IDENTITÄTSKRISE!
6. Mai 2004
Pro:
Problemschilderung .
Kontra:
Klischees .
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Action:
Anspruch:
Humor:
Romantik:
Spannung:
mehr
 Laundry
Über sich:
Hallo ihr Lieben! Viele liebe Grüße aus dem Siegerland wünscht euch Jens :-)
Mitglied seit:05.06.2002
Erfahrungsberichte:265
Vertrauende:46
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 75 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo ihr Lieben! Heute präsentiere ich euch das Drama ,,Boys don’t cry“ mit Hilary Swank in der Hauptrolle. Der Plott:
Teena Brandon ist 18 Jahre jung. Schon seit ihrer Kindheit fühlt sie sich, als wäre sie im falschen Körper geboren worden, weil sie sich zunehmend wie ein Junge verhält und immer mit einem blauen Holzfällerhemd und einer Kurzhaarfrisur rumläuft. Dennoch gibt sie es nicht zu, dass sie sich zu Frauen hingezogen fühlt. Am Anfang ist es für sie wie ein Spiel, weil bei ihren Dates mit Mädchen, diese immer glauben, sie würden einen Jungen küssen, sehr zu Teenas Belustigung und Befriedigung. In einer Bar lernt Teena Candis kennen, ein hübsches blondes Mädchen, der sie sich jedoch als Brandon vorstellt. Gerade, als sie sich gut unterhalten, kommt ein alter Mann zu Candis und macht sie auf widerlichste Weise an. Da rastest Brandon total aus und es kommt zu einer Prügelei zwischen den beiden, wobei Brandon zu
schwach ist, sich ordentlich wehren zu können. Sie flüchtet mit Candis und noch zwei anderen Typen aus der Bar und gemeinsam fahren sie nach Falls City, weil dort eine große Party stattfinden soll.
Doch es kommt ganz anders. Schon auf der Hinfahrt schläft sie ein und daraufhin bringen die anderen sie in ein verlassenes Haus und lassen sie dort alleine. Am folgenden Abend geht Brandon wieder in eine Bar mit Candis und ihren zwei Kumpels. Dort sieht sie Lana auf der Bühne Karaoke singen und ist sofort hin und weg. Ihre freche, draufgängerische Art turnt sie an. Brandon denkt gar nicht ans zurückfahren. Was erwartet sie auch in Lincoln? Zu ihren Eltern hat sie schon lange keinen Kontakt mehr, sie haben ihre Neigung bemerkt und wollten sie in eine psychiatrische Anstalt stecken. Dem zur Folge ist sie von zu Hause abgehauen und hat jahrelang bei ihrem Kumpel Lonnie gewohnt. Lana ist beeindruckt von Brandon’s Standhaftigkeit beim Pick-up-surfen und eines Abends trifft Brandon sie an einer Tankstelle. Sie scheint ein kleines Alkoholproblem zu haben, denn sie bittet einen Trucker für sie Bierdosen zu kaufen, weil der Kassierer Lana kennt und weiß, dass sie kein Geld hat und nur kommt, um Stress zu machen. Doch dann kommt Brandon ins Spiel. Sie kauft ihr die Bierdosen und zusätzlich noch einen Ring...
Meine Meinung: Zunächst mal muss man sich Teena/Brandon so vorstellen: Sie sieht aus, wie ein 13-jähriger Junge und spricht, als wäre sie gerade in den Stimmbruch gekommen. Ich finde es ein bisschen schade, dass auch hier wieder mit Klischees gespielt wurde. Denn wer sagt denn, dass Lesben unbedingt kurze Haare haben müssen und dass alle Lesben sich auch jungenhaft kleiden? Teena befindet sich in einer richtigen Identitätskrise, meiner Meinung nach. Sie weiß noch nicht so richtig, ob sie jetzt einfach nur eine Lesbe ist oder ob sie auch fühlt wie ein Junge und somit meint, sich im falschen Körper zu befinden. Eigentlich ein Zustand, dem man keinem wünschen würde, denn erstens belügt man sich selbst und zweitens auch seine Mitmenschen.
Ganz schlimm finde ich ja Lana’s Trinkerfamilie. Die Mutter liegt den halben Tag besoffen auf der Couch und Lana und ihre zwei Kumpels gehen immer auf Sauftour oder rauben Läden aus oder rauchen Joints. Mal ein bisschen abheben ist ja noch zu verzeihen, aber man sollte es nicht übertreiben und abhängig werden. Man sollte seine Grenzen schon ganz genau kennen, um so etwas zu machen oder erst gar nicht damit anfangen. Krass finde ich jedoch die Szene, wo einer der Kumpels Lana’s kleiner Schwester, die vielleicht gerade mal 5 ist, versucht ihr ein Bier zu geben. Tja, der Film zeigt mal, wie schnell man so richtig abdriften und in falsche Kreise geraten kann. Das Ende finde ich ein bisschen zu tragisch und brutal und ist bestimmt nicht jedermanns Sache. Dennoch schildert der Film sehr gut das Problem, dass solche Leute wie Teena, die sich in einer Selbstfindungskrise befinden, immer noch von der Gesellschaft abgestoßen werden und so in falsche Kreise geraten. Von daher gebe ich dem Film 4 Sterne.
Darsteller: Hilary Swank alias Teena Brandon, Chloë Sevigny alias Lana. Regie: Kimberly Peirce.
FSK: Ab 16 Jahren. Lauflänge: 110 Minuten.
Drehort: USA, 1999. By Laundry ;-)
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07.10.2009 20:35
Sehr hilfreicher Bericht. Liebe Grüße, Elena
01.02.2005 17:11
Hi Laundry, ich bin absolut nicht der Meinung, dass in diesem Film Klischees bedient werden. Brandon Teena war nicht lesbisch, er war ein transgender: Er wollte ein Mann sein! Deswegen ist es logisch, dass er sich männlich kleidet und aussehen möchte wie ein Mann. :) Nun bleibt nur noch Daumen drücken, dass Hilary Swank für Million Dollar Baby ihren nächsten Oscar bekommt. :) Annuk
06.05.2004 22:59
Dummerweise war aber genau das das Ende von Teena Brandon - und genau das rechne ich dem Film sehr hoch an... Er schönt das Leben der jungen Frau [lesbisch war sie aber nicht! Dann hätte sie ja nicht das Verlangen gehabt das Geschlecht zu wechseln!] Er stellt sie dar, wie sie wohl auch in der Realität ausgesehen hat... Und zeigt ihre Verhaltensweisen, wie sie wohl auch an den Tag gelegt hat... Auf jeden Fall ein Film, der sehr verstörend ist und mich damals im Kino niedergeschlagen zurückgelassen hat... War verdammt begeistert, dass Hilary Swank für diesen Indie-Film damals auch in der großen Glamour-Welt Anerkennung in Form des Oscars und Golden Globes gefunden hat... Normalerweise werden solche kleinen Filme ja gerne übersehen... carpe diem - JENS