Erfahrungsbericht über

Böse. - Horror / Bentley Little

Gesamtbewertung (5): Gesamtbewertung Böse. - Horror / Bentley Little

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Wenn der Postmann zweimal klingelt.

2  27.04.2009

Pro:
Story in Anlehnung an Stephen King  ~  ein wenig Spannung .  .  .

Kontra:
.  .  . meistens aber totlangweilig

Empfehlenswert: Nein 

Details:

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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BulmaZ

Über sich: Besonders lang ist nicht gleich besonders hilfreich. Bitte kein Gebettle und keine Nachfragen.

Mitglied seit:19.04.2004

Erfahrungsberichte:1016

Vertrauende:359

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 257 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Lange hat’s gedauert, aber inzwischen habe ich doch wieder einmal ein Rezensionsexemplar erhalten, das mich aufgrund der Inhaltsangabe sehr angesprochen hat. Diesmal handelt es sich um ein Exemplar aus dem Genre Horror, aus dem ich schon seit Ewigkeiten keine Vertreter mehr gelesen habe. Vor gut 10 Jahren habe ich das Bücherlesen überhaupt erst wegen der Romane von Altmeister Stephen King begonnen. Regelrecht verschlungen habe ich alles, was ich von ihm in die Finger kriegen konnte. Als ich irgendwann alle gut sechzig Romane von ihm durch hatte, galt es, sich umzuorientieren. Dadurch habe ich mich immer mehr vom Horror entfernt, hin zu dem, was ich eben jetzt lese.

Als ich die Inhaltsangabe des nachfolgend besprochenen Buches las, fühlte ich mich sofort wieder in die ‚guten alten King – Zeiten’ zurückversetzt. Kein Kunststück eigentlich, da der Klappentext mich mehr als nur erinnerte an einen der ganz großen Romane von meinem einstig vergötterten Lieblingsautor. Ob meine zugegebenermaßen hohen Erwartungen erfüllt werden konnten, gibt’s nachfolgend zu lesen.

>> Böse – Bentley Little <<

-= Bezugsquelle & Preis =-

Diesen Roman habe ich nicht selbst gekauft, sondern als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten. Zu kaufen bekommt man das Taschenbuch vermutlich überall, wo es Bücher gibt. Der Preis liegt bei üblichen 8,95 €.

-= Eckdaten =-

Titel: Böse
Originaltitel: The Mailman
Autor: Bentley Little
Übersetzung: Dr. Rolf Tatje
Verlag: Bastei Lübbe
Genre: Horror
Seitenanzahl: 414 Seiten

-= Der Autor =-

Bentley Little wurde in Arizona geboren, kurz nachdem seine Mutter die Weltpremiere von "Psycho" gesehen hatte. Vor seiner Karriere als Autor schlug er sich mit Gelegenheitsjobs als Reporter, Bibliothekar, Zeitungsausträger oder Kassierer durchs Leben. Mit seinem ersten Roman gewann er den begehrten Bram Stoker Award und machte damit Stephen King auf sich aufmerksam. Seitdem gilt er als Meisterschüler des "King of Horror". Seinem Lehrer steht er in nichts nach: Littles Romane begeistern weltweit Millionen Fans. Mit seiner Frau lebt Bentley Little in Arizona und schreibt derzeit an seinem nächsten Roman.

Quelle: www.buechereule.de

-= Böse =-

Die idyllische Kleinstadt Willis im amerikanischen Phoenix ist der Inbegriff friedlicher Beschaulichkeit. Man kennt sich, man mag sich und natürlich hilft man sich, wo man kann. Dies schließt den mittlerweile seit zwanzig Jahren amtierenden Postboten natürlich nicht aus. Stets ist man bereit, ein Schwätzchen mit ihm halten, wenn er seinem Job nachgeht. Umso weniger können die Einwohner von Willis verstehen, wie der Mann sich plötzlich selbst erschießen konnte. Der Verlust hinterlässt ein großes Loch, das allerdings nicht lange klafft. Ein Nachfolger ist schnell in John Smith gefunden. Doch plötzlich geschehen merkwürdige Dinge mit der Post.

Es werden keine Rechnungen und keine nervige Werbung mehr zugestellt, sondern nur noch erfreuliche Briefe. Dabei bleibt es aber nicht. Zunehmend mehr Briefe werden verteilt, die offensichtlich falsch zugestellt wurden und in ihrem Inhalt jemanden diskreditieren, der natürlich rein zufällig derjenige ist, der den betreffenden Brief erhält. Feindseligkeit macht sich breit. Hinzu kommen Briefe von Menschen, die lange tot sind und Unerfreuliches enthalten. Der Lehrer Doug ist sich sicher, dass der neue Postbote etwas damit zutun haben muss. Immer beängstigender wird die Situation, als der Herausgeber der örtlichen Zeitung Amok läuft und sämtliche nicht zugestellte Briefe wie Rechnungen im Fluss gefunden werden…

-= Eindrücke =-

Man muss wohl kein großer Stephen King Fan oder Kenner sein, um eindeutige Parallelen zum grandiosen „Needful Things – In einer kleinen Stadt“ zu erkennen. Diesmal ist der Bösewicht nur eben kein charmanter Antiquitätenhändler, sondern ein –wie es zunächst scheint- stinknormaler Postbote mit dem noch viel normaleren Namen John Smith. Allein bei diesem Allerweltsnamen wird schnell klar, dass hier wohl bald nichts mehr mit rechten Dingen zugehen wird. Aber kann so etwas Simples und so wenig Furcht Einflößendes wie ein Postbote tatsächlich das Grauen über eine dörfliche Idylle bringen? Kann es.

Allerdings bleibt das Grauen tatsächlich nur auf dem Papier und springt nicht ansatzweise auf den Leser über. Zunächst ist es wohl schon etwas zu eindeutig, was Bentley Little versucht: Er zeichnet eine malerische keine Stadt, in der jeder jeden kennt und jeder wohl auch jeden gut leiden kann. Niemand hat irgendwelche Leichen im Keller, wie es scheint. Aber selbst der unerfahrenste Horrorleser merkt schnell, dass dies nur der Hintergrundzeichnung dient. Diese gelingt allerdings nur bedingt, wo bereits das erste große Manko zu finden ist. Es ist einfach zu offensichtlich, zu schön gefärbt, dass es der Realität so gar nicht entspricht. Da man Bentley Little also seine Kleinstadtidylle so gar nicht abnehmen kann, trifft einen das Grauen in Form des Postboten und seiner Machenschaften auch so gut wie gar nicht. Der Autor ist zwar deutlich bemüht, subtile Spannung aufzubauen und Schrecken zu verbreiten, aber Bemühung allein reicht leider in den wenigsten Fällen.

So quält man sich durch die ersten 100 Seiten, auf denen rein gar nichts passiert. Im Prinzip dient dieses erste Viertel eigentlich nur der Einführung der Hauptfiguren und der Stadt Willis. Die Hoffnung, die man schöpft, nachdem man sich durch dieses erste Stück gewurschtelt hat, zerbricht recht schnell, denn auch auf den folgenden 150 Seiten geschieht nur wenig. Im Prinzip handelt es sich hierbei nur um eine Aneinanderreihung mysteriöser, morbider und erschreckender Ereignisse. Obschon es sich bei „Böse“ um einen Horrorroman handelt, der ja per Definition nicht den Anspruch hat, realistisch zu sein, kann man einfach nicht glauben, dass kein Mensch etwas gegen oder aufgrund der Geschehnisse zu tun. Statt einfach mal den Mund aufzumachen und miteinander zu reden –immerhin wissen alle, dass die Post schuld an der zunehmenden Feindseligkeit ist- wird sich nur angeschwiegen und im weiteren Verlauf aufs Übelste angegiftet. Dies führt –natürlich- zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen, über die man als normal denkender Leser eigentlich nur den Kopf schütteln kann. Die Menschen in Willis erscheinen fast als hirnlose Marionetten, mit denen man ob der Hirnlosigkeit nicht mehr mitfühlen kann.

Des Weiteren verhält es sich sehr problematisch mit dem Bösewicht an sich: John Smith. Dass er der Kleinstadt Willis nur Böses will, ist klar. Auch, dass er am Selbstmord des ursprünglichen Postboten schuld sein muss, ist klar. Damit hört es dann aber leider auch schon wieder auf. Er selbst als Person –oder was auch immer er ist- tritt so gut wie nie in Erscheinung. Nur die Auswirkungen seiner perfiden Spielchen werden deutlich. Soweit ja durchaus schön und gut. Dennoch fehlt irgendwie die typische Furcht oder zumindest ein Hauch an angstvollem Respekt seitens des Lesers gegenüber der Quelle des Bösen in diesem Roman. Die paar kleinen Sequenzen, in denen er auftritt sind so verschwindend dünn, dass man sich kaum ein Bild machen kann. Richtig bescheuert wird es dann, als Hauptfigur Doug Albin den Postboten um ein Feuerchen tanzen und die Hymne des US Postal Service singen hört. Da zwingt sich doch unweigerlich die Vorstellung vom Rumpelstilzchen auf, was das Ganze unfreiwillig komisch werden lässt. Bentley Little hätte sich bei seinem Bösewicht genau wie beim gesamten Plot doch mehr an Leeland Gaunt aus Kings Meisterwerk orientieren sollen. Wenn schon klauen, dann doch bitte richtig und mit allen Konsequenzen.

Rein stilistisch hat Little aber offenbar nicht versucht, sich am Vorbild zu orientieren. Angesichts der Tatsache, wie mies ihm das mit dem Plot gelungen ist, ist das vermutlich auch gut so. Denn mir ist bisher noch kein Buch begegnet, dessen Autor mit wahrhaften Bandwurmsätzen fesseln kann. King schafft es ja durchaus, einen Punkt an der Wand über drei Seiten spannungsgeladen zu beschreiben. Bei Little wäre dies wohl auch gegen den Baum gegangen. Stattdessen verwendet er eine recht simple und einfache Sprache und keine langen Sätze. Der Stil weist meiner Ansicht nach keine Besonderheiten auf. Dennoch hat man teilweise den Eindruck, als käme man einfach nicht voran. Das liegt aber sicher mehr am Plot als am Stil selbst.

Wenn schon der gesamte Plot und sogar der Bösewicht gewaltig hinken, kann es mit den Figuren nicht viel weiter her sein, oder? Richtig.
Es ist ja durchaus nett, wie Familie Albin eingeführt wird. Mami Trish kümmert sich wie das brave Hausmütterchen um Haus und Garten, Sohnemann Billy hängt mit seinem besten Freund herum und Papi Doug tut den ganzen Tag gar nichts außer lesen. Genau das also, was man sich bei einer amerikanischen Durchschnittsfamilie in einem kleinen Kaff während der Sommerferien und brütender Hitze vorstellt. Allerdings bleibt es bei dieser stereotypen Vor- und Darstellung. Irgendwie ist das doch alles schon zig mal dagewesen, sodass auch die fast 100 – seitige Einführung nicht darüber hinwegtäuschen kann, dass die Figuren blass und wenig vorstellbar sind. Von Sympathie kann auch keine große Rede sein. Denn was die Einwohner von Willis im Großen vollziehen, geht bei Familie Albin in Kleinen vor – es entwickelt sich eine Feindseligkeit, die weder Trish noch Doug erklären können. Obschon beide wissen, dass alles nur schuld der Post ist, kriegen die beiden sich das Zanken. Das ist doch irgendwie irrational und nicht nachvollziehbar.

Alles in allem handelt es sich bei „Böse“ um einen tatsächlich recht langweiligen und langatmigen Roman, den man nicht lesen muss, auch, wenn man in Sachen Horror noch so ausgehungert sein mag. Die Geschichte nähert sich seinem apokalyptischen Ende mit dem Tempo einer kriechbehinderten Schnecke.
Was schon von der Story her so offensichtlich nach einem Plagiat klingt, muss mies sein. Das zumindest hat mir Bentley Little bewiesen. Darüber hinweg täuschen kann auch die Tatsache nicht, dass Little ein King Fan ist und wohl deshalb seine Geschichten an die des nie erreichten Vorbildes anzulehnen versucht. Etwas unschlüssig bin ich mir dennoch wegen der Bewertung. Eine winzige Grundspannung war ja durchaus vorhanden. Auch war ich stets motiviert weiter zu lesen, weil ich ja doch wissen wollte, wohin der Postbote die Kleinstadt führen wird. Allerdings denke ich nicht, dass dies zu mehr als zwei Sternen reichen wird. Immerhin bin ich mehr als einmal über diesem Roman eingeschlafen.


Diese Rezension erscheint in ähnlicher Form auf www.fantasyguide.de.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
mozarteum

mozarteum

11.01.2012 21:15

und noch mal nix für mich ... :-) lg detlef

webbere

webbere

17.05.2009 13:31

Merci für die Warnung :)

snoopinchen25

snoopinchen25

16.05.2009 11:00

Stimmt, die Story hört sich eindeutig nach King an. Aber man sollte den Meister nicht kopieren sondern sich wohl besser was eigenes einfallen lassen, man sieht ja an diesem Buch dass Kopieren ganz schön in die Hose gehen kann. Genialer Bericht von dir. LG

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