Bowling For Columbine

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Kanadier verschliessen ihre Türen nicht

4  20.02.2004

Pro:
sehr bildend und unterhaltsam

Kontra:
für eine dokumentation sehr subjektiv

Empfehlenswert: Ja 

godox

Über sich: der kopf ist rund, damit das denken die richtung wechseln kann!

Mitglied seit:10.05.2001

Erfahrungsberichte:12

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 24 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Am 20. April 1998 erschossen der 17-jährige Dylan Klebold und der 18-jährige Eric Harris zwölf Schüler und einen Lehrer an der Columbine High School in Littleton, Colorado. Gut vorbereitet und bis unter die Zähne bewaffnet stürmten die beiden Jugendlichen ihre Schule. Kein ganz fremdes Phänomen in unserer westlichen Gesellschaft. Auch Deutschland hatte sein "Columbine" bereits in Erfurt und auch in zum Beispiel Japan liefen Schüler Amok und töteten Schulkameraden und Lehrer. Wie kann es dazu kommen? Wie können schon Jugendliche derart verstört sein, dass sie zu solch destruktiven Mitteln greifen? Woher stammt der allgegenwärtige Waffenfetischismus in den Vereinigten Staaten? Wer trägt die Schuld?

Mit dieser Frage beschäftigt sich der ebenfalls aus Littleton stammende US-Journalist und Buchautor Michael Moore, seit "Roger & Me" das Enfant terrible der US-Medienlandschaft, in seiner filmischen Reportage Bowling for Columbine. Auf der Suche nach Ursachen für derartige Katastrophen findet der spitzfindige Moore immer wieder allgemeine und schwerwiegende Mißstände in der US-Amerikanischen-Gesellschaft. Auf seinem Weg quer durch die Vereinigten Staaten trifft er Menschen, die direkt am Amok-Geschehen teilhatten, lässt Personen zu Wort kommen, die vermeindlich daran Schuld tragen sollen und führt schliesslich gleichzeitig eine eigene höchst einleuchtende Argumentation vor, woran das US-System kranken könnte. Er lässt die Dokumentation in einer Bank in einer US-Kleinstadt beginnen. Dieses Kreditinstitut schenkt Kunden, die dort ein Konto eröffnen ohne Verzug und noch in der Bank ein Jagdgewehr. Ein geeigneter Umstand um schon vom Start weg zu zeigen, was die amerikanische Gesellschaft ausmacht.

Moores roter Argumentations-Faden allerdings beginnt mit einer Statistik, die die Schusswaffentoten in den Industrienationen zeigt. Hier fallen die Vereinigten Staaten als besonders aggressives Volk auf. Naheliegend für die hohe Quote scheinen die freizügigen Waffengesetze in den meisten amerikanischen Staaten zu sein. Dagegen spricht aber zum Beispiel, dass Kanada ebenso freizügig im Umgang mit Waffen ist und eine wesentlich geringere Mordquote vorzuweisen hat. An dieser Stelle vergleicht Moore das Medienverhalten der beiden Staaten und zeigt wie besonders die US-amerikanische Medienlandschaft mit Angst-Suggestion Quote und Kasse macht. In Kanada allerdings lässt man sogar stets die Haustür offenstehen, so beweist Moore. Liegt es an den Medien?

Die Reportage ist zu grossen Teilen mit einer einfachen Digitalkamera aus der Hand gedreht und zeigt den Journalisten bei der Arbeit. Um die Klasse des Interviewstils von Michael Moore nicht zu verdecken, sind diese Teile der Reportage mit deutschen Untertiteln versehen und werden in englischer Sprache gezeigt. Moore entlarvt in fast allen Interviews durch geschickte Fragestellung und hartnäckiges Nachfragen seine Gesprächspartner. In Bowling for Columbine besucht der Doku-Filmer unter anderen den Schockrocker Marilyn Manson, den Waffenlobbyisten Charlton Heston und einen der Macher des TV-Comic-Erfolgs South Park, der ebenfalls aus Littleton stammt. Die Teile der Dokumetation, die aus dem Off gesprochen werden sind allerdings in deutscher Sprache. Grosse Stücke des Zwei-Stunden-Meisterwerks sind trotz des anspruchsvollen Themas mit feiner Ironie versehen. Dramaturgie und Schnitt unterstreichen den unverwechselbaren Reportagestil und fesseln den aufmerksamen Zuschauer.

Eine weitere Besonderheit in Moores Arbeiten ist sein spontanes soziales Engagement auch in aussichtslosen Fällen. So zeigt die Reportage, wie Moore mit zwei Amokopfern enorm einfallsreich die Supermarktkette K-Mart unter dem Druck der Öffentlichkeit überzeugen kann, keine Waffen-Munition mehr in ihren Regalen zu führen. Eindrucksvoll. Messerscharfe Kritik. Herbe Ironie, aber Gestaltungswille und Engagement.

Bowling for Columbine ist nicht nur für politisch- und sozialinteressierte Menschen ein Muss und verspricht in jedem Fall viel Diskussionsstoff im Freundeskreis zu liefern. Sehr empfehlenswert und trotz sichtbarem moralischen Zeigefinger und nicht unbedingt immer objektiver Bericherstattung erhält der Film von mir das Qualitätsprädikat "Wertvoll".

Bowling for Columbine ist seit 2003 auf DVD erhältlich.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Noralein

Noralein

24.02.2004 16:16

Dieser Dokumentar Film ist einfach klasse. nachdem ich den Film gesehen habe habe ich angefangen Michael Moors Bücher zu lesen und auch diese kann ich nur jedem empfehlen.

lordmaster

lordmaster

20.02.2004 21:02

der film ist in jedem fall genial und das buch sollte man auch gelesen haben!! gruß lordmaster

colada1985

colada1985

20.02.2004 20:43

..sehr schöner, ausführlicher und aussagekräftiger bericht! habe mir vor einiger zeit die dvd zugelegt und war ganz begeistert. also davon, dass herr moore sich auf die suche nach antworten gemacht hat und nicht von der einstellung der amis. einige sachen haben mich wirklich erschüttert, an anderen stellen konnte ich nur den kopf schütteln..auf jeden fall muss man diese doku wirklich gesehen haben. greetz, imke

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  1. Noralein

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