Hey Mom, ich lauf mal ne Runde (Amok)
05.03.2003 (24.08.2004)
Pro:
Super Dokumentarfilm, Umsetzung genial, gesellschaftskritisch,
Kontra:
Abolut keines ! ! !
Empfehlenswert:
Ja
 J_F_K
Über sich:
J_F_K™, ein Markenzeichen! El Presidente ist zurück!
Es wird wieder ein paar Berichte von mir ge...
Mitglied seit:22.02.2003
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Man möge mir diesen Überschrift verzeihen, doch wenn man den tieferen Gedanken meines, zugegebenermaßen, provokanten Titels, zu erforschen sucht, dann wird man unweigerlich über die Amerikanische Verfassung stolpern und da im Speziellen auf das sogenannte „2nd Amendment“, den 2. Zusatzartikel zu jener Verfassung. Dieser sagt folgendes aus: „A well regulated militia, being necessary to the security of a free state, the right of the people to keep and bear arms, shall not be infringed.” Der wichtige und kritisierbare Ansatz findet sich im letzten Teil dieses Artikels, namentlich in der Phrase “Right of people to keep and bear arms shall not be infringed” – Das Recht der Bürger Waffen zu besitzen und zu benützen darf nicht verletzt werden. Und hier kommt nun Michael Moore ins Spiel.
******************************** Michael Moore – Der Regisseur ********************************
Bis zu seinem Buch „Stupid white men (and other sorry excuses for the state of the nation)“ war dieser Mann in Europa weitgehend unbekannt. Dieses Buch machte ihn, aufgrund der wochenlangen Innehabung des Nummer 1 Platzes der Bestseller-Liste, auch hier bekannt.
Michael Moore, diese absolut dem europäischen Bild eines Amerikaners entsprechende Persönlichkeit (zottelige, fette Haare immer unter einem Käppchen, fettleibig, unrasiert), wurde in einem kleinen Dörfchen (Flint) in Michigan geboren. Flint war einst eine der Satellitenstädte für den größten Automobilhersteller der Welt, General Motors, doch die Fabriken wurden zugedreht und so starb auch das Leben in Flint aus. Er war immer schon ein Rebell, immer schon einer derer, die gegen den Strom schwammen, schon in der Highschool war er einer jener, die man „geek“ (Klassentrottel) oder „Schwarzes, unbekehrbares Schaf“ nannte. Der Autor und Regisseur sah sich schon damals einfach als etwas besonderes, nicht mit der Masse mitschwimmend, und vertrat seine Prinzipien und versuchte das System somit ein wenig zu unterwandern, wenngleich Lehrer, Eltern und Mitschüler des ach so behüteten Amerikas natürlich jede Menge dagegen einzuwenden hatten. Michael Moore ist so etwas wie ein „links gerichteter“ Amerikaner, ja richtig gelesen, auch so was soll es geben. Unter anderem war Mr. Moore auch im Wahlkampf für den alternativen (Grünen) Kandidaten Ralph Nader in dessen Wahlkampfleitung tätig. (Die genaue Geschichte entnehmt bitte seinem Buch „stupid white men“). In diesem Film versucht er die tragisch-traurigen Geschehnisse des Columbine-Higschool-Massakers auf groteske, alternativ-humoreske, satirisch-ironische und dokumentarische Art und Weise aufzurollen und die amerikanische Gesellschaft und ihre generelle Gewaltbereitschaft darzustellen.
*********************************** Bowling for Columbine – der Film ***********************************
Schon der Einstieg in diesen Film ist etwas Besonderes. Ich betone dabei, es handelt sich um einen Dokumentarfilm, also keineswegs leichte Muse, wenngleich das ein oder andere vielleicht auch zum Schmunzeln anregt, so gefriert dieses Schmunzeln von einem zum nächsten Moment.
Die Einleitung zum Film ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz von einem deutschsprachigen Sprecher gesprochen, der die Szene und die Location kurz umschreibt, doch der Film ist dann durchwegs in Englisch mit deutschen Untertiteln. Erste Szene mit Mr.Moore: Er ist in einer Bank und möchte gerne ein Konto eröffnen. Die Dame am Schalter fragt ihn freundlich welches Konto er denn eröffnen möchte, darauf erwidert er, dass er gerne das Konto eröffnen wolle, wo man als „Einstiegsgeschenk“ ein Gewehr bekomme. Der Zuschauer denkt natürlich gleich, dass kann nur ein Scherz sein, doch weit gefehlt, denn unser Hauptdarsteller und Regisseur/Autor darf sich, nachdem ein sogenannter „Backgroundcheck“ durchgeführt wird, eines der in dieser Bank lagernden Gewehre aussuchen um es als Bonus mitzunehmen. Detail am Rande, dieselbe Bank ist sowohl Bank als auch lizensierter Waffenhändler. Auf die beiläufige Frage von Mr. Moore zu einem Wachmann, ob er es nicht komisch finde dass hier einer mitten in der Bank mit einem Gewehr herumhantiert, erwidert der Wachmann nur er habe auch so ein Gewehr und ob er (Moore) das Gewehr nicht wunderbar finde. Komisch nicht wahr?
Dies ist nur eine der grotesken Szenarien die dem Zuschauer von Michael Moore vor Augen geführt werden. Er versucht die amerikanische Seele herauszuarbeiten, womit wir wieder beim 2.Zusatzartikel der Verfassung landen, denn genau darum geht es. In Amerika gibt es nicht mehr Schusswaffen als in anderen großen Ländern der Welt (im Vergleich dazu hat Kanada zwar nur 30 Millionen Einwohner, das sind in etwa 10 Mill Haushalte und 7 Mill. registrierte Schusswaffen), dennoch ist die Gewaltbereitschaft in den USA um ein vielfaches höher als anderswo. Eine traurige Statistik, die in diesem Film gezeigt wird, zeigt deutlich auf, dass Amerika ganz alleine die Führung übernommen hat wenn es um Morde mit Schusswaffen geht. Pro Jahr sterben in Amerika etwa 11.000 Menschen durch den Gebrauch von Schusswaffen, sollte man da nicht die Verfassung und das von ihr gegebene Recht eine Waffe zu besitzen neu überdenken? Diese Frage will Michael Moore dem mitdenkenden Zuschauer nahe bringen und sein Weg führt in dazu auch nach Kanada, wo es, wie oben schon kurz erwähnt, im Vergleich zu den USA viel mehr Schusswaffen gibt.
Er befragt Menschen auf der Straße und an Schießständen in Kanada, ob sie vom letzten Mord wüssten, doch die meisten Einwohner dieser 400.000 Seelen Stadt an der amerikanisch-kanadischen Grenze können sich nur an einen oder 2 Morde in den letzten 10-20 Jahren erinnern, etwas, dass der Amerikaner Moore „ganz und gar nicht verstehen kann, da das bei uns an der Tagesordnung steht“.
Ebenso versucht Moore zu ergründen, warum die Amerikaner so viel Angst haben und warum die Schuld an Greueltaten wie Columbine (zur Erinnerung: Zwei Highschool-Schüler erschossen 12 Mitschüler und Lehrer, verwundeten dutzende andere Menschen und nahmen sich nach diesem Amoklauf selbst das Leben) oder Flint (in der Heimatstadt von Moore erschoss ein 6[!!!!]-jähriger ein gleichaltriges, afro-amerikanisches Mädchen in der Vorschule) immer Gewalt verherrlichenden Mediendarstellungen, Filmen und vor allem Rockmusik (im Falle von Columbine namentlich dem Rockstar „Marylin Manson“) in die Schuhe geschoben wird.
Daher nennt sich dieser Film, so Michael Moore, auch „Bowling for Columbine“, weil er einen Kontrapunkt setzen wollte zu diesen typischen Klischees und weil beide Amokschützen des Dramas in Littleton (Columbine High School) in einer Sportklasse waren, in einer „Bowling Class“, und angeblich, so meinen mehrere Augenzeugen, einer oder beide der Schützen am Morgen des Massakers gegen 6 Uhr noch eine Runde zum Bowling waren. Warum also nicht Bowling zum Bösen, zum Übel hochstilisieren, warum muss es immer Rockmusik und Videospielen sein?
Weitere Details zu diesem Film will ich euch bewusst vorenthalten, denn einerseits läuft dieser Film nicht nach einem gewissen Schema ab, sondern springt wahllos zwischen Szenen hin und her, andererseits sollte euch dieser Bericht ja auch nur etwas Vorgeschmack auf den Film machen.
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~ Conclusio / Fazit ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Selten hat mich ein Film so berührt wie dieser von Michael Moore. Ich kannte ihn schon als Autor und Regisseur, habe ich auch den Film „Roger and Me“ gesehen und die Bücher „Downsize this!“ und „Stupid white Men“ gelesen, doch dieser Film übertrifft alles was davor kam. Es gibt keine klaren Strukturen in diesem Film, doch auch das ist Teil des Konzepts von diesem Film. Auch kleine Comic-Clips finden sich in diesem Dokumentarfilm wieder (unter anderem eine sehr bekannte Comic-Serie die hierzulande beliebt ist), zum Beispiel ein geschichtlicher Rückblick auf die Entstehung Amerikas, fantastischer Zynismus und sarkastisch-ironische Aussagen werden euch Tränen in die Augen drücken, weil ihr soviel lacht und dennoch gibt es immer wieder verschiedene Blickwinkel die einem durch diesen Film eröffnet werden, neue Perspektiven und Sichtweisen und plötzlich verschwindet das anfängliche Lachen und die Trauer nimmt wieder Einzug.
Diese Dokumentation, die übrigens in Cannes seit langer Zeit der erste zugelassene Dokumentarfilm war und auch gleich einen Preis abräumte, ist ein Kunstwerk und auch nicht zu Unrecht für die Academy Awards (Oscar) nominiert [wenngleich die Chancen dort zu gewinnen eher mager sind wenn man die konservative Academy kennt]. Michael Moore versucht hier auf verschiedenen, ihm eigenen Wegen, dem Zuschauer aufzuzeigen, welche Probleme Amerika und die Amerikaner haben und wie man diese Gesellschaft verbessern könnte. Er zieht nicht nur über die Waffenlobby her, er kritisiert ebenso das Sozialsystem wie auch das Gesundheitssystem der USA und vergleicht es in sarkastischer weise mit dem des Nachbarn Kanada. (Moore fragt bei einem Kanadier der mit einer Naht auf der Stirn aus der Notaufnahme kommt: „Wieviel mussten Sie jetzt dafür bezahlen?“ Kanadier: „Gar nichts, das deckt meine Krankenversicherung!“ Moore:„Was, sie haben NICHTS dafür bezahlen müssen? Gar nichts?“)
Ich persönlich kann diesen Film nur wärmstens empfehlen, er läuft noch immer in den Kinos (ich habe ihn mir erst Montags zum 2. Mal angesehen), doch eher in kleinen Kinos und nicht den kommerziellen Großkinokomplexen.
Sehenswert ist dieser Film allemal und wer die Chance hat in seiner näheren Umgebung in ein Kino zu kommen (ich denke der Film müsste auch bald auf DVD erscheinen oder ist sogar schon raus, jedenfalls gibt es ihn in England auf Video) der sollte diese Chance bitte beim Schopf packen. Jeder Cent, den ihr für die Kinokarte zahlt ist es wert und jede Minute eurer Zeit erst recht. Noch nie habe ich einen Dokumentarfilm so ansprechend, so faszinierend gefunden wie Bowling for Columbine, der tragisch, erschütternd, jedoch auch faszinierend lustig ist.
In meiner Bewertung kann ich hier mit bestem Gewissen die volle Punkteanzahl vergeben, würde sogar noch mehr ******* vergeben, doch ist man bei 5* schon am Horizont angelangt.
Als weitere Empfehlung darf ich hier 2 Links posten:
www.michaelmoore.com www.bowlingforcolumbine.com
Vielen Dank fürs Lesen und...
... möge unser Horizont sich erweitern ( 5* ???)
©J_F_K™, am 5.3.2003
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30.01.2007 11:35
Ein toller Film, jedem Menschen zu empfehlen..... LG D.
29.01.2007 23:38
ich kenne den film nicht, aber das sollte ich wohl schnellstens aändern ... .-)) lg mozarteum
26.02.2005 21:05
Ein absolut super Dokufilm .... den man wirklich gesehen haben sollte!