, die er dann den beiden Hauptfiguren zum Lösen gibt.
Vielen Dank für`s Lesen, Kommentieren und Bewerten, Bavaria
Bilder von Blutacker / Paul Harding
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14.08.2011 19:57
Interessant, von dem Autor habe ich vorher noch nie gehört. Dass er so viele Bücher geschrieben hat, verblüfft mich jetzt. Viele Grüße!
22.03.2011 18:13
Das trifft wieder einmal genau meinen Geschmack ... :-))) LG bongilein
16.08.2009 14:21
prima beschrieben!! - LG Gisela