Borderline / Labrèche, Marie-Sissi

Borderline / Labrèche, Marie-Sissi

2 Angebote von EUR 9,90 bis EUR 16,90

4,00 1 Erfahrungsberichte lesen | Erfahrungsbericht schreiben | Frage stellen | Produkt zur Liste hinzufügen

Borderline. »Was ist denn Borderline?« Hätte man mich das noch vor einer Woche gefragt, hätte ich vermutlich mit »Das ist Ritzen, Selbstverletzung.« geantwortet, denn nur in diesem Zusammenhang hatte ich davon gehört. Doch auch die Besten irren einmal und deshalb war ich doch etwas verwundert, ... Bericht lesen





Bitte warten ....
Dieses Produkt bewerten:  
 
Diese Funktion ist nur für eingeloggte Mitglieder verfügbar.
2 von 2 Angeboten für Borderline / Labrèche, Marie-Sissi   sortiert nach Preis  
Borderline / Labréche, Marie-Sissi Borderline / Labréche, Marie-Sissi
Taschenbuch, 171 S., Roman, Erschienen: 2004
€ 9,90* Buch24

Versandkostenversandkostenfrei
Verfügbarkeitsofort lieferbar
Buch24

4 von 4 ähnlichen Angeboten für Borderline / Labrèche, Marie-Sissi  
Borderline - Marie-Sissi Labrèche Borderline - Marie-Sissi Labrèche
Wenn auf der Straße schon das Rascheln einer umherfliegenden Zeitung zusammenzucken lässt ... mehr
und der knarrende Fußboden den nächtlichen
Eindringling verrät. Wenn die Ängste überhand
nehmen vor offenen wie geschlossenen Räumen, vor
dem vor Rechnungen überquellenden Briefkasten und
grimmigen Passantenblicken. Wenn schließlich der
Therapeut mit milde besorgtem Kopfschütteln
attestiert, diese unbezähmbare Sehnsucht nach
Liebe weise auf eine kranke Persönlichkeit hin.
Kurz, wenn das Leben "in diesem verfickten
Universum" zu einer Folterveranstaltung geraten
ist, in der nur noch der Wahnsinn Regie führt,
dann beginnt die Borderline. Um sich überhaupt
noch zu spüren, hat Marie-Sissi Labrèche alle
Grenzzäune niedergerissen!  Vorsicht! Der
Hilfeschrei, der uns aus diesen Seiten
entgegengellt, fordert in einer Welt der
Erfolgsmeldungen und positiven Lebenseinstellung
vom Leser einiges mentale Rüstzeug. Nackt vor uns
(durchaus wörtlich zu nehmen), liegt eine junge
Frau wie eine offene Wunde, die Abwehr gebrochen,
mit ihrer geistigen Bazooka im Anschlag dennoch
stets feuerbereit und brandgefährlich.  Sissi,
fixiert im Fadenkreuz einer Hippiemutter,
Restmüllverwerterin einstiger Woodstock-Ideale und
inzwischen im Tablettendämmer vor sich
hinvegetierend, und der Großmama, einem wandelnden
Regelwerk aus herrschsüchtigen Verordnungen und
düsteren Lebensweisheiten, muss erkennen, dass aus
ihr ein exaktes Muster dieser erzieherischen
Prägeanstalt geworden ist. Sich selbst so wenig
liebend, dass sie "genausogut die Beine breit
machen kann, um sich vorzugaukeln, ein wenig
Zuneigung zu erhalten", wird sie nichts als Beute,
gejagt von geilen, glubschäugigen und
ahnungslos-dumpfen Sexathleten, deren Anblick und
tausendfach erprobte Handgriffe sie sich mit
Unmengen von Rotwein halbwegs erträglich säuft.
Liebe als tägliche Kotzveranstaltung.  Wut- und
Schmerzensschreie werden auf jeder Seite
schriller. Tori Amos und Radiohead werden
zitierend zu Hilfe gebeten, ähnlich genaue
Chronisten der alltäglichen Beschädigung und
Beschämung. Sissis Fahrt in den immer dichter
werdenden Nebel des Wahnsinns nimmt an
Geschwindigkeit ebenso zu, wie die Klarheit der
bevorstehenden Entscheidung. Marie-Sissi Labrèche
hat überlebt -- der ironisch versonnene Blick der
blonden jungen Frankokanadierin auf dem Buchcover
scheint allerdings zu fragen, ob wir den mutigen
Kraftakt ihrer Selbstentblößung richtig
einzuschätzen wissen. Wir wissen es, durchaus!
--Ravi Unger
€ 8,90*

VersandkostenEUR 3,00
VerfügbarkeitVersandfertig in 1 - 2 Werktagen...
Amazon.de Marketplace Bücher
Borderline - Marie-Sissi Labreche Borderline - Marie-Sissi Labreche
Wenn auf der Straße schon das Rascheln einer umherfliegenden Zeitung zusammenzucken lässt ... mehr
und der knarrende Fußboden den nächtlichen
Eindringling verrät. Wenn die Ängste überhand
nehmen vor offenen wie geschlossenen Räumen, vor
dem vor Rechnungen überquellenden Briefkasten und
grimmigen Passantenblicken. Wenn schließlich der
Therapeut mit milde besorgtem Kopfschütteln
attestiert, diese unbezähmbare Sehnsucht nach
Liebe weise auf eine kranke Persönlichkeit hin.
Kurz, wenn das Leben "in diesem verfickten
Universum" zu einer Folterveranstaltung geraten
ist, in der nur noch der Wahnsinn Regie führt,
dann beginnt die Borderline. Um sich überhaupt
noch zu spüren, hat Marie-Sissi Labrèche alle
Grenzzäune niedergerissen!  Vorsicht! Der
Hilfeschrei, der uns aus diesen Seiten
entgegengellt, fordert in einer Welt der
Erfolgsmeldungen und positiven Lebenseinstellung
vom Leser einiges mentale Rüstzeug. Nackt vor uns
(durchaus wörtlich zu nehmen), liegt eine junge
Frau wie eine offene Wunde, die Abwehr gebrochen,
mit ihrer geistigen Bazooka im Anschlag dennoch
stets feuerbereit und brandgefährlich.  Sissi,
fixiert im Fadenkreuz einer Hippiemutter,
Restmüllverwerterin einstiger Woodstock-Ideale und
inzwischen im Tablettendämmer vor sich
hinvegetierend, und der Großmama, einem wandelnden
Regelwerk aus herrschsüchtigen Verordnungen und
düsteren Lebensweisheiten, muss erkennen, dass aus
ihr ein exaktes Muster dieser erzieherischen
Prägeanstalt geworden ist. Sich selbst so wenig
liebend, dass sie "genausogut die Beine breit
machen kann, um sich vorzugaukeln, ein wenig
Zuneigung zu erhalten", wird sie nichts als Beute,
gejagt von geilen, glubschäugigen und
ahnungslos-dumpfen Sexathleten, deren Anblick und
tausendfach erprobte Handgriffe sie sich mit
Unmengen von Rotwein halbwegs erträglich säuft.
Liebe als tägliche Kotzveranstaltung.  Wut- und
Schmerzensschreie werden auf jeder Seite
schriller. Tori Amos und Radiohead werden
zitierend zu Hilfe gebeten, ähnlich genaue
Chronisten der alltäglichen Beschädigung und
Beschämung. Sissis Fahrt in den immer dichter
werdenden Nebel des Wahnsinns nimmt an
Geschwindigkeit ebenso zu, wie die Klarheit der
bevorstehenden Entscheidung. Marie-Sissi Labrèche
hat überlebt -- der ironisch versonnene Blick der
blonden jungen Frankokanadierin auf dem Buchcover
scheint allerdings zu fragen, ob wir den mutigen
Kraftakt ihrer Selbstentblößung richtig
einzuschätzen wissen. Wir wissen es, durchaus!
--Ravi Unger
€ 5,00*

VersandkostenEUR 3,00
VerfügbarkeitVersandfertig in 1 - 2 Werktagen...
Amazon.de Marketplace Bücher
Borderline - Marie-Sissi Labrèche Borderline - Marie-Sissi Labrèche
Wenn auf der Straße schon das Rascheln einer umherfliegenden Zeitung zusammenzucken lässt ... mehr
und der knarrende Fußboden den nächtlichen
Eindringling verrät. Wenn die Ängste überhand
nehmen vor offenen wie geschlossenen Räumen, vor
dem vor Rechnungen überquellenden Briefkasten und
grimmigen Passantenblicken. Wenn schließlich der
Therapeut mit milde besorgtem Kopfschütteln
attestiert, diese unbezähmbare Sehnsucht nach
Liebe weise auf eine kranke Persönlichkeit hin.
Kurz, wenn das Leben "in diesem verfickten
Universum" zu einer Folterveranstaltung geraten
ist, in der nur noch der Wahnsinn Regie führt,
dann beginnt die Borderline. Um sich überhaupt
noch zu spüren, hat Marie-Sissi Labrèche alle
Grenzzäune niedergerissen!  Vorsicht! Der
Hilfeschrei, der uns aus diesen Seiten
entgegengellt, fordert in einer Welt der
Erfolgsmeldungen und positiven Lebenseinstellung
vom Leser einiges mentale Rüstzeug. Nackt vor uns
(durchaus wörtlich zu nehmen), liegt eine junge
Frau wie eine offene Wunde, die Abwehr gebrochen,
mit ihrer geistigen Bazooka im Anschlag dennoch
stets feuerbereit und brandgefährlich.  Sissi,
fixiert im Fadenkreuz einer Hippiemutter,
Restmüllverwerterin einstiger Woodstock-Ideale und
inzwischen im Tablettendämmer vor sich
hinvegetierend, und der Großmama, einem wandelnden
Regelwerk aus herrschsüchtigen Verordnungen und
düsteren Lebensweisheiten, muss erkennen, dass aus
ihr ein exaktes Muster dieser erzieherischen
Prägeanstalt geworden ist. Sich selbst so wenig
liebend, dass sie "genausogut die Beine breit
machen kann, um sich vorzugaukeln, ein wenig
Zuneigung zu erhalten", wird sie nichts als Beute,
gejagt von geilen, glubschäugigen und
ahnungslos-dumpfen Sexathleten, deren Anblick und
tausendfach erprobte Handgriffe sie sich mit
Unmengen von Rotwein halbwegs erträglich säuft.
Liebe als tägliche Kotzveranstaltung.  Wut- und
Schmerzensschreie werden auf jeder Seite
schriller. Tori Amos und Radiohead werden
zitierend zu Hilfe gebeten, ähnlich genaue
Chronisten der alltäglichen Beschädigung und
Beschämung. Sissis Fahrt in den immer dichter
werdenden Nebel des Wahnsinns nimmt an
Geschwindigkeit ebenso zu, wie die Klarheit der
bevorstehenden Entscheidung. Marie-Sissi Labrèche
hat überlebt -- der ironisch versonnene Blick der
blonden jungen Frankokanadierin auf dem Buchcover
scheint allerdings zu fragen, ob wir den mutigen
Kraftakt ihrer Selbstentblößung richtig
einzuschätzen wissen. Wir wissen es, durchaus!
--Ravi Unger
€ 9,90*

VersandkostenKostenlose Lieferung
VerfügbarkeitGewöhnlich versandfertig in 24 Stunden...
Amazon.de Bücher
Borderline - Marie-Sissi Labreche Borderline - Marie-Sissi Labreche
Wenn auf der Straße schon das Rascheln einer umherfliegenden Zeitung zusammenzucken lässt ... mehr
und der knarrende Fußboden den nächtlichen
Eindringling verrät. Wenn die Ängste überhand
nehmen vor offenen wie geschlossenen Räumen, vor
dem vor Rechnungen überquellenden Briefkasten und
grimmigen Passantenblicken. Wenn schließlich der
Therapeut mit milde besorgtem Kopfschütteln
attestiert, diese unbezähmbare Sehnsucht nach
Liebe weise auf eine kranke Persönlichkeit hin.
Kurz, wenn das Leben "in diesem verfickten
Universum" zu einer Folterveranstaltung geraten
ist, in der nur noch der Wahnsinn Regie führt,
dann beginnt die Borderline. Um sich überhaupt
noch zu spüren, hat Marie-Sissi Labrèche alle
Grenzzäune niedergerissen!  Vorsicht! Der
Hilfeschrei, der uns aus diesen Seiten
entgegengellt, fordert in einer Welt der
Erfolgsmeldungen und positiven Lebenseinstellung
vom Leser einiges mentale Rüstzeug. Nackt vor uns
(durchaus wörtlich zu nehmen), liegt eine junge
Frau wie eine offene Wunde, die Abwehr gebrochen,
mit ihrer geistigen Bazooka im Anschlag dennoch
stets feuerbereit und brandgefährlich.  Sissi,
fixiert im Fadenkreuz einer Hippiemutter,
Restmüllverwerterin einstiger Woodstock-Ideale und
inzwischen im Tablettendämmer vor sich
hinvegetierend, und der Großmama, einem wandelnden
Regelwerk aus herrschsüchtigen Verordnungen und
düsteren Lebensweisheiten, muss erkennen, dass aus
ihr ein exaktes Muster dieser erzieherischen
Prägeanstalt geworden ist. Sich selbst so wenig
liebend, dass sie "genausogut die Beine breit
machen kann, um sich vorzugaukeln, ein wenig
Zuneigung zu erhalten", wird sie nichts als Beute,
gejagt von geilen, glubschäugigen und
ahnungslos-dumpfen Sexathleten, deren Anblick und
tausendfach erprobte Handgriffe sie sich mit
Unmengen von Rotwein halbwegs erträglich säuft.
Liebe als tägliche Kotzveranstaltung.  Wut- und
Schmerzensschreie werden auf jeder Seite
schriller. Tori Amos und Radiohead werden
zitierend zu Hilfe gebeten, ähnlich genaue
Chronisten der alltäglichen Beschädigung und
Beschämung. Sissis Fahrt in den immer dichter
werdenden Nebel des Wahnsinns nimmt an
Geschwindigkeit ebenso zu, wie die Klarheit der
bevorstehenden Entscheidung. Marie-Sissi Labrèche
hat überlebt -- der ironisch versonnene Blick der
blonden jungen Frankokanadierin auf dem Buchcover
scheint allerdings zu fragen, ob wir den mutigen
Kraftakt ihrer Selbstentblößung richtig
einzuschätzen wissen. Wir wissen es, durchaus!
--Ravi Unger
€ 16,90*

VersandkostenKostenlose Lieferung
VerfügbarkeitGewöhnlich versandfertig in 24 Stunden...
Amazon.de Bücher


Werbung zum Thema Borderline / Labrèche, Marie-Sissi    
3 MONATS-MINI-ABO + GRATIS MP3-PLAYER!


   
Eine Autobiografie, die keine war
Erfahrungsbericht von mary-p über Borderline / Labrèche, Marie-Sissi
12. August 2004


Produktbewertung des Autors:   

Niveau: durchschnittlich 
Stil: ausschmückend 
Unterhaltungswert: hoch 
Wie ergreifend ist die Story? berührt ein wenig 
Aufmachung: ok 

Pro: Gute Ich - Perspektive, sehr schöne, bildreiche Sprache
Kontra: kein wirklicher Handlungsfaden

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Borderline.
»Was ist denn Borderline?«
Hätte man mich das noch vor einer Woche gefragt, hätte ich vermutlich mit »Das ist Ritzen, Selbstverletzung.« geantwortet, denn nur in diesem Zusammenhang hatte ich davon gehört.

Doch auch die Besten irren einmal und deshalb war ich doch etwas verwundert, als ich „Borderline“ von Marie-Sissi Labrèche gelesen hatte. Das sollte Borderline sein, wovon die junge Frankokanadierin hier scheinbar autobiografisch berichtete?

„Krank nennen das die Ärzte, diese Sucht nach Nähe...“

In neun Kapiteln erzählt Sissi von ihrem kleinen, verrückten, diffusen Leben. Wie sie zum Beispiel zusammen mit der herrischen Großmutter, die sie hasst und ihr ständig Horrorgeschichten erzählt, und ihrer psychisch kranken, tablettenabhängigen Mutter lebt. Wie ihre Mutter eines Tages alle ihre Tabletten schluckt und stirbt. Wie sie von ihrer Großmutter in die Anstalt gebracht wird, um dort lustige Bildern mit Familien, Glübirnen und Schafen zu malen.
Wie sie sich an ihrem vierundzwanzigsten Geburtstag hemmungslos besäuft und dann strippt, nur um »... die Königin des Abends [zu] sein.“. Wie sie mit fetten, häßlichen Kerlen namens Éric aufs Hotelzimmer geht, nur um des Fickens willen. Wie sie sich mit Saffi, einem Mädchen, dass sie im Lyrikseminar vergnügt. Wie sie Saffi urplötzlich hasst fürchtet, weil sie ihr so ähnlich zu sein scheint. Wie sie ihr diffuses Leben führt.

Sissi erzählt uns Abrisse aus ihrem Leben, teils aus der Erinnerung heraus, teils augenblicksnah. Diese Abrisse sind zusammengewürfelt und weisen kaum Querverbindungen auf. Dadurch bleibt ein leicht schales Gefühl nach dem Lesen zurück, da eine Handlung, ein Strang, eine Steigerung fehlt. Stattdessen wird einfach nur zusammenhangslos erzählt. Das zwar sehr authentisch und nachvollziehbar, aber es befriedigt nicht unbedingt die Vorstellungen, die man an ein Buch hat.

Die Erzählungen an und für sich sind geprägt von einer impulsiven Schreibe, die nach Lust und Laune hier mal eine kurze Erinnerung, da eine kurze Wertung, einen kleinen Nebengedanken einfließen lässt. Auch hier lässt sich eine leichte Ungeordnetheit feststellen, ein einfaches Erzählen ohne festgesteckte Punkte.
Aus der Ich-Perspektive mit einer teilweise sehr drastischen, aus der Seele kommend zu scheinender Sprache erzählt Labrèche alltäglich. Sie benutzt sehr oft einen düsteren, makabren Humor, der dem einen oder anderen vielleicht etwas zu stark sein wird. Dabei will sie nicht immer lustig sein, vielmehr ergibt sich des öfteren eine traurig-komische Atmosphäre.

»Darum habe ich bis heute Angst vor allem Möglichen: vor anderen Menschen; vor öffentlichen Räumen; vor geschlossenen Räumen; vor Kühen, weil die so groß sind (von Walen ganz zu schweigen); [...] vor Umzügen; vor Bettlern, die mit blutigem Schorf rumlaufen; vor Skins, die einem an Kreuzungen mit ihrem Schwämmen auflauern, um einem die Windschutzscheibe zu waschen, auch wenn man keine hat; ...« (Seite 7 und 8)

Zudem benutzt sie eine Menge von bildlichen Stilmitteln wie Metapher und, Vergleichen in zumeist unkonventionellen Zusammenhängen und setzt auch hier ihren drastischen Schreibstil ein, was teilweise gar nicht schlecht kommt.

»... Ich flenne wie eine Blöde, ich flenne mir die Augen aus. Meine Tränen fliegen los wie Kugeln aus einem Maschinengewehr, als wollte ich die Menschheit mit meinem Schmerz durchbohren. Ich mach alles nass und dreckig dazu. Meine billige Wimperntusche läuft mir übers Gesicht und malt komische Formen auf der Haut, Formen, die auf meinen Wangen das Gewitter malen, das in meinem Kopf herrscht. Denn in meinem Kopf ist ein Gewitter. Ja, ja! Ein schweres Gewitter mit Wind, Regen und sogar Orkanen. Ich brauch bloß die Augen zuzumachen, schon legt hinter meinen Lidern El Nino los, El Nino mit seinen Millionen Dollar Schäden, seinen tausend Toten und ganzen verwüsteten Lanstrichen.« (Seite 11 und 12)

Fließen all diese Elemente zusammen, entsteht ein Schreibstil, der mir aufgrund seiner Authenzität, seiner Einfachheit, seiner stellenweise auftretenden Poetik und dem ehrlichen, ungeschminkten Bild durch die Augen einer jungen, diffusen Frau sehr gefallen hat.


»... profound changes in self-images, affect, cognition, and behavior.«(Seite 77)

»...doch was das Borderlinephänomen als pathologische Störung eigentlich ausmacht, erfahre man nicht,...« (Rezension in Neue Zürcher Zeitung vom 12.1.2002 auf www.perlentaucher.de), bemängelt Thomas Laux und mary gibt ihm Recht.
Tatsächlich spielt die Persönlichkeitsstörung nur eine untergeordnete Rolle. Sie wird nicht breitgetreten oder in den Vordergrund gestellt. Auch Sissi redet wenig davon, bezieht ihre Handlungen nicht darauf, erzählt auch nicht vom Leben mit Borderline. Sie erzählt viel mehr AUS ihrem Leben ohne medizinische Fakten oder ähnliches breitzutreten.
Auf der einen Seite erfährt der interessierte Leser dadurch zwar nichts von dieser Krankheit, auf der anderen Seite ist es allerdings sehr interessant einfach ganz unvorbereitet einen Bericht aus dem Leben einer Borderline-Patientin zu lesen, die nicht auf die Tränendrüse drücken will.
Den einen oder anderen mag das nun stören, mich hat es nur neugierig darauf gemacht, mehr darüber zu erfahren. Allerdings besteht natürlich die Gefahr der falschen Reflektion, krummen Interpretation, wenn man sein Wissen über diese Krankheit alleine auf dieses Buch stützten will, denn, wie gesagt, eine ausführliche Beschreibung von Symptomen oder die Erwähnung von Ursachen findet nicht statt. Mit Vor- oder Nachwissen allerdings kann man dem Buch gut folgen, versteht, was los ist und das ist, wenn ich ehrlich bin, beinahe noch interessanter als alle Fakten in einem lockeren Roman vorgeknallt zu bekommen.

Doch was ist Borderline jetzt eigentlich? Neugierig und etwas verwirrt, wo denn das Ritzen geblieben war, machte ich mich auf die Suche bei www.wikipedia.de und möchte der Welt die zusammengetragenen Fakten jetzt nicht vorenthalten... Wer kein Interesse hat, dem sei erlaubt, den nächsten Absatz zu überscrollen.

Der Name »Borderline« entstand dadurch, dass man lange Zeit glaubte, dass es sich bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS)um einen »Grenzfall« zwischen Psychose und Neurose handelte. Tatsächlich haben wir es aber mit einer Fehlfunktion der Gefühlsregelung zu tun, die bei fast zwei Prozent der Erwachsenen, vor allem jungen Frauen, vorkommt.
Die konkrete Ursache dieser Krankheit ist bis heute unbekannt. Man nimmt jedoch an, dass Umwelt- und genetische Faktoren eine tragende Rolle spielen. Studien haben zum Beispiel gezeigt, dass 40 bis 71% der Patienten von sexuellem Missbrauch erlebt haben. Nun ist natürlich nicht jedes Opfer von sexuellem Missbrauch ein Borderline-Patient, aber in Kombination mit »individueller Verletzlichkeit gegenüber umgebenden Stress«, ebensolchen Erlebnissen im Kindeslater und gewissen Impulsen in der Jugend kann BPS, nach Meinung von Forschern entstehen.
Zu den Hauptmerkmalen von BPS zählt eine Instabilität der Stimmung, ein schwaches, eigenes Selbstbild und Probleme mit zwischenmenschlichen Beziehungen.
Die von mir bereits oben angesprochene Sache mit der Selbstverletzung, die bis zu Selbstmorddrohungen und vollendetem Suizid gehen kann, ist nur ein Aspekt von einer Vielzahl von Antworten auf die bei Borderline-Patienten auftretenden, kurzen, aber heftigen Schübe von Angst, Depression und Wut. Betroffene reagieren auch mit impulsiver Aggression und selbstzerstörerischen Exzessen in vielen Bereichen von Drogen über Geldausgeben und Völlerei bishin zu Sex.
Ein weiterer destabilisierender Faktor für den Charakter von BPS-Patienten ist das schlechte Selbstbild, auch in Bezug auf die Meinung anderer. So fühlen sie sich zum Beispiel oft missverstanden, schlecht behandelt, denken aber auch von sich selbst als wertlos und schlecht.
Die zwischenmenschlichen Beziehungen von Borderlinepatienten sind zumeist sehr instabil und schwankend. Die Meinungen gegenüber einer Person des persönlichen Umfelds, besonders von Partnern, kann sehr schnell von Idealisierung, also Bewunderung und Liebe, in totale Abwertung, sprich Hass, umschlagen. Außerdem haben sie Angst verlassen zu werden und antworten auf kleine Trennungen wie Urlaub mit heftigen, negativen Gefühlen. Auch Sissi erwähnt den Wunsch, geliebt zu werden, im Buch. »Ich habe Geburtstag und Lust, mich ficken zu lassen.« (Seite 44)
Mit (Psycho-)Therapien und Antidepressiva und anderen Medikamenten kann vielen Betroffenen ein »eigenständiges und sinnvolles Leben« verschafft werden, auch wenn eine vollkommene Handlung nicht möglich zu sein scheint.

Viele der aufgeführten Symptome kann man in Sissis Geschichte wiedererkennen, mal stärker, mal schwächer. Sich zu informieren führt auf jeden Fall dazu, dass man ihr Verhalten noch besser versteht. Das funktioniert zwar auch so, weil man durch die direkte, ehrliche Sprache alles sehr gut nachvollziehen kann, aber dieses rohe Verständnis wird durch zusätzliches Wissen noch geschliffen.


Letztendlich ist „Borderline“ von Sissi-Marie Labrèche die Autobiografie einer Betroffenen, die aber gleichzeitig auch wieder keine ist. Sie erzählt zum Beispiel auch nicht chronologisch aus ihrem Leben, sondern greift mehrere Ereignisse bzw. Situationen heraus, die sie uns näher bringt.
Dabei verzichtet sie auf Erklärungen für den unwissenden Lesern, Lösungsvorschläge, Wunder und ähnliches. Sie probiert keinen Mut zu machen oder eine Verbindung zum Leser aufzubauen. Sie scheint viel mehr einfach mal Lust gehabt haben, etwas aus ihrem Leben zu erzählen, mit einem Schreibstil, der mir sehr gefallen hat.
Drastische, alltägliche Sprache, direkter Zugang zur Person, dazu ein Schuss tragikomischer Humor und die beinahe poetische Nutzung von Bildern, Metaphern und Vergleichen schaffen einen dichten, atmosphärischen, frechen Erzählteppich, der sicherlich nicht für jeden ein Fall ist.
Wer allerdings »Junge Literatur« wie zum Beispiel Virginie Despentes, Alexa Henning von Lange oder Sister Souljah mag, wird sich an diesem Buch erfreuen.
Trotzdem verteile ich nur vier Sterne, weil die neun Geschichten plus Pro- und Epilog etwas zusammengewürfelt wirken und verbindende Elemente fehlen. Dadurch überzeugt das Buch weniger durch seinen Aufbau und die Story als mehr die Sprache, das Feeling, die Atmosphäre.


DATEN
Marie-Sissi Labrèche – »Borderline«
Originaltitel: »Borderline«, erschienen bei Les Éditions du Boréal in Kanada
Übersetzt von Hinrich Schmidt-Henkel
2002 zum ersten Mal im Antje Kunstmannverlag, dann 2004 als Taschenbuch mit ca. 170 Seiten beim Berliner Taschenbuchverlag für 8,90 Euro.
ISBN: 3833300159

DIE AUTORIN
Labrèche wurde 1969 geboren und lebt in Montreal. Sie hat ein Literaturstudium gemacht und arbeitete als Journalistin, Texterin und Sängerin bei der alternativen Rockgruppe »Sylph« und veröffentlichte in verschiedenen Literaturzeitschriften. Ein Kapitel aus „Borderline“ gewann den Preis des Radio-Canada. In Deutschland ist bereits ihre zweiter Roman namens „Er“ erhältlich.
Zu gerne hätte ich ja herausgefunden, wie autobiografisch »Borderline« jetzt wirklich ist, vielleicht ein Statement der Autorin, aber ich habe nichts entsprechendes im Wordwide Web entdecken können.
 

Vergleichen Sie ähnliche Produkte mit Borderline / Labrèche, Marie-Sissi

(*) Meinungen von Ciao Mitgliedern

Geschenkideen

Verwandte Produkte und Suchanfragen anderer User


Borderline MarieSissi, Borderline Labrèche MarieSissi, Borderline Marie Sissi, Borderline Labrèche Marie Sissi



Sind Sie Hersteller/Anbieter von Borderline / Labrèche, Marie-Sissi? Klicken Sie hier