Die Dämonen in neuem Gewand

5  29.01.2001

Pro:
trotz der Seitenzahl in nur vier Tagen gelesen

Kontra:
man muß das Buch zum Schlafen weglegen

Empfehlenswert: Ja 

superdjango

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Mitglied seit:26.01.2001

Erfahrungsberichte:16

Vertrauende:1

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 7 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als hilfreich bewertet

Dostojewskis düsterster Roman. "Die Dämonen" war eines der 5 Hauptwerke des Visionärs, welche hier von Swetlana Geier in neuer Übersetzung erscheinen. Swetlana Geier hat es sich scheinbar zum Ziel gemacht, alle großen Romane des Russen neu zu übersetzen, und gibt ihnen wohl fast notorisch Titel, welche sich von den alten nunterscheiden. So erschien "Schuld und Sühne" unter dem neuen Titel "Verbrechen und Strafe". Obwohl diese neue Übersetzung sich zwar in der Sprache etwas unterscheidet, bleibt natürlich der Inhalt der selbe: Wie immer bei Dostojewski beginnt die Handlung kurz vor der Explosion der Vulkane, die in allen Herzen der Charaktere brodeln. Eine Studentenbewegung versucht sich von den Fesseln ihrer Väter zu befreien ( und somit auch von Glauben und Staatsform ), und geht neben einem Mord in den eigenen Reihen soweit, ein großes Fest, auf dem sich die oberen Zehntausend der gesamten Stadt tummeln anzuzünden. Dostojewski hatte einen realen Fall im Auge, welcher zur damaligen Zeit in Russland geschah. Fünf Studenten, welche sich selbst als Nihilisten sahen, töteten einen Kommilitonen, da dieser sich von seinen Freunden lösen wollte.
Natürlich diskutiert Dostojewski auch in diesem Roman fieberhaft mit sich selbst, läßt seine Epilepsie ebenso in die Geschichte einfließen, wie seine Zweifel an allem, insbesondere am Glauben, und verpackt diesen in der Hauptperson Stawrogin. "Wenn Stawrogin an Gott glaubt, dann glaubt er nicht, daß er an ihn glaubt. Wenn er aber nicht an Gott glaubt, dann glaubt er nicht, daß er nicht ihn glaubt."
Für alle Fans von theologischen und existenziellen Diskussionen, wie auch für Freunde der anspruchsvollen Spannung.
Die neue Übersetzung reißt keine Bäume aus.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
caro-lill

caro-lill

16.08.2007 20:15

Es ist relativ lange her, daß ich "Böse Geister" und noch länger her, daß ich die alte Übersetzung "Dämonen" gelesen habe. Anzumerken ist, daß Swetlana Geier sowohl die Titel korrekt als auch inhaltlich überragend übersetzt. Keinesfalls ist diese "Grand Dame" der Übersetzungen auf Effekthaschereien aus. Die Sprache (also auch die Übersetzung) ist ein wesentlicher Teil aller Bücher Dosojewskijs. Literatur ist nicht reduziert auf Handlung, sie hat mit Sprache zu tun. Übersetzung nimmt sich dessen, im besten Fall so sensibel wie hier, an. Und diese Übersetzung reisst sehr wohl Bäume aus. Sie beläßt Dostojewskij in seinem Jahrhundert und macht ihn doch heute verständlicher.

bopp

bopp

15.11.2004 09:31

Immerhin gehst du auf die Übersetzung ein, aber das Buch könnte ein bisschen mehr "Widmung" vertragen

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