Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Spannung, Länge |
| Kontra: |
Schluss - Lösung nicht überzeugend |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Die Brandmauer Hörspiel Henning Mankell
••• Vorwort •••
In meiner geplanten Wallander Reihe stellte sich die Frage, zuerst die hintere oder doch die vordere Lücke der besprochenen Romane schließen? Nun, aus einer günstigen Gelegenheit heraus entschloss ich mich zum ersteren (Der "fertiggestellte" Kontrabass von Süskind hängt noch immer in der Warteschleife :-( ).
Die Brandmauer gab es recht günstig als Hörspiel auf drei CDs zu ersteigern mit der erfreulich langen Spieldauer von über 170 Minuten.
Wer nicht so viel Glück hat, erhält bei amazon.de für 14,95 Euro zur Zeit noch ohne Versandkosten oder gebraucht ab 8,90 Euro, dann jedoch zusätzlich 3 Euro Versand, die CDs.
Die ISBN Nummer für Bestellungen in einem Geschäft lautet 3895845795, wobei der Richtpreis des Hörverlags 17,90 Euro beträgt.
Wegen einer fiebrigen Grippeerkrankung mochte ich eh weniger lesen, sondern lieber abends im Bett zuhören. Daher also zunächst Die Brandmauer, bis ich mit den restlichen zwei Bänden, Mörder ohne Gesicht (angefangen zu lesen habe ich schon) und Die weiße Löwin die Wallander Reihe voraussichtlich beenden werde.
Mörder ohne Gesicht wird allerdings nur auf YOPI zu lesen sein, da CIAO halt bestimmte Buchtitel nicht honoriert. Schreiben werde ich aber auf jeden Fall, weil ich nach dem Lesen so das Gelesene besser verarbeiten kann und mich Jahre später schneller erinnere, ob bereits gelesen oder nicht.
••• Inhaltsanriss •••
Vorweg, obwohl das Hörspiel diesmal erfreulich lang ist, reicht es trotz seiner 170 Minuten an Vermittlung der Hintergründe nicht an das Buch heran. Doch dazu mehr in der Bewertung.
Das Hörspiel, Einleitung auf mich melancholisch wirkende Musik, beginnt mit dem Todesfall, Fremdeinwirkung oder nicht bleibt leicht unklar, des PC-Spezialisten Falk, der gerade seine Kontoauszüge überprüft hat. Kurz darauf oder fast gleichzeitig, bleibt ebenfalls im Hörspiel etwas unklar, letztlich ohne Bedeutung, wird ein älterer Taxifahrer von zwei jungen Mädchen, 14 und 19 Jahre, ausgeraubt und dabei brutal lebensgefährlich verletzt. Der Taxifahrer stirbt später im Krankenhaus. Das vorgeschobene Motiv der beiden, sie hätten Geld gebraucht, ist von Beginn an nicht glaubwürdig, denn wer sucht sich ein Raubopfer aus, von dem er weiß, dass es zu diesem Zeitpunkt, vor Arbeitsbeginn, kaum Geld dabei haben kann?
Für mich viel zu spät gelangen die Ermittler auf das wirkliche, klassische Motiv: RACHE. Warum sich die junge Frau ausgerechnet an den Vater ihres Feindes rächt, bleibt im Hörspiel leider sehr unklar und wenig überzeugend dargestellt.
Dann passiert eine fast groteske Panne. Die 19jährige Haupttäterin entflieht ohne große Anstrengung aus dem Vernehmungsbereich, nachdem man sie eine Zeit lang unbeaufsichtigt ließ! Ihre Flucht beendet sie als verkohltes Mordopfer in den Drähten einer Hochspannungsstation, damit einen größeren Stromausfall in weiten Gebieten Schonens auslösend.
Nach und nach wird eine Verbindung zwischen dem Umfeld der Taxifahrermörderinnen und dem PC-Spezialisten deutlich. Weitere Mordopfer aus diesem Umfeld folgen, bis endlich über den außerordentlich gut gesicherten PC eine heiße Spur entdeckt wird.
Doch vorher muss erst die FIREWALL (Brandmauer?) des PCs geknackt werden.
Mehr soll vom Inhalt, die persönlichen Rückblenden Kurt Wallanders und seine Büroprobleme habe ich mal beiseite gelassen, der Spannung wegen nicht verraten werden.
••• Bewertung •••
Dem Hörspiel bzw. der Spannung im Hörspiel kommt es durchaus zu gute, dass im Hörspiel auf Nebenschauplätze, z.B. die Beerdigung des jugendlichen Mörders aus Die falsche Fährte, verzichtet wird. (Ich selbst habe in einem E-Book nachgelesen, um herauszufinden, ob einige Unklarheiten des Hörspiels vielleicht in der Buchfassung geklärt werden, was tatsächlich teilweise auch der Fall ist.)
Andererseits ergibt sich daraus eine andere Stimmung. Die Person Wallander erscheint im Hörspiel dadurch viel zielstrebiger als im Roman.
Auch Zusammenhänge werden durch Kürzungen im Hörspiel schwerer oder erst später erkannt, der Dynamik bzw. Spannung förderlich, dem psychologischen "Tiefenverständnis" eher hinderlich. Insgesamt werte ich die Straffung aber eher positiv. Ein Hörspiel braucht eben eine andere Dramaturgie als ein Roman.
Was mir bei diesem Hörspiel ausgesprochen gut gefällt, ich fühlte mich recht häufig "mittendrin" statt nur als Zuschauer dabei, insbesondere bei den Szenen zu den Sitzungen des Ermittlungsteams. Obwohl nur gehört, werden die Personen in ihrer Individualität recht deutlich, unverwechselbar, egal ob es sich dabei um den tüchtigen aber intriganten Kollegen Martinsson oder um die Polizeichefin Lisa Holgersson handelt.
Positiv schätze ich die Verbindung der dramatisch gut inszenierten Hörspielszenen, gestaltet durch hervorragende Toneffekte, durch den beruhigenden Erzählstil des Sprechers ein.
Kritisch bleibt anzumerken, wie leider recht oft bei Mankells Wallander, die Darstellung des kriminaltechnisch nicht überzeugenden Schlusses. Die Auflösung bleibt im Hörspiel leicht unklar und für mich nicht besonders glaubwürdig. Hochintelligente Täter verhalten sich plötzlich ausgesprochen dämlich.
Auch die Abspannszene, als Wallanders Tochter ihrem Vater überraschend ihren Entschluss Polizistin zu werden mitteilt, wirkt im Roman erheblich differenzierter, echter und stimmiger zur Person Kurt Wallanders als im Hörspiel.
Zusammenfassend zur Bewertung lässt sich sagen, dass dramaturgisch das Hörspiel prägnanter wirkt, allerdings auf Kosten psychologischer Zusammenhänge, der Differenziertheit und gleichzeitiger Widersprüchlichkeit menschlicher Denk- und Verhaltensweisen, natürlich auch der Gefühle.
Insgesamt werte ich jedoch trotz der kritischen Anmerkungen, die ja größtenteils aus dem nicht ganz zulässigen Vergleich eines Romans mit einer Hörspielform stammen, das Hörspiel für sich betrachtet ausgesprochen positiv. Aufgrund der Schlussschwäche vergebe ich 4½ Sterne, bayerisch gerundet 5 Sterne. Wen wundert da noch meine Empfehlung an alle Hörspielfreunde?
Viel Vergnügen bei einer außergewöhnlichen und doch anspruchsvollen Hörspielunterhaltung.
Lasst von euch hören bzw. lesen.
| weitere Erfahrungsberichte |
Wallander kämpft gegen Firewall!
Bewertung für Brandmauer, Die (Hörbuch) / Henning Mankell von
ArnoJakobs
Pro: gut produziert, sehr gute Musik, klasse Sprecher
Kontra: Story passt nicht zu Wallander
Heute liefere ich Euch endlich mal wieder einen Bericht in meiner Lieblingskategorie „Hörspiele“, die fälschlicher Weise bei ciao Hörbücher genannt wird. Hörbücher sind jedoch nur vorgelesene Bücher. Die meisten der aufgeführten Titel sind aber Hörspiele. ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
13.09.2002
|
Perfekte akustische Umsetzung
Bewertung für Brandmauer, Die (Hörbuch) / Henning Mankell von
Anuschka
Pro: hervorragend produziert, gute Sprecher, klasse Musik
Kontra: Lücken in der Geschichte
Irgendwie kamen wir auf die Idee uns ein Hörbuch zu kaufen. In meinem Kopf schwirrte der Gedanke schon länger herum und auch mein Mann war dem nicht ganz abgeneigt. Da entdeckten wir bei amazon "Die Brandmauer" von Henning Mankell für schlappe 8.95 Euro. ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
10.02.2003
|
German for runaways?
Bewertung für Brandmauer, Die (Hörbuch) / Henning Mankell von
tuttberg
Pro: natürliche Dialoge, spannende Passagen
Kontra: unlogischer Schluss, Mischung Geräusch und Sprache unglücklich
Diese Frage habe ich mir zumindest gestellt, als ich herausfand, dass es sich bei dem Titel "Brandmauer" um die wörtliche Übersetzung des Wortes "Firewall" ( also einem Schutzmechanismus von Computersystemen gegen Attacken von außen) handelt. Ob nun gew ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
|
sehr hilfreich
10.07.2004
|