Bonjour Sagan

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Und Mitten ins Herz

4  15.12.2008

Pro:
Die Sagan

Kontra:
Die Sagan

Empfehlenswert: Ja 

aquarius2

Über sich: Winter, endlich, wenn meine 3 Mitbewohner nur nicht so streitlustig wären!

Mitglied seit:19.07.2001

Erfahrungsberichte:290

Vertrauende:38

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 103 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Letzten Mittwoch war ich in diesem Film, der aber offiziell erst am 01.01.2009 in die deutschen Kinos kommt.
Es ist ein Film über das Leben von Francoise Sagan.

Historische Einordnung

Wer das nicht braucht weiterscrollen! Also Francoise Sagan wurde 1935 als Francoise Quoirez geboren. 1954 veröffentlicht sie ihr erstes Werk, für die damalige Zeit eine ziemliche Provokation. Sie nennt sich Francoise Sagan, Sagan (nach einer Romanfigur von Proust) hat die Erzählung "Bonjour Tristesse" (für einen Roman zu kurz) für die sie sehr viel Anerkennung bekommt. Auch in New York wird dieses Werk anerkannt, doch New York ist zu diesem Zeitpunkt noch sehr konservativ, als Francoise die von ihr sehr verehrte Billie Holiday hören will, muss sie bis Connecticut fahren, denn Billie Holiday hat wegen öffentlichen Drogenkonsum Auftrittsverbot im Big Apple.
Auch Francoise Sagan ist den schönen Dingen des Lebens und allen Lastern angetan, sie raucht, trinkt, liebt Spielkasinos und später auch Drogen.
Zu Geld hat sie ein sehr gestörtes Verhältnis, sparen kann und will sie nicht, sie steht beim Fiskus in der Kreise, hat Ärger wegen Drogenkonsum und wäre fast an den Folgen eines Autounfalls gestorben. Sie war zwei Mal verheiratet und hatte einige Liebhaber/innen. Sie war eine in Frankreich gefeierte Schriftstellerin, die selbst Mitterand auf Staatsbesuche begleitete, mit dem Nobelschlitten zu Studentenunruhen fuhr und auch sonst ein sehr extremes Leben führte.
Sie schrieb Bücher, Drehbücher und Theaterstücke auch die Dialoge für den Chabrol Film Landru.
Die Sagan kannte Schriftsteller, Schauspieler und Sänger und sie beschreibt in ihren Memoiren "Das Lächeln der Vergangenheit". Diese sind nicht streng chronologisch erzählt, ebensowenig wie dieser Film ihr Leben so ganz erfassen kann. Die Sagan starb am 24.09.2004 in Honfleur.

Handlung

Der Film beginnt mit dem Erscheinen von "Bonjour Tristesse" die junge Sagan, Tochter eines Fabrikanten bekommt nicht nur positive Schlagzeilen ist die Erzählung doch sehr provokant für die damalige Zeit, ob so provokant wie "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche kann ich nicht beurteilen, da ich Bonjour Tristesse nur als Hörbuch und Feuchtgebiete gar nicht kenne.
Die Sagan ergibt sich mit ihren Freunden, die von ihren familiären Umfeld auch Schmarotzer genannt werden, sie heiratet den Verleger Guy Schoeller, von dem sie sich jedoch rasch wieder trennt und den Ex Piloten und Bildhauer Robert Westhoff, mit dem sie einen Sohn hat.
Später hat sie denn auch Beziehungen zu Frauen. Sie lebt extrem, braucht ihren Whisky zum Schreiben, liebt schnelle Autos, wäre 1957 fast an den Folgen eines Autounfalls gestorben und ist seitdem Morphium süchtig. sie lebt schon sehr extrem was dieser Film auch zeigt, indem er zwischen den einzelnen Episoden hin und her springt und für den Zuschauer zum Schluss hin eine emotionale Achterbahnfahrt ist. Dieser Film ist nicht vollständig, kann es gar nicht sein in den 117 Minuten kann man allenfalls andeuten, wie die Sagan gelebt hat. Zum Schluss ist sie krank und mittellos, eine Freundin verhindert, dass sie aus ihrem geliebten etwas heruntergekommenen Haus raus muss.
Der Film ist so richtig schön bipolar, entweder himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt mit immer schnelleren Wechsel aber mit der Tendenz zum körperlichen und seelischen Verfall zum Ende hin.

Hauptdarstellerin

Sophie Testrud spielt die Sagan von Anfang bis Ende und das ist mit seinen Extremen eine große schauspielerische Leistung. Die junge Frau, die das Leben liebt aber immer hemmungsloser wird und auf der Suche nach dem Kick immer mehr verfällt. Auf der Suche nach dem Glück und nach der Liebe, die sie so extrem wie sie ist, so unfähig zur Hingabe auch nie findet. Aber auch ihre Umwelt ist extrem und unfähig, ihr das zu geben, was sie auch braucht, Halt, Sicherheit.
Liebeskummer erträgt sie nur, wenn sie es in einem Roman niederschreiben kann. Eine sehr komplexe Person, viele einzelne Nuancen, die die Testrud dem Zuschauer vermitteln muss, viele sehr gegensätzliche Pole, ein Umschwung innerhalb von Sekunden.

Meine Meinung

Dieser Film ist ein Extrem, der polarisiert, gleichzeitig ist er doch sehr speziell. Als ich mit meinem Kumpel Olaf noch bei einem Glas Wein saß, sagte der mir, das muss ja ein Schmankerl für mich seine, da ich ja erstens den französischen Film und zweitens die französischen Schriftsteller so mag, weit gefehlt!
Ich mag zwar den französischen Film, aber die Sagan hat sich mir nicht wirklich erschlossen, ist höchstens aus psychologischer Seite für mich interessant, auch kann ich nicht wirklich behaupten ihre Werke zu kennen. Aber der Film hat bewirkt, dass ich gleich am nächsten Tag in die Stadtbücherei gegangen bin mir ihre 1984 erschienene Autobiografie "Das Lächeln der Vergangenheit" und einige ihrer Romane ausgeliehen habe und beim Plätzchen backen mir das Hörbuch Bonjour Tristesse gelesen von Iris Berben noch einmal genau angehört habe.
Diese Frau hat Genie und einen Hang zur Selbstzerstörung, was der Film sehr deutlich rausbrachte, das ganze Leben kann er aber in der Zeit gar nicht darstellen und die anderen Menschen in ihrem Leben nehmen nur mehr oder weniger große Statistenrollen ein.
Dieser Film ist eine Biografie, kann und will nicht vollständig sein, will aber eine der bekanntesten und von meiner Generation leider fast vergessenen Schriftstellerin auf eine bipolare Art würdigen.
Ich vergebe 4 Sterne, da mir der Film gefallen hat, warne aber alle, die ihn sich angucken, denkt an die emotionalen Spätfolgen, er zwingt zur Reflexion, zum entspannen wirklich nicht geeignet.
Der Titel meines Erfahrungsbericht ist auch der Titel eines ihrer Romane, lesen!



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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
knopfi.de

knopfi.de

13.02.2009 09:32

Ich merke schon, dass ich viel zu selten ins Kino gehe...schmunzel...Gruß vom KN☼PFi

mozarteum

mozarteum

05.01.2009 00:17

stimmt, den kann man sich nur in ruhe und allein anschauen .... .-) lg mozarteum

Dr.Ed

Dr.Ed

02.01.2009 20:09

Ich glaube, den Film werde ich mir eher mal irgendwann im Fernsehen anschauen.

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