BOWLING FOR COLUMBINE – Sind die Amis irre?
24. Aug 2003
(4. Okt 2003)
Pro:
Geniale Art des Dokumentarfilms
Kontra:
Sehr schlimme Szenen, die NICHT für Kinder ab 12 geeignet sind
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Action:
Anspruch:
Humor:
Romantik:
Spannung:
mehr
 felixrichter
Über sich:
Mitglied seit:02.10.2001
Erfahrungsberichte:23
Vertrauende:7
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 14 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Nach dem Bestseller “Stupid White Man” und dessen Vorgänger „Querschüsse eines unbewaffneten Amerikaners“ bringt Michael Moore seine Fans und die, die es noch werden wollen, wieder zum Lachen, aber auch zum Nachdenken und Weinen – „Bowling For Columbine“ heißt sein drittes Meisterwerk, welches dieses Mal nicht als Buch, sondern als Film bestaunt werden kann. Wie der doch schon sarkastisch klingende Titel es vermuten lässt, handelt der Film wiedereinmal von den Amerikanern unter der Führung George W. Bushs. Zum Film:
Am morgen des 20. April 1999 gehen die beiden Jugendlichen Dylan und Eric zu ihren Bowlingkurs in dem verschlafenen Städtchen Littleton in Colorado. Nur wenige Stunden Später verüben die beiden das entsetzliche Massaker an der Columbine Highschool, in dessen Verlauf 12 Schüler und Lehrer den Tod finden. Dies ist eigentlich nur der Auslöser, der Michael dazu bewegte, endlich aufzustehen und die Waffengesetze Amerikas zu kritisieren. Mit lakonischem Zynismus und beißendem Witz präsentiert er eine Nation zweischen Waffenwahn und Paranoia, ein Volk mit dem Colt im Anschlag für die permanente Selbstverteidigung. Er lässt die Opfer und die Vertreter der Waffenlobby zu Wort kommen, befragt Marilyn Manson, aber auch den berüchtigten Waffenaktivisten Charlton Heston, immer auf der Suche nach der Antwort auf die Frage: „Are we a nation of gun nuts or are we just nuts?” - sinngemäß: “Sind wir verrückt nach Waffen oder sind wir nur verrückt?“
Moore ist es leid, dass die Menschen immer wegsehen. „In diesem film wird der Zuschauer gezwungen, sich ACHT MINUTEN lang die Überwachungsvideos des Massakers anzusehen.“ Er selbst schätzt sich als sehr pro-amerikanisch
ein, denn „nur wer sein Land kritisiert, ist ein guter Bürger.“ Im Film kommen lustige Stories, wie die, wo zwei Jäger ihrem Hund eine Waffe umhingen, um ihn zu fotografieren, und der dann dem einen ins Schienenbein schoss, nicht zu kurz und doch ist der Film nicht für zart besaitete Gemüter. Ich selbst musste mir wirklich die Tränen verkneifen und wurde zutiefst nachdenklich und gerade deshalb ist „Bowling For Columbine“ ein Film, den einfach jeder einmal gesehen haben muss.
Im Film wird auch die tiefe Kluft zwischen Schwarzen und Weisen angesprochen und mit schrecklichem Bildmaterial belegt. So wird genau gezeigt, wie ein Afro-Amerikaner auf offener Straße erschossen wird und wie Polizisten im Rahmen einer – ich möchte sie schon fast als „krank“ bezeichnen – TV-Show, in der solche Ausschreitungen provoziert werden, um den Weisen die Angst vor den schwarzen zu nehmen. Auch Eltern, deren Kinder durch Waffen gestorben sind, kommen zu Wort und der Zuschauer wird zeuge von herzzerreißenden Ansprachen.
Der wohl tragischste Unfall, der im Film besprochen wird, ist der, wo ein sechsjähriger Junge zu Hause eine Waffe findet und diese gegen ein ebenfalls sechsjähriges Mädchen im Kindergarten richtet. Sehr interessant sind die Statistiken der Morde in verschiedenen Ländern. So liegt Deutschland in der Rangordnung der Morde pro Jahr genau hinter Amerika, nur die Spanne ist enorm. Werden in Deutschland ca. 350 Menschen durch Waffen getötet, so sterben in Amerika 11.500 Menschen an diversen Kugelhakeln.
Doch das schlimmste daran ist, dass die Amerikaner nicht einsehen, dass sie nicht der Musik oder den Computer-Spielen die Schuld geben können, sondern ihrem vorn und hinten nicht stimmenden Gesetzen, die es vierzehjährigen Kindern ermöglicht, Waffen zu besitzen. Fast immer werden Unschuldige zu Opfern und müssen dann ihr Leben lang unter den Folgen leiden, wie auch ein Junge, der seitdem eine Kugel in seiner Wirbelsäule gelandet ist, querschnittgelähmt ist.
Zusammen mit ihm und einem weiteren Opfer macht sich Michael Moore auf den Weg in den K-Markt, wo die Schützen von Columbine ihre Munition kauften. Sie wollen bewirken, dass der Markt keine Bullets mehr verkauft, doch keiner nimmt auch nur ein wenig Rücksicht auf die Opfer. Es folgen Hunderte von leeren Versprechungen und letztendlich werden sie einfach stehen gelassen, ohne auch etwas bewirkt zu haben. Da kommt Michael eine grandiose Idee: Er kauft, zusammen mit den beiden Jungs, alle Kugeln auf und kommt dann mit der Presse wieder, die dem Markt dann „die Hölle heiß macht.“ Zum Schluss gibt sich Michael Moore dann als Mitglied der „National Rifle Association“, kurz NRA, aus und spricht mit Charlton Heston über das Recht, eine Waffe zu besitzen, doch als er ihn dann bittet, ein Statement zum Tod des kleinen sechsjährigen Mädchens abzugeben, verschwindet er ohne ein Wort und lässt Michael alleine stehen.
Man sieht also, dass selbst die NRA merkt, dass da irgendwas nicht richtig sein kann und doch unternimmt sie nicht dagegen und veranstaltet große Treffen genau in den Städten, wo kurz zuvor schlimme Ereignisse geschehen sind, damit die Amerikaner ja keine Zeit haben, darüber nachzudenken, ob sie wirklich eine Waffe haben möchten und brauchen. FAZIT: Dieser Dokumentarfilm in der Länge von 114 Minuten ist ein Film, den man einfach gesehen haben muss, was der Oscar 2003 beweißt. Zart besaitete Zuschauer sollten sich vorher überlegen, ob sie sich den Film ansehen, da er schreckliche Dokumentaraufnahmen aufzeigt. Weniger toll werden die meisten Zuschauer finden, dass nur sehr, sehr wenig Text übersetzt wurde. Ich schätze, dass 90% des Films aus Untertiteln bestehen, welche das Ansehen des Filmes zu einer Tortur für die Augen machen. Der Film ist also mehr für Englisch-Liebhaber geeignet, die ihn sich in der Originalvertonung ansehen.
ZUR DVD SELBST: Die DVD kommt zu dir in einer schwarzen Kunststoffhülle, die ein orangefarbiges Inlay besitzt, auf dem, humorvoll gezeichnet, ein Junge mit einer „Stars and Stripes“-Flagge und Anziehsachen, die nur so von Waffenabbildungen übersäht sind, abgebildet ist. Die Kritik an den Waffengesetzen Amerikas wird dem Betrachter durch den Kopfschuss des Jungens verdeutlicht, aus dem das Blut herausläuft. Auf der schwarzen Rückseite findet man Screencaptures sowie eine schriftliche Filmvorschau. Zusatzfeatures sind: Interviews mit Michael Moore, die Pressekonferenz (OmU), Statements zum Film und eine Kurzbiografie von M.M. Etwas schade ist, dass die Statements nur zum Lesen da sind und nicht als Audiotracks verfasst sind. Die Trailershow ist nicht wirklich weltbewegend und hat auch nichts mit dem Film zu tun. Es werden einfach neue Kinofilme vorgestellt – Halt Werbung, wie man sie von den VHS-Tapes kennt, nur, dass man sie hier nicht ansehen muss, bevor der Film startet. Untertitel gibt es nur in Deutsch und auch die Audiospuren sind nur auf Deutsch und Englisch vorhanden. Das Bildformat ist 16:9 und der Ländercode, logisch, 2. Alle Menüs sind Deutsch. Der film ist für Zuschauer ab 12 Jahren freigegeben, was ich für unmöglich halte, weil manche Szenen direkte Kopfschüsse in deren Durchführung zeigen und auch so die Bilder zu schrecklich sind, um sie Kindern zu zeigen.
GESAMTPRÄDIKAT: SEHR SEHENSWERT! Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite zum Film: www.bowling-for-columbine.de
UND DAS SAGEN ANDERE: „Wie ein Fleisch gewordenes Erdbeben bringt der Mann die Welt der Mächtigen zum Wackeln.“ (Der Spiegel) „…böse, erschütternd, informativ, witzig und provokant.“ (Cinema)
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01.11.2004 21:54
Wirklich sehr gelungen, dein Bericht. Hab mir BFC auch angeguckt, echt cool! Mach weiter so!!!
27.08.2003 12:29
Ein gelungener Bericht. Ich glaube ich werde mal diesen Dokumentarfilm auch anschauen.
24.08.2003 10:58
Schade, dass du nicht noch näher auf die DVD-Ausstattung und das Bonusmaterial eingehst. Dafür, dass du in der DVD-Kategorie schreibst, kommt der Teil etwas zu kurz. Ansonsten aber eine ganz gelungene Filmkritik. :-) CU, Meike