Boule/Petanque

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Nicht nur für alte Oppas - aber auch!

5  22.08.2001 (27.08.2001)

Pro:
geringe Einstiegskosten, gesellig, vielfältig

Kontra:
im Winter draußen frisch ; - )

Empfehlenswert: Ja 

car_soh

Über sich:

Mitglied seit:20.04.2000

Erfahrungsberichte:42

Vertrauende:8

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 46 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Boule ist der Oberbegriff. Die Unterbegriffe für Kugelspiele lauten Lyonaise, Jeu Provencal und eben Pétanque – vielleicht sollte ciao das bei der Titelung berücksichtigen ;-). Pétanque ist die populärste Variante des Boule, daher stammt wohl die „falsche“ synonyme Verwendung der Wörter – oder weil’s einfach leichter auszusprechen ist. Boule, boulen – Du möchtest wissen, was da ab geht? Dann ist mein Bericht vielleicht was für Dich.

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Wer kann spielen?
Irgendwie jeder: Männchen, Weibchen, Opas, Omas, Kinder – je nach Handicap auch Leute mit Behinderungen. – Das trägt wohl auch zu Beliebtheit bei. Außerdem sind die Einstiegskosten minimal, wenn man mal an andere Sportarten denkt...

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Was braucht man zum Spielen?
Drei Kugeln aus Metall, ein kleines Zielkügelchen (genannt Schweinchen) und einen Platz. Ein Weg im Park, ein Schotterplatz, ein Sportplatz alles geht – nur manche Untergründe sind halt ein bisserl doof: Strand, Asphalt, hohe Wiese. Die Kugeln rollen dort nicht, man kann sie nicht sehen, oder sie rollen zu unkontrollierbar. Ein Maßband ist sehr hilfreich, kann aber durch endloses Labern und Daumenpeilen ersetzt werden ;-)

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Was sind das genau für Kugeln?
Aus Metall müssen sie sein.
Durchmesser: 7,05 bis 8,00 cm;
Gewicht: 650 bis 800 Gramm
Verkauft werden Dreiersätze mit einheitlicher ID-Nummer. So schließt man Verwechselungen aus.
Preis: so ab 80 DM im Supermarkt in F bis mehrere hundert DM beim Spezialhändler.

Zielkügelchen: 25-35 cm ø, Material: Holz. Oft ist es bunt lackiert für bessere Sichtbarkeit. Man nennt es häufig Schweinchen, Cochon, die Sau o.ä.

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Ich dachte man unterscheidet die Kugeln an den Riffelungen!
Falsch: Die Muster auf den Kugeln sollen die Griff- und Rolleigenschaften beeinflussen. Sollen! Viele Spieler bevorzugen Kugeln ohne Muster.

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Ich habe billigere Kugeln bei Aldi, Ikea usw. gesehen. Taugen die?
Wenn Du ernsthaft spielen willst: Finger weg! Sie entsprechen in der Regel nicht den oben angegebenen Spezifikationen. Außer bei Dir im Garten brauchst Du damit nicht auflaufen.

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Los! Erklär die Regeln!
Moment! Ich erkläre erst in welchen Formationen üblicherweise gespielt wird:
Tête-à-tête: Einer gegen den anderen – jeder hat drei Kugeln.
Doublette: Zwei gegen zwei – jeder hat drei Kugeln.
Triplette: Drei gegen drei – jeder hat zwei Kugeln.

Wer anfängt bestimmt das Los. Die *Aufnahme* genannte Spielrunde beginnt: Der Startspieler zeichnet jetzt an fast beliebiger Stelle einen Kreis (35-50 cm ø). Von dort wirft er das Zielkügelchen in fast beliebige Richtung auf eine Distanz zwischen 6 und 10 m. Danach platziert er eine seiner Kugeln, so dicht er kann am Zielkügelchen.

Legen
Dieses Platzieren nennt man „legen“. Nun ist der Gegner dran. Er versucht dichter als der vorherige Spieler ans Ziel zu kommen. Misslingt das, ist er oder ein Mannschaftskamerad erneut dran – solange bis ein Team keine Kugeln mehr hat bzw. verbessern konnte.
Liegt die gegnerische Kugel so dicht am Schweinchen, das weiteres Legen nicht zum Ziel führen dürfte, kommt die zweite Spieltechnik zur Anwendung:

Schießen
Es wird geschossen. Beim Schießen dient die eigene Kugel als Wurfprojektil, mit dem die Kugel der Gegenpartei aus dem Weg geräumt wird. Die eigene Kugel soll natürlich nach dem Schuss näher am Schwein liegen als die des Gegners – ist ja schließlich Ziel des Spiels :-).

Alle Kugeln sind gespielt: Die Aufnahme ist beendet. Nun wird geprüft, wer eine oder mehrere Kugeln dichter als der Gegner am Schweinchen hat – das sind die Punkte. Um das Spiel zu gewinnen braucht man 13. Sechs Zähler können beim Doublette und Triplette in einer Aufnahme maximal erzielt werden. Beim Tête-à-tête sind es entsprechend nur drei.

Wer die Aufnahme mit einer (oder mehreren) dichtesten Kugel abgeschlossen, also gewonnen hat, beginnt die nächste. Dazu wird ein neuer Wurfkreis um das Schweinchen gezeichnet. Bis die dreizehn Punkte voll sind.

Das ist der Spielgedanke. Wer aufmerksam mitgelesen hat merkt: Hier sind allerhand Möglichkeiten für taktische Varianten :-) Einige Male habe ich „fast“ geschrieben. Da handelt es sich um Bereiche, die das Regelwerk sehr präzise umreißt. Sowieso: ich kann hier nicht das ganze Regelwerk wiedergeben – das würde erstens lang und zweitens für die meisten langweilig. Wer sich interessiert, der kommt um den Kauf einer Regelheftes eh nicht drumherum.

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O.k. habe ich soweit kapiert. – Aber wieso heißt das Spiel Pétanque?

Dazu erzähle ich mal die Entstehungslegende...

Angeblich soll ein rheumakranker, pensionierter Werftarbeiter namens Jules LeNois aus La Ciotat das Spiel 1910 erfunden haben. La Ciotat ist ein kleiner Ort in Südfrankreich an der Cote d’Azur. Er nahm wegen seiner Krankheit nicht mehr am sportlicheren Jeu Provencal teil, sondern entwickelte eine Variante, da er den Sport nicht voll aufgeben wollte.
Gespielt wurde nun aus dem Wurfkreis auf verkürzte Distanz. Zunächst leistete ihm nur sein Freund Ernest Piotet Gesellschaft. Später interessierten sich mehrere Leute dafür ;-) Beim Wurf muss der Spieler sich mit beiden Füßen im Kreis (beide auf dem Boden) befinden – eben pieds tanqués (oder provenzalisch: ped tanco) – die beiden Begriffe hat man dann schnell zusammengelutscht; zu Pétanque. Anfänger heben beim Wurf gerne ein Bein. Damit wird der Wurf nicht nur ungültig, sondern sie werden dann oft auch als Flamingos bezeichnet. "Boof, un flamingo!"

Beim Pétanque wird extrem auf fair play geachtet - wenn ein Gegner am Zug ist, schwatzt man nicht, oder rennt hin und her, um die Perspektive im Gesichtsfeld zu verzerren. Schiris gibt es (meist nur bei größeren Veranstaltungen), die werden aber recht selten angerufen. Meistens klärt man die Sache unter sich.

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Dies und das:
Es gelingt Dir beim Schießen, dass Deine Kugel auf einer Fläche liegen bleibt, die in etwa einer Badezimmerkachel entspricht – dann hast Du ein *Carraux* geschossen.

Rollt die Kugel nach dem Schuss in die Richtung, aus der sie kam ist das ein Retro.

Die Kugel fliegt beim Schuss nicht durch die Luft, sondern raffelt volle Pulle über den Boden, dann wird von Schrappen (Raclette) gesprochen – bei manchen ist diese Technik verpönt, verboten ist sie aber nicht. Oft kann man sogar sinnvoll Schrappen, um beispielsweise die Sau ins Aus zu befördern.

Du unterliegst 0:13. Dann hat man Dich *Fanny* abgeledert :-) Dann musst Du die Skulptur eines nackten Hintern küssen. Ursprünglich soll es sich dabei um eine Nutte aus Lyon gehandelt haben, die keiner haben wollte. Deren Name soll Fanny gewesen sein.

Sehr beliebt: Alle sechs Kugeln näher als die Gegner ans Schwein bringen, und so einen *Six-Pack* machen.

Gimmicks
- Ein Band mit Magnet dran – Leute die sich schlecht bücken können heben damit die Kugeln auf.
- Maßband mit integrierten Punktzähler.
- Schweinchen, die mit Leuchtfarbe bepinselt sind für die Dämmerung.
- Kugeln auf denen der eigene Name steht
- Spezielle Staubtücher mit Werbung von Kugelherstellern
- Tirette - eine Schieblehre, mit der sehr genaues Messen möglich sein soll. Wer mit dem Ding aber nicht umgehen kann (wie ich) wird damit eher Kugel oder Zielkugel verrücken.

Orga
Nach dem es bis vor einigen Jahren fast nur Spielgemeinschaften gab, haben sich jetzt zahlreiche e.V.s gegründet. Neben dem vielfältigen Turnierbetrieb wird auch regional unterschiedlich in verschiedenen Ligen gespielt. Dachverband ist der DPV der Deutsche Pétanque Verband.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
heihild

heihild

24.04.2002 12:00

Das ist der richtige Bericht zur Einstimmung auf den Urlaub. Ich liebe dieses Spiel. Es ist ungemein beruhigend. Gruß heihild

bavariangirl

bavariangirl

27.08.2001 14:22

Wir spielen dieses populäre Spiel auch sehr gerne, toll finde ich das es wirklich alle Generationen gleichermassen und miteinander Spielen können. Die Regeln sind leicht und "International", schon oft haben wir im Urlaub durch dieses Spiel Kontakt gefunden und interessante Menschen kennengelernt. Guter Beitrag Gruesse Susanne

sr406v

sr406v

22.08.2001 12:53

Klingt wirklich interessant, sehr guter Bericht, liebe Grüße

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