Borderline / Sissi Labrèche

Borderline / Sissi Labrèche

ISBN: 9783888972935 - Verlag: Kunstmann, A mehr

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... 8) Die Autorin und einstige Sängerin der Indie-Rockband Sylph erhielt für ihren Roman Borderline den großen Preis von Radio Canada; darüber hinaus erschien von ihr im Jahre 2006 das Buch „Er.“ Weitere Werke sind mir selbst nicht bekannt, ohnehin schaffe ich es nichtmal, den Namen Marie-Sissi ... Bericht lesen





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Ich bin mein schlimmstes Drama.
Erfahrungsbericht von Cosmay über Borderline / Sissi Labrèche
23.01.2010


Produktbewertung des Autors:   

Niveau anspruchsvoll 
Unterhaltungswert durchschnittlich 
Spannung ziemlich spannend 
Wie ergreifend ist die Story? sehr ergreifend 

Pro: Vermittlung der Thematik, Intensität, Offenbarung
Kontra: wird von zu vielen ignoriert .

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

„Aber am allermeisten, mehr als vor allem anderen, habe ich Angst, nicht geliebt zu werden. Also mache ich die Beine breit, um zu vergessen, wer ich bin, mache die Beine breit, um zu funkeln wie ein kleiner Stern. Ich liebe mich so wenig, da kann ich ebenso gut die Beine breit machen für alle, die aussehen, als würden sie mich wenigstens ein bißchen lieben.“
(ZITAT; S. 8)

Die Autorin und einstige Sängerin der Indie-Rockband Sylph erhielt für ihren Roman

Borderline

den großen Preis von Radio Canada; darüber hinaus erschien von ihr im Jahre 2006 das Buch „Er.“ Weitere Werke sind mir selbst nicht bekannt, ohnehin schaffe ich es nichtmal, den Namen Marie-Sissi Labrèche richtig auszusprechen.

Klappentext wie auch die Beschreibung im Buch selbst klingen so, als hätte ich recht getan in der Annahme, dass aus Frankreich nur selten etwas kommt, was mich persönlich anspricht, geschweige denn in seinen Bann zieht. Umso mehr überraschte es mich, dass die wohl Teil-autibiographischen Zeilen mich in alter Kunst regelrecht gefangen nahmen und dafür sorgten, dass ich die 172 Seiten ohne Unterbrechung durchlas.

Na gut, fast ohne Unterbrechung... viele Zeilen, Gedanken wie auch Erlebnisse sind so intensiv, dass man gut daran tut, hin und wieder das gerade aufgenommene erst einmal sacken zu lassen.

Die story kreist schlicht und ergreifend um Sissis Kindheit, sprunghaft wechselt die Erzählung in jedem zweiten Kapitel zur Gegenwart, in der Sissi bereits Anfang 20 sein dürfte. Dieses Wechselhafte ist etwas, mit dem sich der Leser sehr rasch anfreunden kann, sich zurechtfindet und obendrein bemerkt, wie sehr sich die Spannung aufbaut ~ die Spannung um ein Buch, welches im Grunde nicht viel mehr darbietet wie eine Art Momentaufnahme des Seelenlebens.

Während Sissis Mutter viel Zeit in der Psychiatrie verbringt, wächst Sissi größtenteils bei ihrer Oma auf, die ihre eigene Art der Erziehung anwendet. Sissis Kindheit ist somit geprägt von Schuldzuweisungen, bösartigen Äußerungen, die sich in die Seele des Kindes einbrennen und schließlich dafür Sorge tragen, dass Sissi bereits mit 6 Jahren einen Nervenzusammenbruch erleidet und mit 9 die „typische Borderlinepersönlichkeit“ entwickelt hat.

Die Umsetzung

erfolgt völlig ohne Schuldzuweisungen; während man hier und dort über die vermeintliche Kaltherzigkeit der Oma den Kopf schütteln mag, erkennt man ebenso, dass diese Frau im Grunde nichts wirklich bös meinte, vielmehr selbst geprägt war von der Angst, noch ein weiteres Mädchen zu verlieren.

Sissi selbst fühlt sich leer, von der Leere regelrecht erdrückt, belastet und innerlich zerstört, so dass sie sich oftmals als regelrechte Dorfmatratze anbietet. Es gibt kaum jemanden in ihrem Bekanntenkeis, mit dem sie – trotz alles dabei empfundenen Ekels – noch nicht geschlafen hat. Dies ist ihre einzige Möglichkeit, sich nicht völlig isoliert zu fühlen....

~ Wer nun glaubt, das Buch würde sich beinah ausschließlich um die Bettaktivitäten der Hauptprotagonistin wie auch Ich-Erzählerin drehen, der irrt. Vielmehr ist Marie-Sissi Labréche ein vollumfänglicher Einblick in das Seelenleben gelungen, ohne allzu sehr auf die einzelnen Analysepunkte währen des therapeutischen Gespräches einzugehen.
Wer noch nie was von der Krankheit Borderline gehört hat, wird eventuell die große Gesamtaufklärung vermissen; wobei ich persönlich denke, dass dies nicht immer – und vor allem hier nicht - nötig ist. Statt noch einen Roman zu schaffen, der auf die ganzen Schubladen-Begriffe eingeht und diese möglichst geschickt anhand diverser Beispiele und Begebenheiten einzuflechten versucht, schildert die Autorin vielmehr das ganz normale Leben einer psychisch kranken, so erschreckend es für die meisten wohl auch klingen mag.

„Ich wollte schnell jemanden erzählen, dass meine Mutter sich umgebracht hat. So eine Sache sorgt für Aufmerksamkeit, da stehe zur Abwechslung mal ich im Mittelpunkt. Um es Céline zu sagen, setze ich mein tragisches Gesicht auf. Ich sage das, weil ich mich fühle, als würde ich in einem Film leben. Was mir passiert, ist so unbegreiflich, dass ich mich richtig anstrengen muss, um so zu tun, als wäre ich wirklich dabei. Wenn mir sowas passiert, teile ich mich in zwei: Die eine tut so als ob, die andere versteckt sich und zittert vor Angst.“
(ZITAT; S. 36)

Summa summarum

befinde ich das Buch „Borderline“ für eines der besten Werke rund um diese Thematik. Wie kaum eine weitere Veröffentlichung gelang es hier, einen intensiven Einblick in das Leben mit dem Borderline-Syndrom zu schaffen ~ an mehreren Textstellen erschrickt der Leser nahezu, spürt hin und wieder die Verzweiflung Sissis, die sie selbst jedoch nicht immer wahrzunehmen scheint.

Die absolute Offenheit sorgt dafür, dass man alsbald regelrecht fasziniert von der Lektüre sein wird, ganz egal, wie intensiv man das ein oder andere nachempfinden oder gar vollziehen kann.

„Borderline“ ist zweifelsohne keine wirklich flockige Lektüre, zeichnet sich aber ebenso durch einige auflockernde bittersüße Sätze aus:

„Schuld ist, dass ihr so ein paar kleine Brücken im Gehirn fehlen. Das hat mir der Doktor erklärt. (…) Man könnte es so sagen, sie geht für Reparaturarbeiten ins Hôspital Notre-Dame, für Brückenbauarbeiten. Ich selber würde es so ausdrücken, dass das Gehirn meiner Mutter ein paar Free Games veranstaltet und man sie deshalb einsperren muss.“
(vgl. S. 98)


Der Klappentext gehört mal wieder zu der Sorte derer, die man am liebsten beinah komplett schwärzen würde ~ nichtsdestoweniger schafft es gerade aufgrund dieses Umstandes der Inhalt umso heftiger, sich ins Innere des Lesers hineinzufressen. Viele Zeilen liest man mehrfach, lässt sie zwischendurch immer wieder aufs neue wirken; kaum hat man Lust, im Anschluss überhaupt etwas weiteres zu lesen.

Das tragischste an der ganzen Sache ist zweifelsohne, dass es für Sissi im Grunde keinen Ausweg gibt ~ entweder sie macht so weiter wie zuvor und zerstört sich somit selbst; oder aber sie lernt, mit dem zu leben, was sich lediglich wie Selbstzerstörung anfühlt.

   

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Eine Autobiografie, die keine war
Bewertung für Borderline / Sissi Labrèche von mary-p

Pro: Gute Ich-Perspektive, sehr schöne, bildreiche Sprache
Kontra: kein wirklicher Handlungsfaden

Borderline. »Was ist denn Borderline?« Hätte man mich das noch vor einer Woche gefragt, hätte ich vermutlich mit »Das ist Ritzen, Selbstverletzung.« geantwortet, denn nur in diesem Zusammenhang hatte ich davon gehört. Doch auch die Besten irren einma ... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die ...
sehr hilfreich

12.08.2004


Borderline / Sissi Labrèche

Haupteigenschaften

Produktform: Einband - fest (Hardcover)

Erscheinungsdatum: 2002

Seitenzahl / arabisch: 160

ISBN: 3888972930

EAN: 9783888972935

Titel: Borderline

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