Bowling For Columbine

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Guns for Freedom

5 23. Mar 2003

Pro:
sehr detaillierte Informationen, sehr interessant, zum Teil sehr zynisch, die Wahrheit

Kontra:
nichts

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor:

Spannung:

Anspruch:

Action:

Romantik:

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Fojin

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Mitglied seit:24.10.2001

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Vertrauende:90

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 134 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Neulich habe ich in der Schule die Gelegenheit gehabt, den vor kurzem im Kino laufenden Dokumentarfilm "Bowling for Columbine" mit meinem Englischkurs anzuschauen.
Dieser Film vom mehr oder weniger berühmten US-Kritiker Michael Moore (u.a. bekannt durch "Stupid White Men") - der übrigens selbst Amerikaner ist - handelt vom Waffenfanatismus der Amerikaner und den nationalen und internationalen Folgen. Der Film (ca. 2 Stunden) besteht hauptsächlich aus Interviews und authentischen Fotos und Videos, auf die ich nun genauer eingehen werde.


--- Inhalt ---

Nun, eine Story gibt es bei diesem Film natürlich nicht. Zumindest keine frei erfundene und schauspielerisch dargebotene.
Im ganzen Film geht es um die Themen Waffen und Gewalt, die vor allem in den USA sehr ausgeprägt sind.
Michael Moore, ein großer, dicker, sympathischer, weißer Amerikaner leitet den Zuschauer als Kommentator und Interviewer durch den Film.
Er geht auf den in Amerika beliebten Schieß- und Jagdsport ein, den praktisch jeder betreiben kann. Die dazu benötigten Waffen und Munition gibt es in jedem Supermarkt massenweise zu kaufen. Überhaupt scheint jeder anständige Amerikaner zur *reinen* Selbstverteidigung eine Schusswaffe im Haus zu haben, da man sich ja fürchten muss, weil alle anderen eine Waffe haben. In verschiedenen Interviews erzählen einige Leute über ihren Spaß mit, aber auch ihre Angst vor Waffen.
Natürlich wird im Film auch gezeigt, wie alles begann - und zwar durch wirklich witzige, zynische Cartoons im "South Park"-Style (sind möglicherweise sogar Szenen aus der Serie). Selbstverständlich sind die bösen Indianer schuld, die die weißen Siedler seinerzeit förmlich zu Waffeneinsatz zwangen, genauso die bösen Schwarzen, die sich gegen die Weißen auflehnten.
Weiter geht Moore mit seiner Dokumentation auf das Highschool-Massaker von Columbine (1999) ein, bei dem mehrere Schüler und Lehrer durch zwei Amokläufer starben. Hier werden authentische Bilder einiger Überwachungskameras gezeigt, die wirklich nur schwer verdauliche Bilder liefern. Zum Beispiel kann man sehen, wie eine größere Gruppe Schüler in panischer Angst aus dem Gebäude rennt oder wie die Täter mit Handgranaten ganze Räume komplett verwüsten.
Moore zeigt nun auf, wie die amerikanische Öffentlichkeit Filme, Spiele und Musik für diese Tat verantwortlicht macht. Dabei führt er ein Interview mit einem recht bekannten und verrufenen Musiker namens Manson. Natürlich ist nicht die Musik für diese Taten verantwortlich zu machen, eher schon eine fehlende Erziehung der Eltern oder die Tatsache, dass Amerika seinerzeit am gleichen Tag das Bombardement bzw. einen großen Schlag gegen Jugoslawien im Kosovo startete. All dies deckt Moore schonungslos auf und versteckt sich nicht hinter fadenscheinigen Gründen wie der Großteil des amerikanischen Volkes.

Nun wird auch über die amerikanische Außenpolitik referiert: Wie Amerika systematisch erst bestimmte Leute in anderen Ländern, meist Rebellen, mit Geld und Waffen unterstützte und dann später, als jene Leute zu mächtig wurden, wieder fallen ließen und angriffen.
So geschehen in Afghanistan, Panama oder im Irak. Es werden einige doch sehr schockierende Bilder von Kriegsopfern gezeigt, dazu gibt's die passende Anzahl der zivilen Opfer (auf amerikanisch: "Collateral Damage") aus beinahe sämtlichen Kriegen, die durch Amerika gestartet oder zumindest forciert wurden.

Interessant ist auch der Vergleich der Todesopfer durch Schusswaffen zu anderen Ländern. Während in Deutschland jährlich über 300 Leute durch "Guns" sterben, sind es im europäischen Ausland deutlich weniger, genauso in Japan. In Australien und Kanada sind es gar lächerlich geringe, bestenfalls zweistellige Zahlen.
Dagegen "protzen" die USA mit über 10.000 Todesopfern durch Pistolen und Gewehre jährlich - auch mit Berücksichtigung auf die Bevölkerungszahl eine erschreckende Bilanz.
Auch hier gibt es wieder einige Interviews zu sehen, die u.a. in Kanada geführt wurden und Kanadier zeigen, die keine Angst vor Waffen und Attentaten haben, obwohl sie ähnliche Waffenfreaks wie die Amerikaner sind. Also kann es offenbar nicht nur an den vielen Waffen liegen, eher an der generellen Grundeinstellung der Leute.

Schlussendlich führt Moore auch noch ein längeres Interview mit Schauspieler und Hollywood-Star Charlton Heston, der wie viele Amerikaner ein absoluter Waffenfanatiker ist und sogar ein Sprecher einer "Pro Gun"-Initiative (N.R.A. = National Rifle Association) ist.
Als Moore ihn auf das Massaker von Columbine und andere Morde an Schülern durch Schüler anspricht, blockt Heston ab und läuft schlussendlich sogar ein wenig vor Moore weg, als dieser ihm hartnäckig ein Foto eines der Opfer präsentieren will.


--- Meine Meinung ---

Noch nie konnte mich ein Dokumentarfilm so fesseln.
Nicht nur, weil die Thematik gerade seit dieser Woche besonders aktuell ist (den Film haben wir übrigens Ende Februar gesehen), auch weil Moore naiv, hartnäckig und zynisch zugleich an die Thematik heran geht und auf diese Weise auch seine Interviews führt, sollte man diesen Film einfach gesehen haben.
Sicherlich ist er zum Teil ziemlich hart, da authentische Bilder von Leichen und Gewaltszenen gezeigt werden, aber das gehört zu einem kritischen Film nun einmal dazu.
Ganz besonders elendig war mir zu Mute, als ich sah und hörte, was die amerikanische Regierung im Laufe der Jahrzehnte an Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen fabriziert hat - mehr, als ich erwartet hatte.

Neben den knallharten und schonungslosen Fakten sowie Moores zynisch-ironischer Dokumentation hat mich an diesem Film auch besonders der starke Kontrast zwischen Gut und Böse fasziniert. Auf schreckliche Bilder folgten zum Teil sadistische Cartoons, die einem wieder zum Lachen brachten, da wie wirklich extrem abartig waren. Andererseits folgten auf ruhige Interviews von Waffenbefürwortern oftmals schreckliche Bilder oder wenigstens Zahlen und Fakten, die in gewisser Weise meinen Hass auf Amerika sukzessive steigerten.

Wie gesagt, "Bowling for Columbine" sollte eigentlich jeder Mensch der westlichen Welt einmal gesehen haben - Pazifisten und anti-amerikanisch eingestellte Leute werden sich bestätigt fühlen, Waffenfreaks und Amerika-Fans sollten vielleicht mal darüber nachdenken, ob sie wirklich die richtige Einstellung haben.


--- Fazit ---

"Bowling for Columbine" ist ein wirklich ausgezeichneter Film, den sich jeder anschauen sollte.
Er zeigt auf erschreckende, aber auch witzige Art und Weise, wie stark der Waffenfanatismus in Amerika fortgeschritten ist und welche Gründe und Folgen er hat.
Ich persönlich werde mir den Film wohl mit ziemlicher Sicherheit auf DVD oder Video holen, da er einfach verdammt gut ist und ich mich meinungsmäßig eindeutig Moore anschließe.


© 2003 by Fojin

 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
aquarius2

aquarius2

16.11.2006 23:05

Ich fand den Film auch beeindruckend...

Pik7

Pik7

03.05.2004 10:23

Deutschland ist das mit Abstand bevölkerungsreichste Land Europas (wenn man mal den europäischen Teil Rußlands wegläßt, bei dem ich keine Ahnung habe, wieviele Menschen da wohnen). Da haben wir ein Recht auf die hchste Abschußrate. Micvhael Moore ist ein patriot und will gewiß nicht antiamerikanscieh Ressentiments schüren. Er konzentriert sich lediglich auf ein negatives Thema, das er als Kontrapunkt zu der sonst unkritischen Sicht in Amerika setzen will. Insofern ist der Film nur als Lehrstück für Amis gedacht. Und; soweit ich weiß, kann man nicht in jedem Bundesstaat Amerikas frei und überall Waffen kaufen.

Wuermchen1984

Wuermchen1984

10.04.2004 11:16

Finde Michael Moore klasse...vorallem seine Bücher! LG

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