Der Zauber der Sonne

5  09.05.2004

Pro:
Magie, Zauber, Ausgelassenheit, Bräuche, Musik, Blumen, Lachen, Feiern, Gemeinsamkeit, Erdbeeren, Sonne, ewiger Tag

Kontra:
absolut gar nichts !  !  !  !

Empfehlenswert: Ja 

Cassia

Über sich: Hallo Ihr Lieben, nach einer etwa knapp 2monatigen Pause bin ich jetzt auch wieder da und werde mich...

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Na sowas. Da fiel mir doch eben beim Stöbern im ciao Café diese nette Kategorie auf und ich fragte mich, warum da wohl noch niemand was zu geschrieben hat. Bei so einem tollen Thema mir unvorstellbar. Also werde ich euch jetzt mal ein bisschen was über den Mittsommer erzählen und damit auch ein paar Abschnitte aus meinem Leben, die unmittelbar mit diesem Fest zusammenhängen...

*‘*‘* Vorgeschichte *‘*‘*

Also als erstes muss ich euch mal meine Beziehung zu dem Land Schweden erzählen. Denn um den Mittsommer in Schweden wird es hier gehen.

Obwohl ich in Genf geboren bin habe ich eine deutsche Mutter und einen schwedischen Vater (der leider im Jahr 93 viel zu früh verstarb). Beide waren zuvor bereits einmal verheiratet und brachten beide Kinder mit in die Ehe. Mein Vater hatte in Schweden zwei Söhne und eine Tochter. Natürlich ist dementsprechend meine Bindung zu diesem Land äußerst groß, auch wenn sie in den letzten Jahren zunehmend abgenommen hat.

Trotzdem habe ich ja durchaus noch eine unheimlich große Familie in diesem wundervollen grünen Land. Diese Familie ist weitaus größer als der kleine Rest, der mir in Deutschland geblieben ist. Die meisten meiner Verwandten kenne ich gar nicht oder habe sie höchstens einmal gesehen.

Ihr werdet euch nun vielleicht fragen, warum ich euch das erzähle. Ganz einfach, weil es mit einem meiner zwei Mittsommererlebnisse zu tun hat, aber dazu mehr...


*‘*‘* Was genau ist denn nun Mittsommer *‘*‘*

Das ist ziemlich schnell und einfach zu erklären. Je weiter man in den Norden fährt, desto dunkler wird es im Winter und desto heller wird es im Sommer. Im Winter wird es ganz im Norden von Schweden gerade mal für vielleicht 3 Stunden am Tag hell. Im Sommer dagegen werden die im nördlichen Skandinavien lebenden Menschen mit nie enden wollenden Tagen für die lange Dunkelheit entlohnt...

Traditionell fällt Mittsommer auf das Wochenende, das dem 24. Juni am nächsten liegt (um hier Diskussionen vorwegzunehmen: viele behaupten am Wochenende nach dem 21., nach dem 24. oder um den 21. usw., ich kenne aber diese Version). Und was kann man in einem solchen Land schon mehr feiern als das Licht, die Sonne und das Grün???

Viele behaupten, dass es ein christliches Fest ist, an dem zu Gedenken an Johannes den Täufer gefeiert wird. Das stimmt so nicht, denn das Mittsommerfest gibt es schon wesentlich länger als das Christentum, fällt aber jedes Jahr auf den Johannestag.


*‘*‘* Die Feierlichkeiten *‘*‘*

Wer noch nie zum Mittsommer in Schweden war, der sollte dies schnellstens nachholen, denn es lohnt sich auf jeden Fall. Denn ganz Schweden ist an diesem Wochenende (an dem übrigens auch meistens die bis zu 3monatigen Schulferien anfangen) im Ausnahmezustand. Denn jeder Schwede blickt das ganze Jahr über diesem Fest entgegen.

Die meisten Schweden besitzen ein Landhaus irgendwo draußen im Grünen und meistens wird auch hier gefeiert.

Und das wiederum läuft folgendermaßen ab: Am Freitag wandern die Frauen und zum Teil auch Männer in die Wälder hinaus, um Gräser und Blüten zu sammeln. Anschließend trifft man sich nachmittags auf dem Dorfplatz (den gibt es übrigens in irgendeiner Form in so gut wie jedem ‚Feriendorf‘, und seien es nur 3 Häuser, die beieinander stehen). Hier bringen die Männer den sogenannten Maibaum hin, der unterschiedlich groß sein kann, allerdings sind bis zu 20 Meter lange Stangen keine Seltenheit.

Der Maibaum besteht anfangs nur aus einem einfachen Holzkreuz. Das Holz wird dann von den Frauen und Mädchen mit Gräsern und Blumen umwickelt und an die zwei Querstreben werden zwei große (natürlich selbstgemachte) Blumenkränze gehängt. Wenn alles schön geschmückt ist sind die Männer wieder an der Reihe, den Baum aufzustellen. Während dieser ganzen Prozedur fließt natürlich auch schon der erste Alkohol, keine Frage, das sonst ziemlich verpönte (weil teure) Getränk fließt an diesem Tag so in Strömen, dass die Alkoholläden jedes Jahr wieder einen Rekordumsatz machen...

Wenn der Baum erst mal steht geht es auch so richtig los. Frauen mit selbst gemachten Blumenkränzen auf dem Kopf und Männer mit Akkordeon und Fidel tanzen um den Maibaum herum und feiern die ewige Nacht. Viele Menschen tragen hierbei Trachten. Es wird gefeiert, gefeiert und gefeiert. Jeder ist an diesem Tag bester Laune, nett, freundlich und hat immer ein Lächeln auf den Lippen...

Am Abend folgt dann das traditionelle Heringessen, eingelegt in Essig, Zucker, Zwiebeln und Gewürzen, also Matjes mit frischen Kartoffeln und Sauerrahm. Dazu natürlich wieder jede Menge Bier und Schnaps. Und anschließend folgt das Erdbeeressen mit Sahne. Der Tag hat in ganz Schweden seinen festen Ablauf. Zwar feiern nicht wirklich alle Menschen so, aber ich möchte auf ungefähr 80 bis 85 % der Bevölkerung tippen...

Dem Tau in der Nacht des Mittsommers werden heilende Kräfte zugeschrieben und früher hat man ihn auch noch in Gläsern eingefangen.

Eine weitere Tradition, die ich natürlich auch schon mal mitgemacht habe – obwohl viel zu jung – ist folgende (eine sehr schöne wie ich finde): ein junges Mädchen geht am Abend des Freitags (also vor der Mittsommernacht) über sieben verschiedene Wiesen und pflückt sieben verschiedene Blumen, die sie sich in dieser Nacht unter ihr Kopfkissen legt. Und dann träumt sie von ihrem zukünftigen Ehemann...

Die Feierlichkeiten gehen übrigens am Samstag noch weiter, wo wieder getanzt und gelacht wird und bis spät in den Sonntag morgen hinein getrunken, gelacht und gesungen wird.


*‘*‘* Meine Erfahrungen *‘*‘*

Wie oben schon erwähnt war ich bis jetzt leider nur zweimal mit dabei, leider natürlich deshalb, weil diese zwei mal so absolut toll waren.

Beim ersten mal war ich ungefähr acht Jahre alt und wir (meine Eltern und ich) fuhren damals jeden Sommer in ein Haus ziemlich weit im Süden von Schweden. Das Haus stand in einem kleinen Dorf, das ungefähr 30 dieser für Schweden typischen Holzhäuschen umfasste. Hier sollte ich mein erstes Mittsommerfest feiern dürfen. Und es war toll!!!

Nachmittags irgendwann kamen alle bis dahin aus ihren Häusern geholten Menschen an unserem Haus vorbei. Die Männer trugen hierbei den schon fertig zusammengesetzten aber noch ungeschmückten Baum an allen Häusern vorbei. Wir schlossen uns den anderen an und sofort zeigte mir eine Frau, was ich zu machen hatte. Ihre Tochter nahm mich dann lachend und springend an die Hand, freute sich darüber, dass dies mein erstes Mittsommerfest sei und zog mich mit sich zum Wegesrand. Hier zeigte sie mir, was meine Aufgabe war: Blumen pflücken. Die Mütter waren für die Gräser zuständig, die Kinder für die Blüten. Sie hatte einen kleinen Korb, in den wir vorsichtig unsere Blumen hineinlegten und aufgeregt hin und hersprangen...

So zog sich dieser Zug durch das gesamte Dorf bis jeder einzelne aus seinem Haus abgeholt war und wir uns alle zusammen zum Platz bewegten, der inmitten des kleinen Örtchens war. Mit einer kleinen Tanzfläche aus Holz. Der Baum wurde so gehalten, dass wir weiblichen Wesen ihn problemlos schmücken konnten. Klasse! Und das war vor allem auch gar nicht so schwer. Immer wenn ich gerade ein Problem hatte kam mir irgendjemand zur Hilfe und zeigte mir, wie ich es besser machen konnte. Alle waren nett und hervorragend gelaunt. Für mich als Kind war das ein Zauber, den ich noch nie kennengelernt hatte.

Am späten Nachmittag stand dann der Baum, der mit Hilfe von mehreren Seilen und einem Pferd (!) aufgestellt wurde und schon kamen die ersten Bänke, Stühle, Geigen und Gitarren. Es war ein berauschendes Fest, das ich in meinem ganzen Leben nicht mehr vergessen werde erfüllt von soviel Zauber und Magie, das man in den Augen der Menschen überall Tränen sehen konnte – Tränen des Glücks!


Mein zweites Erlebnis mit Mitsommer war für mich ein ganz speziellen in zweierlei Hinsicht. Denn ich stand kurz vor meinem 10. Geburtstag und unsere Familie hatte gerade in diesem Jahr ihr ‚Gipfeltreffen‘. Das Gipfeltreffen findet alle 10 Jahre in unserer Familie statt (auf dem letzten war ich leider nicht, jetzt muss ich bis zu meinem 30. Geburtstag warten) und bisher auch immer an Mittsommer. Das besondere daran ist, dass diese Familie mit allen direkten und indirekten Verwandten mehr als 200 Menschen umfasst. Jeder bekam entweder ein rotes (direkte Blutverwandtschaft) oder ein blaues (angeheiratet) Armband und ich stellte das erste mal in meinem Leben fest, wie groß eine solche Familie sein kann. So richtig begreifen kann ich die Größe meiner Familie bis heute nicht, aber es war ein unvergessliches Fest. Ich kann mich daran erinnern, dass mein Großonkel seine 5 Hunde nach meinem Vater und seinen 4 Brüdern benannt hatte (der, der nach meinem Vater benannt wurde war der einzige, der bissig war... *g*).

Das zweite, was dieses Fest so besonders machte war die Lage. Denn ich war das erste mal in meinem Leben im nördlichen Mittelschweden, also fast Nordschweden und konnte dieses Phänomen von ‚Die Sonne geht nicht unter‘ richtig miterleben. Zwar konnte man die Sonne für einen Zeitraum von einer halben Stunde nicht sehen, aber trotzdem wurde es alles andere als dunkel....

Ein ewig langer Tag, genau das feiern die Schweden jedes Jahr wieder. Und je weiter nördlich man sich befindet desto mehr kann man dies auch nachvollziehen, es ist fantastisch. Ein 2 Stunden andauernder Sonnenuntergang, der dann gleich wieder in einen Sonnenaufgang übergeht. Herrlich, was die Natur uns so zu bieten hat...


*‘*‘* Mein Fazit *‘*‘*

Also für diejenigen, die schon immer mal nach Schweden fahren wollten kann ich nur raten, dies Ende Juni zu tun. Dies geht natürlich leider nur, wenn man keine Kinder hat, die zur Schule gehen müssen und – was auch sehr schwierig sein könnte – wenn man eine Unterkunft findet. Da die Schweden meistens selber in ihren Häuschen sind kann das unter Umständen zu Problemen führen, weiß ich aber nicht genau, weil ich ja einfach immer eine Wohngelegenheit habe...

Wer einmal diesen Traum von ewigem Tag unter keiner Nacht, die Magie der Freude und des Lachens mit Tränen in aller Augen sehen möchte, wer ausgelassen feiern will, Matjes mag und Erdbeeren liebt... fahrt nach Schweden, guckt es euch an, feiert mit. Jeder Tourist, der hier dabei sein will wird freudig aufgenommen, denn auf dieses Fest ist jeder Schwede stolz!

Jetzt beim Schreiben habe ich richtig Lust bekommen, endlich mal wieder dieses Fest miterleben zu dürfen. Vielleicht sollte ich mir das überlegen, ist ja bald und weit ist es von Hamburg ja auch nicht. Na, ich werde ich es euch dann berichten.

Ich freue mich über jeden Kommentar, sei er positiv oder negativ. Vielleicht treiben sich hier ja noch andere Schwedenliebhaber herum???

Eure Sandra




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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
benita123

benita123

19.12.2009 15:53

Schweden verbinde ich immer mit ABBA.. Ich liebe ABBA -also Schweden = ABBA und umgekehrt *g*:)..In schweden war ich noch nicht, ist nicht meine richtung; da es aber historisch mit den alten germanen verbandelt ist, mag ich es irgendwie *g*.

benita123

benita123

19.12.2009 15:45

Ich LIEBE Sommer, das tat richtig gut, zu lesen bei -14 °C hier; da wird einem richtig warm; mir kann der sommer nicht lange und die sommertage nicht langgenug sein; ich celebriere das auch sehr..FREUUUUU mich schon auf den nächsten :)

badijah

badijah

23.05.2007 15:16

Schöner Bericht zum Mittsommer - hat mich direkt inspiriert, selbst einen zu schreiben - denn der Mittsommer in der Umgebung von Stockholm wird nicht ganz so traditionell gefeiert, wie Du ihn in Erinnerung hast :-)

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