Böses Blut (Hörbuch)

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... Die Dahl-Krimis in chronologischer Reihenfolge: 1) Misterioso (siehe meinen Bericht) 2) Böses Blut 3) Falsche Opfer (siehe meinen Bericht) 4) Tiefer Schmerz (siehe meinen Bericht) 5) Rosenrot (siehe meinen Bericht) 6) Ungeschoren (siehe meinen Bericht) 7) Totenmesse (siehe meinen Bericht) ... Bericht lesen





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Die Bibel nach Dahl
Erfahrungsbericht von mima17 über Böses Blut (Hörbuch)
20.06.2009


Produktbewertung des Autors:   


Pro: spannend, unterhaltsam, anrührend, wendungsreich, ausgezeichnet vorgetragen
Kontra: hoher Preis

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Ein schwedischer Literaturkritiker wird auf dem New Yorker Flughafen auf ebenso ungewöhnliche wie grausame Weise getötet. Die Spur des Täters führt zu einer Mordserie, die 15 Jahre zurückliegt. Paul Hjelm und Kerstin Holm von der Stockholmer Sonderkommission stoßen auf einen ungeheuerlichen Fall…

HINWEIS: Sorry, Ciao hat das falsche Bild eingestellt. Korrektur wurde erbeten.


Der Autor
°°°°°°°°°°°°°°°°

Arne Dahl, geboren 1963, ist das Pseudonym des schwedischen Krimiautors Jan Arnald, der für jene schwedische Akademie arbeitet, die alljährlich die Nobelpreise vergibt. Seine Romane um Inspektor Paul Hjelm werden laut Verlag von Publikum und Kritik begeistert aufgenommen. 2004 wurde er mit dem wichtigsten dänischen Krimipreis ausgezeichnet, dem „Pelle-Rosenkrantz-Preis“. Mehr Infos unter www.arnedahl.net.

Die Dahl-Krimis in chronologischer Reihenfolge:

1) Misterioso (siehe meinen Bericht)
2) Böses Blut
3) Falsche Opfer (siehe meinen Bericht)
4) Tiefer Schmerz (siehe meinen Bericht)
5) Rosenrot (siehe meinen Bericht)
6) Ungeschoren (siehe meinen Bericht)
7) Totenmesse (siehe meinen Bericht)

Der Sprecher
°°°°°°°°°°°°°°°°°°

Till Hagen ist die deutsche Stimmbandvertretung für Filmstars wie Kevin Spacey, Billy Bob Thornton und Kevin Kline. Er absolvierte die Schauspielschule in Berlin und war am Theater in Dortmund und Bielefeld engagiert. Seit 1977 ist der professionelle Rundfunksprecher beim RBB und anderen ARD-Sendeanstalten tätig. Er hat bislang alle Krimis von Arne Dahl vorgelesen.

Der Text wurde von Hannelene Limpach gekürzt. Die Aufnahmeleitung hatte Markus Hoffmann, die Technik von Lambda Audiovision in Berlin dirigierte Andreas Fuhrmann.

Handlung
°°°°°°°°°°°°°

Die A-Gruppe im Reichskriminalamt, die für Verbrechen mit internationalem Charakter zuständig ist, hat Probleme. Nach den Macht-Morden im Misterioso-Fall vor einem Jahr hat sich nichts mehr getan, so dass nun ihre Existenzberechtigung in Zweifel gezogen wird. Paul Hjelm grübelt gerade über sich und die Frauen (Silla Hjelm, Kerstin Holm), als sein Kollege Jorge Chavez eintritt und Ärger ankündigt. Kurz kommt der Ruf von Jan-Olof Hultin, dem operativen Leiter der A-Gruppe: Antreten zum Appell.

Auf dem Flughafen Newark, der zu New York City gehört, wurde ein Schwede ermordet, und zwar von einem mutmaßlichen Serienmörder. Dieser Serienmörder sitzt gerade im Flugzeug und wird in Kürze in Stockholm landen. Das FBI habe das Bordpersonal nicht davon in Kenntnis gesetzt, um durch nervöse Reaktionen den Serienmörder nicht zu warnen. Er wisse also nicht, dass er bereits am Boden erwartet werde. Sein derzeitiger Name sei unbekannt, deshalb müssten die A-Gruppen-Leute bei den zwei Passkontrollstellen auf dem Flughafen Arlanda alle weißen Männer mittleren Alters genau kontrollieren. „Verbockt es nicht!“ Aber klar, Chef.

Wenig später gibt der Kollege Arto Söderstedt auf seinem Minimikro durch: „Der Geier ist gelandet.“ Alle sind gespannt, so auch Kerstin Holm und Viggo Norrlander, die in den Kabäuschen der Passkontrolleure Wache stehen. Da erblickt ein etwa 45-Jähriger an der Kontrolle den unübersehbaren nordischen Riesen Norrlander – und nimmt Reißaus. „Robert E. Norton“ steht im Pass; das könnte ihr Mann sein! Paul Hjelm stürzt sich auf ihn, doch Norton entwischt in die Öffnung des Gepäckbandes. Zusammen mit Norrlander liefert er sich einen Fight in der Gepäcktransportabteilung, bis Norton zu Boden geht. Die Beute: ein Beutel Haschisch. Da kommt die Durchsage von Hultin per Ohrhörer: Der Name des Gesuchten lautet Edwin Reynolds. Mist, sie haben den Falschen gejagt.

Als sie Norton in die Obhut der regulären Cops gegeben haben und zur Passkontrolle zurückkehren, meldet Kerstin Holm, dass Reynolds die Kontrolle vor etwa zehn Minuten passiert habe. Hultin befiehlt Straßensperren zu errichten und Maximaleinsatz. Es hilft alles nichts: Reynolds ist ihnen durch die Lappen gegangen. Sein Passfoto ist praktisch unbrauchbar. Warnungen gehen an alle Hotels usw. raus, alle Zwischenfälle mit Amerikanern sollen der A-Gruppe gemeldet werden. Ansonsten ist alles top secret: Niemand in Schweden darf erfahren, dass ein amerikanischer Serienmörder unbehelligt ins Land gelangen konnte. Die Presse würde die A-Gruppe zur Schnecke machen.

Der Killer mit den Zangen

Zum Hintergrund liefert Hultin jede Menge FBI-Infos: Der Ermordete in Newark war ein schwedischer Literaturkritiker, der in der Redaktion einer Tageszeitung arbeitete, Lars Erik Hassel. Der Serienmörder ist interessanter. Als der Kentucky-Killer bekannt, war er in zwei Serien tätig, einmal fünf Jahre bis 1982, dann 15 Jahre später ab 1997. Insgesamt gehen jetzt über 20 Morde auf sein Konto. Hassel war das sechste Opfer der zweiten Serie.

Man weiß das so genau, weil seine Opfer eine unverwechselbare Signatur tragen. Mit einer speziellen Zange lähmt der Täter die Stimmbänder seines Opfers, son dass es nicht schreien, sondern nur flüstern kann. Mit einer zwei Zange, die er am Nacken ansetzt, malträtiert er die Nervenstränge, was zu unertäglichen Schmerzen im Gehirn führt. Ein geheimes Aufklärungskommando in Vietnam, das von Wayne Jennings angeführt wurde und direkt Nixon unterstellt war, folterte mit solchen Zangen Gefangene des Vietcong. Doch Jennings, so das FBI, starb 1982 bei einer Autokollision und verbrannte, vielleicht ein Irrtum. Denn in der zweiten Serie tauchten die beiden Zangen bzw. ihre Spuren wieder auf. Doch laut Pass ist Reynolds erst 32 Jahre alt. Etwas kann hier nicht stimmen.

Den Kollegen fallen die Ungereimtheiten nach Durchsicht der Akten gleich auf: Die erste Serie wurde von einem eiskalten Profi durchgeführt, die zwei von einem unbeherrschten Psychopathen. Auch die Internetrecherche von Chavez erbringt nur irrelevantes Zeug, das nichts beantwortet. Als Cahvez mit Hjelm die Wohnung des Literaturkritikers betritt, werden sie auf dessen PC fündig: ein ganzer Ordner voller Hass-Mails, vom Januar bis zum 25.8., dem Abflugtag. Aber von wem? Sie lesen: „Böses Blut kehrt wieder.“ Ein merkwürdiger Satz. Und die Mord- und Folterdrohungen sind nicht von Pappe. Über die Freundin Hassels finden sie den Schreiber dieser Hasstiraden, doch er kann nicht der Kentucky-Mörder sein.

New York

Hultin kommt zu dem Schluss, dass die Lösung des Rätsels in Amerika liegen muss. Kerstin Holm und Paul Hjelm, die One-night-stand-Lover und Dauerkollegen, fliegen hin und werden von FBI-Agent Ray Larner eingewiesen. Er befasst sich 20 Jahren mit dem Fall des Kentucky-Mörder, der so heißt, weil dort die Mordserie begann. Die Fotos von den Opfern versetzen Kerstin und Paul einen gehörigen Schock. Wieder stoßen sie auf das Rätsel der zwei unterschiedlichen Mordserien und die 15-jährigen Pause nach Jennings’ Tod. Ein Sackgasse?

Zur Abwechslung nimmt Larner sie mit auf einen Einsatz der Schwesterbehörde ATF, um ihnen mal praktischen Polizeieinsatz zu demonstrieren. Die Männer von FBI und ATF heben ein Crack-Labor in Harlem aus. Die Szene ist erschütternd, doch als Hjelm sich abwendet und aus dem Fenster schaut, wird er zufällig Zeuge, wie ein Nachbar im Haus gegenüber seinem Sohn eine Ohrfeige versetzt: „Böses Blut kehrt wieder.“ Das ist es! Paul stürmt los, Kerstin und Larner folgen ihm ins FBI-Hauptquartier an der Federal Plaza. Die Hinweise sind alle da: Der Sohn von Wayne Jennings, Lamar, hat die zweite Serie begonnen. Er muss Zeuge geworden sein, wie sein Vater eines der Opfer folterte. Er erbte nach Jennings’ Tod dessen Zangen und begann zu töten. Doch wieso ging er nach Schweden? War er nicht davon überzeugt, dass sein Vater tot war, sondern glaubte, dass er sich in Schweden zur Ruhe gesetzt hatte?

Ein Blick ins Telefonbuch genügt Kerstin, um Lamars Adresse herauszufinden. Doch das verschlossene Haus in Queens steht leer. Aber Larner erkennt die zwei Gesichter auf dem Foto im Schreibtisch sofort: Wayne und Lamar. Offenbar ein letzter Gruß an Larner. Und in einem Aschenbecher liegen die verkohlten Überreste des Tagebuchs, das Lamar führte. Jetzt haben sie den Schlüssel zu Lamars Psyche.

Da ruft Hultin an aus Stockholm an. Es gab zwei Tote im Stocholmer Freihafen, darunter ein Opfer, das Zangenspuren aufwies, und einen junge Mann, der ins Herzt geschossen wurde. Als Nyberg und Norrlander den Fall untersuchten, stießen sie auf einen gefolterten Wachmann – und auf einen flüchtenden Unbekannten, dem es gelang, die beiden nordischen Riesen außer Gefecht zu setzen, bevor er sie warnte: „Haut ab, haltet euch da raus!“

Die Entwicklung der Dinge spitzt sich zu. Kerstin und Paul fliegen nach Hause. Offenbar haben sich Wayne Jennings und sein Sohn Lamar bereits gefunden…

Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

Es geht also immer um Väter und Söhne, eine offenbar schicksalhafte Verbindung des Blutes, wie die Betroffenen finden. „Böses kehrt zurück und geht um“, wird dies ein ums andere Mal formuliert. Aber stimmt dies wirklich, fragen sich die Beobachter von A-Gruppe betroffen. Denn unter den Ermittlern befinden sich ebenfalls Väter, und sie machen sich zunehmend Gedanken um ihre Söhne. Als Paul Hjelm auf seinem Beobachtungsposten über dem Laden eines Drogendealers auf einmal seinen Sohn Danne erblickt, rastet etwas in ihm aus und stürmt den Laden. Offenbar sind Verbindungen des Blutes stärker als jede Vernunft. Der Beobachtungsposten ist nach der folgenden Szenen unbenutzbar: Jeder in der Straße kennt ihn.

Auch in Gunnar Nybergs Seelenleben rumort es ganz gewaltig, als er an die zwei Kinder denkt, die er zurücklassen musste. Mister Sweden mag er zwar gewesen sein, doch als er seine Frau verprügelt hatte, musste er ihr versprechen, seine Kinder nie wieder zu sehen. Das tut ihm nun wirklich im Herzen weh, und er ruft sie an. Seine Tochter ist zwar zurückhaltend ihm gegenüber, aber sein Sohn Tommy ist völlig begeistert, dem „alten Herrn“ seinen Enkel zeigen zu können. Der ehemalige Mister Sweden weint vor Glück. Von wegen „böses Blut“!

Soviel Glück hatten Lars-Erik Hassel und Wayne Jennings jedoch nicht, wie sich im Laufe der Ermittlung herausstellt. Hassel bekommt monatelang Hass-mails von einem Unbekannten, der ihm die Verhackstückung und schlimmste Folter androht. Im August gibt Hassel anch und weicht auf eine Reise nach New York City aus, angeblich um das dortige kulturelle und geistige Leben zu beurteilen. Doch eigentlich weicht er nur vor einer Welle aus Hass zurück, deren Ursache er nicht kennt. Er war kein beliebter Literaturkritiker, erfährt Hjelm, sondern machte junge, vielsprechende Talente regelmäßig zur Schnecke. Hassel hasste Literatur. Schlug die Literatur zurück?

Der Superkiller

Und was ist mit Wayne Jennings los, fragen sich Hjelm und Holm, als sie in New York mit dem FBI-Agenten Ray Larner sprechen. Zum Glück hat Paul die Epiphanie-hafte Erkenntnis, dass es sich bei den beiden Mordserien nur um die von Vater und Sohn handeln kann. „Böses Blut kehrt zurück und geht um“, das scheint wirklich der Fall zu sein. Umso wichtiger ist es nun, diesen bösen Superkiller zu erwischen und ihm die wirklich wichtigen Fragen zu stellen. Zu aller Überraschung gelingt ihn dies, und zwar dank Gunnar Nybergs Mut und Schauspielkunst.

Den Hai, den Leibhaftigen, haben sie nun am Haken, doch was machen sie nun damit? Eine wichtige Sache scheint am Laufen zu sein, und eine Diplomatin des Außenministeriums ist darin verwickelt. Ein Verbindung in den Irak, womöglich geht es um Rüstungsgüter für Saddam Hussein – Jan-Olof Hultin stochert noch im Nebel. Sie befragen Wayne Jennings. Doch der Anführer des „Commando Cool“, der Dutende von Vietcong folterte und Verhörmethoden verfeinerte, ist ein alter Fuchs, gegen den die versammelte A-Gruppe (außer Nyberg) die reinsten Unschuldsengel ist. Er sieht seine Chance, doch noch ans Ziel zu gelangen, das er hier in Schweden verfolgt. Und scheut sich nicht, die Reichskriminaler für seine Zwecke einzusetzen…

Um Haaresbreite

Dies ist also der Schlüsselroman, in dem Kerstin Holm und Paul Hjelm nur um Haaresbreite den toödlichen Kugeln entgehen, die ihre Schützlinge einen nach dem anderen zur Strecke bringen – Schützlinge, die sie selbst erst mühsam aufgespürt haben. Nur um auf diese Weise deren Mörder auf ihre Spur zu bringen, wie sie nun niedergeschlagen erkennen müssen. Und Jennings ist natürlich schon wieder über alle Berge. Wenn bloß die Presse nichts von dieser kapitalen Schande mitbekommt!

Der Sprecher
°°°°°°°°°°°°°°°°

Till Hagen erweist sich als erprobter und stilsicherer Bühnenschauspieler, der genau weiß, wie eine Figur zu charakterisieren ist. Aber auch die Situationen hat er im Griff, in denen sich eine Figur, die sich bislang ganz „normal“ verhielt, auf einmal jemand anderer zeigt. Ihm gelingt es besonders, die Nebenfiguren hervorragend zu charakterisieren. Er flüstert, schreit, ruft und brüllt sogar, kann aber auch sehr leise und ironisch sein.

Doch Hagen besitzt eine zweite Seite. Mit seiner tiefen Stimme ist er durchaus in der Lage, bedrohliche Stimmlagen und autoritative Stimmen darzustellen, so dass die einem Krimi angemessene Spannung entsteht. Hagen gelingen dank der Erzählkunst des Autors beeindruckende Charakterzeichnungen. Einen Ami wie Ray Larner können wir uns ebenso gut vorstellen wie Hassels Sohn Laban (ein biblischer Name mit hoher Assoziationskraft).

Die Darstellung des verhuschten, tiefgründigen Studenten Laban mit seiner stockenden, schier stammelnden Ausdrucksweise ist zweifellos ein gekonntes Meisterwerk. Leider trifft dies auf Wayne Jennings nicht zu, aber nicht etwa aus Hagens Unvermögen, sondern aus Mangel an Gelegenheit: Jennings macht einfach zuwenig den Mund auf. Und wenn, dann in sehr beherrschten, keine Emotion verratenden Sätzen.

Geräusche und Musik gibt es keine, aber das ist auch gar nicht nötig, wie ich finde. Das Booklet informiert über alle Mitwirkenden und über die Krimireihe.

Unterm Strich
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

„Böses Blut“ ist nach „Misterioso“ einer der spannendsten Romane in der Serie um die A-Gruppe. Diesmal baut Dahl auf den alten Standard des Serienmörder-Plots. Dieses Strickmuster war anno 1998, als der Roman erschien und bevor Autoren wie Cornwell, Slaughter und Montanari es bis zum Gehtnichtmehr ausnutzten, noch nicht so ausgelutscht, wie es uns heute erscheint. Die obligatorischen grausamen Szenen sind vorhanden, und zartbesaitete leser bzw. Häörer seien davor gewarnt.

Dahl baut das Grundelement denn auch zu einem Gerüst um den „Sohn des Serienmörders“ aus und macht es dadurch allgemeingültig anwendbar auf alle Vater-Sohn-Beziehung. Liegt seit Abraham und Isaak (der Erstere sollte ja den Letzteren opfern) ein Fluch des bösen Blutes auf dieser Beziehung? Wenn man erfährt, dass der Vater des erpresserischen Wachmanns Benni seinen Sohn tötet, indem er ihn vom Lungenautomat abhängt, so gemahnt dies in der Tat an alttestamentarische Gerechtigkeit: Auge um Auge, Zahn um Zahn.

Die anschließende Ermittlung dreht sich letzten Endes darum, die Tragödie aufzuklären, die in der Begegnung zwischen Wayne und Lamar Jennings gipfelt, und zu verhindern, dass weitere solche Morde stattfinden. Die A-Gruppe will also „ihres Bruders Hüters“ spielen. Doch darin versagt sie kläglich und kann von Glück reden, wenn Holm und Hjelm mit dem Leben davonkommen.

Die Vergebung, die sie für das verhängnisvolle Vater-Sohn-Verhältnis anstreben, lässt sich nicht erzwingen, sondern nur erhoffen. Die Hoffnung ruht auf der Liebe, die die Kinder ihren Eltern, besonders ihren Vätern, entgegenbringen können. Gunnar Nyberg erfährt diese Liebe seines Sohnes als Gnade. Vergebung und Versöhnung SIND, so unwahrscheinlich es anmuten mag, möglich. Das Neue Testament behält das letzte Wort.

Das Hörbuch

Der Sprecher Till Hagen bringt die beiden Aspekte der Handlung gut zur Geltung: die Bedrohungen im Job der Ermittler ebenso wie die allzu menschliche Komik und Ironie, die bei den Einsätzen und Ermittlungen durchblitzen. Diesmal sind die Ermittler mittelbar selbst betroffen, und zwar als Väter von Söhnen. Hagen liest diese Szenen mit der Zurückhaltung und Emotion vor, die ihnen angemessen ist. Wenn Nyberg, der Ex-Bodybuilder mit dem Baby im Arm weint, dann ist das eine Pietà, vor der wir zurücktreten müssen, aus Respekt. Genau dies tut auch der Sprecher.

Der Autor bringt seinen Figuren spürbar Sympathie entgegen, und dieses Verständnis gilt auch für manchen zwielichtigen Burschen im Stück, wie man bisweilen hören kann. Aber auch leise Töne sind angebracht, so etwa, wenn es um die zahlreichen Opfer auf den zwei Zeitebenen geht. Till Hagen ist die ideale Besetzung für Dahls Krimis, kein Zweifel.

Fazit: volle Punktzahl.

Michael Matzer © 2009ff

Info: Ont Blod, 1998; Steinbach Sprechende Bücher 2005, Schwäbisch Hall; 6 CDs, 470 Minuten, EU 24,95, aus dem Schwedischen übersetzt von Wolfgang Butt; ISBN 3-88698-768-X   


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Von Tiefem Schmerz und Bösem Blut
Bewertung für Misterioso (Hörbuch) / Dahl, Arne von  pocc

Pro: Starke Stories, interessante Charaktere, toller Sprecher
Kontra: Manchmal etwas zu konstruiert, zu weitschweifig und in Details ausufernd, viele skandinavische Namen, bloß nicht nachlassen mit der Konzentration! ;-)

...ES GIBT WAS AUF DIE OHREN! VON TIEFEM SCHMERZ UND BÖSEM BLUT Ich gebe es ganz unumwunden zu - ich bin ein großer Hörbuch-Fan. Egal ob bei Regenwetter gemütlich auf der Couch, bei langen Zugfahrten/ Flügen/ Wartezeiten oder etwas zweckentfremdet als gelegentliche Einschlafhilfe - Hörbücher sind einfach klasse. Und mit einem flotten Krimi auf den Ohren macht doch sogar die Hausarbeit Spaß. (Naja, okay, das war übertrieben...) Einer meiner momentanen Favoriten am Hörbuch-Himmel sind die vertonten kriminellen Phantasien des schwedischen Autors Arne Dahl, eines Spezialisten für raffinierten Mord, hintergründige Geschichten und beziehungsreiche Charaktere. Also hereinspaziert und herzlich willkommen in der skandinavischen Krimi-Welt! Stranguliert, seziert und mehr oder weniger aufgeklärt werden im Folgenden die Fälle "Misterioso... Bericht lesen

Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich

sehr hilfreich
01.01.1970

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