Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Sie ist eine der schönsten Vogelspinnen überhaupt |
| Kontra: |
Sie ist sehr schreckhaft und launisch |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Liebe Leserinnen und Leser. Wieder einmal möchte ich euch ein wahres Juwel meiner vielen Vogelspinnenarten vorstellen. Wieder einmal möchte ich euch beweisen, dass Spinnen alles andere als hässlich und ekelig sind. Das Juwel was ich euch heute vorstellen möchte ist die Brachypelma boehmei. Ich liebe diese hübsche Spinne wirklich sehr – und nachher werdet auch ihr wissen warum.
Herpetologische Fakten
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Die B. bohemei stammt aus Mexiko und erreicht eine maximale Körperlänge von 8 cm, somit zählt sie zu den mittelgroßen Vogelspinnen dieser Welt. Sie ist eine bodenbewohnende Spinne, die in ihrer Heimat zumeist in Röhren wohnt (dazu gleich mehr). Ihr Carapax (das gepanzerte Oberteil worauf die Augen sitzen) ist Goldbraun, ihr Hinterleib schwarz. Eine wahre Pracht sind ihre stark behaarten Beine, die in einem leuchtenden Orange erscheinen, wobei das letzte Glied meist schwarz bleibt.
Die Brachypelma boehmei lebt im westlichen Teil Mexikos und zwar im Sierra Madre Occidental – also einer Wüste. Dort ist es fast das ganze Jahr staubtrocken und es herrschen dort Tagestemperaturen bis zu 45 Grad, wobei nachts die Temperatur auf 26 Grad absinkt. Da in dieser Wüste eine sehr starke Sonneneinstrahlung herrscht, hat sie Probleme damit, deswegen geht sie meist nachts und in den frühen Morgenstunden auf die Jagd um alsdann so schnell wie möglich wieder in ihrem Schlupfwinkel zu verschwinden. Diese Spinne hat sich also hervorragend an dieses lebensfeindliche Klima angepasst.
Die Haltung im Terrarium
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Die Haltungsbeschreibung möchte ich hier nicht unbedingt wieder aufschreiben, weil ich das auch schon bei den anderen Artenvorstellungen ausreichend getan habe. Allerdings möchte ich die speziellen Anforderungen aufzählen, die diese Spinne braucht und sie uns ermöglicht, sie in ihrer vollen Farbenpracht zu erleben.
Die B. boehmei halte ich in meinem Terrarium möglichst trocken, da sie ja auch aus einer Wüste stammt. Es ist allerdings auch darauf zu achten, dass immer frisches Wasser in einem Näpfchen zur Verfügung stehen muss, woraus die Spinne bei bedarf trinken kann. Die Temperaturen im Terrarium sollten etwas höher sein als bei anderen Spinnen – die beste Temperatur liegt bei etwa 28 Grad. Einmal im Jahr wird die Erde im Terrarium einen Monat lang feucht (nicht Nass) gehalten, damit es so wie auch in der Natur ist und sich die Spinne wohl fühlt. Diese Feuchtperiode läutet dann auch die Fortpflanzungszeit ein. Beginnt die Spinne damit einen Kokon zu bauen – dauert es 5 Monate bis sich etwa 400 Jungspinnen aus ihm befreien können. Auch in der Kokonzeit sollte man die Luftfeuchtigkeit etwas erhöhen indem man eine Ecke des Terrariums immer feucht hält.
Nun. Wenn man das Terrarium nicht beleuchtet, dann wird man feststellen, dass die Spinne doch eher Beige als Orange aussieht. Das verhält sich deswegen so, weil auf dem Panzer bzw. auf den Beinen Pigmente sind, die das Licht zurückstrahlen – so wie bei Schmetterlingen auch. Deswegen beleuchtet man das Terrarium tagsüber mit einer Gro – Lux Neonlampe, die man in der Aquarienabteilung des Zoohandels erwerben kann. Aber bitte – baut sie nicht im, sondern über dem Terrarium an, da die Spinne gerne auch klettert und sich verbrennen könnte.
Erfahrungen, Entdeckungen und Sonstiges
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Ich bekam meine B. boehmei als winziges Spinnenbaby von einem renommierten Forscher bzw. Entdecker auf diesem Gebiet und war neugierig darauf, mit welchem Tier ich es wohl zu tun hätte. Es machte mir Spaß zuzusehen wie sie aufwuchs und sie an Selbstbewusstsein zunahm. In dieser Zeit lernte ich auch mit ihr umzugehen und wusste nach und nach, worauf ich mich bei ihr eingelassen habe. Anfangs sah sie doch recht unscheinbar aus – nun wo sie zum Teenager herangewachsen ist und in voller Farbe im Terrarium sitzt, gefällt sie mir unheimlich gut. Die B. boehmei lernte ich als recht launisch und schreckhaft kennen. Das äußert sich daran, dass sie nur viel zu schnell bombardiert und das Terrarium mit ihren Brennhaaren einnebelt. Es reicht schon, wenn man nur etwas zu unvorsichtig die Terrarienscheibe öffnet oder gar darin hantiert. Gebissen hat sie bisher noch nie, obwohl sie manchesmal gedroht hat. Die B. boehmei ist im Grunde keine aggressive Spinne – trotzdem sollte man vorsichtig mit ihr umgehen.
Wie man von mir weis, bin ich ab und an mal in Kindergärten, Grundschulen und Ausstellungen unterwegs um meine Lieblinge auch anderen Leuten vorzustellen und um Ängste bzw. Vorurteile aus der Welt zu räumen. Ich stellte dabei sehr oft fest, dass selbst die lautesten „Ieeeeh Spinne“ Rufer immer vor einem Terrarium stehen blieben – vor dem, worin sich die B. boehmei befand. Plötzlich erzählte man mir „Ich finde Spinnen ja ekelig und furchtbar – aber die, die sieht ja herrlich aus“. Ja, herrlich – genau so sieht sie aus, dass geben auch Spinnenhasser etwas kleinlaut zu – und als herrlich empfinde ich sie ja auch selbst. Sie ist nicht umsonst eine der schönsten Vogelspinnen, die der Planet zu bieten hat.
Im Terrarium ist die bohemei eine der wenigen Spinnen, die sich kaum verstecken – sie sitzt eigentlich immer außerhalb ihres Versteckes herum oder sie wühlt mit Begeisterung in der Erde herum. Bei mir hat das Tier regelrecht das halbe Terrarium umgegraben – sie ist also recht mobil – tagsüber wie auch nachts.
Etwas wichtiges gehört noch hier in den Bericht – und zwar folgendes:
Die Brachypelma boehmei ist keine billige Spinne – je nachdem wo man sie kauft, kann man locker mit einem Mindestpreis von 70 Euro für ein subadultes Tier (ein Tier, das kurz vor der Geschlechtsreife steht) rechnen (ohne Gewähr dafür welches Geschlecht sie haben wird, was für die Lebenserwartung wichtig ist). Weiter wichtig ist die momentane Gesetzeslage. Alle Brachypelmaarten stehen auf dem Artenschutzindex d.H. wer sich ein solches Tier aus dem Zooladen kauft und was importiert wurde, ist meldepflichtig und es sind die so genannten Cites – Papiere nötig. Diese Meldepflicht entfällt allerdings, wenn es sich um Nachzuchten handelt (allerdings sollte man sich den Kaufbeleg aufbewahren).
Wer sich nicht daran hält, der handelt gesetzeswidrig – und das wird hart bestraft.
Ich selbst finde so ein Gesetz sehr wichtig, denn übel wurden den Brachypelmen mitgespielt. Ausgangspunkt für dieses Gesetz war die Brachypelma smithy, die kurz vor dem Aussterben stand. Klar – sie ist eine hübsche, imposante und relativ friedliche Spinne. In Horrorfilmen wurde sie oft eingesetzt – und zu tausenden getötet. Möchtegern Halter folterten sie in ihren Terrarien durch falsche Haltung zu Tode und auf Transporten nach Europa starben unglaublich viele – und natürlich durch die Zerstörung ihrer natürlichen Lebensräume.
Heute haben sich die Bestände wieder auf ein natürliches Maß eingependelt – zu verdanken haben wir das Zuchtprogrammen und Hobbyzüchtern wie ich einer bin. Dadurch sind Importe nahezu unnötig geworden und viele Spinnen wurden durch unsere Bemühungen wieder in ihrer Heimat ausgesiedelt. Trotzdem besteht dieses Schutzgesetz weiterhin – und ich hoffe, dass dies auch noch lange so bleiben wird. Deswegen appelliere ich nochmal an alle Interessierte – die sich eine Spinne zulegen wollen. Kauft euch Nachzuchten – aus dem eigenen Land. Dadurch bleiben die natürlichen Bestände unberührt; ihr wisst das ihr gesunde Tiere bekommt und diese Tiere wurden nicht gequält. Naja, andere Vorteile hat es auch – ihr seht sie aufwachsen, denn verkauft werden nur Spinnenbabys; ihr könnt euch an ihr Wesen gewöhnen und die Tiere sind nicht so nervös wie importierte Tiere. Also tut euch und dem Tier einen Gefallen – kauft euch Nachzuchten und überlegt vorher genau, ob ihr so ein Tier halten könnt, denn wie alle Lebewesen sind auch Spinnen kein Wegwerfprodukt.
Liebe Grüße euer Schiller1971 Anno Domini 2005
P.s.: Fotos wird es geben, ich muss sie nur etwas aufarbeiten, habt bitte etwas Geduld mit mir.