ICH WAR GESCHOCKT!
28.02.2002
Pro:
gefühlvoll, authentisch, dramatisch, gute Darsteller
Kontra:
nichts
Empfehlenswert:
Ja
 Ellen20
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:155
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 83 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Wer kennt das nicht? Lange verregnete Samstage an denen man eigentlich nicht weiter machen kann als sich wahllos durchs Fernsehprogramm zu zappen. So ein Samstag war auch der Letzte und ehrlich gesagt bin ich froh darüber, denn sonst hätte ich wahrscheinlich nie den Film gesehen, der eine solche starke emotionale Wirkung auf mich ausüben konnte, und zwar „Boys don`t cry“, ein dramatisches Werk über die Existenzsuche einer jungen Erwachsenen. Vorwort *~*~*~* Dazu möchte ich sagen, dass der gesamte Inhalt mit kleinen Abweichungen auf einer wahren Begebenheit basiert, welche sich vor einigen Jahren, genauer gesagt 1993 in Nebraska zugetragen hat. Die Namen der im Film handelnden Personen, sind auch gleichzeitig die Namen jener, die in Wirklichkeit an der Tragödie beteiligt waren. Ebenso geben die abschließenden Einblendungen am Ende von „Boys don`t cry“ die weiteren Lebenswege der echten Personen an.
Inhalt *~*~* Die Story beginnt in Lincoln, Nebraska. Teena Brandon ist dort mit weiblichem Geschlecht af die Welt gekommen, musste aber im Laufe ihrer Jugend feststellen, dass sie lieber als Mann leben, Frauen lieben und von ihnen geliebt werden möchte. Also schneidet sie sich die Haare kurz, schnürt ihre Brüste mit engen Bandagen ab, trägt weite Sachen und benimmt sich auch sonst wie ein Mann. Eines Abends macht sie die Bekanntschaft mit Candace, John und Tom, die sie mit nach Falls City nehmen, einem trostlosen, öden Ort, wo der Alltag im Wesentlichen aus Alkohol, Drogen und sinnlosem Rumhängen besteht. Aber Teena, die ihren Vor- und Nachnamen mittlerweile getauscht hat und folglich nun Brandon Teena heißt, fühlt sich wohl dort und ist glücklich, dass alle sie für einen Mann halten und keiner ihre wahre Identität auch nur im Geringsten zu ahnen scheint.
Und auch die „Provinzler“ scheinen begeistert von dem jungen Mann und die Frauen zeigen übermäßig großen Interesse an ihm. Brandon alias Teena fühlt sich jedoch immer mehr hingezogen zu der unscheinbaren Lana, die zusammen mit ihren alkoholkranken Mutter und John in einem Trailer wohnt. Die beiden kommen sich langsam aber sicher näher. Bei einer ihren ersten sexuellen Erlebnisse zusammen merkt Lana, dass Brandon eigentlich eine Frau ist, aber akzeptiert das. Durch einen Scheckkartenbetrug, den Brandon in früheren Jahren mal gemacht hat, kommt plötzlich seine eigentliche Identität ans Tageslicht und er sieht sich konfrontiert mit den verärgerten Provinzlern, deren Weltoffenheit und Toleranz einfach nicht vorhanden ist. John und Tom, die vorher sehr gut befreundet mit Brandon alias Teena waren, entführen und misshandeln sie um sie zum Schluss aufs brutalste zu vergewaltigen.
Brandon geht zusammen mit Lana zur Polizei und erstattet Anzeige. Dadurch und durch die Transsexualität des jungen Mannes bzw. der jungen Frau laufen Tom und John schließlich Amok und erschießen Brandon und Candace, Mutter eines kleinen Babys und alles vor Lanas Augen. Damit endet der Film und der Zuschauer erfährt dass John mit der Todesstrafe bestraft wird, sein Komplize Tom bekommt mehrmals lebenslänglich. Lana hingegen verlässt Falls City, kehrt aber nach einigen Jahren wieder zurück.
Meine Meinung *~*~*~*~*~*~* Ehrlich hab ich noch nie einen Film gesehen, der mich so sehr berührt hat wie dieser, denn für mich ist es einfach unverständlich, dass es noch Menschen gibt, die Sachen wie Transsexualität einer anderen Person nicht verstehen können und dann austicken, und das alles ohne diese typische Hollywood Verarbeitung, sondern einfach nur als wahres Dramas ohne viel Kitsch. „Boys don`t cry“ selber ist ein sehr gefühlvoller Film, der das Leben einer normalen jungen Frau wiedergibt, die sich als Frau nicht wohl fühlt und sich auch so nicht akzeptieren kann. Einzelne Handlungen zeigen, wie schwer es ist das Geheimnis für sich zu behalten und dass man dabei recht kreativ sein muss.
Die gesamte Geschichte ist unheimlich atmosphärisch und mit solch einer Intensität nachgestellt, dass man von Anfang an mit Teena Brandon mitfühlen kann. Ich hab selten einen Film gesehen, dessen Inhalt so schmerzhaft auch für den Zuschauer ist ohne jegliche Zugabe von übertriebenen Gefühlen. Gleichzeitig war ich unheimlich begeistert von der Hauptdarstellerin Hillary Swank, die im Jahr 2000 auch dafür den Oscar für die beste weibliche Hautrolle bekam. Den gesamten Film über glaubt man, tatsächlich einen Mann vor sich zu haben. Ich glaube es ist unvorstellbar mit welchem Gewicht diese Rolle verbunden ist, da man einerseits die eigene Sexualität für kurze Zeit wechseln muss und man andererseits auch ein Tabuthema damit darstellt. Ebenso die anderen Schauspieler haben mich überzeugt, vor allem die der Lana, mit deren Rolle ein ebenso schweres Gewicht verbunden ist.
Das Ende kam für mich einfach nur schnell und schockend, denn es zeigt die eigentliche Aussage des Film: Toleranz und Achtung vor der Menschenwürde. Alles in allem ist es für mich einer der besten Filme die jemals gedreht wurden, allerdings nur für Leute die typische Hollywoodfilme manchmal satt haben und ein authentisches Drama bevorzugen.
Alles Liebe, Ellen
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30.03.2004 21:39
Hab den Film gerade gesehen, du hast die Eindrücke des Films gut in deinen Bericht integriert.
25.03.2003 11:47
Toller Bericht, werde mir den Film mal demnächst anschauen! mfg Steve
25.05.2002 01:50
ich habe den Film noch nicht gesehen, aber nach deinem guten bericht (schleim), würde ich ihn mir angucken, ja auch Männer (manche,... also eigentlich nur ich ;-) schauen sich gerne mal Filme mit Inhalt an.