bahnbrechende Erkenntnisse zweifelhafter Qualität
07.03.2006 (04.06.2006)
Pro:
einige wenige interessante Fakten
Kontra:
viel Blablabla
Empfehlenswert:
Nein
 IQIQIQ
Über sich:
Aha - hier ist also alles beim Alten! - Auf die "Politik" hab ich nach wie vor keinen Bock...
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Wie diejenigen von euch, die schon andere Erfahrungsberichte von mir gelesen haben, sicher wissen, leihe ich mir normalerweise Spielfilm- oder gelegentlich TV-Serien-DVDs aus. Aber beim Stöbern stieß ich auf diese DVD, und da die Beschreibung mich neugierig machte, setzte ich sie auf meine Wunschliste und bekam sie auch nach kurzer Zeit. Die Beschreibung hatte versprochen, das "Mysterium" Liebe durch wissenschaftliche "Fakten" zu entzaubern, der Untertitel der DVD lautet: "Warum wir uns verlieben". Da ich gerade frisch verliebt bin, interessierte mich das sehr.
Ich war also ziemlich gespannt, als die DVD bei mir eintraf. Ob die erste Enttäuschung, die ich erlebte, ein Fehler der DVD war, kann ich nicht mit Sicherheit sagen - jedenfalls ließ sich die DVD nicht abspielen. Aber ich erhielt innerhalb von zwei Tagen Ersatz vom DVD-Verleiher (-> Amazon, mit hervorragendem Service), und siehe da - diese DVD ließ sich abspielen. Leider musste ich später feststellen, dass auch diese DVD nicht perfekt lief, sondern ne ganze Menge "Ruckler" hatte. Aber egal, jedenfalls konnte ich sie sehen. Ich kann natürlich wegen zwei Leih-DVDs nicht sagen, ob diese schlecht produziert sind oder ob es einfach am Versand lag - immerhin werden Verleih-DVDs in ziemlich dünnen Umschlägen verschickt. Andererseits hatte ich vorher niemals eine nicht abspielbare DVD von Amazon erhalten, und Ruckler kommen zwar meiner Erfahrung nach bei Leih-DVDs gelegentlich mal vor, aber nicht in diesem Ausmaß. Inhaltlich war die DVD leider aber ebenfalls eine große Enttäuschung. Es fängt an mit völlig nichtssagenden Spielszenen eines Pärchens, die sich auch weiter durch die ganze Doku ziehen. Dazu griechische Gedichte ... schön, aber irgendwie hatte ich die DVD doch nicht wegen Lyrik, sondern wegen Wissenschaft ausgeliehen. Die Wissenschaft kam dann schließlich doch noch zu Wort - in Gestalt eines deutschen (oder österreichischen? - ganz klar wurde das nicht) Forschers, der sich allerdings offensichtlich vor allem mit statistischen Fragestellungen beschäftigt, und einer amerikanischen "Anthropologin", die sich allerdings nach dem, was man dann im weiteren Film erfuhr, wohl vor allem als Autorin von Beziehungsratgebern betätigt. Einer erzkonservativen noch dazu, denn sie gab so Sachen von sich, wie: Ein Baby ist der komplexeste Organismus der Welt, es braucht mindestens einen Mann und eine Frau, um es aufzuziehen. Eine Aussage, die in meinem Bekanntenkreis einige alleinerziehende Eltern mit wohlgeratenen Kindern ganz bestimmt nur ungern so stehen lassen würden ... Aus der Ecke der Forschung kam dann immerhin ein interessanter "Fakt", nämlich dass der Balken, der die rechte mit der linken Gehirnhälfte verbindet, bei Frauen breiter ist als bei Männern, was es Frauen erleichtert, "vernetzt" zu denken, während das Denken bei Männern weniger Energie erfordere. Allerdings habe ich angesichts der Qualität der übrigen von der Doku vermittelten "Fakten" so meine Bedenken, ob diese Aussage wirklich so stimmt. Munter geht es in der Doku weiter mit einem Faktenmischmasch, so konnte ich etwa erfahren, dass Bonobos (eine Menschenaffenart) Sex mit vielen verschiedenen Partnern, darunter sogar gleichgeschlechtlichen haben, ohne dass irgendwer eifersüchtig wird, während Gorillamänner extreme Eifersucht an den Tag legen. Die Schlüsse, die daraufhin über Menschen gezogen werden, ließen sich aber nicht wirklich von diesen Beobachtungen ableiten. Auch sonst ging es tierisch zu, etwa als irgendwelche Insektenmännchen ihren Weibchen was zum Fressen mitbrachten, bevor sie sich paaren durften ... Ist nur noch ein ganzen Stück weiter vom Menschen entfernt als die Menschenaffen, aber wir wollen ja nicht kleinlich sein. Der Forscher hatte noch ein paar tolle Experimente beizusteuern. Da wurden Männer nach der Attraktivität des Geruchs eines T-Shirts befragt, das Frauen eine Woche lang angehabt hatten. Die erste Frage, die ich dazu hätte, wäre: Wie verzweifelt muss man sein, um an so einem Experiment teilzunehmen (egal, ob Mann oder Frau?). Der Schluss: gutaussehende Frauen riechen auch besser. Meine Erfahrung hat mir neulich gerade was anderes gesagt: Ich saß im Kino neben einer umwerfend aussehenden Frau, die offenbar das Deo vergessen hatte ... Nächstes Experiment: Da werden in der Disco Frauen, die viel Haut zeigen, gebeten, ihren Östrogenspiegel per Speichelprobe feststellen zu lassen. Wieder was gelernt: Ich wusste bisher nicht, dass man Östrogen im Speichel feststellen kann, es wird aber wohl so sein. Dafür kenne ich mich ganz gut mit Statistik aus und weiß deshalb, dass ein Experiments, wo man - wie hier zumindest gesagt wurde - nur Frauen zum Test bittet, die viel Haut zeigen, von vornherein nur zu verzerrten Ergebnissen führen kann. Wenn man beweisen wollte, dass Frauen, die viel Haut zeigen, einen höheren Östrogenspiegel haben als andere (wie hier geschlossen wurde), dann müsste man einen Querschnitt durch alle Frauen zum Test bitten. Nur dann könnte man feststellen, ob der Östrogenspiegel bei Frauen, die viel bzw. wenig Haut zeigen, unterschiedlich ist. Aber es wurde noch abstruser: Im Brustton der Überzeugung wurde mitgeteilt, dass Frauen bei Männern vor allem mit Schönheit und Jugend punkten können, und Männer bei Frauen vor allem mit Status und einer dicken Brieftasche. Das wurde dann gleich noch ausgeweitet, um eine biologische Erklärung für Prostitution zu liefern. Und dann eine wirklich bahnbrechende Erkenntnis: Wenn aber Sympathie und Interessen stimmen, dann kann selbstverständlich auch ein Mann eine Frau erobern, die einen höheren Status hat als er. Na, Gott sei dank, ist man geneigt zu sagen. Allerdings habe ich das mit purer Hausfrauenpsychologie auch vorher schon gewusst.
DVD-Extras: Sprachen Deutsch und Englisch Trailer zu anderen DVDs Quiz Internetlinks FSK 6 - wobei ich ganz bestimmt Kindern (egal ob 6 oder 16) die verschrobenen Aussagen dieser DVD nicht zumuten würde, weder die Aussage, dass ein Kind unter allen Umständen Mama und Papa braucht, noch das krasse Gegenteil, nämlich dass Prostitution absolut biologisch erklärbar sei.
Fazit: Große Enttäuschung. Die Doku bietet kaum Neues, und das, was sie bietet, stellt sie so dar, dass zumindest Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Schlüsse bleiben. Einfach lachhaft! Noch dazu der Preis: EUR 19,99 für nicht ganz eine Stunde Laufzeit, im Verleih zum Glück erheblich günstiger.
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05.06.2006 22:41
Nun, ich hatte mal bei Galileo ein paar interessante Sachen über das Thema gehört, aber ich würde mir dazu keine DVD holen. Und meiner Meinung nach ist ungefähr hier die Grenze, wo Wissenschaftler aufhören sollten zu forschen. Denn was wäre, wenn sämtliche Geheimnisse über die Liebe gelüftet würden? LG Christian
05.06.2006 14:58
...ich glaube, auch mich hätte sie, bei dem was Du geschrieben hast, arg enttäuscht.
04.06.2006 18:12
Was es heute nicht schon alles auf DVD gibt, ist ja wahninn. Super Bericht, Lg Tiziana